Ausgabe 
13.8.1893 Erstes Blatt
 
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Sonntag den 13. August

Erstes Blatt

Nr. 189

Aints- und Anzeigeblatt für den Kreis Gieren

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Der fteiwr An,tiger erscheint täglich, ett Ausnahme bei Montags.

Die Gießener -««ittenvtitter f erben dem Anzeiger Lüchentlich dreimal deigelegt.

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Die Jagd auf Feldhühner ist hiernach tm Kreise Gießen dem 21. lfd. Mts. eröffnet.

Gießen, den 11. August 1893.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

I. V.: Dr. Melior.

Gefunden: 2 Taschenmesser, 2 Pinsel, 1 Wagen- schild, 1 Regenschirm, 1 Gartenstuhl, 1 Blumentopf, 2 Paar Strümpfe, 2 Taschentücher, 1 ShlipS, 2 Handschuhe und 1 Kinderschuh.

^»geflogen: 1 Kanarienvogel.

Gießen, den 12. August 1893.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Fresenius.

Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bi» vorm. 10 Uhr.

gesucht.

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Wachteln) in der Provinz Nheinheffen mit dem 13. ds.MtS. und in den Provinzen Starkenburg und Oberheffen mit dem

Vierteljähriger Adonncmentrprel»» 2 Mark 20 Psg. mit;

Vrmgerlohn.

Durch die Poft bezog« 2 Mark 50 Psg.

Redaction, Espeditio« und Truckerei:

Fernsprecher 51.

9420 86.00 2160 4Ü1V

Deutsche» Reich.

Berlin, 11. August. Seit Donnerstag weilt Kaiser Wilhelm wieder in Kiel und im Kieler Hafen, wo der kaiserlichen YachtHohenzollem" die Manöverflotte entgegen­gefahren war. Wie ferner gemeldet wird, hat der Kaiser am Freitag von Kiel aus einer Probefahrt der neuerbauten PanzercorvetteWörth" beigewohnt. Am Samstag finden dann Uebungen mit der Manöverflotte statt. Am Sonntag wird der Kaiser in Kiel verweilen und am Montag die Uebungen mit der Manöverflotte fortsetzen. Am Dienstag früh erfolgt die Ankunft des Kaisers in Berlin, wo sich der­selbe sofort zur Parade des Gardecorps nach dem Tempelhofer Felde begeben wird.

Die Confer enz der deutschen Flnanzmi nist er, welche wegen der Reform der Reichsfinanzen in Frank­furt a. M. unter dem Vorsitze des Staatssecretärs des Reichsschatzamtes, v. Maltzahn, tagte, ist am Donnerstag beendigt worden. Es wird allseitigt bestätigt, daß sich die Finanzminister über die Grundlage der Reform verständigten und daß die Börsensteuer, Stempelsteuer, Quittungssteuer, Weinsteuer, ganz besonders aber eine Tabaksabrikatsteuer, dazu ausersehen sind, dem Reiche circa 100 Millionen neue Einnahmen zu bringen. Davon sollen 60 Millionen zu Militärzwecken, 20 Millionen zu Finanz - Reserven und

8600 36100 1948' 152.50 1U0 10139 68.00

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Alle Annoncen-Bureaux de» In. unb AuSlanbe» nehmen Anzeigen für benGießener Anzeiger- entgegen.

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13.

Schiebkarrenwettrennen rc. wechselten in ununterbrochener Reihenfolge, dazu denke man sich ca. 17 OOO Menschen als Zuhörer und Zuschauer denn soviel betrug die Gesammt- zahl der Besucher am letzten Sonntag und Niemand wird uns wohl dann mehr das Märchen von demeinen aus der Rheinstraße herumwimmelnden Assessor" austischen.

Jetzt sind die schönen Tage vorüber und die Stätte, wo der ausgelassene Jubel tagelang herrschte, liegt verödet da. Die Residenzler selbst schein: alle mehr oder weniger so eine Art von moralischem und physischemKatzenjammer befallen zu Habels der ja gewöhnlich nach solch frohen Festen sich einzustellen pflegt. Am deutlichsten läßt sich das daran erkennen, daß es im Großen und Ganzen recht ruhig momentan ist in Bezug auf Vergnügungen, und daß die wenigen Ver­anstaltungen, die stattfinden, schlecht besucht sind. Emen unserer Dialectdichter muß, dem rührenden Gedicht nach, welches er dieser Tage veröffentlichte, daSThier ganz be- sonders geplagt haben, denn die Leiden seines Körpers, von denen ersingt", sind thatfächlich danach ongethan, lelbw Ihren flotten Musensöhnen ein leichtes Grauen einzuflotzen. Nur die erste Strophe will ich Ihren freundlichen Lesern zum Schluffe mittheilen und sie werden sehen, daß ihr Autor offenbar einer von denen ist, die an der obenbesprochenen

Krankheit" leiden. Sie lautet:

Ach Gott, was dhut mei Kobb so weh, Was schlottern mer die Knie!

Wie leer'che is mei' Portmonneh

M' Bezug von Sfe ihre Aus, «vrftaud^ verein.

