1893
Mittwoch den 16. August
srr. 191 Zweites Blatt.
8ierttliäbtigrt
S-rnjprtch-r M-
Rebachon, Lxprb«—» und Drucker«:
2 M.rt 26 W ort* vringerlobn.
Lurch dir Poft bt|6<w
2 Wart 50 9fr.
Drr
|Mnn
-rsch«»1 tS-lich. gtt Uusnahmr bei Montags.
Gießener Anzeiger
Keneral-Mzeiger.
Die Gietzrner teelH<eir»U<t «erben drm Anzeiger stzchentlich brtimel brtedt|L
Aints- und Anzeigeblntt für den Atveis Gietzen.
chratisveitäge: Hichener Aamitienblätter.
18.
UUV Jjfcvfc». ----- I----- - OA . I,
schreitung der Vorschriften kamen noch Strafen von 2U bis
^rkratij.
. Giessen
tetzger.
.nzeigefc
Ullr Annoncen-Burraux des In- und Auslanbes ncho« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger- entgegen.
786.
DH. 320,000,000. urch zur öfjenllii- ijesellschaft für te
tur
curanz-Loeieti
» Md Sief! 6tt® Suflem t den Unn
Halle ich mich,v wie, übet Hunde
Annihme wen Anzeigen zu der Nachmittag» für den s.lgenden Lag erscheinmden Nummer bis Borm. 10 Uhr.
— - » — das sich heute noch die Sachsen-
Häuser von den Meßftemden „vergulden lasten — 20 Gulden
b^Trötz dieser ungünstigen Bedingungen kamen die Schau- spieler im folgenden Herbst wieder und so alliahrlich bis zum 30jährigen Krieg. Daneben kam zur Ostermeste noch eine französische Gesellschaft. Sie durfte nicht mehr wie einen halben Albus von einer Person nehmen undsollteinur an einem Orte spielen, an dem „Niemand beschwert
1 W)t ab, aus i le)- 70:
deürhltl.
eher Hausarbeit dun
:n, wird per 1- & u L-bn zu midben - die 6?peb' »•
p°stti°en^P°?Sau°<rst°ff und W°r. Jnfolg- 6ct ‘UC"°‘ lytischen Zerlegung scheiden sich die festen Körper au, werden oxydirt und von dem an der negativen El-ctr°de sich entwickelnden Waflerstoffgas an die Ob-rflach- der Flüssigkeit getragen. In dem Maße, als dann spater das WasierstofsgaS entweicht, setzt sich der Schlamm in compacte» Form zu
Das »Niemand beschweren« war -in- harte Psi'ch'- J den Hütten am Römerberg sanden sie wegen der übrigen Weßsremden nicht Platz und n'cht Schutz genug S°flüch.-'°n detzhalb in die Höfe von der „Sanduhr und dem //Krach- dein" in der Fahrgäste (später „Könrg von England , vor Kurzem noch Sitz des Oberlandesgerichts), in die Bäuerische Behausung an der Zeil (heute Brauerei von »ethen-L-tephan) und in den „Pfuhlhof" (hinter dem „Weidenbusch m der | Töpfergasse, nahe dem Goetheplatz). Als eine Gesellschaft in de/ Karpsengaste im „Gläsern Hof" (in den etzten Jahren Polizeibureau) zu spielen versuchte, wehrte sich die ganze Nachbarschaft gegen das „liederliche Comödia^nten- Gelicht". Als die Ganerben vom Hause Limpurg ihnen den Nürnberger Hof" überliehen, brach eine Cmeutc der Nachb" Und als -in. Gescllschaft in d-r Tsng<£ goss- -in. Haus gemietet hatte, ließ der Ruth durch - Baumeister untersuchen, ob durch den Bau einett Schauhütte nicht die dahinter liegende Stadtmauer gefährdet wurde
DaS Entree wurde zwar allmählich von einem HlbuS rcss ‘ä r...s ES. V-VÄTSf Wä
venntschte»
• Bo« Rhein, 10. August. Einem auf der Rh-inr-ise befindlichen jungen Ehepaare wurde gestern in der Nahe von 'St Goar ein- seltene Ueberraschung zu Theil, .ndem M Sord des V-rgnügungsdamps-r« di- Frau von einem jungen Weltbürger entbunden wurde.
