Jugend sich mal auStobe, einige Tollheiten mache. Aber zwei bis drei Jahre in continno nichts thun, daS wird sonst in der ganzen Welt keinem Erwachsenen gestattet, das kommt in keiner anderen EarriZre vor,- daS hat in keinem ErziehungS- syftem der Welt sonst einen Platz. Wer zwei bis drei Jahre nur faulenzt, Frühschoppen trinkt, Komment lernt, sich einem trägen Genußleben ergibt, der mutz körperlich und geistig zu Grunde gehen. AuS dem kann nur ausnahmsweise später noch etwas werden. Nun kann man sagen, es sind ja nur einigeUnd gottlob gibt eS viele beffere Elemente. Ich klage auch keineswegs, ich habe nie zu klagen gehabt über leere Auditorien- von 2—300 sind fast stets über die Hälfte, oft aber zwei Drittel vorhanden, und das ist lange genügend, um mit Freude und Genuß zu doziren. Aber der Procentsatz der Faulenzer ist doch zu groß. Er macht mir Kummer, nicht wegen meiner, sondern weil ich an die Zukunft denke, weil ich mich frage, ob unser Beamtenstand den großen schweren Aufgaben gewachsen sein wird, denen wir entgegengehen, ob er überhaupt in Charakter, Bildung und Wisien nicht zurückgeht. Und für diese Fragen ist daS Entscheidende, waS der Student auf der Universität getrieben und gelernt hat. Wir dürfen nicht so viele Referendare, Assefforen, Richter, Landräthe und Geheime Räthe haben, die nichts auf der Universität gelernt haben, als die Aeußerlichkeiten und Genüffe des Studentenlebens. Unsere besitzenden und gebildeten Klaffen sägen den Ast ab, auf dem sie sitzen, wenn sie einem Drittel ihrer Söhne Derartiges gestatten. Meine Herren! Ich vermisse diese Art ferner nicht in meinem Colleg, ich fühle mich in viel befferer Gesellschaft, wenn sie nicht da sind. Aber die Zukunft des Vaterlandes macht mir Sorge. Unter den Fehlern aristokratischer Gesellschaftsklaffen stehen stets die frivolen Ausschreitungen der Heranwachsenden Generation, die vollends in materialistischer Zeit nur genießen, patent und schneidig austreten will, in erster Linie. Nichts erbittert mehr, als ein solches Treiben. Oft hat es in der Geschichte den Anlaß zu Umwälzungen gegeben. Nicht also um die harmlose Frage, ob der Student einmal mehr oder weniger schwänze, handelt eS sich, sondern um das geistige und sittliche Niveau unserer Beamten, unserer Lehrer, unserer führenden Kreise überhaupt, um die Zukunft des preußischen und des deutschen Staates. Und weil mir die am Herzen liegt, habe ich mir gestattet, Ihnen gegenüber zum Schluffe mein Herz auSzuschütten. Die Studenten sollen wenigstens wiffen, daß eS unter den academischen Lehrern, welche, wahrscheinlich sehr viele gibt, die dieser Frage nicht gleichgültig gegenüber stehen.
* Die längste Telephonleitung der Erde. Professor Graham Bell hatte die Genugthuung, am 10. October
1892 bei der Eröffnung der Telephonlinie Chicago New-Dort seine Stimme durch daS von ihm ersonnene Medium 1520 km weit tragen zu laffen. Er sprach, wie der „ölcctw rechniker" mittheilt, von Chicago nach New Dork mit William H. Hubbard, welcher sein Mitarbeiter bei Errichtung der ersten Telephonleiwng im Jahre 1876, auS Anlaß deS Centennar-JubiläumS der Union, gewesen war. New-Uork- Chicago spricht vermittelst zweier Kupferdrähte von je 4 mm Durchmesser, welche ungefähr 110 kg per km wiegen und ein Gesammtgewicht von 375000 kg repräsentieren. Um die Jnducyonswirkungen zu verhüten, find die Drähte auf | den Trägern häufig gekreuzt. Die Leitung ist durchweg in freier Luft geführt, und nur zur Durchquerung von Wasser- läusen sind Kabel benützt. 42 750 Pfähle aus Kastanien- und Cedernstämmen, 12 m hoch, tragen die Leitung, welche in vollkommen befriedigender Weise functtoniert.
Citeratar unö Annst.
