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1893
Sonntag den 14. Mai
Erstes Blatt
Meiner Anzeiger
Senerat-Mnzeiger.
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Versammlung sprechen die bisherigen Abgeordneten, auch Ahlwardt.
Berlin, 12. Mai. Die „Nordd. Allgem. Ztg/' melbet aus Paris: Dem „Echo" zufolge habe General Davoust, welcher für den Fall der Mobilmachung die zwischen Epinal. und Belfort zu conzentrirende Armee zu führen bestimmt ist, eine Jnspection der Vogesen grenze begonnen.
Thorn, 13. Mai. Ab heute erhebt auch Rußland zur Deckung der Kosten für den sanitären Ueberwachung s- dienst von allen die Weichsel stromauf die Grenze passirenden Fahrzeugen eine Gebühr von 10 Rubel ®olb; diese Maß« regel dürfte die Weichsel-Schifffahrt vollständig lahmlegen.
Brussel, 13. Mai. Der päpstliche Nuntius theilte dem Ministerpräsidenten offiziell mit, der Papst werde der Königin von Belgien die goldene Rose verleihen.
Petersburg, 12. Mai. Dem „Regierungsboten" zufolge ind vom 27. Zlpril bis 3. Mai in den Gouvernements Orel, Pensa, Kursk, Podolien, Saratow und Tambow 445 Personen an der Cholera erkrankt, 147 gestorben. Am heftigsten:
, wüthet die Seuche in dem Gouvernement Podolien.
Gothenburg, 12. Mai. Hier sind zwölf Erkrankungen an Pocken constatirt worden, wovon eine tödtlich verlief.
Newyork, 12. Mai. Der offizielle Saatenberichd lautet günstig. Aus Memphis werden fortwährend U c ö e r - schwemmungen gemeldet, auch Kansas steht theilweise unter Wasser.
Sitzung öer Stadtverordneten
am 12. Mai 1893.
Anwesend: Herr Oberbürgermeister Gnauth, die Herren Beigeordneten Georgi und Grüneberg, von Seiten der Stadtverordneten die Herren Brück, Faber, Flett, Habe- nicht, Helfrich, Heß, Homberger, Jughardt, Keller, Löber, Orbig, Petri, Dr. Ploch, Schmall, Scheel und Simon.
Dor Eintritt in die Tagesordnung macht Herr Oberbürgermeister Gnauth Mittheilung über die Ursache der von Herrn Schmall in voriger Sitzung zur Sprache gebrachten Ungleichheit in der Abgabe von Wasser aus dem Brunnen an der Ostanlage und demjenigen in der Wolfstraße. Danach erfolgt die Abstellung durch 16 über die ganze Stadt verbreitete Absperrschieber, wobei mit dem Absperrschieber an der Kreuzung der Licher und Grünberger Straße der Anfang gemacht wird. Die Leitung zwischen dieser Stelle und dem Hochreservoir, also auch der Brunnen in der Wolfstraße, bliebe sonach ständig unter Druck.
Der deutsche Verein für öffentliche Gesundheitspflege halt seine diesjährige Generalversammlung in Würzburg ab. Herr Oberbürgermeister Gnauth erklärt, daß er die Versammlung besuchen würde und bezeichnet es als wünschenswerth, daß noch der eine oder der andere der Herren Stadtverordneten daran theilnehmen möchten. (Die ausführliche Tagesordnung für diese Generalversammlung befindet sich im zweiten Blatt des heutigen Anzeigers.)
Das Gesuch des Herrn Christoph Bischoff um Er- laubniß zur Herstellung eines gepflasterten Ueberganges zwischen den Häusern 66 und 71 der Liebigstraße wird widerruflich mit der Bedingung genehmigt, daß der Pflasterstreisen eine Breite von 2 Mtr. erhält.
Gleichfalls auf Widerruf genehmigt wird das Gesuch des Herrn Hermann Scherff um Erlaubniß zur Errichtung eines Gartenhäuschens in der Lahnftraße.
Bezüglich des Gesuches des Herrn Georg Koch um Erlaubniß zum Bauen an der Ecke der Ludwigs-und Liebigstraße handelt es sich um Festsetzung der Baufluchtlinie. Es wird beschlossen, diese so festzusetzen, daß die Südostseite der Ludwigsstraße von der Liebigstraße bis zur Wilhelmsstraße 3l/z Meter breite Vorgärten erhält.
Das Gesuch des Herrn W. Steinbach für dieGarten- ftraße bedarf einer Dispensation hinsichtlich der vom Fach- werkSbau handelnden Bestimmungen der Bauordnung. DaS Gesuch, welches auf die Erlaubniß zur Aufführung des oberen Stockwerks in sichtbarer Holzconftruction hinausgeht, soll befürwortet werden, da durch Hintermauerung des Fachwerks die vorgeschriebene Mauerstärke erreicht, auch der Gesammt- eindruck des Bauwerks durch die nachgesuchte Bauart nicht beeinträchtigt wird.
Das Gesuch des Herrn H. Sch m a ll III. um Erlaubniß zur Errichtung eines Anbaues an seinem Hause in der Grünbergerstraße soll auf Antrag der Baudeputation wegen Nichteinhaltung der Baufluchtlinie beanstandet werden.
