Ausgabe 
16.7.1893 Zweites Blatt
 
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1893

Sonntag den 16. Juli

Drittes Blatt

Nr. 165

Amts- und Anzeigeblutt für den Ureis Gieren.

Hrattsöeikage: Gießener Kamikienbkätter.

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Hessow

Leipzig 1819.

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/GEWERBEN «STELLUNQ' [ LEIPZIG \ 1879. /

Umnahmt von Anzeigen zu der Nachmittag» für den ,v(|m»m Lag erscheinenden Nummer bi» Borm. 10 Uhr.

Vierteljähriger A-OnnemenlsnreiM 2 Mark 20 Pfg. ort Bringerlohn.

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Die Gießener

P*»Uttwir»(ttr »erden dem Anzeiger »Hcheotlich dreimal belegt.

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Gietzenrr Anzeiger erscheint tSglich, «tt Lu»nahmr de» Montag».

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Eintritt 20 Pf».

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Quartetts.

von L. Spohr.

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von L van Beethoven.

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Bekanntmachung.

Indem nachstehend abgedruckter Aufsatz des Geheimen Regierungsraths Professor Dr. Orth zur öffentlichen Kenntniß gebracht wird, füge ich noch an, daß die Saatstelle der deutschen LandwirthschaftS-Geiellschaft in Berlin SW., Zimmer­straße 8, nachverzeichnetes Saatgut angeboten hat und daß das Angebot bei dem Unterzeichneten eingesehen werden kann.

1) Jncarnatklee zum Tagespreis.

Der Ertrag an Grünfutter, das bei beginnender Blüthe gewonnen wird, beläuft sich auf 360 Ctr. und darüber, der an Heu auf etwa 70 Ctr. per ha.

2) Spörgel, kleiner, ca. 810 Mk. pr. 50 kg,

Riefen-, ca. 1112 50

Der Ertrag an Grünfutter stellt sich vom kleinen Spörgel auf etwa 150 Ctr. und vom Riefenfpörgel auf ca. 240 Ctr. per ha.

3) Senf, gelber bezw. weißer, ca. 3538 Mk. per 50 kg. | Die Erträge an Grünfutter betragen je nach dem Boden bis ungefähr 400 Ctr. per ha.

4) Senf, brauner, ca. 2022 Mk. per 50 kg.

5) Oelrettig, 1718

6) Buchweizen, silbergrauer, ca. 912 Mk. per 50 kg.

Gemenge 75 kg Buchweizen, 12»/z kg Senf per ha. An Grünfutter werden ungefähr 400 Ctr. per ha gewonnen.

7) Johannis-Roggen, ca. 910 Mk. per 50 kg.

Sechs Wochen nach der Aussaat, die von Juni bis September erfolgen kann, kann schon mit der Grün­fütterung begonnen werden.

8) Vicia villosa, Sandwicke, zottige Wicke, zum Tagespreis.

Liebt leichten Boden, eignet sich namentlich zum Gemenge für die Herbstsaat mit Winterroggen und Johannisroggen, kann schon im Juni ausgesäet werden und gewährt dann im Herbst des Aussaatjahres schon eine nahrhafte Weide; im Mai erhält man bereits Grünfutter und die abgemähten Pflanzen schlagen dann sofort wieder aus und kommen noch zur Reife. Man nimmt 60 kg Sandwicken und 80 kg Roggen per ha.

Auf leichtem Sandboden sind 500 bis 700 Ctr. Krünfutter, sowie etwa 150 Ctr. Heu per ha gewonnen worden.

9) Zuckerhirse, Sorghum saccharatum, ca. 1518 Mk. per 50 kg.

10) Pferd^ahnmais, großer weißer Virginischer, ca. 9 bis lOVj Mk. per 50 kg.

11) Wasser-, Brach-, Herbst-, Stoppel-Rüben, Turnip, white green, zum Tagespreis.

Winter-Sandwicken (200 Centner) sind per 50 kg zu 4850 Mk. von H. Lambert u. Söhne zu Trier an­geboten morden.

Ohne Preisangabe hat N. L. Christensen in Erfurt, Senf, Oelrettig, Sandwicken, Riesenspargel und Buchweizen und die Samenhandlung von C a r l H e ck e r in Haiger (Nassau) ebenfalls ohne Preisangabe Sandwicken, Johannisroggen, Buchweizen, Mais, Lupinen, Ackerspörgel, Senfsaat, Kuhkohl, Herbstrüben, engl. Futterrüben angeboten.

Gießen, den 11. Juli 1893.

