1893
Sonntag den 15. Oktober
Nr. 243 Zweites Blatt
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Aints» und 2lnzeig«blatt für den Ureir Giefzen
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Inf Hnnonctn-aurtau? bei In. und Huitanbei nehm«, Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
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OhlyS um die Erschließung des Odenwaldes für den Touristenverkehr werden also durch das Denkmal auch noch künftigen Geschlechtern gepriesen werden, und das hat der rastlos thätig gewesene Mann wahrlich auch verdient.
Aus den Ereignissen dieser Woche hätte ich Ihren Lesern für heute von einer schönen Jubelfeier zu berichten, an der daS ganze Residenzpublikum lebhaften Antheil nahm. Das langjährige Mitglied des Hoftheaters, Frl. Antonie Berl, beging nämlich am vergangenen Dienstag die Feier ihres 25jährigen Dienstjubiläums an der hiesigen Hofbühne und empfing aus diesem Anlaß Glückwünsche und Ehrungen aller Art. Schon am Montag fand nach den Berichten der Tagesblätter im großen Foyer des Hoftheaters eine würdige Vorfeier des Festtages statt, wobei Frl. Berl durch Verleihung der goldenen Medaille für Kunst und Wiffenschaft durch den Großherzog ausgezeichnet wurde. Sehr glanzvoll soll dann der Verlauf der eigentlichen Festvorstellung am Dienstag gewesen sein, der Ihr Referent leider nicht beiwohnen konnte. DaS völlig ausverkauste HauS hat die Jubilarin mit Ovationen
der Capelle zu Langen.
Der Cursus dauert ohne Unterbrechung fünf
Für Wohnung und Mobiliarbenutzung zahlen: Mädchen aus dem Kreis Offenbach .... Mädchen aus anderen Kreisen der Provinz
Starkenburg...........
Der Anzeiger «ichnni täglich, ■tt Ausnahme bei Montag*.
Die Gießener yeetrtreir*ttit werb'n bem Anzeiger ■>**<• iifhd» dreimal deigelegl.
Der Preis für die Verpflegung wird nach den Selbst- kosten bezw. den Preisen der Lebensmittel berechnet.
Im Handarbeitsunterricht, auf welchen ebenmäßig besonders Gewicht gelegt wird, verarbeiten die Mädchen ihr eigenes Material, welches sie mitbringen oder im Schulorte kaufen können.
Weitere Kosteu entstehen nicht und ist insbesondere der Unterricht uieatgelUich.
Unter der Oberleitung des unterzeichneten Großh. KreiS- raths sind an der Anstalt thätig:
Als Dirigent: Großh. Landwirthschaftslehrer Weitzel -
AlS Haushaltungsvorsteherin: Fräulein Charlotte Mels. Heimer;
Als Jndustrielehrerin: Fräulein Maria Wenck, sowie die erforderliche Anzahl Hülfslehrer.
Alle Anmeldungen, welche baldigst erbeten werde«, sowie Anfragen sind an den Dirigenten, Landwirthschaftslehrer Weitzel in Langen, zu richien, welcher zu jeder Auskunft gerne bereit ist.
Offenbach, den 2. October 1893.
Der Großh. Kreisrath des Kreises Offenbach.
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aller Art bedacht.
Eine wohl recht bald „actuell" werdende Frage, die namentlich die Darmstädter Jugend interessiren dürfte, wurde in den letzten Tagen im „Tageblatt" angeregt. Es handelt sich nämlich um die Winteraussichten für die Freunde des Schlittschuhlaufsportes. Der Zahl nach besaßen wir ja seither eine ganze Anzahl großer Eisbahnen, doch an Güte ließen dieselbe« stellenweise viel zu wünschen übrig und vor Allem lagen sie vom Mittelpunkt der Stadt alle ziemlich weit entfernt. Die Bahn des Schlittschuhclubs war noch verhältniß- mäßig am leichtesten zu erreichen, da die Dampf-Trambahn an ihr vorbeiführt, doch sie ist jetzt infolge der fabelhaft rasch zunehmenden Vergrößerung der Stadt ganz und gar bebaut und daher unbrauchbar für die Freuden des Sportes. Der erwähnte, angeblich von einer Dame herrührende Artikel schlägt nun vor, den Festplatz für das Turnfest, der ja bekanntlich immer noch mit der großen Fefthalle geziert ist, als Schlittschuhbahn herzurichten, doch dürfte dieser Vorschlag
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sitze eines guten Leumundes sind.
