Ausgabe 
15.4.1893 Erstes Blatt
 
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1893

Samstag deulö. April

Amts- und Anzeigeblatt für den «reis Gießen.

| Gratisbeilage: Hießener Jiamilienötätter

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Amtlicher Theil

Veranrwortung zu überwachen.

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^-Verein.

er verehrlichen Mitglieder, daß für das laufende Jahr gegen t autyegeben werben.

i Wertin wolle man gefäHigfl

erzielten Verständigung zwischen dem Reichskanzler und dem Centrum wegen der Militärvorlage wissen wollen, indessen indet diese Versicherung im Allgemeinen wenig Glauben. Jedenfalls bleibt die Ablehnung der Militärvorlage auch im Plenum noch immer das Wahrscheinlichere und sicher ist, daß regierungsseitig hierauf unverzüglich mit der Auflösung deS Reichstags geantwortet werden würde, nur dürfte diese ent- cheidende Wendung erst in einigen Wochen eintreten.

Berlin, 13. April. Aus Posen wird gemeldet: Ein- -undertfünfzig deutsche Fabrikmeister, welche die Kennt- niß der russischen oder polnischen Sprache nicht nachweisen konnten, erhielten gestern Befehl, Lodz und das russische Gebiet heute zu verlassen. Die Fabrikbesitzer sind ausgefordert, die Ausführung der Maßregeln unter eigener

:m Verein einen höheren zemäß festgesetzten von re dies im Interesse der :swerth.

jr unter der PJ

BUrteltäfctger JlfexetÄndayrd» i 2 Mark 20 Psg. «tt vringerloha. Durch die Post bt$ag*, 2 Mark 50 Pfg.

Äcbartien, trptbNiee und Druckerei:

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Krach'recher 6L

Neueste Nachrichten.

Wolffs telegraphisches Eorresponden,-Bureau.

Berlin, 13. April. Der heutigen Trauerfeier für Profeffor Carl Werder in der Garnisonkirche wohnten der Kaiser, Prinz Alexander, der Erbgroßherzog von Baden bei und überbrachten persönlich Kranzspenden. Die gedankenvolle Rede des Hospredigers Frommel machte einen bedeutenden Eindruck. ,

Berlin, 13. April. Unter Vorsitz der Kaiserin und in Gegenwart der Prinzessinnen Albrecht und Heinrich und der Erbgroßherzogin von Baden trat heute im Arbeitsministerium die Delegirten-Versammlung des Vaterländisch en Frauenvereins zusammen. Minister Hoffmann eröffnete die Verhandlungen, die der Besprechung der Friedensaufgaben des Vereins gewidmet waren.

Dresden, 13. April. Die Regierung lud die Mitglieder der Sanitätsconserenz ein, die Sehenswürdigkeiten der Stadt Meißen zu. besichtigen. Heute begaben sich die Dele- girten mit dem sächsischen Staatsminister und den Hofstaaten des Königs mittelst Sonderzuges nach Meißen zur Besichtigung der Porzellanmanufactur, der Albrechtsburg und des Domes, wo ein Concert stattfindet.

Prag, 13. April. Blärtermeldungen aus Kolin zufolge begeht die dortige Bevölkerung seit vorgestern AuSschreit/ ungen gegen die Juden in Folge des Gerüchtes von einem Ritualmord, veranlaßt durch den constatirten Selbst­mord einer Frauensperson, deren Leiche aus der Elbe gezogen wurde. Gensdarmerie und Polizei schützen energisch die Juden. Es heißt, es sei Militär zur Unterstützung herbei- gerufen.

Prag. 13. April. Amtlich wird aus Kolin gemeldet: Die Ruhestörungen wiederholten sich gestern Abend in größerem Umfange, die Wachtmannschaflen wurden mit Steinen beworfen und verwundet, ebenso wurden viele Fensterscheiben

Bekanntmachung.

betreffend Maul« und'Klauenseuche zu Albach.

