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1893
Dienstag den 14. Februar
Nr. 38. Zweites Blatt.
Gießener Anzeiger
Kemrat-Unzeiger.
Amts« und Anzeigrblatt für den Tkreis Gietzen.
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Feuilleton.
Meine erste Reise.
Humorette von Herrn. Streich.
(Schluß.)
Einige Minuten später saß ich schon in meinem Wagen, aber erst ats die Mördergrube meinen Augen entschwunden war, athmete ich leichter auf und begann mich wieder an der schönen Welt und an dem — Hundertguldenschein zu erfreuen.
„Das heißt Glück," dachte ich, „die Räuber mir vom Leibe gehalten und obendrein baar hundert Gulden erhalten!"
In Hornberg angekommen, war mein Erstes, nach dem Gericht zu eilen, um dort von dem Vorfall Anzeige zu erstatten. Ich hatte zwar ein beträchtliches Schweigegeld erhalten, aber es war mir ja förmlich aufgedrängt worden und überdies erfüllte ich nur meine Bürger« und Christenpflicht, wenn ich die Behörden auf jenes schändliche Räubernest aufmerksam machte.
Mit ungläubigem Lächeln hörte der Amtsrichter meine Erzählung an, als ich aber geendet hatte und nun irgend welche Schmeicheleien seitens des Juristen erwartete, nahm er eine sehr ernste Miene an und glaubte mich dringend warnen zu müssen, derartige Mitteilungen weiterzuverbreiten.
„Der Wirth," schloß der Beamte seine Warnung, „in dessen in bestem Rufe stehenden Gasthause Sie dieses angebliche Abenteuer erlebt haben wollen, ist ein angesehener, hochgeachteter Mann."
..Aber voriges Jahr ist dort doch einer umgebracht worden," antwortete ich erregt, „ich habe es ja gehört, wie die Räuber es selbst sagten!"
„Sie sind aufgeregt, junger Mann," entgegnete der Richter, „ich will einmal den Bezirksarzt rufen lasten."
Schon griff er nach dem Klingelzug und befahl dem sofort eingetretenen Amtsdiener, den Arzt zu rufen.
„Wie?" rief ich verblüfft, „das soll doch nicht heißen, daß Sie mich für verrückt halten?"
Ein Achselzucken, viel« und nichtssagend zugleich, war die Antwort.
Der Gerichtsdiener kehrte bald mit der Nachricht zurück,
ber Herr Doctor sei nach auswärts gerufen worden, werde aber bis zum Nachmittag wieder zurück sein.
„Dann," wandte sich der Amtsrichter wieder an mich, „muß ich Sie im Interesse Ihrer eigenen Sicherheit schon bitten, hier zu bleiben."
Vergeblich suchte ich Einwendungen zu machen, doch der Beamte schnitt mir kurz das Wort ab, indem er dem Diener einen Wink gab, mich abzusühren — in Schutzhaft!
Es biente mir einigermaßen zum Tröste, baß man mich wenigstens in einem anständigen Gemache untergebracht hatte, das in gar nichts an ein Gefängniß erinnert hätte, wenn das vergitterte Fenster nicht gewesen wäre. Es war wahrscheinlich eine Art Honoratiorenarrest.
Wie lange ich, gepeinigt von den seltsamsten ©ebanfen, in jenem Loeal gesessen habe, weiß ich nicht mehr, so viel ist mir aber noch erinnerlich, daß ich nahe daran war, in Wirklichkeit verrückt zu werden. Ein Wunder wäre es gerade nicht gewesen.
Endlich, spät am Nachmittag, that sich die Pforte meines buen retiro wieder auf und ich wurde dem Amtsrichter vorgeführt, bei dem schon der Arzt stand, der mich bei meinem Eintritt mit einem ermuthigenden Lächeln begrüßte, mich ersuchend, Platz zu nehmen.
Da, wie ich einen Stuhl vom Fenster wegnehmen wollte, sah ich einen der Banditen draußen vorübergehen.
„Hier geht einer," rief ich, „lassen Sie ihn doch fest« nehmen. Das ist Derjenige, welcher mir das Schweiggeld gegeben hat!"
Der Amtsrichter öffnete das Fenster und rief:'
„He, Burkhardt, wollen Sie, bitte, einen Augenblick zu mir hereinkommen?"
Gleich darauf trat der Gerufene in bas Zimmer. Welche Frechheit, welche bobenlose Keckheit legte ber Mensch an ben Tag, mit keiner Wimper zuckte er, als er meiner Person ansichtig wurde.
„Burkhardt," begann der Beamte sofort das Verhör, „kennen Sie diesen Herrn hier?"
