das Ergebnis der Erhebungen über die-Nerhältnisfe im Bäckergewerbe.
Berlin, 14. Januar. Die Budget - Commission des Reichstags setzte heute die Berathung deS EtatS des südweslasrikanischen Schutzgebiets fort. Geheimerath Kayser rechtfertigte eingehend den Standpunkt deS auswärtigen Amtes gegenüber der Darnaraland - Concession. Die Abgeordneten Sclpio und I)r. Hammacher bekämpften denselben. Staars- secretär Freiherr Marschall v. Biberstein hebt hervor, der Vorwurf, daß bi« deutschen Interessen geschädigt seien, wäre völlig unhaltbar. Deutsches Capital sei nicht dagewesen für Südwestasrika. Südwestafrika solle nie aufgegeben werden. England habe auf alle Ansprüche verzichtet. Der Besuch des Gouverneurs des Caplandes in Berlin sei ohne Beziehung zu den Abtretungsplänen Englands. Der Gouverneur habe vielmehr die deutsche Entwickelung in Südwestafrika gelobt und sich überzeugen müssen, daß die Reichsregierung Südwest, afrika nicht aufgeben wolle. Der Etat wird sodann genehmigt. Auch der Reichszuschuß für Deutschostafrika wurde alsdann bewilligt.
Köln, 14. Januar. Das Eisen- und Stahlwerk der Gebrüder van der Zypen in Deutz ist, wie die „Kölnische Zeitung" meldet, wegen Kohlen mangels größten# theils außer Betrieb gesetzt. Gegen dreihundert Arbeiter sind dadurch beschäftigungslos geworden. Weitere 150 Arbeiter werden ihre Beschäftigung verlieren, wenn die Stockung der Kohlenlieferung nicht in den nächsten Tagen gehoben wird. — Aus Essen wird der „Köln. Ztg." von heute gemeldet: In einem Rundschreiben des bergbaulichen Vereins werden die Zechen dringend ersucht, von den einschlägigen Paragraphen der Arbeitsordnung ausnahmslos genauesten Gebrauch zu machen, ferner keinen Arbeiter anzu- nHrnen, der wegen Betheiligung am Ausstande auf einer anderen Zeche entlasten ist. Dieses sei um so leichter durchführbar, als kein wirthschaftlicher Nachtheil entstehe, wenn die Kohlenförderung längere Zeit wesentlich beschränkt würde.
Dortmund, 14. Januar. Wie die „Rheinisch-Westfäl. Zeitung" meldet, haben die Zechen „Zollern" und „Germania" gemäß § 3 der Arbeitsordnung über tausend Arbeiter entlassen. — Die „Dortmunder Union" nimmt am Montag ihren Betrieb im ganzen Umfange wieder auf.
Esten, 14. Januar. Im Essener Revier ist wieder eine Abnahme der Strikenden, im ganzen Kohlenrevier eine Verminderung der Ausständigen um etwa 2500 zu verzeichnen.
Esten, 14. Januar. Auf der Grube Gustav wurden bei der heutigen Frühschicht, als von der 600 Mann zählenden Belegschaft 190 am Strike beteiligte anfahren wollten, diese abgelegt. Auf Carslus Magnus erhielten von 700 Bergleuten 300 Abkehr. Ballmann, der Führer des Essener Reviers, wurde heute früh auf Grund des Paragraphen 110 verhaftet. Der Aus st and nimmt stetig ab, es striken noch etwa 15 500 Mann. Auch auf Grube Zollern und Germania wurden viele Bergleute abgelegt.
St. Johann, 14. Januar. Gestern fand in Bildstock eine Versammlung statt, welche schwach besucht war. Der Maschinenwärter Konrad von der Zeche von der Heydt wurde auf dem Heimweg von der Schicht durch eine Revolverkugel an der Schulter verwundet. Heute sind 21840 Mann, 3246 mehr als gestern angefahren.
