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Nr. 10 Zweites Blatt
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Amts- und Anzeigeblutt für den Tiveis Gieren.
Gratisbeilage: chießener Kamilienblätter
Amtlichev Theil
die
Donnerstag den 12. Januar
■ ■■•Niet eoe Injetgee zu Bct RachmMag» für t*e Wjntbm lag erscheinenden Nummer btl Var». 10 Uhr.
Der
•ictesn Anzeiger erscheint täglich,
■M Ausnahme des
Montag«
»erden dem Anzeiger »Scheutlich dreimal belgdegt.
Unrverfttäts - Ncrchrrchten.
— Der Professor der Philologie Prätorius in Breslau hat einen Rus an die Universität Halle angenommen.
— In der medicinischen Facultät der Universität München bat sich Dr. Richard Cramer mit einer Antrittsvorlesung über die Widerstandssähtgkett der Sporen gegen äußere Einflüsse hadilitirt.
übernehmen. Die Fähigkeit hierzu ist obrigkeitlich zu bescheinigen;
c) ein Unbescholtenheitszeugniß, welches für Zöglinge von höheren Schulen (Gymnasien, Realgymnasien, Ober>Realschulen, Progymnasien, Realschulen , Realprogymnasien, höheren Bürgerschulen und sonstigen militärberechtigten Anstalten) durch den Director der Anstalt, für alle übrigen jungen Leute durch die Polizei-Obrigkeit ober ihre vorgesetzte Dienstbehörde auszuftellen ist;
d) das Schulzeugniß.
Sodann wird noch besonders bemerkt:
Zu pos. b: daß in dem Einwilligungs-Attest die Unterschrift des Vaters oder Vormundes beglaubigt sein muß.
Zu pos. d: daß die Schulzeugnisse, mit Ausnahme der Reifezeugniffe für die Universität und die derselben gleichgestellten Hochschulen und Reifezeugniffe für die Prima der Gymnasien, Realgymnasien und Ober-Realschulen, sämmtlich nach Schema 18 zur Wehr - Ordnung vom 22. November 1888 — Reg.-Bl. Nr. 5 von 1889 — ausgestellt sein muffen.
Im Uebrigen wird auf die Bestimmungen der §§ 88, 89, 90, 93 und 94 der angeführten Wehr-Ordnung verwiesen.
Großh. Prüfungs - Commission
für Einjährig-Freiwillige zu Darmstadt.
Der Vorsitzende:
Dr. Zeller.
8tertt(f-dbngn Jlloieemtatsyrrto» 2 Mark 20 Plg. tu* vringrrlohn. Durch die Post brzozr» 2 Mark 50 P^
Ärbodian, Lppedw^a rmb Druckerei:
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Aste Annourcn'vurraux M Ja» tnü AusUmseS nc^n?«*
* Leipzig, 5. Januar. Nach einer vorgenommenen Zählung werden gegenwärtig 25,831 Personen von dem hiesigen Polizeiamt und anderen Behörden steckbrieflich verfolgt. Unter den Gesuchten befinden sich 1 Marquis, 3 Freiherren, 4 Grafen, 10 Professoren, 18 Rechtsanwälte, 16 Aerzte, 5 Pastoren, 5 Dr. phil., 3 Gemeindevorstände, 130 Lehrer, 84 Studenten, 25 Redacteure, 45 Schriftsteller, bezw. Journalisten, 26 Archltecten, 68 Ingenieure, 22 Postassistenten, 23 Bankbeamte, 53 Kassirer, 23 Bankiers, 110 Buchhalter, 108 Fabrikbesitzer, 5 Rittergutsbesitzer, 52 Jnspectoren, 67 Bauunternehmer, 173 Agenten, 103 Schauspieler, 260 Musiker, 844 dem Militärstande Angehörende (darunter 1 Major, 2 Capitäne, 3 Premier- und 10 Secondlieutenants, sowie ein Roßarzt), ferner 1260 Kauf- und Handelsleute, 6600 Handwerker, 5000 Fabrik- und Bergarbeiter, 3460 land- wirthschastliche Arbeiter, 630 Kellner, 182 Zuhälter, 140 Zigeuner, 440 Dienstmädchen, 310 Kellnerinnen, 816 Pro- stituirte und 162 Kinder.