Nachdem in einem Gehöft zu Albach die Maul- und Klauenseuche festgestellt worden ist, haben wir die Sperre des betreffenden Gehöftes und weiter verfügt, daß Rindvieh, Schafe, Ziegen und Schweine aus der genannten Gemarkung bis auf Weiteres nur zu^ sofortigen Abschlachtung und nur auf Grund thierärztlicher Gesundheitsscheine ausgeführt wer­den dürfen.

Gießen, den 12. April 1893.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Lehrling

y Zeugnissen gesucht.

len bitte unter A 20 an btt hp.

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Paris, 13. April. Schwurgericht. Das Zeugen­verhör in der Verhandlung über die Explosion im Restaurant Very wurde ohne Zwischeni^ll beendet.

Lissabon, 13. April. rtj# der König gestern Abend das Theater verließ, wollte -i betrunkener Arbeiter in den Wagen des Königs eindringen. Der Arbeiter wurde sofort

Bekanntmachung.

Wir bringen hiermit zur allgemeinen Kenntniß, daß das Proviantamt Bockenheim noch fortgesetzt Roggenrichtstroh (Flegeldrusch) vorzugsweise von Producenten kauft.

Zur Ertheilung jeder schriftlichen oder mündlichen Aus­kunft über Preis und QualüätSverhältniffe ist das Königliche Proviantamt Bockenheim bereit.

Gießen, den 10. April 1893.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

verhaftet.

Brüssel, 13. April. Im Becken von Lüttich lst biS jetzt kein Strike ausgebrochen. Das Becken von Mons ist ruhig. 15,000 Ausständische in Quaregnon und Fra- meries begingen Nachts Exzesse gegen das katholische Casino und die Kirche. Im Centralbecken sind 15 Gruben, in Lacrohere und Haine zwei industrielle Etabliffements aus­ständisch. In Gent striken einige Weber, in Verviers feiern 65 Etabliffements. In Brüffel wird eine bedeutende Verminderung der Ausständischen constatirt. DaS Becken von Charleroi ist ruhig, man bemerkt nichts von einem Strike trotz des Beschlusses der Ritter der Arbeit, dem vom Socia» listenclub in Gent gefaßten Beschluß zu folgen.

Depeschen deS BureauHerold".

Berlin, 13. April. Soweit die Veranlagung zur Ein­kommensteuer für 1893/94 bisher übersehbar ist, ergiebt diese einen Minderertrag gegen das Vorjahr von zehn Millionen Mark. .

Berlin, 13. April. DerPost" zusolge hat die frei* konservative Fraction einstimmig beschlossen, der Auserhebungs­setzung, der Vertragssteuer und Bergwerksabgaben, wie der Aufhebung der lex Huene zuzustimmen. Dagegen hat jetzt eme erhebliche Mehrheit für Streichung der Bestimmungen entschieden, welche die Rückzahlung der Grundsteuer- Entschädigungen betreffen.

Berlin, 13. April. Ahlwardt ist heute mit zwei Bündeln Acten stücken im Reichstag erschienen und bat privatim den Präsidenten um Erlaubniß, dieselben heute vor­zulegen. Der Präsident erwiderte, morgen vor Eintritt in die Tagesordnung könne dies geschehen.

Berlin, 13. April. Ahlwardt will morgen nur einen Theil der Act en stücke vorlegen und die anderen in einer Skandal-Broschüre verarbeiten.

Brüssel, 14. April. Um 9 Uhr gestern Abend durch­zogen über 4000 Manifestanten die Straßen zu den Ministerien. Es wurden rothe Fahnen vorausgetragen und revolutionäre Lieder gesungen. Die Polizei, welche voll­ständig aufgeboten wurde, war machtlos, später rückte auch die Artillerie aus. Die Zahl der Strikenden ist aus 10000 gewachsen. Blutige Zusammenstöße werden in der Nacht erwartet. Die Blätter veröffentlichen Special-Aus­gaben, sogar die Progressisten warnen vor Ausschreitungen und sagen, die Arbeiter sollen sich ruhig verhalten und keine Zusammenstöße mit der Polizei verursachen, woraus die Bourgeosie nur Nutzen ziehen würde. Der Abgeordnete Woeste wurde auf öffentlicher Straße am Abend von re­volutionären Rednern durchgeprügelt. Sowohl in der Hauptstadt als in der Provinz wächst die revolutionäre Agi­tation stündlich.