— Der Spreewald mit seinen landschastlichen Reizen und der eigenartigen Bevölkerung übt auf den deutschen Touristen eine starke Anziehungskraft aus. Viele Tausende fahren alljährlich nach Lübbenau, um von dort die originelle Wasserparthie durch die Wälder und Wiesen zu unternehmen. Ihnen allen wird der reich tllustrirte Aafsatz willkommen sein, den das neueste Heft von ,3nr G«ttn Stunde* (Berlin w. 57, Deutsches Verlag-Haus Bong & Co.) veröffentlicht. Der Verfasser deS Textes Julius Hart genießt als Spreewaldkenner des besten Ruse- und weiß sowohl von dem Leben des Volkes allerhand Interessantes zu erzählen, als auch die stimmungsvolle Landschaft zu schildern. Die den Arttkel begleitenden farbigen Illustrationen von A. Westpsalen sind ganz ausgezeichnete Leistungen des Aquarelldruckes und fesseln den Leser durch interessante Motive, wie z. B. auf den BUdern „Gottesdienst in der Kirche zu Burg" und ^Rückkehr von der laufe*. Einen weiteren dem Leser hochwillkommenen Aufsatz bietet dasselbe Heft in der Erörterung über die electrische Hochbahn in Berlin von Georg Buß, der wegm ihrer Actualttät das allgemeine Interesse sicher ist. Auch Ernst von Hesse-Wartegg-Schluß-Schilderung der Weltausstellung In Chicago gewährt vorzügliche Lrientirung, während neben den Romanen „Die Pflicht gegen sich selbst" von F. v. Zodeltitz und „Fieberndes Blut* von H. Hei berg eine sensationelle Skizze „Ein Zufall?" von Gras Günther Rosenhagen größte Spannung hervorrust. Vorzüglich ist wie immer der Btlderschmuck. Als Extta-GratiSbeigabe von „Zur Guten Stunde* erscheint die „Jllustrtrte Classiker-Bibliothek", in der jetzt UblandS Dichtungen dem Leser geboten werden. Preis deS Heftes 40 Pfg.
Verkehr, CanO* tmb Volkswirthschaft.
— Schärfe« der etnftn und Sichel«. Jeder Landwirth weiß, daß durch daS öftere Schärfen der Sensen und Sicheln viel kostbare Zett verloren geht. Um diesen Uebelstand zu beseitigen, ; verfahre man wie folgt: Man legt die Schnetdewerkzeuge 30 Minuten 1 vor Gebrauch in Wasser, dem man V« % concentrirte Schwefelsäure htnzugemischt hat; eS genügt dann ein Ueberstreichen mit einem j
weichem Sandstein, um die Schärfe der Sensen oder Sicheln aus der ganim Schnittfläche gleichmäßig herzustellen. Ein längeres riegenlassen in dem säurehaltig«, Wasser schadet den Schneidewerk- -eugrn nicht, sobald man dieselben stet« sauber und ttockm abwischsi.
— XiÖelfütUrant an Pferde. Im Frühjahre pstegt man vielerorts den Pferden eine Abwechslung im Futter zu Heim, welche denselben ungemein zuträglich ist. Sie erhallen nämlich die auf Aeckern au-gestochenen jungen Disteln, welche sie trotz ihrer Stacheln mit der größten Begierde zu sich nehmm, da dieselben, namentlich die Wurzeln, reich an Zucker find. E- ist gewissermaßen eme Art von .^rühlingscur, welche man die Pferde durchmachen läßt, indem daS Distelfutter gelinde abführt, jedoch nur, wenn es in genügender Menae verabreicht wttd. E4 wird aber nicht blo- aus dem Lande von den Landwirtbrn, sondern auch in dm Städtm, für Rett- und Kulschenp'erde, nicht minder für die Kavalleriepserde verwendet,, so daß die Disteln einen Preis erlangen, der die Müh« des AuS- uechens hinlänglich baablt. Daraus ergiebt sich der Bortheil, daß die Aecker von dem lästigen Unkraule ohne Kosten gereinigt werden, waS nicht hoch aenufl an Zuschlägen ist. Wer daher die Distelsütter ung für Pferde noch nicht versucht hat, der mache damit die Probe und lasse sich dadurch nicht abhaltm, daß etwa seine Thiere leben-lang nur Trockmsutter erhaltm habm; er wird mit Vergnügen wahr» nehmm, mit welchem Appetit sie da» unbekannte Futter verzehren und welche woblthätigen Wirkungen e- auf ihr Wohlbefinden hat.
— Schwefelschnitte« z« frtttUnu Die üblichen Schwe'el. schnittrn oder Schwefeifpäne, welche zum Einbrennen der Fässer im- Herbste vielfach Verwrndung finden, beftehrn aus in Schwefel qe- tauchtrn Streifm grober Leinwand; besser ledoch sind die Schwefel- schnitten, welche au- weißem in Schwefel getunktrn Papier sind, da bei den ersterrn, beim Verbrennen der Leinwand, auch brmzitche Producte sich bilden. In neuerer Zett verwendet man in Schwefel getauchten unverbrennlichen Amtanth oder Bergflach- (ASdcst), die sogenannte Schwesellunte. Von der Anwendung der fogmannkn aromatischen Kräuter- oder Gewürzschwefelschnttte ist abzurathm, weil sich hierbei beim Verbrennen auch brenzliche Producte aus dm aromatischen Stosten, welche bei diesem Gewürzetnschlag dem Schwefel beigemengt find, bilden und nicht, wie man glaubt, wohlriechende ätherische Oele.
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