Ausgabe 
12.9.1893 Zweites Blatt
 
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Amts« und Anzcigeblatt für den Kr<i» Gietzen.

Hratiskeilage: chießmer Kamilienklätter

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legrer Stimme ausrief:

Nr. 216: Kleine Marmorgruppe, einen Indianer ,u Roß tm Stampfe mit einem Büffel b-griff-n, darstellend. DaS Werkchen ist von Kunstkennern als künstlernch sehr werthvoll bezeichnet worden, ich ersuche, zu bieten, meme Herrschaften !"

Er zeigte auf die Statuette, die von einem Manne neben ihm in die Höhe gehalten wurde, zunächst schien aber Niemand Lust zum Bieten zu haben, bis eine summe aus dem Hintergründe erscholl:

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nicht zugeschlagen bekommen, so können Sie bis zu sechs­hundert, nein, sagen wir lieber, bis zu siebenhundert Mark mitbieten. Ich glaube indessen, in ganz H. und Umgegend ist Niemand, welcher für den betreffenden Gegenstand eine immerhin so beträchtliche Summe geben würde, wahrend ich denselben allerdings selber gern zu besitzen wünsche- über siebenhundert Mark möchte ich aber freilich auch mcht daran wenden." w ,,

Sehr wohl, Herr Doctor," entgegnete Bremmelberger, sich einige Notizen in sein Taschenbuch machend,es wird alles nach Ihren Wünschen bestens besorgt werden.

Und was Ihre Provision anbelangt," sagte 9J?Öa^ltU,° bitte, Herr Doctor," unterbrach Bremmelberger leinen Besuch,laffen Sie doch, das hat wahrlich keine Eile- jedenfalls kann ich nur meine Versicherung wiederholen, daß Sie bestens bedient werden sollen."

Der Assessor nickte herablassend und verfugte sich nun in ein nahes Restaurant, wo er sein einfaches Diner zu sich nahm, dann ging er nach dem Bahnhose, auf welchem der Referendar Kulmitz und ein Gerichtsschreiber auf ihren Bor« gesetzten schon warteten, und mit dem Zwei-Uhr-Zug fuhren alle drei Männer des Gerichts nach Reppenberg.

Am nächsten Vormittag Punkt 9 Uhr begann in der ehemaligen Wohnung des verstorbenen Benshausen die vom städtischen Auctionator Schweißer geleitete Versteigerung der hinterlassenen Kunstschätze des alten Sonderlings. Eine zahl­reiche schau« und anscheinend auch kauflustige Menge, unter ihr auch der Agent Bremmelberger, drängte sich in dem durch Entfernung sämmtlicher Möbel zum Versteigerungslocale ein- gerichteten sogenannten rothen Zimmer, in welchem von Utensilien nur ein länglicher Tisch für die Zwecke des Auclio- nators und des ihm beigegebenen Protokollanten, sowie ein paar Stühle zu bemerken waren. Die Versteigerung hatte etwa eine Stunde gedauert, als Schweißer mit bereits be«

Gießener Anzeiger

Keneral-Mzeiger.

schreibt dieStraßb. Post":

Wer hätte noch vor wenigen Jahren gedacht, oatz oie lotter in deutschen noch in französischen geographischen Wörter- büchern ausgeführte Besitzung Urville, am linken Ufer der den größten Theil des Jahres bescheiden dahinfließenden franzo« sisckien Nie?, jemals dem mächtigen Oberhaupte des deutschen Reiches als Aufenthaltsort dienen und damit den Gegenstand allgemeinen Interesses bilden werde? Auch vor drei Jahren, das in friedlicher Stille gelegene, von waldbesetzten Höhen umgebeneChÄteau in den Besitz unseres Kaisers überging, rermuthete wohl Niemand, daß der neue Besitzer bei seinem trfien Verweilen von fürstlichen Gästen begleitet und von den höchsten Würdenträgern des Reiches und bewährten Hee^ flihrern umgeben sein werde. Man hätte damals aber auch nicht geglaubt, daß aus dem etwas vernachlässigten Herren- House und dem ziemlich rücksichtslos behandelten Parke sich ohne große Aenderung des ursprünglichen Charakters des , Ganzen ein Aufenthaltsort schaffen laffen würde," würdig eines der mächtigsten Herrscher des Weltalls. Diese Au - gäbe, dem Laien saft unmöglich scheinend, ist von dem mit der Oberleitung der Neueinrichtung betrauten RegierungS- mib Baurath Blumhardt vom Bezirkspräsidium zu Metz in genialer Weise gelöst und nach deffen Plänen und unter seiner Lotung von den Bauunternehmern Becker und Heister ver- stindnißvoll auSgesührt worden.