Vor einiger Zeit wurde beschlossen, die Sandgrube im Stadtwalde, rechts an der Rödgener Straße, wegen des in einem Verpachtungstermine erzielten unbefriedigenden Pachtpreises so lange zu schließen, bis von Seiten derNächst-
Rücksicht darauf, daß die genannte Körperschaft wegen des neuen Reichstages genöthigt ist, ihre Session bis tief in den Hochsommer hinein fortzusetzen.
— Zu denjenigen hervorragenderenMitgliedern des Reichstages, welche es abgelehnt haben, für die Neuwahlen zu candidiren, gehören u. A. auch die bekannten Centrumsabgeordneten Freiherr v. Huene, Graf Ballestrem, der erste Vicepräsident im alten Reichstage, und Dr. Porsch. Die Mißhelligkeiten, zu denen der einstweilige AuSgang der Militärfrage auch innerhalb der Centrumspartei geführt hat, bilden offenbar die Ursache zu der Mandatsmüdigkeit dieser angesehenen Parlamentarier.
— Ein besonders buntscheckiges Bild scheint die Reichstagswahlagitation in München zeitigen zu wollen. Hier stehen sich bislang ein nationalliberaler, ein freisinniger und ein socialdemokratischer Candidat, sowie ein Centrums- candidat gegenüber, wozu sich aber, wie es heißt, noch ein Candidat der antisemitischen Volkspartei, ein solcher der con- ervativ-particularistischen Partei und endlich Herr Dr. Sigl als Candidat ganz auf eigene Faust gesellen werden. Die Reichstagswähler der bayerischen Hauptstadt hätten also das ganz besondere „Glück", unter sieben Candidaten Umschau halten zu dürfen!
Nerreste Nachrichten»
Wolff» telegraphisches Korrespondenz-Bureau.
Berlin, 12. Mai. Die Cabinetsordre, in welcher der Kaiser das Abschiedsgesuch des Generals der Infanterie, Freiherrn von Meerschetdt-Hüllesfem, genehmigt hat, lautet:
„Mit aufrichtigem Schmerze sehe ich Sie von der Spitze Meiner Garde scheiden, welche (Sie zu so hohem Maße der Kriegstüchtigkeit gebracht haben. Ein treuer Diener Meiner Vorgänger, der persönliche Freund Meinerseits, werden Sie stets Meines Dankes gewiß sein. Um Sie in näherer Verbindung mit Meinem Gardecorps zu behalten, stelle ich Sie ä la suite des von Ihnen rühmlichst commandirten 3. Garde- Grenadier-Regiments Königin Elisabeth.
Wilhelm R."
Berlin, 12. Mai. Der DiLcont der Reichsbank ist heute auf 4 pCt., der Lombardzinsfuß für Darlehne gegen ausschließliche Verpfändung von Schuldverschreibungen des Reiches oder eines deutschen Staates auf 4J/2 pCt., gegen Verpfändung sonstiger Effekten und Maaren auf 5 pCt. erhöht worden.
Dresden, 12. Mai. Der Großherzog von Hessen ist nach 8V4 Uhr hier eingetroffen und wurde vom König, den Prinzen, der Generalität und den Spitzen der Behörden am Bahnhofe empfangen. Die Begrüßung war überaus herzlich. Nach Abschreitung der Front der Ehrencompagnie begaben sich der König und der Großherzog nach dem Residenz, schlosse, aus dem ganzen Wege vom Publikum enthusiastisch begrüßt. Im Schlöffe fand dann die Begrüßung des Großherzogs durch die Prinzessinnen statt.
Marienbad, 12. Mai. Der Fürst von Waldeck ist heute früh 8 Uhr gestorben.
Wien, 12.Mai. Nach einer Petersburger Meldung der „Polit. Corresp." aus unterrichteter Quelle wird der Großfürst-Thronfolger den Herbst - Manövern der österreichisch-ungarischen Armee beiwohnen. In Wiener competenten Kreisen wurde bisher von dieser Sache nichts bekannt.
Madrid, 12. Mai. In der Nähe der Deputirtenkammer wurde eine Petarde mit erloschener Zündschnur gefunden. In Barcelona explodirten in verschiedenen Straßen fün Petarden, ohne Schaden zu verursachen. Zwei Personen wurden verhaftet.
Depeschen deS Bureau ,£>crolb'.
Berlin, 12. Mai. Der Kaiser reist zur Beisetzung des verstorbenen Fürsten von Schaumburg-Lippe nach Bückeburg.
Berlin, 12. Mai. Der „Kreuzzeitung" zufolge hat der Kaiser mit Rücksicht auf die innere politische Lage be- schlossen, von der bisher geplanten Nordlandreise vorläufig Abstand zu nehmen.
Berlin, 12. Mai. Der Himmelfahrttag wurde seitens der hiesigen Socialdemokraten zu lebhaftester Agitation auf dem Lande benutzt. Heute finden in allen sechs Berliner Wahlkreisen socialdemokratische Versammlungen start, worin die ausgestellten Candidaten sprechen. In der auf Tivoli tagenden Versammlung der Conservativen sprechen v. Manteuffel und Stöcker.