Bekanntmachung,
Nachfuchung der Berechtigung zum einjährig - freiwMgen Dienst auf Grund von Schulzeugniffen betreffend.
Diejenigen jungen Leute, welche auf Grund ihrer Schulzeugnisse die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst nachfuchen wollen, werden hierdurch auf die nachfolgen, den, bei Anbringung der Gesuche zu beachtenden Vorschriften mit dem Anfügen aufmerksam gemacht, daß hiernach unvollständige Gesuche ohne Weiteres zurückgegeben werden.
1) Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prüfungs- Commis slon nur dann einzureichen, wenn der sich Meldende im Großherzogthum geftellungs- pslichtig ist, d. h. seinen dauernden Aufenthaltsort hat.
2) Die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Dienst'kann nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr und muß spätestens bis zum 1. Februar des Jahres nachgesucht werden, in welchem das 20. Lebensjahr vollendet wird.
Der Nachweis der Berechtigung zum ein* jährigen Dienst ist bei Verlust des Anrechts spätestens bis zum 1. April desselben Jahres zu erbringen (Wenn z B. mit Rücksicht auf das Lebensalter die Einreichung des Gesuchs nicht weiter hinaus- geschoben, das vorschriftsmäßige Schulzeugniß aber erst am Schluffe des Schuljahres ausgestellt werden kann.) In solchen Fällen ist in dem Gesuch anzugeben, daß das Schulzeugniß bis 1. April nachfolgen werde.
3) Das Gesuch muß von dem Betreffenden selbst geschrieben fein und ist hierzu ein Pogen in Actenformat (nicht Briefpapier) zu verwenden. Auch ist die nähere Adresse anzugeben.
4) Dem Gesuche sind folgende Papiere beizufügen:
a) Geburtszeugniß;
d) Einwilligungs-Attest des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung über Bereitwilligkeit, den Freiwilligen während einer einjährigen actioen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten, sowie die Kosten für Wohnung und Unterhalt zu
Wchener^nzeiger
Kenemt-Anzeigel.
i Vermischtes.
> * Elberfeld, 7. Januar. Die aus den Trümmern auf
der Brandstätte an der Hofauerstraße herausgeschafften beiden sogenannten feuerfesten Geldschränke haben bei den ungeheuren Gluthen, denen sie ausgesetzt waren, den darin aufbewahrten Büchern und Werthpapieren keinen ausreichenden Schutz gewähren können- die Bücher u. s. w. waren völlig verkohlt, nur ein altes Bilanzbuch war in dem kleineren der Geldschränke so leidlich erhalten, daß die Buchungen noch ersehen werden konnten. Als der große G.eldschrank nach mehrstündiger Arbeit geöffnet wurde, schlug aus den noch glimmenden verkohlten Papierschichten durch den Zututt der Luft gleich die lichte Flamme heraus.
Bei der Redaction eingegangene Bücher re.:
— Nr. 1 des Stahlrad, des bekannten in Leipzig erscheinenden Sportblattes, VIII. Iah. gang. Wir können mit Ueberzeugung das „Stoblrad" in feiner jetzigen Gestalt, welches außer feiner Reichhaltigkeit den Abonnenten noch den besonderen Vorthetl einer Unfall- Versicherung bietet, jedem Radfahrer auf das Angelegentlichste empfehlen.
— Nr. 1 der Monatsschrift: »Die Waffen nieder«. Zur Förderung der Friedens-Idee herausgegeben von Baronin Bertba von Suttner. Otfiflelles Organ der Interparlamentarischen Consi- renzen und des Internationalen Fiiedensbureaus in Bern, sowie der Friedensgesellschaft von Wien. Preis des Jahrgangs 6 Mk. Verlag von Alfred H. Fried & Co., Berlin W., Potsdamerstr. 27.
