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ut6 nachstehende Jahres- und r ftenntnifo unserer Mitglieder. Wg för 1892. Credit.
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Mag, bett 20. ilpril, !n 19. April, Morens mveder ein Kurs zur Aus- n statt.
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M. 87 Swdtel Blatt. Freilag den 14. April
1893
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Feuilleton.
Buntes über England.
Time is Money.
(Schluß.)
In ganz neuester Zeit sieht man auch schon Zettel und den Pfahl. Doppelt hält besser und — kostet mehr. Mit Tinte, selbst mit Bleistift findet man unter der lockenden Inschrift: „der Schlüssel befindet sich in Nr. 16 der gleichen Straße", letzteres, wenn man vom Glück begünstigt ist. Du hast recht gelesen, freundlicher Leser, „wenn man vom Glück begünstigt ist", denn in vielen Fällen liegt der Hausschlüsiel in einer ganz anderen entlegenen Straße, und — für Den« jenigen, welcher dies durchgemacht hat, ist nichts dabei zu lachen — mau muß die Eisenbahn oder den Omnibus benutzen, um zuerst in den Besitz des Eintritts zu gelangen. Der Wohnungssucher will nun nach der Nummer des Hauses sehen, aber — es existirt keine. Man hat es vergesien, eine solche anzubringen oder der Besitzer dachte, das Malen der Ziffer kostet Zeit und Geld- dies sparte er. Es ist kein Scherz, wenn wir behaupten, daß man ganze Straßen entlang keine Hausnummern findet. Was thun? Man geht nun so weit, bis irgend ein vernünftiger Mensch — metstentheils ein Ausländer — auS alter dummer Gewohnheit eine Nummer an seinem Hause anbringen ließ, z. B. Nr. 33. Im freien England ist alles ziemlich regellos, folglich hilft die Entdeckung der Nr. 33 auch nur wenig, denn Niemand weiß, ob in der betreffenden Straße die Hausnummer hintereinander oder vielleicht die ungeraden Nummern auf der einen, die geraden auf der anderen Seite der Straße liegen. Man geht also weiter, bis es ein anderer Bürger für nothwendtg befunden hat, seinem Hause eine Nummer zu geben. Auf die entgegengesetzte Straßenfront zu blicken, um sich über gerade und ungerade Nummern Klarheit zu verschaffen, nutzt meist auch nichts, denn dort fehlen dieselben ebenfalls. Wie in den Badeorten Deutschlands und Oesterreichs sind die Häuser ganzer, sehr langer Straßenzüge mit irgend einem mehr oder weniger phantasievollen Namen belegt, und selbst in der City herrscht jene durch das unnöthige Herumsuchen zeitraubende Unsitte- jawohl, „time is money“, nur in England nicht. Aber warum denn herumsuchen? wird der erstaunte Leser sagen, man fragt einfach Jemand. Dies hat
keinen Zweck, denn nur wer in einem anderen Hause zu thun hat, beschäftigt sich mit demselben und selbst Briefträger und Polizeibeamte wiffen oft keinen Rath, wenn das Haus außer ihrem sehr kleinen Dienstrayon liegt. Wenn letzteres keine Nummer hatte, muß man ihm doch einen Namen gegeben haben. Müffen? Kein Mensch muß müssen und ein freier Engländer schon gar nicht. Das betreffende Haus hatte wohl einmal einen Namen, dann wurde es abgeputzt und der Name aufzumalen vergessen. Was überhaupt in Ergland alles vergessen wird und dann mit Aufopferung der doppelten Zeit, welche ursprünglich dazu hingereicht hätte, herbeigeschafft werden muß, geht tnS Colossale. Man liefert z. B. ein Möbel, aber der Kasten fehlt, letzterer kommt endlich an, aber der Schlüssel fehlt- man sendet schließlich letzteren, aber — er paßt nicht! — Glaube der freundliche Leser nicht an eine irgendwelche Uebertreibung dabei- dreißig Jahre beinahe unausgesetzter Aufenthalt in einem Lande berechtigen wohl dazu, eine Meinung auszusprechen, wenn dieselbe auch von der Schablone abweicht. Das „Schlüsselhaus" ist glücklich ge« funden, nachdem einem eiligen Sucher