» Slettrische Remignug eon Abwafiern in Städten. Da in vielen Städten di- Klärung der Canalifattons- und schl-ufi » wasser -in-Frage von grotzer Bedeutung ist, fo tnag ta»mm Webster in Bradford, in Salford und in einem Theile Londons Ärt" «ersahren, solch- Abwäff-r mit Hilf.
ju reinig-n, in Erinnerung gebracht werden. Webster leitet da, unreine Kloakenwasser durch zwei Reihen von l- sechs n-k-n-inanderli-g-nd-n, »«hältnifimästig engen Eanalen, m denen negative Electroden und positive Electroden aus Eisen, Kohl- oder anderem Material, b-id- v°n b°deut-nd°r Ober- fläch-, sich befinden. Durch die ungefähr zehn Minuten
dauernde Einwirkung des -le-mschen ^troMs wird das mit stickstoffhaltigen Substanzen und mit ‘
scht-denst-r Provenienz geschwängerte ^o°k-nwaffer zerleg electronegativen Pol Ammoniak, am Infolge der electro-
belleltt aber in der vollkommenen Durchsichtigkeit. Auch Ge- Gewächshäusern mit Glasscheiben.
. D-r stärkste Krohn der Welt. In GlaSg°w b-find-t sich auf dem Kai Finnifton feit Kurzem em Dampskrahn, der iu der stärkste der Erde gilt. Rach -'nem Berichte des Intern. Patentbureau von H-imami u. G'c- 6cben
dieser Krahn Lasten bi- zu 150 Tonnen (^0 000 Kfi-) h-b--- ffr fefhft ist 370 Tonnen schwer und bewegt sich aus sSrtss ä»»
Feuilleton.
glitt Comödisnten-Ge schichten.
von Heinrich Becker, Frankfurt a. M.
(Nachdruck untersagt.) I
Von dem alten Demodokos, dem blinden Sänger der I PhLaken, erzählt Homer: Gr sah an einer Säule, getrennt ton den Anderen, an einem Tischchen. Wadjbem er die Daten der Achater vor Troja besungen, waren alle Phaaken ton Staunen und Schrecken ersaht. OdysteuS aber, dem göttlichen Dulder, rannen die Thränen in des Mantels pur- turne Falten. Er stand auf und sprach: „Weil Du, DrmüdokoS, der Achaier Thaten so herrlich besangest, drum nimm und th und freue Dich der Gabe, die ich Dir spende. Sprach- und brach daS Stück vom Rückgrat des weißzahnigen Schweine-, da- der Herold ihm hatte gegeben, mitten entzwei uni) reichte dem Demodokos die eine Hälfte. DemödokoS aber I sieute sich darob und ah. , - ... I
Ein Schelm gibt mehr al- er hat- OdysteuS aber hatte damals nicht mehr. ES war genug, wenn er die Hälfte von feinem Vermögen spendete, und war mindestens so viel werty als daS, waS ein Schauspieler vor hundert und mehr Jahren daoontrug, nachdem er in der freien Reichsstadt Frankfurt den Renner Achilleus auf den Brettern agirt hatte, oder den grimmen Ajax, oder den Städteeroberer OdysteuS.
Ein Frankfurter Verein hat vor einigen Jahren eine Geschichte der Frankfurter Schauspielkunst heraus- aeaeben. Sie ist von einer Frau Menzel versaht. ES swd Abschriften und Auszüge von Rathsprotokollen und I anderen Actenstücken- immerhin sür den kritischen Leser lehrreich genug. Denn er sieht, wie hoch gebildet unsere Alt. 'vi.rdern vor wenig Menschenaltern schon waren, nachdem ihre gcrmanischen Vorgänger ohne Homer, Herodot und Easar den Siubm von Städte-Verwüstern sich errungen hatten.