— Die Probenummer der Mona sbtätter für naturgemäße Kinderpflege in Gesundheit und Krankheit: »Gesunde Kinder". Unter Mitwirkung von Aerzten und Erziehern hrrausgegeden von Dr. H. Moser, pract. Arzt. Abonnementspreis jährlich 3 Mark. Verlag von Albert Rathke in Magdeburg.
Das Meer als Ernährungsquelle der Menschheit.
Im Kaufmännischen Verein zu Leipzig hielt vor Kurzem über dieses Thema Prof. Dr. Marshal einen Vortrag, dem nach einem Bericht des „Le'pz. Tagcbl." Folgendes entnommen wurde:
Das Meer spielt direct oder indirect als Nahrungsquelle des Menschen eine viel größere Rolle, als man glauben sollte. In England gewinnen allein 30 000 Menschen ihren Lebensunterhalt unmittelbar aus dem Meere, in Norwegen 10 Procent der Bevölkerung. An der deutschen Küste ist an ein derartiges Verhältniß nicht zu denken- die Zahl der Fischer beträgt 18 000, die Zahl Derjenigen, die sich von der Fischerei ernähren, 25 000. Auf 10 Einwohner kommt in Norwegen je einer, auf 1880 Einwohner in Deutschland je einer von denen, die von der Fischerei ihren Unterhalt gewinnen.
So viel können wir constatiren, daß, wenn das Meer ohne Fische, ohne Production thierischen Lebens wäre, ein großer Theil mancher Länder von Mensch und Thier unbevölkert bliebe, im höchsten Norden sowohl wie in den Tropen (Koralleninseln). So viel ist auch gewiß, daß das Meer noch mehr ausgebeutet werden kann, als dies heute der Fall ist. Um die Ftsche als Nahrungsmittel populär zu machen, haben mannigfache Factoren mitgewirkt. Die katholischen Länder sind es hauptsächlich, welche den Fischconsum begünstigten. Nicht mit Unrecht erließ die Königin Elisabeth von England auch zu ihrer Zeit ein Gesetz, daß zwei Tage der Woche zu Fasttagen eingerichtet werden sollen, es war im Interesse der Fischerei des Landes, es war eine social- polittsche Rücksicht.
Weit mehr als das Land ist das Meer durch Thiere bevölkert, von denen ein guter Theil als Nahrungsmittel für die Menschheit gelten kann. Was sind die Heuschrecken des Landes gegen jene, in unendlicher Zahl auftretenden Meerkrebse, welche bis in die Tiefe von hundert und mehr Meter meilenweit das Wasser bevölkern? Was sind unsere Zugvögel gegen jene riesigen, meilenweit blitzenden und blinkenden Heringszügc von Fisch an Fisch?
Dieser Reichthum an Fischen wird von uns «in Mitteleuropas noch zu wenig ausgebeutet. Wir sind allerdings gegenwärtig auf dem Wege der Besserung- es haben sich Fischereigesellschasten gebildet, es sind Fischerei-Ausstellungen ins Leben gerufen und internationale Gesetze erlassen worden, es sind dies aber nur erst kleine Pforten zur Erschließung der Meeresproducte. Wenn wir die Productionsfähigkeit des Meeres mit der des Landes vergleichen, so finden wir, daß ein Hectar gutes Land auf dem Festland 1200 kg Getreide pro Jahr hervorbringt oder 160 kg Fleisch, während die Grundfläche des Meeres plus der darüber befindlichen Wassersäule ein viel günstigeres Verhältniß, eine 50 mal größere Production ausweist. x
Es muß eine stärkere Ausbeutung des Meeres stattfinden, auch von deutscher Seite aus. Wir sind, betrachten wir unsere Küsten, im Norden wenigstens, eine maritime Nation. Und trotzdem ist uns dies kleine Holland in dem Fischereibetrieb noch voraus. Die Engländer nennen die Nordsee „German sea“, deutsches Meer. Es sollte diese Gegend viel mehr von uns ausgcbeutet werden, als es bis jetzt geschieht. Dort liegen große Bänke angeschwemmten Sandes und Schlammes, größer als der Flächenraum Irlands, die, obwohl sie sehr zum Betrieb der Fischerei geeignet erscheinen, von deutschen Fischern namentlich noch sehr wenig aufgesucht werden.