„Nicht näher," antwortete der Jnkulpat, „aber ich traf ihn gestern und heute im Steigwirthshaus."
„Hat der Herr von Ihnen Geld erhalten?"
Jetzt schwieg er betroffen.
„Aha," dachte ich, „jetzt wird er sich aufs Leugnen verlegen."
„Müssen Sie denn das unbedingt wissen, Herr Amtsrichter ?" lautete die zögernde Antwort.
„Es ist dringend nöthig."
„Nun ja, ich habe dem Herrn im Auftrage meiner Consorten hundert Gulden gegeben, damit er bei ber heute Vormittag im Heiligenwalb abgehaltenen Holzauction nicht mitsteigern soll. Was thut man nicht alles, um sich die Con- currenz vom Leibe zu halten!"
Der Amtsrichter, sowie sein ärztlicher Sachverständiger brachen in ein höllisches Gelächter aus, der vermeintliche Rinaldo Rinaldini blickte fragend von einem zum andern und ich stand da wie ein begossener Pudel.
Die von mir als Banditen angesehenen Holzhändler hatten, wie es häufig vorkommt, eine Art Ring gebildet, um das zur Versteigerung kommende Holz möglichst billig zu erwerben. Dabei wird gewöhnlich nur von einem ber Gesellschafter ein Gebot abgegeben, die andern hören schweigend zu ober bemühen sich, die Qualität bes VersteigerunzsobjecteS nach Kräften herabzusetzen Finben sich aber weitere Liebhaber ein, so werben sie einfach mit einem gewissen Baarbetrage abgefunden und es kann eine fröhliche Preisdrückerei losgehen. Das erworbene GesellschaftSeigenthum üerauctionirt dann bas Consortium unter sich selbst zum zweiten Male^ worauf ber Gewinn nach Abzug etwaiger Abstandsgelder verteilt wird. Nach dieser Praxis war auch in diesem Falle verfahren worden.
Und darum Räuber und Mörder!
Der Amtsrichter entließ den Holzhändler, ohne ihm irgend welche Aufklärung gegeben zu haben.
„Behalten Sie die hundert Gulden ruhig," sagte der Beamte lächelnd, als ich ihn bieserhalb befragte. „Sie haben das Geld sauer genug verdient."
Der Mann hatte so sehr recht, denn nicht um viel Gelb möchte ich nochmals eine solche entsetzliche Nacht durchmachen wie damals auf jenem Dache, von ben qualvollen Stunben im Hornberger Honoratiorenarrest gar nicht zu reden.
Als ich bald darauf als wohlbestallter Vertreter der Firma Eberhard Christoph Winkler Söhne in Mannheim meine zweite Geschäftstour antrat, gab ich von jenem Schmerzensgeld die ersten zehn Gulden aus — ich kaufte mir nämlich einen Revolver, denn man kann nie wissen?!
Holzversteigerung.
Donnerstag den 16. und Freitag den 17. Februar d.J., jedesmal von Vormittags 9 Uhr an, kommen im Alten Busecker Gemeinde« «ald, Districten Seewald und Pfingst- kopf, zur Versteigerung:
197 Rmtr. Buchen-Scheitholz,
52 „ Eichen- „
133 „ Buchen-Knüppelholz,
52 „ Eichen- „
130 „ Bucken- und Eichen- Stockholz,
4475 Wellen Bucken-Reisholz, 1600 „ Eichen-
1100 „ Nadel- „
123 Eichenstämme von 30—70 cm Durchmesser und 9—12 m Länge, zusammen 60 fm,
80 Nadelstämme bis 50 cm Durchmesser und 9—12 m Länge, zusammen 35 fm,
100 EichemDerbstangen,
129 Nadel- „
100 Nadel-Reisstangen.
Die Zusammenkunft ist jedesmal Vormittags 9 Uhr im District See- mald beim hintersten Seeweiher.
Bemerkt wird, daß sich Eichen« und Nadelstämme dabei befinden über 2*/z fm, daß das Eichen-Scheitholz L Klasse ist und sich vorzüglich zu Werkholz eignet.
Das Brennholz kommt am ersten, das Bau« und Werkholz am zweiten Tag zur Versteigerung.