Familien: ^burg. abfabrt S rechnet, hat ..d'e bei MiWb "lemMreidev. j Vorstand.

A1iarla,

Gießemr Anzeiger

Kenerat-Mzeiger.

Lehrer-Conferenz

des Conferenz-Bezirks Gießen Mittwoch den 16. August, V.-M. 10 Uhr, in Gießen, Lieder 142, 185, 65, des Conferenz-Bezirks Lich-Hungcn

Freitag den 18. August, V.-M. 9'/« Uhr, in Hungen, Lieder 75, 93, 99.

Gießen, den 12. August 1893.

Büchner, Schulrath.

er hört, daß allein in der Festhalle und nur während des Hauptfestes nicht weniger, sondern mehr als sage und schreibe __ 18 000 Flaschen Wein getrunken wurden. In der That, die Temperenzler würden in Darmstadt ein weites Versuchs­feld für ihre Thätigkeit finden! Daß, wenn dem Gotte Bacchus derartige Opfer gebracht werden, auch sein Geist, der Geist der Fröhlichkeit und des unverwüstlichen Humor» seine Diener beherrscht, das ist klar. Infolge dessen hörte man auch eigentlich bei den Geschäftsleuten, die doch in erster Linie hart von einem finanziellen Mißerfolg betroffen worden wären, keine Klagen.. Da jedoch infolge der Ungunst der Witterung manche turnerischen Vorführungen, wie F^mbungen, Must-rn-g-nturncn, Reigen, Pyramiden -c. erheb ich- erlitten hatten und autz-rd-m das programmmäßig tm freien abzuhaltende Volksfest ziemlichverwässert" worden war, so entichloß man sich, dem Hauptsesie noch eine Rachseter folgen JU lassen, di- den durch unv-rschuld-te» Mißgeschick betroffenen Programmnummern zu ihrem Rechte »--helfen sollte.

Wie man in turnerischen Kreisen vernahm, lost m erheb- licher Weise mitwirlend zu diesem B-schluh auch die Absicht gewesen sein, den sremden F-stgenoff-n den Festplatz auch einmal bei Sonnenschein zu zeigen. In der That wurde dieser Wunsch denn auch erfüllt. Und als am Sonntag Mittag die Turner in stramm geordnetem Zuge dem Exercter- platz zuschritten, schloß sich ihnen -ine wiche Menge van Publikum an, wie sie kaum einer der Haupts-sttag- gesehen hatte. Der Verkehr wurde msolge dessen ein ganz enormer und jetzt kam das Bvlkssest recht -tg-ntltch zu l-tn-m Rechte; Gesang, Concert, Tanz, Sackhüpfen, Wurstschnappen,

45 Morgen. - g iden, in welcher < Mert werben. < lung. < llefien durch die q urt a. O. c

Wochrnbricsc aus der Residrn;.

(Oriflinolberldit für denGießener Anzeiger".)

Darmstadt, 11. August 1893.

Nachfeier und Nachweheu des Turnfestes.

Eine cigenthümliche Bevölkerung sind die Darmstädter - edensalls kann man ihnen den Muth nicht absprechen, ohne diese lobenswerthe Charactereigenschast wäre es fedoch auch um das 21. Mittelrheinische Turnfest sehrflau bestellt gewesen. Man ist ja hier schon Jahre lang gewöhnt, daß wenn die Turner ihr sommerliches Waldfest abhalten, Jupiter Pluvius sich dabei zu Gaste ladet. Daß er jedoch ein so unangenehmer Festgenoffe ist, der gar nicht weiß, wann er sich zudrücken" hat, wie er jetzt zeigte, das hatte doch Niemand geglaubt. Nun die Residenzler ließen sich darüber indeffen nicht aus ihrer Ruhe bringen. Mochte der Himmel klar denn das kammanchmal" auch vor oder mit schweren schwarzen Wolken bedeckt sein, ganz gleich, zum Fest­platze wurde gegangen. Dort scheint man nun allgemein dem alten Satze gehuldigt zu haben, daß dem Gifte durch Gegew gift zu begegnen sei, das heißt, daß dieäußere Nasse durch -n-innerliche F-uchtigk-st" unschädlich gemacht werden muffe. Richt als ob wir damit eine Anzüglichkeit sagen wollten, denn über die verabreichten Getränke herrschte allgemein nur eine Stimme des Lobes, nur wundern wird sich Mancher, wenn

Amtlicher Theil.

Gießen, den 12. August 1893.

Mr.: Die Herbstübungen im Jahre 1893.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen au die Grosih. Bürgermeistereien Bellersheim, Wränbcra, Hungen, Inheiden, Langd, Langsdorf, Lauter, Lollar, Mainzlar, Münster, Nonnenroth, Slodheim, Röthges, Ruttershausen, Stangenrod, Staufenberg, Steinheim, Trais-Horloss, Utphe, Villingen und Weitershain.

Sie werden hierdurch benachrichtigt, daß für die Pferde der, nach den an Sie ergangenen besonderen Verfügungen, in Ihren Gemeinden unterzubringenden berittenen Truppen das Streustroh, beziehungsweise eine hausübliche Streu­unterlage von den Quartiergebern gegen Empfang des Stall- servises zu stellen ist. _ .

