Ausgabe 
14.7.1893 Erstes Blatt
 
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Bekanntmachung^

betreffend Abhaltung landwirthschaftlicher Vorträge.

Herr Landwirthschaftslehrer Leithiger zu Alsfeld wird Vorträge über die zur Linderung der Futternoth dienenden Mittel abhalten:

1) Samstag den 22. Znli d. Zs., Abends 8 Uhr, in dem Saale des Gastwirths Konrad Volk in Trohe,

2) Sonntag den 23. Juli d. 38., Nachmittags 3 Uhr, in dem Saale des Wirths Kaspar Langsdorf zu Garbenteich.

Zu diesen Versammlungen werden nicht nur alle Mit­glieder des landwirthschaftlichen Vereins, sondern alle Land- wirthe und Freunde der Landwirthschaft ergebenst eingeladen.

Die Herren Bürgermeister der vorgenannten und benach­barten Orte werden ersucht, auf möglichst zahlreichen Besuch der Versammlungen hinzuwirken.

Gießen, den 14. Juli 1893.

Der Director des landwirthschaftl. Bezirksoereins Gießen.

Jost.

Deutsches Reich.

Berlin, 11. Juli. Der Großfür st «Thronfolger Nikolaus von Rußland hat seinen angekündigten Besuch beim deutschen Katserpaare gelegentlich seiner Rückreise von England nach Petersburg am Dienstag zur Ausführung ge­bracht. Am genannten Tage, Abends 8 Uhr 35 Min., traf der Czarewitsch mittels kaiserlichen Sonderzuges, der ihm an der Grenzstation Goch zur Verfügung gestellt worden war,

Lande der Welt wird so viel wie in Deutschland die Wissen- schast um ihrer selbst wegen, das ist um der Erkennlniß wegen gepflegt; und doch hat sie in keinem Lande der Welt dem practischen Schaffen größere Dienste gethan. Das Bei­spiel steht vor uns. Was ist hier nicht alles von dem Nürnberger Spielzeug bis zu dem riesigen Ungeheuer der Krupp'schen Kanone, bis zu den Wundern der Schmiedekunst und des Berliner und Meißener Porzellans, bis zu den modernsten Erzeugniffen auf dem Gebiete des Maschinenbaues, des Bergbaues, des Eisenbahnwesens, der Chemie, der elec« irischen Triebkraft und des electrischen Lichtes und da leuchtet wieder das deutsche Licht am hellsten und am weitesten bis zu den Herrlichkeiten der heutigen Textilindustrie, bis zu den glänzenden Schöpfungen der Neuzeit in Malerei und Sculptur, von den einfachsten Lettern des gewöhnlichen Buch« drucks bis zu dem blendendsten Prachtwerke in Buchstaben und Bildern, von der Handfibel der deutschen Volksschule bis zu dem Apparat höchster Wissenschaft. Alles dies und viel mehr, wie es auf deutschem Boden gewachsen ist, das Nützliche und Schöne vereint, in einer Mannigfaltigkeit, Fülle und Pracht und von jener Anmuth durchwebt, wie sie nur einem in viel- hundertjähriger Geschichte gebildeten Culturvolke eigen sein kann, hier ist dies alles, so erstaunlich und doch so unleug­bar und überzeugend, daß die Kritik ohne Kampf der Be­wunderung weicht und selbst die Mißgunst und Eifersucht stumm wird.

Niemand verarge uns, wenn auch wir Deutsch-Amerikaner fühlen, als hätten wir an diesem schönen Siege der Stammes- genossen unseren Antheil. Es sei uns vergönnt, uns in dem Glanz des alten Vaterlandes zu sonnen. Mit Stolz weisen wir unsere amerikanischen Brüder hierher und sagen:Seht das ist Deutschland, das Land, das uns geboren. Dies ist das deutsche Volk, das Volk, dem wir entsprossen sind. Achtung diesem Lande und diesem Volke!" Allen anderen Nationen gönnen wir neidlos, was immer an Triumphen sie verdient haben. Wir sind mit diesem zufrieden. Und für diesen Triumph senden wir dem alten Vaterlande unseren herzens­warmen Dank. Dank dem deutschen Geist und der deutschen Kraft, die alles geschaffen. Dank dem Kaiser für die mäch­tige Anregung, die er diesem Werke in Deutschland gegeben,

Mitglieder sind, sind

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ng 1813 wird Werke obeogeMcoler tutoren enthalten.

heu durch alle Buchhandlung« und PostaneUlten.

Freitag den 14. Juli

1893

Nr. 163

Erstes Watt

Gießener Anzeiger

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Amtliche»» Theil.

Gießen, den 12. Juli 1893. Betr.: Der landwirthschaftliche Nothstand.

DaS Großherzogliche Kreisamt Gießen e* dN »rstzh. vürgermeiftereie» M «reise-.