Saarbrücken, 14. Januar. Heute sind 21,840 Mann angefahren. Auf den Jnspeetionen Jnsdorf, Heinitz und Neunkirchen arbeitet alles. Die gestrigen Versammlungen in Bildstock und in der Ritterstraße waren nur schwach besucht. Der Strike neigt dem Ende zu.
Ehemnitz, 14. Januar. Infolge Schneeverwehungen sitzt der heutige erste Eisenbahnzug von Riesa bei Mittweida fest, ferner der erste Zug von Reichenbach bei Neumark. Auf den Linien Leipzig-Borna-Chemnitz und Leipzig-Limbach erleiden die Züge eine mehrstündige Verspätung, die Strecken Zwickau« Stern und Freiberg • Halsbrücke sind vollkommen gesperrt.
Mannheim, 14. Januar. Wegen des starken Eisganges mußten sämmtliche auf dem Oberrheine befindlichen Schiffbrücken abgefahren werden, so daß Bahn- und Fuhr- verkehr theils beschränkt, theils eingestellt worden ist.
Hamburg, 14. Januar. Heute kamen hier zwei Fälle von Cholera vor, wovon einer tödtlich verlief.
Hamburg, 14. Januar. Bei einem von London zugereisten polnisch jüdischen Auswanderer und bei einem zwei Monate alten Kinde ist durch die bakteriologische Untersuchung heute Cholera eonstatirt worden.
Arr-land.
Paris, 14. Januar. Das neue französische Sabinet ist nunmehr endgiltig conftituirt und erweist eS sich folgendermaßen zusammengesetzt: Ribot, Präsidium und Inneres- Oevelle, Aeußeres- Bourgeois, Justiz- Tirard, Finanzen- Loizillon, Krieg- Dupuy, Unterricht - Diger, Acker* bau- Siegfried, Handel- Vielte, öffentliche Bauten und Admiral Reinieur, Marine und Colonien. Von allen Seiten wird dem neuen Ministerium ein ungünstiges Horoseop gestellt und ihm eine nur kurze Lebensdauer prophezeit, freilich würde ein Rücktritt deö zweiten Cabinets Ribot die gleich- zeitige Kammer-Auslösung wohl unvermeidlich machen. Sehr bedenklich ist eß, daß die Wühlereien gegen den Präsidenten Carnot in der Panama-Affairc fortbaucrn. Die Vorstände der republikanischen Senatsgruppen haben deswegen dem Cabinetßchef Ribot bereits ihre Beunruhigung ausgesprochen, allerdings zugleich versichernd, sie würden bie Bestrebungen, diese verleumderischen Angriffe auf daß Staatsoberhaupt zurückzuweisen, kräftigst unterstützen. Inzwischen ist am Freitag daß Zeugenverhör im Panama Proccß geschlossen worden und zwar mit einem kleinen Knalleffect. Karl Lesseps nannte nämlich aus Ersuchen deß Präsidenten als denjenigen Journalisten, der von der Panama-Gesellschaft BonS im Betrage von 50000 Freß, erhalten habe, den Chefredacteur des
„GauloiS", Arthur Meyer, welche Aussage bei der angesehenen politischen Stellung dieses Blattes nicht geringes Aufsehen erregt.
Paris, 14. Januar. Der „Figaro" bringt einen Sensationsartikel, worin der sofortige Rücktritt Carnots gefordert und derselbe formell angeklagt wird, seit Langem den Panamascandal in seinem ganzen Umfange, die Namen aller Schuldigen, sowie die Manöver gewisser Minister gekannt und stillschweigend gebilligt zu haben. Die Untersuchung und der Proceß hätten Carnot ebenso blosgestestellt wie die formell Angeklagten. Das Blatt fordert Erklärungen CarnotS in einer Botschaft, seinen Rücktritt und Ersetzung durch einen commandirenden General, welcher die Kammer auflose und Neuwahlen vornehme.