Gent, 14. April. Bis heute stehen dreitausend Ar­beiter aus.

Mons, 14. April. Hier sanden gestern Abend blutige Zusammenstöße mit der Polizei statt, wobei viele Ver­wundungen vorkamen und Verhaftungen vorgenommen wurden.

Belgrad, 14. April. König Alexander ließ heute Nacht die seitherigen Regenten verhaften. Er theilte den­selben mit, daß er sich großjährig erkläre und ernannte sofort ein neues Ministerium unter dem Präsidium Dokic. Die Truppen wurden consignirt und leisteten dem König den Eid der Treue. Die Häuser der Regenten und Minister sind umstellt.___________

Sitzung der Stadtverordneten

am 13. April 1893.

Anwesend: Herr Oberbürgermeister Gnauth, die Herren Beigeordneten Georgi und Grüneberg, von Seiten der Stadt­verordneten die Herren Brück, Faber, Grünewald, Helfrich, Heyligenstaedt, Homberger, Keller, Löber, Orbig, Petri, Dr. Ploch, Dr. Schäfer, Scheel, Simon, Dr. Thaer, Vogt und Wallenfels.

Nachdem das vor Kurzem angenommene Statut, betr. die Gemeindekrankenversicherung, die Genehmigung des Großh. Krcisamts gefunden, kann daffelbe nach Mit-

Ausschreiben.

Wir bitten um Auskunft über den derzeitigen Aufent­halt der nachstehend bezeichneten Personen, die sich Ende März l. I. in Lang.Göns aufgehalten haben:

1. Steller, Heinrich, Sohn der Maria Maus aus Nieder-Gemünden,

2. Maus, Karl, Sohn derselben,

3. Kaiser, Joh. Georg, Korbmacher aus Stockheim.

Gießen, den 7. April 1893.

Großherzogliche Staatsanwaltschaft. Schilling-Tr.

Deutscher Reich.

Darmstadt, 13. April. Seine Königliche Hoheit der Großh er zog sind mit Ihrer Großherzoglichen Hoheit der Prinzessin Alix und Gefolge heute früh 6 Uhr in Basel angekommen und um 7 Uhr mit dem Gotthardt-Zug weiter­gefahren, so daß Ällerhöchstdteselben heute Nachmittag 5 Uhr in Mailand eintreffen, von wo die Abreise nach Florenz Abends 10 Uhr stattfindet. Die Ankunft wird dort morgen früh nach 6 Uhr erfolgen.

Berlin, 13. April. Unser Kaiserpaar gedenkt mit dem gesammten Haushalte im Lause des bevorstehenden Sonn­tags aus dem Berliner Residcnzschlofse nach dem Neuen Palais bei Potsdam, dem bevorzugten Sommeiheim der Majestäten, überzusiedeln. Von Potsdam, resp. von der Wildparkstation aus wird dann am Dienstag Abend die Abreise des Kaiser- paareS nach Italien erfolgen. Für die Hinfahrt ist bekannt­lich die Route über München, den Brenner u. s. w. gewählt worden, während bei der Rückreise der Weg durch die Schweiz eingeschlagen wird. Hierbei findet in Luzern eine offizielle Begrüßung der Majestäten durch eine besondere Abordnung des schweizerischen Bundesraths mit dem Bundespräsidenten Schenck an der Spitze statt.

Erbgroßherzog Friedrich von Baden, bislan Commandeur der 4. Garde - Infanterie - Brigade, ist unter Ernennung zum Generallieutenant zum Befehlshaber der 29. Division ernannt worden. Der Erbgroßherzog wird seinen dienstlichen Wohnsitz in Freiburg i. Br. nehmen.