Nach den für die Lieferung der Nothstands-Commission getroffenen Bestimmungen hat der Gemeinderath Namens der Gemeinde für die Rückzahlung des Preises der in die ein­zelnen Gemeinden auf Bestellung bewirkten Lieferungen von Sämereien, Futtermitteln, Düngermitteln und Streuersatz­mitteln die Bürgschaft zu übernehmen.

Wir weisen Sie an, dafür besorgt zu sein, daß den auf Grund der Einzelbestellungen von der Ortsvermittelungsstelle ausgeferligten Bestellscheinen (Formular 2 der Noth- ftands-Commission) die Bürgschaftserklärung des Ortsvorstands beigefügt wird.

__________________v. Gagern.__________________

Bekanntmachung.

Nachstehend abgedrucktes Rundschreiben der Deutschen LandwirthschaftS-Gesellschaft zu Berlin SW, Zimmerstraße 8, wird im Interesse der Viehzüchter hierdurch veröffentlicht.

Gießen, den 11. Juli 1893.

Der Vorstand des landwirthschaftlichen Bezirksvereins Gießen. Jost.

Rundschreiben

an die Vorstände von landwirthschaftl. Vereinen und Zuchtgenossenschaften.

Von verschiedenen Seiten geht uns die Nachricht zu, daß infolge des Futtermangels, namentlich in Mittel-, Süd- und Westdeutschland, Zuchtvieh verkauft wird und zwar zu, wie es heißt, außerordentlich niedrigen Preisen. Da in an­deren Theilen Deutschlands, namentlich im Norden und Nord­osten, entweder verhältnißmäßig mehr Futter gewonnen ist oder aber die wirthschaftlichen Verhältnisse überhaupt eine Ergänzung des Viehstandes gestalten, erlauben wir uns, den Viehzüchtern, welche nothwendigerweise Vieh verkaufen müssen, es anzubieten, ihre Angebote in anderen Thellen Deutschlands

bekannt zu geben. Wir verfolgen dabei den Zweck, vorhan­denes Zuchtvieh der Zucht zu erhalten und die Landwirthe, welche nothgedrungen Vieh verkaufen müssen, vor Schleuder­preisen zu schützen.

Wir bitten die Vorstände von landwirthschaftlichen Ver­einen, von Zuchtgenossenschaften, Gemeindevorstände und alle Landwirthe, die es angeht, ihre Angebote von Verkäufen an uns, unter Benutzung des untenstehenden Fragebogens, ein­zureichen, damit wir sie in angemessener Weife bekannt geben können. Unkosten erwachsen hieraus nicht.

Deutsche Landwirthschafts - Gesellschaft.

Das Directorium.

v o,n A r n i m. E y t h.

Fragebogen.

(Die Antworten auf diese Fragen werden in geeigneter Weise ver­öffentlicht, zunächst durch die Mittbeilungen der Deutschen Land- wirthschasts- Gesellschaft.)

1) Wo und wann findet in dec nächsten Zeit in Ihrem Be­zirk ein öffentlicher Markt statt, auf welchem ein größeres Angebot von Zuchtvieh zu erwarten ist?

2) Finden außerhalb eines Marktes in Ihrem Bezirk in der nächsten Zeit Verkäufe von Zuchtvieh in größerem Um­fange statt und wo?

3) Um welche Rassen oder Schläge handelt es sich bei den Verkaufsgelegenheiteu zu 1 und 2?

4) Um welches Geschlecht, Alter und Zahl handelt es sich vorzugsweise bezw. bei den einzelnen Schlägen hierbei?

5) Welche Preise werden voraussichtlich gefordert?

6) Welche gemeinnützigen Vereinigungen (Bezirks- oder Zucht­vereine, Gemeindevorstände u. s. ro.) können Sie uns an­geben, an welche mit Bezug auf die obigen Verkäufe An­fragen zu richten sind oder welche den Verkauf direct vermitteln?

7) Können Sie uns zuverlässige Händler in Ihrer Gegend empfehlen?

8) Andere Bemerkungen.

Ort: Datum:

Unterschrift:

Gießen, den 12. Juli 1893.

Betr.: DaS Landgeftüt, insbesondere die Bedeckung der Stuten durch die Landgestütsbeschäler.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

<m die Grotzh. Bürgermeistereien de- -kreise-.

Diejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage vom 27. Juni l. I. Anzeiger Nr. 150 noch nicht nachge­kommen sind, erinnern wir an Erledigung derselben binnen 8 Tagen.

v. Gagern.

Rede Ksrl Schurs«,

gehalten am 15. Juni amdeutschen Tage" in Chicago.

(Schluß.)