Der Zweck und die Aufgabe der Anstalt besteht in der tzer«ubild«ng vo« Mädchen an8 dem Burger- und Banerustande li künftigen tüchtigen Hausfrauen durch Unterricht der Schüler- irruen in der Führung eine« einfachen bürgerlichen Haushalts, insbesondere durch praktische Arbeite« im Kocheu, Backen, waschen, Bügeln, Putzen, im Weißzeug«äheu, Flicken, Stricken, in der Ausertignng von Kleidungsstücke«, in der Zubereitnng dem Butter und Käse, in der Aufbewahrung, im Einmachen nv d Dörren von Fruchten und anderen Lebensmitteln re., im C66- und Gartenbau, sowie in der Geflügelhaltung.
Damit verbunden ist behufö Befestigung und Erweiterung bar Schulkenntnisse für das practische Leben ein Unterricht in der dentsche« Sprache, namentlich im Anfsatz, im Rechnen, in heu Buchführung, sowie eine Uuterweisnug in der Gesundheils- n«!b Krankenpflege.
Die HauShaltungö-Schülerinnen bilden mit der Haus- Witter und der Jndustrielehrerin einen gemeinschaftlichen Haus- Helt und werden durch angemessene Beaufsichtigung an Reinlichkeit, Pünktlichkeit und Ordnung gewöhnt. Durch Sing- umerricht und gemeinsame Lehrstunden während der Abend" cilbeit wird eine gemüthliche Anregung zu geben gesucht.
Die Kost ist einfach und kräftig, die Hausordnung nimmt ebenso auf den Unterrichtszweck der Schule, wie auf das liirperliche und geistige Gedeihen der Schülerinnen Rücksicht.
In Krankheitsfällen erfolgt die ärztliche Behandlung un- ktiigeltlich.
Die evangelischen Schülerinnen besuchen den sonntäglichen Gottesdienst in der Stadtkirche und die katholischen denjenigen
behörde, die über den Platz zu verfügen hat, wird ihre Einwilligung wohl kaum geben. Immerhin verdient die Anregung schon jetzt aufmerksam besprochen zu werden, jedenfalls gebührt ihr das Verdienst, die Verhandlung über eine wichtige Frage in Fluß gebracht zu haben.
Dann wäre in unserer Wochenschau noch zu erwähnen, daß der rührige „Kunstverein für daS Großherzogthum Hessen" zu seiner gegenwärtig ausgestellten Gemäldecollection neuerdings wiederum eine große Anzahl beachtenswerther Bilder hinzugefügt hat. Die Monatsausstellungen vervollkommnen sich überhaupt in jeder Beziehung immer mehr und seitdem der Kunstverein ein so schönes Ausstellungslocal sein eigen nennen darf, hat auch das Interesse deS Publikums für seine Bestrebungen ganz entschieden zugenommen.
Auch an künstlerischen Darbietungen anderer Art sind wir gegenwärtig nicht arm. August Junkermann, der berühmte Reuterinterpret, hat für heute Abend eine Vorlesung angekündigt, die, nachdem das Mitglied deS Sommertheaters, Herr Schröder, mit seinen Reutervorlesungen hier so viel Erfolg erzielt hat, wohl auch nicht verfehlen wird, das Interesse der Freunde der Reuter'schen Dichtungen zu erregen.
Am Montag beginnen dann die Hofmusik - Concerte, Frl. Wally Schauseil und Herr Stavenhagen sind für den ersten Abend als Solisten gewonnen.
Ebenso eröffnet die „Humanitas" mit einem großen Wohlthätigkeits-Concert am nächsten Mittwoch ihren Winterfeldzug. Jlluftre Kräfte unserer Hofbühne haben ihre Unterstützung zugesagt und da daS Programm mit ganz erlesenem Geschmack zusammengestellt ist, so steht ein sehr interessanter Concertabend zu erwarten. So kommen wir denn immer mehr und mehr in die „Saison" hinein, die winterlichen Vergnügungen nehmen allmählich ihren Anfang und bald wird die Residenz und ihr Publikum damit wieder überreich bedacht sein. Ist Darmstadt auch eine ruhige Stadl, eS bietet doch an Unterhaltungen aller Art außerordentlich viel.