AuS diesem Werke erfahren wir, dah die ersten Schauspiele zu Frankfurt im Stift des heiligen Bartholomaus ausgeführt wurden. Die KrvnungSkirche (der Dom) mit ihren «ceuzgängen bot die Bühne und den Zuschauerraum. Die kostete nichts - die andere Ausrüstung bezahlte das Stift. Die geistlichen Scholaren agirten, ohne Entgelt- eS galt allein um die Ehre. Vor der Kirche, auf dem Domplatz, oder Römerberg, wurden Bretterhütten aufgestellt ähnlich den Mehhütten, die heute noch zu fehen sind — ein paar Pfosten trugen ein Schaugerüst, ringsher Bretter .ober Leinwand, daS war die Bühne. Auf dem wetten Platz, an den Fenstern der anstoßenden Häuser standen die
Vorstellungen.
Mit diesem Rest sollte die Gesellschaft einen Monat n Frankfurt und einen Monat auf der Reise leben. (Bon Köln nach Frankfurt, von da nach Nürnberg, Kastel oder Leipzig.) Die Gesellschaften hatten 10—15 Schauspieler, 7—8 Musiker (eine kam mit 19 Schauspielern und 15 Musikern hierher), dazu die Frauen und Kinder. 6-8 Pferde brauchten sie -um Transvort. Unterwegs — bei dem Mangel an ^glichen Steinstraßen — brachen in den Hohlwegen die Achsen und Räder - dann wuchsen die Ausgaben in das Endlose. Rechnen wir dem Gelde auch einen fünffachen Werth zu, dann war dies knapp soviel, daß sie - nach Art der heutigen Zig-uner, Gaukler und Postenmacher - von Ort zu Ort sich fon jchl-p^kvam-u.- |dMt au8/ Vicht -inmal j-n- knapp? Einnahm- emidjt, dann brach ,-d-r Halt d-r G-i-ll sckait rusammen. Sie mußte ihre Garderobe, ihre Deco raiivn-n v7rpfänd-n und mit Pf-rd und Wag-N b's zur nächst-n Stadt fahren, dort Pf-rd und Wag-N vnp^nd-" und di-Gard-rvb- an-köf-n, damtt si-fpi-i-n mt bte W«bt ausiäf-n könnt-. Nachd-M si- Könrg- und H-ld-n g-fpi-tt und ihre Zuschauer ergötzt hatten, zogen sie als Bettler aus der Stadt, von glimpflichen Nachrufen begleitet, um die fein Zigeuner, Gaukler und Taschenspieler benechete.
Raib aber nahm — anstatt der „Verehrung _ fetoe 15-20 Procent Steuer, unbekümmert, wie die Leute das Leben fristeten. Er calculirte, wie w- Jahre I 1863 ein Frankfurter Stadtverordneter: „So lange man nnrh SRrüb und Salz versteuert, müssen auch die Zeitungen Ä’ »XX« e« d-n
Jeder, der sich diesen erlaubt, auch bezahlen mag.
93°bt» wiLserne Bausteine. Eine neue Art von Bausteinen aus Gl^,dnen ^allgemeiner Einführung kaum etwas mr Wege stehen dürfte, hat ein Franzose dramenS Falcenier erdacht
wurst dem schaulustigen Publico produeirte. Auch hier gab I
es ein „Trinkgeld" vom Rath, vom Comthur und anderen Hauser von de° Meßftem-... -.(g Reichs-
Mäcenaten, wenn unter der Maske deS Ahab, AhaSveruS u^ f- w. . Ln dazu eine Vorstellung für
oder Mardochai ein angesehener Mann auS der Bürgerschaf th» le „ 9 eine für die Stadtarmen. Bei lieber-
oehänselt wurde. c . I , v ö -..... -- • on
An der Wende deS 16. und 17. Jahrhunderts kommt \
eine Gesellschaft auS London nach Frankfurt. Ob sie mit I 50 Thalern Hinz . und unter Shakespeare agirt hatte, wird nicht erzählt. Wie viel indesten die RathSfrennde zu Frankfurt von Shakespeare wußten, können wir auS „Hermann und Dorothea" errathen, die Goethe zweihundert Jahre später „in ueuin Delphini“ verfaßte: „Nicht wahr, mein Freund, Er kennt nur Adam und Eva?" Sie werden als »kdlttglich I engelländische Hof^Comödianten" zum Spiel auf der Messe zuaelassen. Der Rath steht eine Probe-Vorstellung, dann erlaubt er daS Spiel mit dem Beding, sie sollten „von den Jungen nicht so viel nehmen, wie von den Alten. De Taxe wird gesetzt für die Jungen einen halben, für die Alten einen ganzen Albu- (4 und 8 Pfennig)^. De Rathsfreunden wird gestattet, daS Schauspiel zu besuchen.
