Ausgabe 
15.9.1893 Zweites Blatt
 
Einzelbild herunterladen

893

Freitag deu 15 September

Amts- und Anzeigeblutt für den Ureis Gieren.

Ne Urne-OcrvOurrairr M 3*. m» lelUsM

»ratisBrifage: chi-ßmrr Jamilimbkättir

MN

Feuilleton

[7791

tbtntti.

M

k-

* N. E. B.

Jena 1787.

Halle 1788.

Aluns, es

Nulter, TE

Ad-

!« ln|ti|t« |n Wt Re^artttee» fix fce Mßnttri tq frfdjdnmton Rmnect bil Bem. 10 llhe.

MA

883.

8M K!

19825 1«8 1IX5.M 107.50 69#

9896

9^6 83'c

Wetten Sie, meine Herren," sagte ein Yankee an der Gasthofstafel,daß ich Ihnen etwas zeigen kann, waö nie­mals vorher gesehen wurde und keine lebende Creatur jemals ' Die Wetten wurden gesetzt. _ Der

kammer, in der noch zwei Collegen schliefen, stehender Holz­koffer in Zeiträumen von zwei bis drei Tagen von fremder Hand geöffnet imb die darin verwahrten Ersparniffe ange- griffen worden waren. Leider war es ihm trotz fleißigen Auspassens bisher noch nicht gelungen, den Dieb zu erwischen, und er gab es schon als erfolglos auf, weitere Nach­forschungen anzustellen, zumal sein Koffer in den letzten Tagen nicht wieder von unberufener Seite geöffnet worden war. Zur Vorsicht steckte er aber sein Geld jetzt unter die Matratze seines Bettes, wo er es gänzlich sicher glaubte. Daß seine Vermuthung falsch war, sollte er vergangene Nacht erfahren. Wegen heftiger Kopfschmerzen konnte er den ersehnten Schlaf auf seinem Lager nicht finden. Eben wollte er aufstehen, um sich einen kalten Umschlag zu machen, als er Plötzlich Jemanden sprechen hörte. Es war ein neben ihm liegender College aus Grimma, der im Traume sprach. Der Bestohlene hörte, wie der Schlafende sagte:Du, X (Name des dritten Col- legen), Hermann hat sein Geld jetzt im Bett, morgen machen wir uns darüber." Im Beisein des Meisters wurden am Morgen die Sachen der beiden netten Collegen durchsucht, wobei sich noch verschiedene Gegenstände Hermanns, als wie Strümpfe, Taschentücher rc. vorfanden. Die Diebe wurden der Staatsanwaltschaft übergeben.

jWe**r*e*ts,ret»i 2 Merk 90 Psg. oM Brmgerlohn.

Durch dir Potz be>ef«e 9 »art 60 BH-

BpeHMee tmb Brudttd:

HernBrrch-r M.

wieder sehen wird?"....... - - ,

Yankee nahm eine Nuß von der Fruchtschüffel, knackte sie auf und faßte den Kern zwischen Daumen und Zeigefinger.Nun, rief er,ich denke, Niemand von Ihnen hat diesen Kern vorher gesehen und ich denke" - dabei er den Kern auf -Niemand wird ihn wiedersehen. Bitte, laden Sie ab!

Nr. 217 Zweites Blatt

Name des EigenthümerS: D. C.

ft

Mtigeü

Sät*»

Gießener Anzeiger

Keneral-Wnzeiger.

einer solchen Beleuchtung seine unsterblichen Werke hätte ver­fassen können etwa wie sich der launige Justinus Kerner ärgerte, wenn er von blonden englischen Misses oder sonstigen Autographenjägern um Stammbucheinträge ange­gangen wurde, so daß er eines schönen Tages einem solchen Korsaren ins Stammbuch schrieb:

Mein Herr, mit Ihrem Album Bringen Sie mich halb um, worüber der Engländer mit freudestrahlendem Gesichte abzog.

Doch halt! wir sind ganz von dem BegriffeStamm­buch" abgekommen und definiren ihn dahin: Ein Stammbuch ist ein Buch, das anfangs aus lauter weißen Blättern besteht, die dazu bestimmt sind, daß Bekannte, Freunde und Ver- wandten des Stammbuchbesitzers ihren Namen mit einem Denkspruche eigenhändig einschreiben. Auch Haarlocken, Zeich. nungen, Stickereien und Schattenriffe pflegte man in den Stammbüchern anzubringen. Die Stammbücher waren ent­weder gebunden oder sie bestanden aus losen Blättern, die in ein Kästchen oder in ein Futteral eingeschloffen wurden. Bor vierhundert Jahren und noch früher begann man Stamm­bücher anzulegen. Eines der interessantesten ist dasjenige AlbrechtDürers, weil dieses Stammbuch Zeichnungen und Einträge von berühmten Personen und Künstlern aller Art enthielt.

