Ausgabe 
15.11.1893 Erstes Blatt
 
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1893

Mittwoch dm 15. November

?ir. 269

Erstes Blatt

2lintr- und Anzeigeblutt für den Kreis Sieben

Hratisbeitage: Hießener Kamikienblätter

Amtlicher» Theil.

Kaufmanns .

v. (Sagern.

Der BochÄ.

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t nna6 ni t von Anzeigen zu der Nachmittag« für den folgenden Lag erscheinenden Nummer bi« Sonn. 10 Uhr.

Frei­marke.

Deutsche Reichspost.

Post-Karte.

Der **|tUer ei^eint täglich, Btt Ausnahme de« Montag«.

Die Gießener sll«mtrle»ölttter »«den dem Anzeiger 7>«chemlich dreimal diegelegu

die äußeren Pfosten durch solide Stützbalken gegen jeden von innen gegen sie ausgeübten Druck widerstandsfähiger gemacht.

Alle Arbeiten wurden mit viel Geschick und großer Geschwindigkeit ausgeführt, so daß die etwa 30 Schritt im Durchmesser haltende Kheddah in kürzester Zeit fertiggestellt war und mit dem Bau einer in dieselbe führenden trichter- förmig sich nach außen erweiternden Pallisade, demMund der Kheddah", welche den Elephanten den Eintritt erleichtern soll, begonnen werden konnte. Nachdem auch das erledigt war, wurde über dem Kheddaheingang ein mit einem außer­halb der Kheddah an einer versteckten Stelle endenden Tau, welches im gegebenen Moment gekappt wird, in der Schwebe gehaltenes, nach innen fallendes Fallgitter angebracht. Da­mit waren die gröbsten Arbeiten erledigt und es wurde nun­mehr mit den Decorationsarbeiten begonnen, d. h. daS ganze Bauwerk wurde, um es den Blicken der Elephanten zu ent­ziehen, innen und außen mit Gras, Laubwerk und Bambus verkleidet und das innerhalb der Kheddah und des Mundes niedergetretene Gras und Buschwerk durch frisch eingepflanzten Bambus ersetzt und nach Möglichkeit alle Spuren menschlicher Thätigkeit beseitigt. Für mich und Mr. Savi wurden schließ­lich in nächster Nähe der Kheddah 2530 Fuß hohe Maischams errichtet, von denen auS man in aller Ruhe und Bequem­lichkeit das ganze Treiben beobachten konnte.

Die Nacht verlief sehr unruhig, die Elephanten ver­suchten bald hier, bald dort durchzubrechen, wie wir an dem wiederholten Schreien, Klappern und Schießen der Wächter erkennen konnten, so daß von Schlaf auch für uns nicht die Rede war.

Gegen 7 Uhr Morgens nahmen Mr. Savi und ich unsere Sitze in den Maischams ein und das Treiben begann, d. h. eine Treiberkette avancirte, die Elephanten vor sich her scheuchend, gegen die Kheddah, während die Wächter auf ihren Posten blieben, um die eventuell durch die Treiber- linie brechenden Thiere wenigstens in der Einschließung fest- zuhalten.

Abends 9- btiy. chmtz.

kursen.

Viermal wurde getrieben und immer gelang den Thieren, die Treiberlinie zu sprengen. Sobald sie in die Nähe der Kheddah kamen, machten sie Kehrt und stürmten unter Führung eines mächtigen Bullen davon. Den Treibern fehlte vielleicht auch infolge des über Nacht erfolgten Todes eines ihrer Kameraden der ihnen sonst eigene Muth, kurzum, die Sache war nichts weniger als ein Erfolg. Um den Leuten eine Erholung zu gönnen und die gehetzten Thiere sich beruhigen zu lassen, wurde eine zweistündige Pause ge- macht, dann begann die Arbeit von Neuem. Diesmal kam die Heerde bis dicht an den Mund der Kheddah, aber nur ein Thier ging in die Falle und zwar merkwürdigerweise der bereits erwähnte Bulle. Es war ein aufregender Moment, als dieser Koloß, alles vor sich niedertretend, plötzlich in di? Kheddah trat und die Welt mit Brettern vernagelt fand. Jede Secunde erwarteten wir, vor Erregung zitternd, die Heerde würde ihm folgen, aber sie besann sich eines Besseren, machte Kehrt und der Bulle benutzte die günstige Gelegen­heit unseres Wartens auf seine Familie, die Kheddah wieder auf dem Wege, auf dem er gekommen war, zu verlassen. Als er dabei an Mr. Savis Maischam vorüber kam, erhielt er aus desien Expreßbüchse zwei Schüffe gegen den Kopf. Einen Augenblick schwankte er wie betrunken und verschwand dann blutüberströmt im Dickicht.

Nach diesem zweiten Mißerfolg wurde für den Tag das Treiben eingestellt. Morgen sollte ein erneuter Versuch ge­macht werden, trotzdem, nach Mr. Savis Ansicht, wenig Hoff­nung vorhanden war, der nunmehr nervös gewordenen und vor der Kheddah gewarnten Heerde habhaft zu werden.