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Giert etflbriger >f»n«nntnUprri»i 2 Mark 20 Pfg. eü Brmgertobn. Burd) die Poft bqege 2 Mark 50 Pf-
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Ausgenommen werden Mädchen auS dem BÜrger- Bouernstand, welche mindestens 15 Jahre alt, körperlich —„ ft lustig zu einer erfolgversprechenden Theilnahme am Unterrichte und den praktischen Uebungen befähigt, sowie im Be-
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Wochrndriese aus der Residenz.
(Originalbericht für dm „Gießener Anzeiger".) Darmstadt, 13. October 1893.
Llhly-Denkmal. — Ein Jubiläum. — Darmstadter Eislanfsport. Allerlei.
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♦ Arbeitslöhne in Nord-Amerika. Ueber Arbeitslöhne in der Union, speciell aber in dem mächtig aufstrebenden Chicago, enthält der jüngste amtliche Bericht, den soeben das im Staate JllioniS bestehende Bureau für Arbeitsstatistik veröffentlicht hat, u. A. folgende bemerkenSwerthe Angaben: Von 4526 weiblichen Arbeitern, die in 41 Chicagoer Industrien beschäftigt waren, verdienten nur 21 weniger als 2 Dollars = 8,50 Mk. wöchentlich, die große Masse aber, nämlich 53,41 pCt., verdiente zwischen 4 und 7 Dollars, und 31,58 pCt. erwarben über 7 Dollars wöchentlich, 17 i darunter 20 und noch mehr Dollars. Im Durchschnitt kam ' auf jede einzelne dieser 4526 Arbeiterinnen ein Wochenver- ■ dienst von 6,22 Dollars ---- 26,43 Mark, was also etwas mehr ist, als z. B der W o ch e n - D u r ch s ch n i t t s ° lohn eines weiblichen Arbeiters in Berlin- doch muß man bedenken, daß die Preise für Lebensmittel und Kleider in Chicago besonders hohe sind. Weiter gibt eS in Chicago 666 sogenannte „Schwitzgeschäfte", d. h. Geschäfte, welche möglichst billige Waare arbeiten und dabei die Arbeiter tüchtig schwitzen lassen, wenn solche zu auskömmlichem Lohn
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gelangen wollen. Für diese Schwitzgeschäfte arbeiten 10,933 Leute, größrentheilS unter mehr oder weniger gesundheitsschädlichen Bedingungen, und beträgt hier der Verdienst 4 bis 5 Dollars die Woche, doch kommen auch Löhne bis zu 18 Doll, vor. In verschiedenen Schwitzgeschästen betrug die tägliche Arbeitszeit bis zu 16 Stunden, doch ließen die meisten nur 10 Stunden arbeiten.
» Berühmte Patente. Der „Practical Engineer veröffentlicht eine Liste derjenigen Patente, welche seit Erlaß des englischm Patentgesetzes von 1618 einen Markstein in der Geschichte der Industrie und des Weltverkehres bilden. AuS dieser Liste seien die nachstehenden bedeutsamen Erfindungen hervorgehoben: 1643 Torricelli, Barometer - 1649 PaScal, hydraulische Presse - 1650 v. Guericke, Luftpumpe - 1657 Huh- ghens, Pendeluhr - 1688 Papin, Dampfmaschine -1698 Sovory, Dampfmaschine-1752 Franklin, Blitzableiter- 1762Wedgewood, Steingut- 1767 Halgrave, Spinnmaschine - 1769 Watt, Dampfmaschine- 1769 Arkwright, Spinnmaschine- 1776 de Jouffroy, Dampfschiff- 1780 Leblanc, Sodabereitung- 1784 Bramah, Sicherheitsschloß- 1789 Montgolfier, Luftschiff- 1784 Watt, Locomolive- 1786 Lebon, Gasbeleuchtung- 1789, Galvam, Batterie.