Wie oben schon bemerkt, beginnt das voluminöseste der uns vorliegenden Stammbücher mit dem 3. Januar 1786. Das Buch ist stark in Leder gebunden, den Deckel schmücken Goldornamente, die Initialen des Besitzers und die Jahres­zahl 1786. Auf dem ersten Blatte finden sich folgende Notizen:

Absint rogo notae atque obecena.

(Es mögen, ich bitte, Anmerkungen und Unanständigkeiten wegbleiben.) Gießen 1785.

Literatur und Aunst.

Es muß jeden Hausvater mit Befriedigung erfüllen, wenn er sieht, wie fein Weibchen oder seine halbwüchsigen und erwachsenen Töchter nicht nur in der Hauswirthschaft emsig schaffen, sondern auch in anderer zielbewußter Thätigkett für das Familienwohl sorgen. Und wer kann es leugnen, baß gerade der ausgesprochene Hang unserer deutschen Damen zu nützlichen und das Heim schmückenden Handarbeiten eine Thätigkett bildet, um welche sie von mancher nur auf Repräfentation bedachten Ausländerin beneidet werden. Wer sich aber in der Handarbetten-Thätigkeit mit ihren vielseitigen Ab­stufungen und Techniken, ihren prächtigen, stilgerechten Mustern mit Herzenslust vertiefen will, der wird gewiß das seit Kurzem im be­kannten Verlage vonMode und Haus" erfcheineude größte Hanb- arbeitenblatt für die FamilieArarren-Meitz- mit aufrichtiger Freude willkommen'heißen.Frauen-Fleiß" bringt in leder Nummer allergrößten Formats ca. 80 herrliche, naturgroße Original-Hand- arbeiten-Vorlagen und außerdem mit jeder Nummer eine farben­prächtige Handarbetten-Lithographie und kostet bet sämmtltchen Buch­handlungen und Postanstalten nur 75 Psg. vierteljährlich. Man abonnire aufFrauen-Fleiß" bet allen Buchhandlungen und Post­anstalten und erhält von ersteren auf Verlangen unentgeltlich Probe­nummern.

Hontet*.

Btrfrnrr

Mai bm Nftzetssor MchMttch beet mal *****

verarschte-.

* Aus St. Avold wird derFrkf. Ztg." geschrieben: Während der Kaisertage waren die Preise in M e tz derart gepfeffert, daß einem Hören und Sehen verging. Ich fand mit Mühe und Noth in einer Art von Gartenhaus Unterkunft. Der Wind zog luftig durch die Spalten und Riffe, aber da winkte doch eine Lagerstatt, die dem erschöpften Körper Rast bot. Ja wohl, eine süße Rast! Es dauerte Feine Stunde, da brach eine Armee der scheußlichsten Quäl- zeister aus den verborgensten Schlupfwinkeln hervor. An Widerstand war nicht zu denken, es war fürchterlich, und am Lude mußte ich die Flucht ergreifen. Andern Tags suchte ich und erhielt in Mörchingen (Morhange) gutes Quartier. Das Städtchen, das einige Tausend Seelen zählt, ist von kiesigen Casernenbauten umkränzt. Der Commaudeur der 65. Infanterie-Brigade hat hier seinen Sitz und in nächster Zeit wird Mörchingen mit der gesammten Brigade belegt. Der Ort ist strategisch ungemein wichtig. Die große Heer­straße von Nancy durchschneidet ihn und es handelt sich darum, gegen Frankreich hin den Platz stark zu decken. Der Bürgermeister von Mörchingen ist Deutscher. Er hat aus dem Städtchen eine hübsche, reiche junge Wittwe geheirathet iinb sitzt, wie man zu sagen pflegt, in der Wolle. Man hat ihn bereits zum zweiten Male zum Stadtoberhaupt gewählt. Er hat es verstanden, sich die volle Sympathie der Loth­ringer zu erwerben und er kommt mit seinem Gemeinderath, der zu zwei Dritteln aus Eingeborenen besteht vorzüglich eni8. Eine höchst originelle Figur ist der Besitzer desersten Hotels". Während sein Sohn in Potsdam gedient hat und rin guter Deutscher ist, kann sich der alte Herr mit der neuen Ordnung der Dinge in Lothringen noch nicht recht »uSsvhnen. In einem seltsamen Gemisch von schlechtem Deutsch mnb nicht viel besserem Französisch hält er fortwährenb politische Borträge:An allem Unglück in ber Welt ist Bismarck schulb. Er hat 1870 bte Schwäche Frankreichs gekannt unb Napoleon in bie Falle gelockt, Frankreich wirb jetzt keinen Krieg provociren, aber es wirb burch bie An­wesenheit be8 Prinzen von Neapel unnöthig gereizt. Eines Tages werben sie an ber Newa bas Signal zum Sturm geben, bann wirb man in Paris antworten. Das Kriegsglück ist launisch. Wer weiß, wer Sieger bleibt!" Was ber Alte wünscht, ist nicht zweifelhaft. Der Sohn hört lächelnd den fiarmlosen Fanfaronnaden deö Vaters zu und versieht das blühende Geschäft. Mörchingen liegt in einer Thalsenkung.