Leider sollte diese Annahme sich bestätigen, denn gleich bei dem ersten Treiben am folgenden Morgen brach die Heerde nicht nur durch die Treiberkette, sondern auch durch die Ein­schließungslinie und ward nicht mehr gesehen.

(Schluß folgt.)

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Deutscher Reich.

Berlin, 13. November. Obwohl die kaiserliche Cabinetsordre an die Offiziere der Armee anläßlich des Hannoverschen Spieler- und Wucherer-Pro­cess es angeblich geheim gehalten werden sollte, so weiß die Tägliche Rundschau" doch das Wesentlichste aus dieser aller­höchsten Kundgebung mitzutheilen. Der genannten Quelle zufolge enthält die Cabinetsordre keine besonderen Straf­bestimmungen zur Bekämpfung der Spielwuth und anderer Schäden im Offiziercorps. Vielmehr befiehlt der oberste Kriegsherr lediglich, daß auf Grund der kaiserlichen Verord- nung vom 2. Mai 1874 über die Ehrengerichte gegen alle Offiziere, die irgendwie in den Proceß von Hannover ver­wickelt gewesen sind, aus ehrengerichtlichem Wege vorgegangen werde, und daß jeder Offizier, dem hierbei eine Verletzung der Standesehre nachgewiesen werde, unbedingt zur Verab­schiedung einzugeben sei. Weiter drückt der Kaiser seinen Unwillen darüber aus, daß weder die erwähnte ältere Ordre noch die bei seinem Regierungsantritte 'erlassene Ordre über die Norhwendigkeit einer einfacheren und sparsameren Lebens­weise der Offiziere die entsprechende Beachtung gefunden habe. Er gibt daher bekannt, daß die Generalcommandos instruirt seien, ihm diejenigen Regimentscommandeure zu melden, die in Befolgung dieser Ordres nicht mit der nöthigen Strenge vorgingen und die ihnen anvertrauten Offiziere nicht mit der erforderlichen Sorgfalt überwachten. Schließlich werden in

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Alle «nnoncen-Bureour de« In- und Äuftanbe« nehm« Anzeigen für denSießener Anzeiger" entgegen.

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Gießener Anzeiger

Keneral-Mnzeiger.

der Kundgebung des Kaisers diejenigen Handlungen, welche d e Cabinetsordre vom 2. Mai 1874 als unvereinbar mit der Ehre des Offizierstandes bezeichnet, nochmals ausdrücklich hervorgehoben. Der Kaiser will demnach die Sühne für die Vergehen der einzelnen Offiziere gegen die Standesehre und das Standesbewußtsein des Ganzen, wie sie speciell der Proceß von Hannover so grell gezeigt hat, in die Hände des Osfiziercorps selbst, durch Anrufung der Ehrengerichte, legen.

Die Finanzminister der süddeutschen Staaten trafen im Laufe des Sonntag in der Reichs­hauptstadt ein. Dieselben beabsichtigten an den für Montag angesetztenBerathungen des Bundesrathes über die Steuer­vorlagen theilzunehmen, hinsichtlich deren sich noch weitere Differenzpunkte zwischen den verbündeten Regierungen ergeben haben sollen. Die geplante neue Steuergesetzgebung im Reiche soll insofern schon einOpfer" gefordert haben, als der Generaldirector der indirecten Steuern, Wirkl. Geh. Ober­finanzrath Schomer in Berlin, angeblich seine Entlassung wegen der von ihm abfällig beurtheilten Tabakfabrikatsteuer entweder schon eingegeben hat oder doch nächstens eingeben will. Es verlautet, er habe bei den Vorberathungen der höheren Steuer- und Finanzbeamten der Einzelstaatcn in Berlin über die neuen Steuerprojecte der Tabaksabrikatsteuer entschieden widersprochen und diese Opposition auch noch später aufrecht erhalten. Herr Schomer soll das amerikanische Muster der Tabaksabrikatsteuer als für die deutschen Verhältniffe un- geeignet bezeichnet haben. Die ganze Nachricht scheint indessen noch der Bestätigung zu bedürfen.

Der neugewählte sächsische Landtag ist am Montag zusammengetreten.

Berlin, 13. November. Auf der Tagesordnung einer für den 16. d. Mts. berufenen Sitzung des Ausschusses des deutschen Handelstages steht u. A. die durch Rund­schreiben des Ausschusses angeregte Einrichtung einer Central- stelle, welche durch Sammlung und Sichtung des erforderlichen (sachlichen und persönlichen) Materials künftige Verhandlungen über Handelsverträge vorbereiten soll. Auf daS früher mit- getheilte Rundschreiben des Ausschuffes haben 75 Handels- kammern und Corporationen geantwortet, von denen viele den Vorschlag ablehnen, welcher Nunmehr noch einmal den Aus­schuß und dann später das Plenum des HandelStages 6c, schäftigen wird. Außerdem wird der Ausschuß über Auf, stellung eines einheitlichen Schemas für die Jahresbericht der Handelskammern, über den Einfluß deS neuen Gewerb steuergesetzes aus das Wahlrecht und die Beitragspflicht

den preußischen Handelskammern, über Gutachten der M^

Feuilleton.