Der Director des landwirthschaftlichen Bezirksverein- Gießen. Jost.

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Gießener Anzeiger

General-Anzeiger.

la'tor k 1.20 Mk 1.50 Mk.

des denkenden Landwtrths im eigenen Interesse empfohlen werden können. Es wird dabet die größere Sicherheit oder Wahrscheinlichkeit des Erfolges auch bei fortdauerndem wenig günstigem Wetter besonders berücksichtigt werden müssen.

Wmn es überhaupt möglich ist, durch .künslltche Wasserzufuhr die Pflanzenentwicklung mehr zu sichern, so ist zu prüfen, wie wett die« öconomtsch ausgeführt werden kann. AuS der Gegend der Fulda wird mttgethetlt, dich durch einmaliges gründliches Unter­wassersetzen einer Wiese von 18 Hectar Fläche durch Dampfpumpe im Frühjahre bet noch nicht 20 Mark Unkosten pro Hectar eine voll- ständtge Heuernte erzielt ist, wo sonst fast nichts geerntet worden wäre. Beim Verpflanzen der Hackfrüchte wird namentlich in der Kleinwtrthschafl ein wiederholres Begießen der Pflänzlinge zur Sicherung derselben in trockner Zett jedenfalls staUfinden müssen. Durch Ueberdüngen mit Stallmist und organischen Streumaterialten läßt sich dem Austrocknen des Bodens entgegenwtrken und das Wachsthum direct fördern. Die umfangreiche Verwendung von Ersatzstoffen für die Strohstreu sowohl von Waldstreu, welche der Wald nicht regelmäßig, wohl aber in Fällen der Noch vergeben muß und kann, rote von der so wichtigen stark aussaugenden ~otfftreu wird für die Viehhaltung und zur Erhaltung der Jauche um so nothwendiger beachtet werden müssen, je mehr in Verbindung mit wenig Rauhfulter und Wurzel- und Knollengewächsen neben dem erforderlichen eiweißreichen Kraftfutter sämmtlicheS Stroh für die Dtehernührung zurückgelegt, der Verwendung zu Streu entzogen werden muß. Der Schreiber dieser Zeilen hat infolge des futter­armen trocknen Jahres 1865 es selbst tn eigener Wtrthschaft erfahren, wie unter Verwendung des sämmtlichen Sirohes als Fuller und mit wenig Heu und Hackfrucht, unter Ersatz des nothwendtgen Eiweißes durch Kraftfutter es erreicht wurde, daß der gesammte Dtehftand von zwei Gütern wtrthschaf'ltch erhalten werden konnte, während viele Güter »/z ihres Vtehstandes verschleuderten und in der Düngerwirth- schaft sehr zurückkamen. Die jetzt zur Einführung gekommene Torf- stceu erleichtert dies, sowie die Erhaltung der Jauche und einer guten DÜngerwtrthschaft tn ganz anderer Weise, als es früher möglich war. Mit 3 Kilo guter Torfstreu auf das Haupt Großvieh pro Tag, rote sie von den großen Werken in Hannover, Oldenburg, Ostpreußen, Bayern u. a. O. abgegeben wird, kann daS Sireustroh vollständig ersetzt ober seine Verwendung auf ein Minimum beschränkt werden. Wenn 100 Kilo Torfstreu 3 Mk. gerechnet werden, macht dies 9 Pfg. pro Tag, während das Stroh jetzt schon vielfach über das Doppelte kostet. Es kann auch die Eonservirung de« Stalldunges durch Aufbringen guter humoser lehmiger Erde auf der Dungstätte nicht eindringlich genug empfohlen werden. Viele Landwtrthe sind in der Lage, durch Auspflügm und Trocknen von eigenem Boden Torfstreu zu gewinnen. Es tft zu erwarten, daß sowohl der Staat wie die Privatbesitzer einem Nothstande gegenüber, wie er gegenwärtig tn manchen Gegenden staitfindet, für reichliche Waldstreu-Abgabe zur Unterstützung der schwer heimgesuchten Landwirthschaft mit elntreien werden. Seitens des Staats und der Provinzen wird tn manchen Gegenden vielleicht durch billige Credtte und Eisenbahntarife, wie es zum Thetl bereits angebahnt ist, eine noch viel weiter gehende Unter­stützung stattfinden müssen. Es ist weiter die Verwerthung des Baumwuchses dadurch heranzuztehen, daß Laubheu gewonnen wird. Es können die Aeste von Eichen, Pappeln, Birken usw. bis auf ein Meter abgeschnttten, in Bündel gebracht, getrocknet und im Winter rote Heu verwendet werden.