Paris, 14. Januar. Wie der „Ftgaro" meldet, wäre durch die gerichtliche Voruntersuchung in der Panama- Angelegenheit festgestellt worden, daß JuleS Roche in keiner Weise belastet sei. Das gegen denselben eingleitete Verfahren werde eingestellt werden. — Dem „XIX. Stöcle" zufolge hätte Bai haut zugestanden, von der Panarnacanal- Gesellschaft eine Million Francs verlangt und 375,000 Fr. erhalten zu haben. Die Morgenblätter kündigen neue Verfolgungen und Haussuchungen an.
Wilna, 14. Januar, lieber die Ursachen des Rücktritts beß Generalgouverneurs von Litthauen, Kochanow, verlautet, es seien in seinem Departement bedeutende Unterschlagungen vorgekommen, unter Anderem fehlten für das Murawiewdenkmal gesammelte 15000 Rubel. Infolgedessen wurde die Amtsführung Kochanows bemängelt.
Birmingham, 14. Januar. In einer heute stattgehabten Bergarbeiter-Conferenz wurden Delegirte für die internationale Vereinigung der Bergarbeiter in Brüssel, für den Arbeitercongreß in Chicago, für den Congreß der TradeS- Union und für den internationalen Congreß zur Einführung des Achtstundentages ernannt.
Deutscher Reichstag.
21. Sitzung. Samstag, 14. Januar 1893.
Elngeqangln: Weißbuch über Samoa.
DieBeralhung der NothstandS-Jnterpellation wird fortgesetzt.
Abg. Hitze (Ctr.): Nach der zweitägigen Debatte und nachdem zwei der Interpellanten gesprochen, sei ihm der Zweck der Interpellation noch nicht klar geworben. In verschiedenen Producttons- zwetgen bestehe ein Nothstanb, ber von keiner Sette geleugnet werde, aber practische Vorschläge zur Begegnung deß Nothstandes hätten die Interpellanten nicht gemacht. Ein Recht auf Arbeit erkennen seine (Redners) Freunde nicht an, wohl aber ein Recht auf ein Existenzminimum. Die Eismbahnoerwaltung habe gerade in solchen Zeiten, wie die jetzigen, die Pflicht, von Arbeiterentlassungen möglichst ab- zufehen. Die Forderung des Moximal-ArdeitStageS werde hoffentlich noch allgemeine Sympathie finden. Der von den Socialbemokraten geforderte Achistundentag würde eine Lohnherabsetzung zur Folge haben oder unserer Industrie den Wettbewerb auf dem Weltmärkte unmöglich machen, worunter wieder die Arbeiter leiden müßten. Die wichtige Frage sei eine Regelung der Production in ihrem Ver- bältniß zur Eonsumtion. Er bedauere, daß es den verbündeten Regierungen bis jetzt nicht möglich geworden ist, die Sonntagsruhe für die Großindustrie und daß Handwerk durchzuiühren. Die Soctaldemokraten hätten bisher Alles abgelehnt, was im Interesse der Arbeiter gefordert wurde; hätten sie die Mehrheit gehabt, so würden wir heute noch um keinen Schritt weiter sein, wie vor zehn Jahren. Von der Soctaldemokialte hätten die Arbeiter nichts zu erwarten. Das Coaltttonsrecht müsse weiter ausgebaut, nicht beschränkt werden. Die von den Soctaldemokraten empfohlenen Arbeitsbörsen könnten die Nachfrage nach Arbeit nicht vermehren, sie könnten aber leicht zu Lohndruck führen. Es sei nicht besonders nobel von Barth gewesen, den Panamascandal gegen die Schutzzöllner zu ver- werthen; ebenso gut ließe sich derselbe gegen die Juden aussptelen. Gerade die heutige wirihschastliche Lage spreche für die Nolhwendtg- keit des Schutzzolls. Die Arbeiter im Saarrevier hätten ihre Sache von vornherein discredtttrt, indem sie solche Führer an ihre Spitze gestellt wie Marken und Genossen. Er freue sich, daß auch die Soctaldemokraten jede Gemeinschaft mit diesen Leuten ablehnten. Redner vertheidtgt feiner die Institution der Lohnhauer, die durch die neue Arbetttzoidnung geschaffen worden, gegenüber Auer, und bittet schließlich die Regierung, wenn der Friede zurückgekehrt ist, die erhobenen Beschwerden wohlwollend zu prüfen. (Beifall.)