I Man hielt es für anständig genug, trotzdem in den Pausen der Clown seine derben Späste machte und zum Schluß, nebst allerlei Gaukelspiel, auf dem Seile getanzt wurde Eine „Verehrung" oder „Trinkgeld" erhielten diese Schauspieler nicht. Im Gegentheil, sie mußten, gleich den Übrigen Meßleuten, ein „Stand geld' in das Aerarmm zahlen, dazu eine Vorstellung für die Armen geben. Die Buchdrucker und Schustergesellen spielten umsonst, deßhalb b-kam-n si- ein Trinkg-id. Di- Schaufpi-i-r ab-r „d°b-n Geld auf"- davon mußten sie ihren Tribut an die Stadt
Don diesen harten Bedingungen ward nur selten abgegangen. Wenn eine Gesellschaft zu geringe Einnahme hatte, durch schlechten Meßbesuch oder ungünstiges Wetter (bet offenen Lösen!) oder wenn die Prima-Donna, auf welche große Hoffnung gesetzt war, durch zufällige Eretgniste an dem Betreten der Bühne gehindert war, dann hatte der Rath ein ^ge Einsehen und ließ den ganzen oder ein Theil von dem Betrag für das Aerar nach. Wo er aber nachließ, da mußte der Wirth zum „Krachbein" — der sonst zu viel Profit gehabt hätte — für den Ausfall aufkommen.
Der Hof im „Krachbein", in der „Sanduhr", der „Nürnberger Hof" u. a. sind heute noch in ihrer alten Fa^on erhallen. Sie fasten, nebst der Bühne, 200—300 Personen, selbst wenn „das Bedrück so groß wurde" - wie -S in einer Beschwerde an den Rath heißt - „daß Emer ftmen WamS verlor". Nehmen wir den mittleren Ertrag zu 1 /2 Batzen, dann ertrug eine Vorstellung nur 3-400 Batzen oder 20 bis 25 Gulden. In den drei Wochen einer Messe waren die drei Sonntage und zwei Vorstellungen sür Spital und Armen abgerechnet - 16 Vorstellungen. Diese ertrugen inSgesammt 3-400 Gulden. Von diesen wurden 50 Gulden für^Mtethe, 20 Gulden für Aufschlagen der Bühne und 50 L-nunö m-hr an d-n Rath b-zahit W b i-«-n ai ° knapp 200 Gulden alS Ertrag von drei Wochen Metz
sophenwali
Bierkeller.
r Vorstand.
j-ÄcK
empfohlen unb c ' Hier wurden die Geschichten von Judith und Holofernes, • Mher und Haman, Susanna und Daniel aufgeMrtt Die
[70Ä Echauspieler spielten auch hier nur „um die Ehre , ohne Entgelt. Nur wenn ein Stück besonders gefiel, wenn in der „Susanna" die beiden Richter ein rechtes Eonterfei von frankfurter angesehenen Personen gaben, erhielten sie vom Rath eine kleine „Verehrung", für welche «an den Spielern einen „guten Tag" erlaubte. Der Eomthur^^vorn Deutsch-Herren-Stift gab ihnen 2 Thaler und 4 Flaschen Wein und der Rath schenkte 6 Gulden, weil er sich „gar grausarnlich daran lnstirt hatte".
Mit den geistlichen Herren wetteiferten auch die Zünfte, die Schustergesellen und die Buchdrucker — allzeit die vor- --hmst-n D-nk-r — in g-istüch-n unb ung-istlich-n EMckl-i». Hier gab -ö Tänz-, G-fäng- und all°rlki Epaff-, di- Hans.