Zunächst wird sich jeder Landwirth, welcher tn Futter noth ist, klar machen müssen, in welcher Weise die wahre Oeconomie der Ausnutzung vorhandener Futterquellen in Anwendung zu bringen ist und ob nicht sofort die Sommerfütterung aus eine ganz andere Grundlage gebracht werden muß, als es sonst der Jahreszeit und den Gewohnheiten entspricht. Namentlich sollte einer gewissen Ver­schleuderung des Grünfutters, die sich vielfach eingebürgert hat, Einhalt geboten werden. Ich wiederhole, das Schlimmste ist, wenn eS dahin kommen sollte, daß der Viehstand, ein so wesentlicher Thei deS Nationalwohlstandes durch diesenNothstand wesentlich beschrankt werden und später zu den höchsten Preisen wieder gekauft werden müßte Es sollten überall, wo es erforderlich ist und namentlich auch in den Gebieten deS Kleinbesitzes alle Vertreter des landwtrth- schaftltchen Gemeinwesens, alle landwirthschaftlichen Vereine, Wander­lehrer usw. alsbald in ernsteste Berathung treten und überall möglichst zur Klarstellung beitragen helfen, was in so schwerer Zett im Jn- terefie des Einzelnen notbwendig zu geschehen hat. Der vorgeschrittene Standpunkt der wissenschaftlichen Landwirthschaft gestattet zur Zett auch die Abhilssmittel betreffs der Ernährung des Viehs, sowie der Pflanzen besser zu übersehen, als es tn früheren Ze"en möglich war. Es ist habet nicht zu verkennen, daß der säumige Wirth, welcher die kräftige Düngung seines Bodens und die entsprechende Vertiefung seiner Krume vernachlässigt hat, in der gegenwärtigen Nothlage am meisten zu leiden hat, während der tüchtige Wirth, welcher seine Zett und Aufgabe versteht, schon wegen der Strohoorräthe, welche ihm die bessere Bewirthschaftung in früheren Jahren eingebracht Hai, sowohl unter der Dürre weniger leidet, als auch leichter Abhilfe zu schaffen in der Lage ist.

Es könnte hierbei auch in Frage kommen, ob nicht die Fest­legung von Strohoonäthen für den Verkehr, wie sie vielfach durch das Verkaussoerbot von Str.h in den meisten Pachtverträgen vor- gcschrieben ist, einer sofortigen, vielleicht nur für dieses Jahr geltenden Aushebung des Verbots, beseitigt werden sollte. Es ist Thatsache, daß auf vielen Pachtgütern jetzt noch eine durch Ueberfluß herbei­geführte Verschwendung von Stroh stattfindet, wahrend an anderen Stellen hiervon der nützlichste Gebrauch gemacht werden und eine übermäßige Preissteigerung begrenzt werden konnte. Der Staat als bedeutendster Verpächter sollte hier den Anfang machen.

Eine der wichtigsten Aufgaben kommt naturgemäß dem Feld­bau zu, um im Laufe des Jahres nach^Möglichkett inochi dielenigen Pflanzenmassen zu erzeugen, welche zur Sicherung des Wirthschafls- betriebes und zur Erhaltung des Drehstandes erforderlich sind. Bei dem Risico, welches neue Aussaaten in trockener Zeit haben können, wird dabei die Billigkeit der Aussaat besonders berücksichtigt werden müssen und um so mehr, als manche Sämereien infolge schlechter Ernte im Jahre 1892 und der steigenden Concurrenz bereits erheblich

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im Preise gestiegen find.*) Es ist auch daran zu erinnern, daß im Allgemeinen wiederholte Aussaaten in Abständen von 8 bis 10 Tagen zur Sicherung der Erfolges beizutragen vermögen.