Literatur um- Kauft
— DaS Kolumbas • 9i oder
Kneippkur. Von Dr Hofele. Stuttgart (Sudd. VerlagSbuch- dandlung, D. OchS) 1893. Gebunden Mk. 1.— Dr. Hofete, der Unermüdliche, hat in einem nagelneuen Büchlein von ®c“cn dos Wichtigste, waS man vor Allem braucht, von der Knttpptur »ufammengefaht. Der Titel heißt: „DaS KolumbuS-Ei'. Pfarrer Kneipp hat ganz entschieden das Kolumbus-Ei mit feiner Wasserkur gefunden. Steh, das Wasser ist so nah! Planer Knestw selbst empfiehlt das Büchlein mit einem Schreiben vom 12. October 1892. „Herr Dr. Hofele ist weltbekannt al« großer Eiferer für die gute Sache in jeder Hinsicht. Er ist reich an Kenntnissen und glaubt, an allem Gutem tbeilnehmen zu muffen. Seine Bestrebungen find nur edel und im Unternehmen vollständig beharrlich." Diese Worte KneippS sind die beste Empfehlung für daS „KolumbuS-Ei."
- Unfett Heilpflanzen in Bild und «ort für Jebet- «an«. Vollständig in 11 Lieferungen L 50 Pfennig. Gera-UntermhauS. Verlag von Fr. Eugen Köhler. Unter Benutzung der Tafeln der deutschen Floren von v. Schlechtendal-Hallier, Thoms rc. ist eS dem Verlage möglich geworden, dies Werk zu einem erstaunlich billigen Preise Jedermann zugänglich zu machen. In naturgetreuen farb'gen Bildern werden dem Leser 92 der wichtigsten Heilpflanzen vorgesührt, welche sämmllich von klar und verständlich gehaltenen Beschreibungen (Nutzen, Anwendungen, Eultur) begleitet find. Dem für jede Familie nützlichen Buche wünschen wir die weiteste Verbreitung; eS eignet stty prächtig als Weihnachtsgeschenk.
Haushaltungs-Schule zu Langen
Die HauShaltungs-Schule zu Langen eröffnet am Dienstag, bett S Januar 1894, timen neuen fünfmonatlichen CursuS.
Daß die Stadt Darmstadt beschlossen hat, das Andenken ihres unvergeßlichen, hochverdienten Oberbürgermeisters durch ein würdiges Denkmal zu ehren, wurde an dieser Stelle schon srüher einmal berichtet, auch von dem Resultate der im Frühjahre veranstalteten ConcurrenzauSstellung der einge- luferten Denkmalsentwürfe war schon die Rede und des- z! eichen ist bereits mitgetheilt worden, daß der Odenwaldclub, btr lange Jahre von Albrecht Ohly geleitet wurde, beschloffen Korbe, seinem verstorbenen Vorsitzenden ein Denkmal zu setzen. Die zu diesem Zwecke neu ausgeschriebene Concurrenz hatte b* auch wieder viel Interesse erweckt, die Betheiligung war time verhältnißmäßig zahlreiche. DaS Resultat wurde Ende ergangener Woche bekannt gemacht. Ein junger Darmstädter Bildhauer, Herr Ludwig Habich, hat den ersten Preis bavongetragen und die Ausführung übertragen bekommen. Sein Entwurf war, gleich den nicht preisgekrönten, der Be- ächtiguug durch das Publikum zugänglich gemacht und fand auch dabei den allseitigen Beifall der Besucher und der Presse. Aus einem geschmackvollen Unterbau, der aus Odenwälder Granit besteht, erhebt sich eine kurze Säule, sie trägt unten aC8 Wasserspeier einen bronceuen Löwenkops, in der Mitte ist, eine Ehrentafel für die Denkmalsinschrift angebracht. Das Ganze krönt die außerordentlich porträtähnliche Büste Ohlys, die gleichfalls in Bronce ausgeführt werden soll. Las schlichte Denkmal ist von großer Schönheit und macht ieiinem jugendlichen Schöpfer alle Ehre. Zur Aufstellung ist eimer der schönsten Punkte unseres prächtigen Odenwaldes awserfehen, das hochgelegene Neunkirchen, bekanntlich einer , — —...............
bar berühmtesten Aussichtsplätze. Die großen Verdienste ! keine große Aussicht auf Verwirklichung haben, bte Militär-
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