Vier Wochen unter Elephsnlen.

(Fortsetzung.)

Der Elephant ist scheu und furchtsam, so lange er ^erhalb des umstellten Geländes genügend Futter und Lüßser hat, erst wenn ihm das eine oder das andere fehlt, tmientlich aber, wenn ihn der Durst quält, wird er unter- «hmend und läßt sich dann durch nichts mehr zurückhalten, ,1 bricht auS und tödtet dabei nicht selten die sich ihm muthig |n den Weg stellenden Wächter.

Hebet Nacht werden an besonders gefährdeten Stellen tk Posten verstärkt und zwischen den einzelnen Hütten große hol »feuer unterhalten. Sobald die Wächter im Walde das tzeräusch brechender Zweige und Neste vernehmen, schlagen fr Lärm und suchen die Thiere wieder nach innen zu treiben.

Unser Lager erwies sich als ein herrlicher Beobachtungs- tffren, von dem wir nicht nur einen Theil der Postenlinie Ersahen, sondern sogar hier und da an unbewaldeten Stellen lie eingeschloffene Heerde deutlich erkennen konnten.

Wir begaben uns nach Einnahme einer kleinen Er- inschung zu derjenigen Stelle der Einschließung, an der die lkcddah, in welche die Elephanten am folgenden Tage binein- «ltnieben werden sollten, im Bau begriffen war. Man hatte » diesem Zwecke eine spärlich bewaldete, aber von hohem tzrase bestandene Stelle am Fuße einer Anhöhe ausgewahlt. Gttwa hundert Leute waren beschäftigt, circa 5 Zoll starke nab. 15 Fuß lange Pfähle aus hem Walde zu hauen und in Abständen von etwa 3 Fuß in einem Umkreise von hundert Eitzritt metertief in den Boden einzulaffen und festzustampfen, irihrend andere Arbeiter an der Jnnenieite der bereits ein« -ea-rabenen Pfosten in horizontaler Lage und in Abständen ion zwei Fuß mit Hilfe von Jutestricken starke Querhölzer ton. 10 Fuß Länge befestigten.

Nachdem das geschehen war, wurden auch an der Innen- feite dieser Querhölzer nochmals Pfosten eingegraben und

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Gießen, den 13. November 1893.

fett.: Ausführung des Reichsgesetzes vom 10. Aprll 1892, die Abänderung des Krankenversicherungsgesetzes, insbesondere § 76 b desselben.

DaS Großherzogliche Kreisamt Gießen

II die Grsßh. vürgermeißtereie« de- «reifes.

Im Anschluß an unser Amtsblatt Nr. 8 vom 3. August l beauftragen wir Sie, sich bei den Ihnen obliegenden vnfallmittheilungen an die Vorstände der Krankenkassen des nackltehend abgedruckten Schemas (Postkartenformat) zu bedienen.

Postkarten mit entsprechendem Vordruck können in der e. Nekker'schen Hofbuchdruckerei in Darmstadt zum Preise ton 2 Pfg. das Stück (bei Abnahme von 500 Stück zu 9,5® Mk., 1000 Stück zu 15 Mk., 2000 Stück zu 27 Mk.) Jejogen werden.

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^abe her

Gießen, den 13. November 1893.

Betr.: Einsendung von Sterbzählkarten.

Die Bürgermeistereien von Albach, Annerod, Belters­hain, Bersrod, Daubringen, Eberstadt, Göbelnrod, Grünberg, Harbach, Klein-Linden, Leihgestern, Lindenstruth, Rödgen, Rüddingshausen, Steinbach, Trais-Horloff werden an die Einsendung der Sterbzählkarten für September und October 1893 erinnert.

Das Kreisgesundheitsamt.

I. V.: Dr. Wengler, __Kreisassistenzarzt._________________________

Gießen, den 13. November 1893.

Betr.: Einsendung der Jmpflisten.

Das Kreisgesundheitsamt erinnert die Herren Aerzte an die Einsendung der Jmpflisten.

I. V.: Dr. Wengler, Kreisassistenzarzt.

Unfallmittheilung an die Krankenkasse (Auszug aus der Unfallanzeige^)______________________

Lor- und Zuname, sowie Befchästt- Quing der verletzten (getödteten) Person.__

~~ Datum deS Unfalls.___

Art der Verletzung. __________

Betrieb, in welchem sich der Unfall ereignet hat. tamefötrma) d.Betriebsunternehmers BerMgenossenschaft. welcher der Be­tt tebsunternehmer angehort, ev. Angabe der Section und Amtssitz' derselben.__