Gestehen wir es nur, Manche von uns hatten so viel kaum zu hoffen gewagt. Hier erinnerte man sich noch der demüthigenden Leistung Deutschlands auf der Philadelphiaer Weltausstellung des Jahres 1876. Jene Leistung war nicht allein klein an Umfang gewesen, sondern auch kleinlich an Character. Sie trug noch das Merkmal der alten Zeit vor der Wiedergeburt des Reiches, aU Jn der Zerrissenheit des Vaterlandes der Deutsche noch kleinstaatlich lebte und klein­städtisch dachte- als der Gedanke, in dem Wettkampf der Völker sich auf den ersten Platz zu schwingen, den meisten Deutschen noch fast wie eine thörichte Vermessenheit erschien, als in dem geschäftlichen Streben der spießbürgerliche Plan des kleinen, nächstliegenden Vortheils durch Unterbieten im Preise den weitsichtigen Unternehmungsgeist und die kühnen Griffe in die Zukunft ausschloß. Freilich hatte zur Zeit der Philadelphiaer Ausstellung das neue deutsche Reich schon fünf Jahre gestanden und freilich war Deutschland die ton­angebende Macht des europäischen Continents. Aber diese fünf. Jahre waren noch zu kurz gewesen, als daß den national'politischen Aufschwung ein national-wirthschaftlicher schon hätte einholen können. Die Folgen zweier großen Kriege mußten erst überwunden und der Bau der Kleinlich­keit, jenes alten Fluches des deutschen Wesens, mußte erst ganz gebrochen werden durch das Wachsthum weiterer An­schauungen, kühneren Strebens und höhere Ziele. Und dieses Wachsthum ist gekommen, wie es bei einem tüchtigen Volke kommen mußte, unter jener mächtigsten aller Inspirationen des Volksgeistes, der Inspiration einer edleren und stolzeren nationalen Selbstachtung. Und wie bei dem einzelnen Menschen, so bei einem Volk Selbstachten ist Character.

Es giebt in dem Kampfe der Concurrenz zwei Arten von geschäftlicher Politik, die für den Character des Geschäfts­mannes und den des Geschäfts bezeichnend sind. Die eine

ist, was ich schon erwähnt habe, das Unterbieten der Preise, I mit der DeviseBillig und schlecht". Das ist die Politik I

des Spießbürgers, eine Politik, die eines tüchtigen Mannes und eines tüchtigen Volkes unwürdig ist.

Die andere ist die Politik des Ueberbietens im Werthe, mit der DeviseBeste Waare für guten Preis". Das ist die Politik des Geschäftsmannes von weitem Blick und von Characterstolz, des Mannes, der mit offenem Geist die Bedürfnisse seiner Zeit erforscht und die besten Mittel sucht, ihnen zu genügen, der die Fortschritte der Erfindung und die Entwickelung der Gelegenheiten mit scharfem Auge verfolgt, der mit großem Sinn und freigebiger Hand die Wissenschaft und die Kunst zu seinen Gehilfen macht, der sich mit ehr­lichem Handeln eine ehrliche Kundschaft gewinnt und der auf dem Boden des gewonnenen Vertrauens mit kühnem Unter­nehmungsgeist Weiteres wagen darf. Das ist die Politik eines Volkes, das seine Industrie und feinen Handel in großem Maßstabe aufbauen will- eines Volkes, das Geist besitzt und diesen Geist zu gebrauchen versteht- eines Volkes, das in seine eigene Kraft Vertrauen und vor seinem eigenen Character Respect hat. Das ist die Politik, die den Welt­markt erobern und ihn auch behaupten kann.

Die Politik des Unterbietens im Preise das war Deutschland in Philadelphia ein nachschleichender Schatten des Deutschlands der alten Zeit, der Zeit der Zerrissenheit, der Ohnmacht, der Kleinlichkeit, der Selbst-Ironie, des Zweifels an der eigenen Kraft. Die Politik des Ueber­bietens im Werthe das ist Deutschland in der weißen Stadt zu Chicago das Deutschland der neuen Zeit, des mächtigen Reiches, des gehobenen Nationalgefühls, der Selbst­achtung, der großen Inspiration, des gewaltigen Könnens und des hohen Wollens, groß in seinem Kriegsruhm und nicht weniger groß in den Werken des Friedens. Diesem Deutschland bringen wir heute unseren Gruß.

Mit stolzem Bewußtsein des Vollbrachten kann Deutsch­land hier den Völkern der Erde zurusen:Kommt her und seht!" In diesen Räumen zeigt sich nur das treffliche Pro- duct, hier weht der Geist der Nation. Nach den deutschen Siegen im französischen Kriege sagte man:Das war nicht bloße brutale Kraft, das hat der deutsche Schulmeister ge­than." Dasselbe Wort gilt hier, wenn man dem deutschen Schulmeisterthum die deutsche Universität zuzählt. In keinem