Was zunächst den für Massenproduction so wichtigen Hackfl ucht- bau betrifft, fo ist zu hoffen, daß die starken Kartoffelbau treibenden Güter auch in der Futterproduction gesichert fein werden, wie es tn dem trocknen Jahre 1892 in fo hervorragender Weise der Fall ge­wesen ist. Die Kartoffel zeigt in solchen Nothjahren ihre großartige Leistungsfähigkeit, wie sie ja infolge der Hungerjahre 1770/71 über­haupt erst eine größere Beachtung in Deutschland gesunden hat. Es mag daran erinnert werden, daß die gegenwärtige Zeit zum Be­pflanzen mit anderen Hackfrüchten noch vorzüglich geeignet ist. man wird sich nur darüber Auskunft verschaffen müssen, ob das nöthige Pflanzenmaterial (Kohlrüben, Runkelrüben, Zuckerrüben) beschafft werden kann. In feuchte MooS- ober Torfstreu-Massen verpackt, können Pflanzen auf einige Entfernung verschickt werden. Zuckerrüben können s-hr wohl auch für Futterzwecke bei etwas engerer Pflanzung mit verwerthet werden, und für den Fall die imGroßen gebauten Zuckerrüben noch nicht verzogen fein füllten, würde dadurch reich­liches Material abgegeben werden können. Das dem Pflanzen voran­gehende Eintauchen der Pflänzlinge in eine mit etwas Lehm versetzte, verdünnte und vergohrene Jauche ist dabei für die Sicherheit des An­wachsens sehr zu empfehlen. Bedingung ist bei trocknem Wetter vielfach das energisch durchgeführte wiederholte Begießen mit Wasser. Bei klimatischen Verhältnissen, welche sich den subtropischen nähern, werden auch die bezüglichen Hilfsmittel dieser Gegenden nothwendig berücksichtigt werden müssen.

Eine wichtige Hackfrucht, besonders für milde Bodenarten, ist die Wasserrübe, Brachrüde oder Stoppelrübe, wovon jene gegen­wärtig ihre passendste Aussaalzeit hat, die letztere möglichst bald nach dem Umbrechen der Stoppel ausgesäet werden muß. Die Brachrüde (englisch Tumips), auf kräftiges Land in 40-50 Zentimeter Rethen- entfeinunfl gedrillt und auf 2530 Zentimeter Entfernung verzogen, kann durch reiche Düngung und Behackcultur zu erheblichen Erträgen gebracht werden und die Herbst- und Winterfütterung bis Neujahr ganz wesentlich unterstützen. Die Unkosten für den Samen (2 Kilo Ser ha ä 100 Kilo 128 Mk.), 2,56 Mk. per ha, sind als mäßige »u bezeichnen. Der Ertrag an Rüben kann bet kräftiger Zultur und günstigem Wetter leicht bis 40 000, sogar bis 80 000 Kilo per ha gesteigert werden.

Stoppelrüben erfordern bei starker breitwürfiger Saat (3 kg) 3 60 Mk. Unkosten per ha und geben nur den halben Ertrag als die Brachrüben, sie werden in diesem Jahre namentlich in wärmeren Gegenden und bei der frühen Ernte des Getreides ebenfalls vielfach in Frage kommen müssen.

Eine wichtige Futterpflanze, welche gegenwärtig noch sehr wohl ausgelegt und bei kräftiger Düngung zu hohen Erträgen gebracht werden kann, ist der Grünmais. Der amerikanische Pferdezahn und der ungarische Futtermats kommen dabei in Frage. Bei einer Reihenentfernung von 30 Zentimeter und 20 kg Aussaat per Hektar ä 100 kg 22 Mk. betragen die Unkosten per ha 4,4 Mk. Der Mals hat den Vorzug, daß er Trocknlßpertoden noch mit am besten zu überdauern vermag. Auf seinen hohen wirthschaftlichen Nutzwerth ist von Herrn Dtrector Dr. Strehl zu Popelau in Oberschlesien bei Gelegenh.it dcr Versammlung der Deutschen Landwirthschafts-Gefell- schaft in Breslau besonders aufmerksam gemacht worden (Jahrbuch Hl, Seite 126 ff.).

Unter den sich anschließenden Pflanzen, welche auf leichtem Boden längere Trockenperioden vorzüglich überdauern und in warmem Wetter sich befonders zu entwickeln vermögen, sind die Z u ck er h t r f e (Sorghum eaccharatum) und Mohär (Varietät von Panicum italicum) noch be­sonders heroorzuheben. Die Zuckerhtrse entwickelt sich auf dem besseren, gut cUttoierten Lehmboden in 40 Zentimeter Reihenent- sernung -gedrillt (bis Ende Juni) (zu 20 kg per ha ä 100 Kilo 36 Mk., 7,2 Mk. per Hektar an Unkosten) zu erheblichen Massen- beträgen.

Auf sandigem Boden und in trockener Zelt ist am wenigsten empfindlich, wie im Jahre 1892 auf dem fandrgen Verfuchsfelde der Landwirthschaftlichen Hochschule in Berlin besonders heroorgetreien ist, die unter dem Namen Mohär gebaute kleine ungarische Kolben- Hirse. Aussaat 16 kg per ha ä 100 kg 18 Mk., 2,88 Mk. per ha, also eine sehr billige Saat. Die Pflanze ist nicht sehr- anspruchsvoll und ergibt doch befriedigende Erträge.