Die abgelausene Woche hat in Preußen wie im Reiche den Wiederbeginn der parlamentarischen Thätigkeit gebracht, denn am Dienstag ist das preußische Abgeordneten­haus, am Donnerstag aber der Reichstag wiederum zusammen­getreten. Für beide Parlamente birgt der nun begonnene nachösterliche Sessionsabschnitt wichtige Entscheidungen in seinem Schooße, denn für die preußische Volksvertretung wird es sic> darum handeln, die drei Steuervorlagen unter Dach und Fach zu bringen, während im Reichstage vor Allem über die Mili­tärvorlage endgiltig Beschluß zu faffen ist. Die Aussichten der beiden gesetzgeberischen Reformwerke, der weiteren Steuer- reform in Preußen und der Heeresresoim im Reiche, sind aber wesentlich von einander verschieden. Denn das Zustande­kommen der neuen preußischen Steuergesetze im Abgeordneten­hause gilt schon jetzt so gut wie gesichert, falls nicht etwa ganz unvorhergesehene Zwischenfälle eintreten, in der Militär­frage dagegen ist die Situation dieselbe kritische geblieben,

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Kenerat-Anzeiger.

Deutscher Reichstag.

74. Sitzung. Donnerstag, 13. April 1893.

Auf der Tagesordnung: Interpellation Menzer betreffend den deutschen Tabakbau.

Nachdem sich der Vertreter der Bundesregierungen zur Beant­wortung der Interpellation berät erklärt, begründet Menzer seine Interpellation und behauptet, der Rückgang des deutschen Tabakbaues datire seit 1879 und zwar namentlich in den letzten Jahren be- butenb. Nahezu 200000 Tabakbauer harren der Antwort der Re- 0terUnd'taat§ftcrelär v. Maltzahn: Die Bundesregierungen erkennen nicht an, daß der Grund des Rückganges deS Tabakbaues allein in der Steuer- und der Zollgesetzgebung liege. Der Hauptgrund sei die Veränderung der Geschmacksrichtung. Die Regierung habe ihr In­teresse an dem Tabaksbau dadurch bekundet, daß der Tabak bei der Frage nach der Deckung der Kosten der Mtliläroorlage nicht heran­gezogen worden sei.

Abg. Graf v. LoS (Ctr.) hält eine mäßige Herabsetzung der Tabaksteuer im Jntereffe der kleinen Tabakbauer für geboten-

Abg. Bürkltn (natl.) wünscht die Wiederherstellung der Pro­portionalität zwischen der Steuer, den Zoll aus Tabak und die Herab­setzung der Steuer. c .

Abg. Barth (dfr.) erklärt den außerordentlichen Rückgang des Tabakbaues im Vorjahre mit der exorbitanten Höhe der Getretde- pretse. Bei der gegenwärtigen politischen und finanziellen Situation sei eine Herabsetzung der Tabaksteuer undenkbar. Die Interpellation sei ein Ausfluß der Inter effenpolitik, welcher die Regierungen nicht nachgeben dürfen.

Abg. Winterfeldt (cons.) bekämpft die Ausführungen des Vorredners.

An der wetteren Debatte betheiligm sich die Abgg. Klemm- Ludwigshafen (natl.), Molkenbuhr (Soc) und Troeltsch, worauf die Interpellation erledigt ist. , 3

Rach der Erledigung der Rechnungssachen vertagt sich das Haus auf Freitag. Tagesordnung: Wuchergesetz und Verrath mllt- larischer Geheimnisse.

wie schon [eit vielen Wochen. Allerdings sind noch in den eingeschlagen. Schließlich wurden aber die Tumultuanten letzten Tagen der parlamentarischen Osterpause des Retchstags verjagt und 18 Personen verhaftet. Vorsichtshalber tft mtli- Gerüchte ausgetaucht, welche von einer hinter den Caulissen tartscher Bets and erbeten worden

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