Alten-Bufeck, am 10. Febr. 1893.! Aroßh. Bürgermeisterei Alren-Buseck. j
Krämer. 1346
Holzverfteigerungen
in Gräflicher Oberförstern Saubach:
I. Freitag den 17. Februar d. I. im Jlsdorfer Walde (bei Bahnstation Mücke): 331 Eichenstämme mit 164,04 cbm (8 St. von 40—50 cm Dchm., 323 St. von 15—39 cm Dchm., meist Bau- und Wagnerholz), 82 Eichenstangen von 9—14 cm Dchm. — 3,88 cbm, 11 Buchen-Abschnitte von 40—70 cm Dchm. mit 6,64 cbm (Schnittholz, Hackklötze), 85 Kiefern (Bau- und Grubenholz) von 12—29 cm Dchm. mit 16,04 cbm; 50 rm Buchen Scheiter und «Prügel, 90 rm -Reiser; 45 rm Eichen.Prügel, 35 rm -Stöcke, 155 rm Reiser, 24 rm Kiesern-Prügel und -Reisholz.
Das Brennholz wird bei der Versteigerung nur theilweise vorgezeigt werden und erst Nachmittags zum Ausgebot kommen.
Die Versteigerung beginnt mit dem Ausgebot stärkerer Stämme.
II. Montag den 26. Februar d. I. in den Districten Süßen- kopf, Hausplatz und Taubhaus: 500 rm Buchen-Scheiter, 170 rm -Prügel, 110 rm -Stöcke, 420 rm -Reiser, 11 rm Fichten- Lattenstangen, 5 Buchen (Schnitt- und Wagnerholz) von 37—51 cm Dchm. — 4,45 cbm; 5 Nadelholzstämme von 17—24 cm Dchm. — 1,82 cbm; 713 Fichtenstangen (Sparren, Leiterbäume u. s. w.) von 7—14 cm Dchm. — 45,54 cbm.
Zusammenkunft an beiden Tagen um 9^2 Uhr Vormittags und zwar am ersten Tage auf der Kreisstraße beim Eingänge in den Jlsdorfer Wald von Klein-Eichen aus; am zweiten Tage im Süßenkopf bei Holznummer 1.
Laubach, den 8. Februar 1893.
1385 Gräfliche Oberförsterei.
Dieses Kindernahrungs- mittel hat sich laut Nr. 23 der Deutsch. Hebammen-Ztg. v. 1891 am besten bewährt, ohenlohe ’sehes
Beste Qual, infolge der vorzüglich. Hohenl. Rohprodukte, afermehl.
________Zu haben in den einschlägigen Geschäften. 869
Kalkmeyl, zu Desinfectiouszwecken vorzüglich geeignet, liefert zum Preise von Mk. 60 pro 10,000 Kilo franco Waggon Kalkwerk
136] die Gewerkschaft L. Raab sen., Wetzlar.
Holzverfteigerung.
Montag den 20. Februar d. I. werden aus den Districten Breiteloh, Bauernhaide und Kälberstall der Forstwartei Saasen versteigert: Stämme: 1 Eiche mit 0,21 fm, 49 Fichten mit 26 fm (theilweise Schnittholz), 148 Kiefern mit 141 fm, 3 Lärchen mit 1 fm, sowie 17 Fichtenderbstangen mit V/2 fm-
Zusammenkunft Vormittags neun Nbr im District Breiteloh bei Beltershain auf dem Schnittpunkt der Kreisstraße Beltershain-Göbelnrod und des Vicinalwegs Grünberg-Reinhardshain.
Grünberg, 11. Februar 1893.
Großherzogliche Oberförsterei Grünberg.
Schober. 1376
Holz-Versteigerung.
Freitag den 17. ds. Mts., von Vormittags 10 Uhr an, wird in hiesigem Gem.eindewald, District „Wurzel", nachverzeichnetes Holz versteigert:
A. Bau- und Werkholz.
28 Nadelstämme von 4 bis 11 m Länge und 14 bis 36 cm Durchmesser,
17 Eichen-Derbstangen.
B. Brennholz.
Knüppelh. Stockh. Reish. rm rm Wellen
Eichen 20 4 350
Nadel 351 52 2500
Unter den Eichen-Knüppeln sind 6 rm 2V2 m und unter den Nadel- Knüppeln 115 rm 3 m lang.
Der Anfang ist beim Pflanzgarten.
Großen-Linden, 8. Februar 1893. Gr. Bürgermeisterei Großen-Linden.
Leun. 1240
Versteigerung.
Dienstag den 14. Februar, Vormittags 11 Uhr, versteigere ich auf Antrag des > Petri vahier Marktplatz 20 (im
Adler) zu (Sietzen r
drei Ballen Caffee
gegen Baarzahlung.
Versteigerung findet bestimmt statt. Born,
11328 Gerichtsvollzieher.
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I «C'Ur V 283] R. Kett, Eltville a. Rh-