Schon von der Bahn aus, vor der Einfahrt in den Bahnhof Kürzel, bietet das Schloß mit seinen zum größten Theil neu hergestellten Nebengebäuden ein prächtiges Bild, ba8 aus dem durch einen sanft anstehenden Wald gebildeten Hintergründe anmuthig hervortritt. Das zweistöckige Haupt« gcbäude bildet ein 30 Meter langes, 20 Meter tiefes Recht- tf, an dessen vier Ecken Thürmchen mit spitzen Dächern vmspringni. An der Hinteren, nach Süden gelegenen Front befindet sich ein durch alle Geschosse gehender Vorbau, dessen drei Fenster im ersten Stock das Arbeitszimmer des Kaisers

Balcon aus genießt man eine prachtvolle Aussicht aus die Umgegend mit den Ortschaften Chevillon, P appecourt, Rol« lingen, Pange u. s. w. An der anderen Seite stoßt an daS Arbeitszimmer des Kaisers eine aus zwei Z'mmern und einem Baderaum bestehende Wohnung, die ursprünglich für fürstliche Besuche bestimmt war. Dieses erste Stockwerk weist weitaus die größten Veränderungen gegen früher auf- an der Sie e der vorhin beschriebenen, jetzt in gefälligeren Verhältnissen sich zeigenden Gemächer befanden sich früher lauter winkelige Räume, und namentlich ist durch Einreißen der^Wande und Veränderung der früheren Anlage das hübsche Schlafzimmer geschaffen worden, in dem über der kaiserlichen Lagerstätte ein prächtiger Stich, das Bild der heiligen Barbara, der Patronin der Artillerie, darstellend, ausgehangt ist. Untier ändert ist das stattliche Treppenhaus an der linken Sene (vom Eingänge aus) mit der nach dem ersten Stock führenden Haupttreppe geblieben, während die Verlängerung der letzteren nach den oberen Stockwerken wesentlich erweitert worden s ^en nQ$ Dorn mit einer Veranda versehenen

Stockwerke sind die Zimmer für die Begleitung un das Gefolge des Kaisers eingerichtet- schön gemalt ist das östliche Eckzimmer, wo die auf den Thuren angebrachten Porträts und Wappen an frühere Besitzer erinnern. Das Dachgeschoß ist vollständig verändert, durch

Wände ist eine stattliche Reihe Dienerzimmer geschaffen wor­den, zu denen eine neu angelegte Treppe b^uemen Zugang bietet. Neu hergestellt ist ferner außer der BUtzablei er- anlage aus dem Dache die Firstkrönung m reichen Zmk ornamenten mit Abschlußspitzen, die wie auck»dasSchutzdach vor dem Hauptportal dem Quentm schen Atelier zu Metz entstammt.

Wt 214. Zweites Blatt. Dienstag dm 12. September

Feuilleton.

Die Ueberraschung.

Auch eine Auctionsgefchichte.

(1. Fortsetzung.)

Fritz und Julie verließen bald darauf die Villa wieder und verfügten sich nach der Vollbrecht'schen Wohnung zurück, wo sich der Assessor dann von den Damen mit der Bemerkung verabschiedete, er würde erst im Laufe des nächsten Tages aus Reppenberg wieder eintreffen. Kaum aber war der rlsseffor aus dem Hause hinauSgetreteu, als er den Agenten Bremmelberger, der alle möglichen Aufträge übernahm, auf- fuchte, um mit ihm den FeldzugSplan, den der Affeffor vor- katte, zu besprechen. Der würdige Mann war glücklicherweise zu Hause- diensteifrig empfing er den Affeffor, bot ihm einen Sitz an und frug nach seinem Begehr.

Bremmelberger," begann Fritz Möllner,Sie sollen für mich morgen einen bestimmten Gegenstand bei der Ver« auctioniruug der Benshausen'schen Sammlungen erstehen. Er trägt im Catalog die Nr. 216 und ist daselbst betitelt: Marmorgruppe en miniature, Indianer im Kampfe mit Büffel". Sie sollen dieses Ding morgen für meine Rechnung und Gefahr erstehen und können Sie es dann meinetwegen nach meiner Wohnung schicken, ich komme morgen Abend iedenfalls erst mit dem letzten Zuge aus Reppenberg, wo ich größere Amtsgeschäfte zu erledigen habe, zurück. A propoa, ?ofl ich Ihnen zu dem gewünschten Zwecke vielleicht eine be­stimmte Summe zurücklaffen?"

O bitte, Herr Doctor," wehrte der Agent ab,das ist nicht nöthig, ich verfüge stets über größere Kapitalien. Doch möchte ich mir die ergebene Frage erlauben, bis zu welcher höchsten Summe ich wohl gehen dürfte, wenn sich noch andere Liebhaber für den von Ihnen begehrten Gegenstand sinden sollten?" .

Hm," meinte der Assessor und sann einen Augenblick nacb/er hatte vor Kurzem einen Lotteriegewinn in Höhe von ungefähr 1500 Mark eingeheimst und da konnte er schon etwas ausgeben, um feiner lieben Julie eine unverhoffte Freude zu bereiten.Ich bin kein besonderer Kunstkenner und weiß daher auch nicht zu beurtheilen, was die betreffenden Marmorfiguren zusammen etwa werth sein könnten, ich dachte aber, dreihundert Mark wäre schon sehr anständig dafür be­zahlt. Sollten Sie aber die Gruppe zu dem Preise doch

Zwanzig Mark will ich riskiren!"