Berlin, 12. Mai. In der heutigen Antisemiten
Theil.
Gießen, 12. Mai 1893. Betr.: Die Vertilgung der Feldmäuse.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
«t die «rotzh. Vürgermeiftereie« de» Mreise».
Wenn auch die meisten von Ihnen in den aus Grund unserer Verfügung vom 20. März d. I. — Kreisblatt 70 — erstatteten Berichten angezeigt haben, daß entweder in Folge "des strengen Winters oder in Folge der vorgenommenen Vergiftung Feldmäuse zur Zeit nicht in bedeutendem Maß vorhanden sind, und wenn dies auch durch die Wahrnehmungen einiger von uns gehörter Sachverständiger und unsere eigenen im Wesentlichen bestätigt wird, so empfehlen wir Ihnen doch, da bei der ungewöhnlich trockenen Witterung eine bedeutende Vermehrung der Feldmäuse zu befürchten ist, die Verminderung dieses Ungeziefers fortgesetzt im Auge zu behalten und demgemäß überall da, wo Mäuse sich zeigen, auf die in unserer angeführten Verfügung näher angegebenen Weise mit Ver- giftung vorzugehen. Ihr besonderes Augenmerk wollen Sie hierbei auf das Vorhandensein der Mäuse in Gräben und an Waldrändern, in Rainen sowie Eisenbahn- und Straßendämmen und Böschungen richten.
___________________v. Gagern.________
Gefunden: 1 Notizbuch, 1 blecherner Deckel, 3 Brochen, Geld, 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 Regenschirm, 1 Mistgabel, 1 Weckbeutel mit Inhalt.
Zugelaufen: 1 gelblich-weißer Spitzhund.
Gießen, den 13. Mai 1893.
Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius.
Deutscher Reich
Darmstadt, 12. Mai. An der Hoftafel, die am Mitt- tvod) Nachmittag 1 Uhr im Großherzoglichen Schlosse stattsand, waren im Ganzen 90 Gedecke aufgelegt. Den ersten Toast brachten Seine Königliche Hoheit der Großherzog auf sein treues Hessenland und die Stände aus. Seine Durchlaucht der Fürst zu Ysenburg - Büdingen toastete als Präsident der Ersten Ständekammer auf Seine Königliche Hoheir den Großherzog, der Präsident der Zweiten Kammer, Justizrath Weber, auf daß Großherzogliche Haus. Auf die Toaste der beiden Präsidenten intonirte die Capelle des 1. Großh. Jnfanterie(Leibgarde) Regiments Nr. 115, welche während der Tafel concertirte, Tusch und Hymne. Nach der Tafel unterhielten sich Seine Königliche Hoheit der Großherzog längere Zeit mit Mitgliedern der Ersten und Zweiten Kammer. , .
Darmstadt, 12. Mai. Seine Königliche Hoheit der Großherzog sind heute Vormittag 8 Uhr 30 Min. in Begleitung des Generaladjutanten Generalmajors Wernher, des Oberstallmeisters Freiherrn Riedesel zu Eisenbach, der Flügeladjutanten Major Freiherrn von Senarclens-Grancy und Hauptmann Frhrn. Röder v. Diersburg mittelst Sonderzuges nach Dresden zum Besuche Seiner Majestät des Königs von Sachsen abgereist.
Berlin, 12. Mai. Der Kaiser wird in Beglettunc des Prinz - Regenten Albrecht von Braunschweig und des Prinzen Friedrich Leopold von Preußen der am 18. d. M. stattfindenden feierlichen Enthüllung der Reiterstatue Kaiser Wilhelms I. in G örlitz-beiwohnen. Wie vep lautet würden auch Reichskanzler Graf Caprivi, Ministerpräsident Graf Eulenburg, sowie die Minister v. Bötticher, v. Kalrenborn-Stachau und Dr. Bosse an der Görlitzer Feier theilnehmen.
— Der neue Reichstag soll bereits auf den 2 6. Juni einberufen werden. Als Begründung dieses so frühen Termins geben Berliner Meldungen die Nothwendig- keir an, den deutsch-serbischen Handelsvertrag zu ratificiren, andernfalls würde derselbe nicht bis zum 1. Juli in Kraft treten können. Selbstverständlich wären aber bis zu dem behauvteten Zeitpunkie der Einberufung des künftigen Parlaments die Wahlen noch nicht alle definitiv vollzogen, denn voraussichtlich haben diesmal besonders zahlreiche Stichwahlen stattzuünden, daß dieselben aber sämmtlich bis zum 26. Juni vollzogen sein sollten, ist kaum anzunehmen, der neue Reichstag würde also noch vor Abschluß der Stichwahlen zusammentreten. Doch liegt in dieser Beziehung schon ein Präcedenzfall vor, denn der am 21. Februar 1887 gewählte Reichstag wurde noch vor Beendigung der engeren Wahlen einberufen.
— Der Bundesrath wird seine diesmalige Pfingst- pause länger als sonst ausdehnen. Es geschieht dies mit