Abg. v. Kardorfs (Rp.): Der Nothstand bestehe in erster Linie bet der Bevölkerung des platten Landes, die seit Rücktritt des Fürsten Bismarck auf Drängen der Linken schwer geschädigt worden sei und zwar durch Aufhebung der Viehsperren, Aushebung detz Verbotes der Einfuhr amerikanischen Schweinefleisches, Aushebung der Zucker-Export-Prämte und durch die Handelsverträge. Dazu werde die Reaierung noch dazu gedrängt, auszuheben da«, was verrückter- weise die „Liebesgabe an die Branntweinbrenner" genannt werde. Man spreche von Ersatz des Roggens durch den Weizen. Unsere Hauptnahrung müsse Roggenbrot) bleiben, weil wir Weizen aus dem Auslande beziehen müssen. Den Forderungen der Landwirthschaft gegenüber verhalte man sich ablehnend, so in Bezug auf die Währungs- fragc. Die Schädigung deß platten Landes berühre unsere Wehrkraft, zu der das platte Land das größte Kontingent stelle. Stände Bebel einem Etablissement wie dem Stumm'schen vor, so würden die agitirenben „Jungen" gewiß viel schneller herausfliegen, als social- demokratische Hetzer bei Stumm. Zwischen Arbeitern und Arbeitgebern bestehe eine Harmonie der Interessen, welche die Socialdemo- kraten zu stören bemüht seien. Diesen Störungen müsse entschieden entgegengetreten werden.
Abg. Dr. Hirsch (dsr.) verurtheilt den Saarbrückener Strike; durch Mittel, wie die von Stumm, Grafen Kanitz und v. Kcndoiff empfohlenen, würde man aber nur Oel ins Feuer gießen. Wenn Saisonarbeiter zeitweilig feiern ober wenn in einem durch Einführung der Maschinenarbeit untergehenden Erwerbszweig ein dauernder Nothstand herrsche, so könne doch noch immer von einem allgemeinen Nothstand nicht die Rede sein. Der Klage des Großgrundbesitzes könne leicht abgebolfen werden; der Großgrundbesitz möge nur parcelltren. Die practische Ausführung der Bestimmungen über die Arbeitsordnungen entspreche den gehegten Erwartungen nicht. Man sollte bet Aufstellung der Arbeitsordnungen auf die Wünsche der Arbeiter mehr Rücksicht nehmen; bann werde auch bei unseren Brüdern und Schwestern die M ßsttmmung schwinden.
Abg. Möller (natl.) hofft, daß sich die Regierung wie an der Saar so an ber Ruhr einer Einmischung enthalten weide. Der Strike an ber Ruhr sei noch viel ungerechter als ber an ber Saar. Tausende von Arbeitern tden übeiflütsig; sie seien nur beschäftigt worden, um sie nicht entlassen zu müssen. Werden sie nach dem Strike wieder Aufnahme sinden können? Die Führer deS Rubr- ftrikes haben eine gewaltige Derantwoiilichkcit übernommen. Die Löhne im Ruhrgebiet seien nach denen an der Saar die nächst, höchsten. Redner wendet sich dann gegen die Ausführungen ber Socialdemokraten. Arbeitgeber und Arbeiter arbeiteten beide; eß bandle sich nur um den Anthetl, den der eine ober der andere an ber Arbeit habe. Wenn der Erstere nicht Arbeitsgelegenheit schaffe, so gebe eß keine Arbeit für den Arbeiter. Auch gewissen social
politischen Forderungen Hitzcs könne er nicht zustimmen; biefdbat feien illusionär.