Der Auctionator blickte, die Augenbrauen unwillig zu­sammenziehend, nach der Gegend, aus welcher daS Gebot er« klungen mar, und sagte in tadelndem Tone.

Ich muß doch bitten, keine Scherze zu machen, benn zwanzig Mark für dieses prächtige Kunstwerkcheu sind doch nicht einmal ein Anfangsgebot." .

Vierzig Mark!" ertönte es da von einet anderen ^"i/Fünfzig Mark'." bot jetzt ein Dritter, welches Ge­bot aber auch wieder übertrumpft wurde, indem der Ruf erklang:

Sechzig Mark!"

Jetzt stockte das Bieten, obwohl sich Schweißer bemühte, die Schönheiten der Jagdgruppe nach Kräften hervorzuheben und schon erhob er den Hammer zum ersten Schlage, als sich Bremmelberger inS Mittel legte und mit Stentorstimme auSrief:

Achtzig Maik!"

Alles blickte auf den Agenten hin, der in K. gerade nicht als ein großer Kunstfreund bekannt war, aber schon wurde die Aufmerksamkeit der Versammlung nach einer anderen Richtung hingelenkt, benn ein langer bürrer Mann sagte mit feiner Fistelstimme:

Hunbert Mark!"

Nein, so etwas lebt doch nichtäußerte einer der Anwesenden zu seinem Nachbar,daS ist ja der Tapezierer Klebmann, wie kommt denn der Mensch nur dazu, auf ein solches Kunstwerk zu bieten und gleich hundert Mark?'

In diesem Augenblick ertönte jedoch die markige Stimme Bremmelbergers aufs Neue, welcher ein Gebot von hundert« undfünfzig Mark abgab. Allgemeine Sensation entstand tm Zimmer, die sich indessen womöglich noch steigerte, als der Tapezierer Klebmann kaltblütig sagte:

Zweihundert Mark!"

Sofort erscholl von Seiten Bremmelbergers das Gegen« gebot:

Zweihundertundfünfzig Mark!" ....... w .

, Dreihundert Mark!" war die augenblickliche Antwort des Tapezierers, welcher die Spannung unter den Auctions- besuchern auf einen geradezu fieberhaften Grad brachte.

(Fortsetzung folgt.)

erhellen. Nur über eine Stufe tritt man von dem Vorplatze durch eine der GlaSthüren in die lustige Vorhalle, wo außer dem schönen Plattenbeleg von Mosaik, welcher der rühmlichst bekannten Fabrik Villeroy u. Doch in Mettlach entstammt, neu errichtete Pfeiler mit stilvollen Kapitälen und schmucken , Medaillons die Aufmerksamkeit fesseln. Von dem Vorplätze | aus treten wir zunächst in ein Wartezimmer, dessen Anlage und Einrichtung nicht erkennen läßt, daß dieser Raum den früheren Bewohnern des Schlosses als Kirche diente- neben der letzteren befand sich eine Treppe, die gleichfalls beseitigt wurde- daran schließen sich ein Adjutanten- und ein Diene^ -immer. Den Mittelraum des Erdgeschosses nimmt der nach vorn zu achteckige Speisesaal ein, dessen in schmale Felder mit profilirten Leisten getheilte Wände den Raum viel hoher erscheinen lassen, als er sich in seinem früheren Gewände darstellte. An der westlichen Seite deS Saales befinden sich Anrichtezimmer und ein entsprechender Giebel im Ausgang, durch den man durch einen gedeckten Gang zu den Nebengebäuden gelangt, in denen u. A. auch die Küchen an­gebracht sind. .

Eine in dem vordem vorsprinzenden Thurm der Ostiette neu angelegte Diensttreppe führt in die oberen Stockwerke Im ersten Stock stößt an die Treppe zunächst das Bade« zimmer und die Toilette, links das Zimmer des Kammer­dieners und bann das mit prächtiger Stofftapete bekleidete Schlafzimmer des Kaisers mit herrlichem Blick auf den unter Leitung des Metzer städtischen ObergärtnerS Wannot mit vielem Geschmack hergerichteten Schloßpark. Zwei kleine Jimmer, die im ersten Plane als Arbeitszimmer des Kaisers gedacht waren, trennen diesen Raum von dem früheren großen Saale, welcher in zwei Hälfien getheilt, jetzt ein Wartezimmer und nach dem Garten zu das Arbeiiszimmer des Kaisers umfaßt. Außer der einfachen, aber doch Prächtigen Einrich­tung fallen die neuen Thüren mit reicher Profilirung ms Auge, die, in dem Atelier des Bauunternehmers Heister her- gestellt, das Arbeitszimmer von dem oben erwähnten Warte« zimmer trennen. Von den Fenstern des kaiserlichen Arbeits­zimmers, besonders aber von dem im Mittelfenster angebrachten

Hauptlehrer. all!

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Heber das Kaiserliche Hauptquartier in Urville