Die Marschfourage (Hafer, Heu und Futterstroh) wird aus Militärmagazinen verabfolgt.

Die Quartierträger sind hiernach auf ihre Verpflichtungen hinzuweisen.

I. V.: Dr. Melior.

20 Millionen zur Schuldentilgung verwandt werden. In­wieweit dir neuen Steuerprojecte Gesetz werden, ist freilich noch Sache des BundeSratheS und Reichstages. AuS der letzten Sitzung der Finanzminister-Conferenz wird noch ge- meldet, daß in derselben mit der Berathung der speziellen Vorschläge zur Deckung der Reichsausgaben und zur Durch- ührung der Reform fortgesahren wurde. Man einigte sich auch hier über die wesentlichen Grundlagen und beschloß, die Ausarbeitung und die Erledigung einer Reihe von Special­ragen der alsbald in Berlin zusammentretenden, auS Ver­tretern der wesentlich betheiligten Staaten und aus Com- miffaren der Reichsverwaltung zu bildenden Commission zu übertragen. Es scheint beabsichtigt zu werden, soweit irgend thunlich, die gesummten Gesetzentwürfe gleichzeitig dem Reichs- tage bei feinem demnächstigen Zusammentreten vorzulegen. Alle Aeußerungen der Teilnehmer an der Conserenz zeigen, daß dieselben von den Ergebniffen der Berathungen sehr be- friedigt sind. Ueber diese Ergebniffe wird mitgetheilt, daß über den Gang der weiteren Vorarbeiten für die eventuell dem Bundesrathe zu machenden Vorlagen überall ein Ein- verständniß erzielt ist, insbesondere auch hinsichtlich der be- rathenen Frage der eventuellen Besteuerung deö Weines. Bindende Beschlüsse sind selbstverständlich nirgends ge aßt worden, da die ganzen Berathungen nur den Character eines vorläufigen Gedankenaustausches trugen. Die Frage der eventuellen Besteuerung der Inserate soll bei den Erörterungen ebenfalls gestreift sein. .

Wie aus guter Quelle gemeldet wird, hat sich em höherer deutscher Marinearzt nach Italien be­geben, um an Ort und Stelle über den gegenwärtigen Stand der Cholera in Italien Ausklärung zu erlangen. Erst von dem erlangten Ergebniß wird es abhängen, ob Prinz Heinrich die Reise nach Italien zur Theilnahme an den dortigen Flottenmanövern noch verschiebt.____________

Ausland.

Die Regierung Oesterreich Ungarns ist gegenwärtig in großer Sorge wegen der von Rußland und der Türkei h-r drohenden Chol-rag-fahr. In den Grenzdistricten kamen bereits Cholerafälle vor und wegen bedenklicher Zu­nahme der Cholera in den Nachbarländern verfügte die bnko- winaische Landesregierung die Sperre der gesammten Grenzen und Verschärfung der Maßregeln zur Verhinderung der Ein­schleppung der Cholera. Es bleibt nur die Grenzstation Jtzkany offen, doch ist hier strengste Untersuchung der Reisenden 0119 Zürich, 11. August. Die Anträge der Commission betr. die Maifeier wurden angenommen. Dabei fanden Aus­einandersetzungen statt zwischen Adler und Bebel über die Form der Feier. Bebel verlangte, daß keine Ratton ge­zwungen werde, die Manifestation am ersten Mai zu begehen, wenn dies nach den thatsächlichen Verhältnissen unausführbar sei und protestirte gegen den Zusatz der Commission, daß jeder Socialdemokrat verpflichtet sei, jeden Versuch zur Durch-

Gießen, den 11. August 1893. Betreffend: Den Abverdienst uneinbringlicher Feldstrafen vom Jahre 1892/93.

Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen

KN -le Grckßh. Bftratrmriffcrete* bei SHetfei»

Diejenigen von Ihnen, welche noch mit der Vollstreckung der Abverdienstes aus der I. bis VI. Feldrügegerichtsperiode 1892/93 im Rückstände sind, werden hiermit an die Erledigung binnen acht Tagen erinnert.

I. V.: Dr. Melior.

Bekanntmachung, betreffend Einführung von holländischem Rindvieh zu Zucht- Mecken durch landwirthschaftliche Vereine und Genoffenschaften.

ES wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Anträge auf Einführung von holländischem Rindvieh zu Zucht- rmecken für die Folge nur dann berücksichtigt werden können, wenn dieselben durch Vermittelung der landwirthschaftlichen. Vereine oder Genoffenschaften bei uns eingereicht werden.

Gießen, den 11. August 1893.

Großherzogliches Kreisamt Giessen.

I. V.: Dr. Melior.________________

" Bekanntmachung,

betreffend die Heegzeit der Feldhühner.

Großh. Ministerium des Innern und der ^stiz hat mit Rücksicht auf den Stand der Ernte und der Weinberge be­stimmt, daß die Heegzeit für Feldhühner (nicht auch für