Vor hundert Ishren.

(Nachdruck nur mit Quellenangabe gestattet.)

Es kommen zuweilen Fälle vor, daß man um mit Faust zu redenUrväterhausrath" zu ordnen hat. Bei solchen Gelegenheiten sollen einem Dinge in die Hand, welche nach jetzigen Begriffen längst veraltet, bei näherem Zusehen aber ungemein intereffant sind, obgleich man damit, um einen anderen Goethe'schen Ausspruch zu streifen, eigentlich nicht ins volle Menschenleben", sondern in die Vergangenheit zurückgreift, welche nicht minder intereffant wie die Gegen­wart ist,wo man sie auch packt". Unter einemUrväter- hansrath" fielen unS nun dieser Tage vier Stammbücher in die Hand, die des Jntereffanten gar manches bieten. Das erste beginnt mit dem 3. Januar 1786, ist also über hundert Jahre alt. Die Ausstattung und Einträge (darunter viele aus Gießen und der Wetterau) des Buches, die Zeichnungen und Schattenriffe in demselben werden Jedem, ber bas Buch zur Hanb nimmt, einen großen Genuß bereiten.

Was ist ein Stammbuch? fragt heutzutage bte Jugenb, welche Freimarken-, Photographie-, Autographen-Albums unb ähnliche Sammlungen zu Staube bringt, die Stammbücher aber nicht mehr kennt, weil sie die Neuzeit außer Cours ge­setzt hat, wie die Spinnräder unb bie Lichtputzscheeren. Neu­gierig schauen bie JnstitutSbämchen unb höheren Töchter auf die beiben zuletzt genannten Hausgeräthe, welche vor hunbert unb noch weniger Jahren In keinem besseren Hause fehlen durften, ebensowenig wie eins ober mehrere Stammbücher. Die Licktputzscheere hat bem Altmeister Goethe manchmal Unbehagen verursacht, benn er sagt in seinen gereimten Sprich­wörtern einmal:

Wüßte nicht, waS sie Besseres erfinden tonnten, Als wenn die Lichter ohne Putzen brennten."

Schon die Stearin- und Paraffinkerzen, die Oel- und Petroleumlampen machten die Lichtpntzscheere überflüssig, wie Diel mehr Gas und electtisches Licht. Wie unaussprechlich Dürbe sich Altmeister Goethe gefreut haben, wenn er bei

Hinter ben letzten Häusern steigt allmählich bie Heerstraße zu beträchtlicher Höhe. Von da genießt man die schönste Fernsicht auf das Lothringer Land. Der Bauer hat hier ein gesegnetes Jahr. Der Weinstock trägt die wohlgerathene reife Frucht, die Obstbäume brechen unter ihrer Last schier zusammen und die Körner - Ernte ist von den Feldern eingeheimst. Allenthalben begegnet man zufriedenen Ge­sichtern und es entspricht wirklich der Wahrheit, wenn man dem Kaiser gesagt hat: Wir Lothringer wollen nichts Anderes, als in Frieden die Früchte unserer Arbeit genießen.