Unter den Gemengsaaten ist für leichten Boden zur Herbst- und nachfolgenden Frühjahrsnutzung Johanntsroggen mit zottiger Wtckc zu baldiger Aussaat sehr zu empfehlen, leider ist der Samen der zottigen Wicke zur Zelt tn sehr hohem Preise. Die Aussaat kostet für 140 kg per ha (»/, zottige Wicke, */t Johanntsroggen)

70 kg zottige Wicke & 100 kg 90 Mk. 63,00 Mk. per ha, 70 kg Johannisroggen ä 100 kg 21 Mk. 14,07

zusammen 77,07 Ml. per ha.

Es wird deshalb auf den leichteren sandigen Bodenarten Pe- luschken-Erbse (Sand-Erbse) im Gemenge mit Sommerroggen, auf Lehm- und Thonboden Wtckhafer vielfach wegen ihres wesenttich billigeren Preises etnzutreten haben und bei baldiger Aussaat können di selben bet günstigem Wetter noch in diesem Jahre einen erheb­lichen Ertrag abroetfen. An Aussaatkosten ist baiür noch nicht die Hälfte des Preises von Johannisroggenzotttge Wicke in Ansatz zu bringen. Doch find diese Saaten so bekannt, daß darauf nicht weiter eingegangen zu werden braucht. ,

Unter den Gemengsaaten kann auch zu früher Fruhiahrsnutzung die nicht zu späte Herbst-Aussaat von 1722 hl Staudenroggen mit 68 kg Winterraps oder Wtnterrübfen in kräftiger Düngung in Frage kommen.

Von Blattfrüchten würde auf freiem Lande bei schwerem Boden die gewöhnliche Wicke, auf leichtem Boden Seradella gegenwärtig noch mit Erfolg ausgefäet werden können. Der Preis der Wicke ist nicht erhöht und genug Samen davon vorhanden. Weniger tft dies

*) Anmerkung. Die nachstehend angegebenen Preise sind von der Saatstelle der D.L.-G. mitgetheilt worden. Dieselben sind selbst­redend je nach Nachfrage wechselnd und nicht für längere Zeit oor- auszusagen. Bei manchen Sämereien ist auch ter Dorrath mcht groß. Um so wehr wird eS nöthtg sein, daß Jeder für feinen Bedarf bald Deckung sucht.

Zur Abhilfe der Futteruoth und Wirthschaftsuoth.

Mittheilung der Ackerbau-Abtheilung der Deutschen Landroirthschafts- Gesellfchaft durch Geheimep ReglerungSrath Prof. Dr. Orth.

In einer Jahreszeit, welche für die Futtererzeugung ausschlag­gebend ist, und in welcher unter normalen Verhältnissen die klee- artigen Feld-Futterpflanzen und die Wiesen reichlichen Ertrag zur Ernährung des Vtehstandes und zur Füllung der Vorrathsräume für die Winterperiode liefern, ist gegenwärtig durch die anhaltende Dürre in Deutschland und g n Theilen Europas für die Vieh­haltung ein Nothstand so bedenklicher Art eingetreten, daß es für den einzelnen Landwirth und für den Staat in vielen Gegenden zu den schwerwiegendsten Aufgaben gehört, rechtzeitig die Maßregeln zu treffen, welche nach menschlichem Ermessen und unter Voraussetzung der Wi,verkehr günstigerer klimatischer Verhälinfffe eine wenn auch nur theilwelse Abhilfe zu schaffen im Stande sind. Es ist dabei nicht blos der Viehstand in Gefahr, welcher gegenwärtig zum Thell zu Schleuderpreisen verkauft wird, tn einem andern Jahre zu unerschwing- ltchen Sätzen wieder erstanden werden muß, sondern es muß natur­gemäß die gesammle Düngerwinhschaft und der nachfolgende Ertrag deS Feldbaus durch derartige Mißverhältnisse für die Zukunft aufS Nachttzeiltgste beeinflußt werden.

Aus den bezeichneten Gründen erscheint eS angezeigt, daß der von mehreren Mitgliedern der Gesellschaft gegebenen Anregung ent­sprechend, nachstehend auf die wichtigsten pracllschen Maßregeln kurz aufmerksam gemacht wird, welche im einzelnen Falle dem Ermessen

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