Minister Frbr. v. Berlepsch legt den Ausführungen Möller« gegenüber bar, daß sich die Löhne an der Saar und an der Ruhr in den letzten Jahren stets in gleichmäßiger Richtung bewegten.
Abg. Wlffer (wild): D r Nothlage ber ländlichen Bevölkerung helfe man nicht durch Aararzölle sondern durch Aufhebung der Zndustriezölle ab. Tb Schuld an der Entwickelung des platten Landes und der Ueberoölferung ber Städte trage ber ProteclionlSmuG. Man hätte die Fideicommisse aufheben sollen, bann würde sich ein klästiges Kl inbaurrn'bum entw ckelt haben.
Abg. DreeSbach (Soc.): Die Regierung erkenne nur einen Nothstand an: den Mangel an Militär. Der wirthschaftliche Nothstand sei aber conftatirt in den Berichten Der Fabnkinspectoien, in ber Etatsrede des FmanzministerS Dr. Miqu-l und in den Ber- fammlungen der Arbeitslosen. Zur Unterdrückung des NothstandeL müßten Gemeinde, Einzeistaal und Reich eintietrn. Der Arbeitstag sei abzukürzen. Die Landwirthschaft würde Arbeiter genug haben, wenn sie dieselben ordentlich bez chle und wenn sie menschenwürdige Zustände für die Arbeiter her stellte. Freilich hätten die Arbeiter trotzdem keine Neigung auf das Land zurückzukehren, wo man sie in den Gemeinden gar nicht wolle und Alles thue, um sie, bevor sie den Unterstützungswobnsitz gewonnen haben, abzustoßen. Daß Armen- wesen müsse Reichsfache werden. Man behauptet, daß bei achtstündiger Arbeitszeit die Production leiden würde. Das fd nicht der Fall. Es werde dann aber ein Theil der industriellen Reseroea.mee in Action treten. Er erinnere nur an daß groß: Heer von Vagadonden, daS angeblich die Landstraßen fülle. Diese Vagabonden seien ordentliche Arbeiter, die gern arbeiten wollten, wenn sie nur 31bett erhielten. Es sei ein Skandal, daß in der StaatSindustlie Arbeiter, die über 40 Jahre alt, nicht mehr angenommen würden, wählend die Altersrente erst vom 70. Lebensjahr ab gezahlt werde. Die führende Rolle In dem Strike des Saarreoiers liege im ultramontanen Lager. Für die Socialdemokrat.e könne keine bessere Agitation getrieben werben, als die Verbreitung der Stumm'schen Reden unter den Arbeitern. Je brutaler man die Streikenden und ihre Führer behandle, desto näher rücke man ber Gefahr erneuter Krise. Der preußische HandelSminifler erkenne das Coaltttonsrecht formell en, aber die practliche Bethätigung desselbm werde verhindert, so in den letzten Tagen bei den Verhandlungen Arbeitsloser in Schöneberg. Man tadle die Unzufriedenheit der Arbeiter. Wer sei denn zufrieden? Die Retchßregteiung — sie verlange mehr Steuern und mehr Soldaten. Die Landwlrthschasl — sie beklage sich fortwährend. Der Arbeiter allein soll zufrieden sein und abwarten, bis man ihm etwaszugehen lasse! Nein, der Arbeiter habe die Psticht. unzufrieden zu fein, denn nur dadurch bessere er feine Lage. DieSocialdemokraten würden auch einem neuen Socialtsten- gefetz gegenüber ihren Standpunkt behaupten.