wohl noch die Variante passirt ist, daß auch jenes keine Nummer trägt oder es heißt „Schlüssel im Shakespear House, Wellington Street", und man sucht dann Hunderte von Häusern der genannten Straße ab, bis man das Shakespeare-Haus gefunden hat. — Du klopfst — Klingeln sind in England an Häusern nur in den seltensten Fällen zu finden, und sind solche vorhanden, dann gehen sie meistentheils nicht — mit dem eisernen Handgriff an eine Metallplatte und es erscheint ein dienender Geist, welcher nach deinem Begehr fragt, dich ruhig und herablassend anhört, ohne dich in das Haus einzulassen und dann — deine Karte verlangt. Nun weiß Jeder, daß in England offiziell nicht nach dem wirklichen Namen gefragt und geforscht wird, jene Formalität ist also einfach lächerlich. Noch so anständig gekleidet und selbst im Wagen vorfahrend, bleibst du auf der Straße stehen. Nach einem oft mehrere Minuten dauernden Warten erscheint ein Bewohner in der Thür, deine Karte in der Hand, und fragt: „Sind Sie Herr X. ?" Du bejahst. „Was wünschen Sie?" Du erklärst dich. „Ich werde Ihnen die Schlüssel senden, Mr.?" — er studirt den Namen auf der Karte eifrig — „X." Der Suchende muß schon einen sehr seinen Eindruck machen, wenn er dann auf den Hausflur eingelassen wird. Man erhält ein Bund meist verrosteter Schlüssel und glücklich kann sich jeder preisen, der zum ersten
Male die richtigen erhalten hat, denn ein solcher gefälliger Mann besitzt gewöhnlich mehrere, oft viele Schlüssel von zu vermiethenden Häusern, ohne die nöthige Ordnung zu halten. Manchmal ist erst bei einem dritten Gange das richtige Bund zu bekommen'- es ist eben ein „mistake“. Letzteres Wort hört man in England furchtbar häufig- platzen die Riesen« kanonen nach den ersten Schüssen — mistake, gibt dir Jemand statt auf einen Sovereign nur die Hälfte heraus — mistake, und ist ein Mensch so dumm, nicht gleich die rtch. tigen Schlüssel zu geben, folglich deine Zeit zu stehlen — mistake.
In den seltensten Fällen ist das Haus vollständig in Ordnung, selbst wenn es soeben von Grund aus renovirt worden wäre - viele Scheiben sind entzwei, die Schlösser und Fensterverschlüsse gehen nicht, die Jalousien fehlen, der Garten ist in Unordnung, mit Schmutz angesüllt, die Müllgrube übervoll rc. Warum wurde dies nicht alles vorher in Ordnung gebracht? — mistake.
Du bringst die Schlüssel zurück und fragst nach dem Preise- darüber weiß man dir aber nichts zu sagen, sondern man gibt den Namen und die Adresse des Agenten, welcher das betreffende Haus unter seiner Obhut hat, mündlich auf, und oft wissen auch diese die Schlüsselbewahrer nicht ordentlich. So unglaublich dies klingt, aber die wenigsten Agenten haben so viel Intelligenz, ihre Karte dort zu deponiren. Schnell das Notizbuch heraus und man läßt sich Namen, Straße, Benennung des Hauses vorbuchstabtren, aber welche edle Zeit geht hierbei verloren - dann zum Agenten gefahren, der meist weit entfernt wohnt. Hast du das Glück, den Mann zu treffen und stehst nach Uebergabe einer beliebigen Karte an einen 12—14jährigen Bureaujungen endlich vor demselben, consultirt man dicke Folianten, sucht lange, findet nicht, fragt nochmals nach der Straße, sieht, man hat sich geirrt, sucht wieder und nun erfährt der glückliche Wohnungssucher den Preis, von dem beinahe stets nach langer Rücksprache etwas abzuhandeln ist. Der geduldige Leser erlasse uns, die Zeitvergeudung zu beschreiben, wie man endlich zum Miethscontract gelangt. Deutsche Familien bleiben gern lange Jahre in dem gleichen Hause wohnen, nur um der Tortur und Zeitversäumniß zu entgehen, eine neue Wohnung suchen zu müssen, denn der Deutsche lebt nach dem englischen Sprichwort: time is money.
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