* Ein komisches Reiseabenteuer erzählen die B. N. N." unter der vielversprechenden Überschrift: Der Rock des Herrn Meyer." Herr Meyer, ein geborener Berlin-.' und in Geldsachen sehr vorsichtig, hatte vor seiner Abreise nach Paris, die er kürzlich antrat, für den Fall, daß er in demStrudel, Strudel" seines Portefeuilles verlustig gehen sollte, 2000 Mark in das Futter einer seiner Röcke einnähen lassen. Nun geschah es, daß in dem von ihm bewohnten Hotel ein Bediensteter mit einer Anzahl der zur Reinigung herausge- gebenen Kleidungsstücke der Hotelgäste verduftete. Darunter befand sich auch der mit so kostbarem Futter ausgestattete Rock unseres Landsmannes. Schon hatte der Bestohlene mit der ganzen Würde, die seine hohe Steuerstufe ihm gestattete, bas Unvermeibliche getragen, als auf einem Spaziergange bie eigentümliche Farbe unb ber Schnitt eines Rockes seine Aufmerksamkeit erregt. Eine nähere Betrachtung bes Kleibnngs- stückes läßt Herrn Meyer an einen Polizisten mit bem Be­gehren herantreten, ben Träger des Rockes zu verhaften. Das geht nicht," erwiderte der Beamte,benn womit werben Sie beweisen, baß ber Rock Ihnen gehört?"Dadurch, daß Sie in seinem Futter 2000 Mk. werden eingenäht finden." Nunmehr ersuchte der Polizist den Monsieur, ihm zur Wache zu folgen. Hier that der Mann sehr entrüstet, bis die Trennung ihn ganz kleinlaut machte, denn dafür, daß er des Kleidungsstückes unrechtmäßiger Besitzer war, kam als ein unbezahlbarer" Beweis das Geld zum Vorschein. Während unser Landsmann mit seinem Eigenthum vergnügt von dannen zog, wurde der Dieb in Haft behalten, ber viel weniger be­trübt als ärgerlich war, baß er nicht nach seinem vollen Werthe zu würbigen gewußt hatte ben Rock beS Herrn Meyer.

* Der Traum als Verräther. Ein Bäckergeselle in Leipzig hatte seit Kurzem bie unangenehme Entbecknng gemacht, baß seit etwa vierzehn Tagen sein in ber Gesellen­

Auf ber zweiten Seite befinbet sich ber Schattenriß beS Eigentümers. Es ist ein interessanter Kopf, ber wohl- gepflegte Haarbeutel unb bie Busenkrause, wie man sie vor hunbert Jahren trug, fehlen nicht- ein Epheukranz umgibt ben Schattenriß, Sträuße unb Ketten von Rosen unb Vergiß­meinnicht (Aquarellzeichnung) umschlingen ben Kranz. Ganz ähnlich ist bie folgenbe Seite behanbelt, nur baß hier statt ber Silhouette bie Widmung steht:

Gönnern unb Freunben gewibmet

von

N. N.

D. G. G. B. (ber Gottes Gelehrsamkeit Beflissener) aus N. 1786.

Der erste Eintrag ist von einem Kaufmann Gerharb Henkel aus Amsterbam unb lautet:

Der Wankelmut gehört vor blöde Seelen,

. Ein edles Herz Hebt die Beständigkeit, Drum soll man diß zu meinem Ruhme zehlen, Daß ich mich Dir auf ewig treu geweyht.

Den 3. Jenner 1786.

Die Schrift ist nicht so steil, wie sie vor hundert Jahren zu sein pflegte, erinnert vielmehr an bie Lanzleischrift ber gegenwärtigen Zeit, auch ber unter bem Namen hergezogene Schnörkel. Die starke Bewegung in ben Schriftcharacteren zeigt auf eine intelligente, energische Persönlichkeit.

W

ucht

'ÄhST' Heinitkli,,

'"kömmiNj, VL1- Wi MjW- b Ä, tri Ärt Ungut «Hi MtUUt. bm.

tz, ei yÄTiüP

Ribfttn ooc Gustav eoitfiU;.

Darmstad'

> (Bau- und Cultv (Chernik, t I Elecfrotechn. Seh: atione-Geometer . lernte zu Dannen: fungen für XubIü - bau-, Ingenieur- z; Württemberg, Ba;- 14. October. Begj mentgelilich.

le Direktion.

Mn!.

en und gröhln lt sich zur Per sich zu jedn

I» rftraße 2II.