Staatsfecretär v. Bötticher: Bieber habe man angenommen, daß eS Aufgabe ber Leute, bte im öffentlichen Leben stehen, sei, bie Zufriedenheit zu fördern. Die Socialdernokrateir oerfünbden officiell baß Gegentheil. Die Bezuznähme auf bie Berichte ber Fabrikinspectoren gegen seine (RebnerS) Angabe über eine Jn ber letzten Zeit einaetretene Besserung fei hinfällig, ba sich bie Berichte auf bas Jahr 1891 beziehen. Ein Widerspruch mit d u Ausführungen beß preußischen FinanzministerS bestehe nicht. Im Königreich Sachsen sei auf Grund amtlicher Erhebungen fast in allen Zweigen ber Jn- bustrie eine Besserung elngetrden. Unzutreffenb sei auch, baß bte Durchschnittslöhne sallenbe Tendenz bekundeten. Die Armenpflege auf daß Reick zu übertragen, sei nicht angängig. Die Armenoersorgung müsse locallfirt fein.
Die Debatte wird geschlossen.
Uwcfk Nachrichtens»
Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.
Metz, 15. Januar. Auch hier sind große Schnee - Massen niedergegangen. Die Züge aus Frankreich treffen mit großen Verspätungen hier ein.
Paris, 15. Januar. In einer zahlreich besuchten Versammlung, welche von einer Gruppe foctaltslischer Deputirteq auf gestern Abend nach dem Tivoli-Vauxhall einberufen war, wandten sich mehrere Redner in heftigster Weise gegen die Vorgänge in der Panama- Angelegenheit. Nach längeren Verhandlungen über andere Fragen genehmigte die Versammlung schließlich einstimmig einen Antrag auf Erlaß einer allgemeinen Amnestie.
Depeschen deS Bureau „Herold".
Esten (Ruhr), 15. Januar. Die heutige Bergarbeiter- Versammlung wurde gleich nach der Eröffnung aufgelöst, als ein Bergmann die Bekanntmachung des Vorsitzenden von der Verhaftung Ballmanns mit „Pfui" beantwortete. Die Anwesenden verließen ruhig den Saal.
Amberg, 15. Januar. Der Reichstags- und Landtags- abgeordnete Hilpert ist heute früh hier gestorben.
Paris, 15. Januar. Carnot soll erklärt haben, er werde seinen Posten unter feinen Umständen verlassen. Ribot soll sich in den CouloirS der Kammer ausgesprochen haben, bie Regierung werde nach der Bewilligung deS Budgets die Auflösung der Kammer ernstlich erwägen.
Paris, 16. Januar. Die allgemeine politische Situation wird immer comöltcirter. Die hervorragenden 'Provinzblätter unterschätzen die Angriffe gegen Carnot. Im Elysee kam eS gestern zu heftigen ©eenen zwischen Carnot und Ribot. Carnot fordert schnellste Beendigung des PanamascandalS.
Paris, 16. Januar. Ribot ließ den Correspondente» der Budapester Zeitung „Pesti Hirlap" verhaften und ordnete dessen Ausweisung an. Ferner ließ er die Ber treter eines deutschen und eines italienischen Blattes auS- weisen, weil dieselben behauptet haben, Mohrenheim habe Panamagelder empfangen. Ribot suchte Mohrenheim persönlich aus und drückte ihm wegen der Verläumdungen sein Bedauern aus.
Paris, 16. Januar. Die Gattin beß Baron Reinach lehnte besten Erbschaft ab.
Cocales unb provinzielle*.
Gießen, 16. Januar 1893.
— Empfang. Seine Königliche Hoheit ber Großherzog empfingen am SamStag u. A. den RegicrungSrath Dr. Mellor von Gießen und den Rentamtmann Schäfer von Niddcü
— Gelegentlich des gestrigen KrönungS - undOrdenß- festeS sind u. A. nachbenannten Personen die hier bezeichnete» Otdens-Auszeichnnagen verliehen worden. Es erhielten: Den rothen Adler-Orden erster Klasse mit der Königlichen
Krone: Fürst zu Solms-HohensolmS-Lich zu Lich und zu Hohensolms.
Den Rothen Adler Orden zweiter Klasse mit Eichenlaub und Schwertern am Ringe: von Igel, General Major