Wenn wir die Fischerei als Mittel der Beschäftigung der Menschen betrachten, so sehen wir, wie in England 1400 Fahrzeuge für die Tiefseefiicherei, in Britisch-Nord- amerika ohne Canada (1884) deren 1000, sowie 17 000 offene Boote mit 42 000 Mann für den Fischfang eingestellt sind. Es ergab die Fischerei dort einen Ertrag von 40 Millionen Mark.
Betrachten wir die Nahrungsquelle des Meeres von der physiologischen Seite, dann finden wir das überraschende Resultat eines reichen Nährwerthes, der, leichte Verdaulichkeit bietend, in 50 kg Fisch denselben Gehalt aufweist, als | 100 kg Weizen oder 350 kg Kartoffeln.
Einige der wichtigsten Meeresproducte mögen hier genannt sein, vor Allem der Schellfisch. Von dem Ertrag des gesammten Fischfangs Norwegens beträgt allein der des
Schellfischfanges 60 Procent, dann kommt erst der des Heringsfanges mit 28 Procent. Die Bankfischerei auf New- Foundland führt jährlich 200 Millionen Kilogramm Schellfische, 170 Millionen Stück, im Werthe von 60 Millionen Mark aus. Die Schellfische und ihre Verwandten werden als Klippfisch eingesalzen und dann getrocknet, als der Stockfisch gleich an der Luft getrocknet, der Laberdan gesalzen. Der Roggen der Schellfische gelangt getrocknet und gesalzen nach Südfrankreich, wo er beim Sardinenfang zum Köder benutzt wird. Südfrankreich liefert wieder das Seesalz zum Conserviren der ^Schellfische. Der nächstwichtige Fisch nächst dem Schellfisch ist der Hering, der in zwei Gruppen vorkommt, in den Hochseestämmen und in den Küstenstämmen. Letztere sind von weniger Belang. Der deutsche Heringssang in der Nordsee ist sehr unbedeutend, derjenige der Ostsee viel hervorragender, denn er weist jährlich rund 2 Millionen Stück auf. Ein naher Verwandter des Herings ist der Sprott, ein für Holstein sehr wichtiger Exportartikel. Dazu treten Anchovis und Sardinen, und im Süden der Thunfisch, von dem Sicilien allein für 2 Millionen Lire apsführt. Es schließt sich die Auster an, das kostbarste und nahrhafteste Product des Meeres, das in erster Linie Frankreich, dann erst England, zum Consumenten zählt. In Frankreich werden im Jahr 400 Millionen Stück im Werthe von 15^/z Millionen Francs verbraucht. Die bescheidene Miesmuschel dagegen darf als ein echtes Volksnahrungsmittel bezeichnet werden. Sehr würdig an die Seite der Auster stellt sich der Hummer. Der Werth des jährlichen Fanges an Hummern an der Küste Schottlands beträgt 6 Millionen Mark - die Südwestküste Norwegens liefert 1 Million Stück im Werlhe von 400,000 Mark, Helgoland jährlich für 30,000 Mark. Neben dem Hummer kommen noch Garneelen, Krabben, bei den Chinesen Trepang re. als Ernährungsmittel in Betracht. Eins ist sicher, daß das Meer auch für die Menschheit als eine wirkliche LebenSquelle genannt werden muß, daß es die Pflicht eines jeden mit seinem Vaterlande wohlmeinenden Menschen ist, nach Kräften dahin zu wirken, daß diese Nahrungs-Quelle noch weit mehr als jetzt ausgcbeutet wird.


