Lewberg, 9. Februar. Die hiesige Polizei unterdrückte das fernere Erscheinen deS hiesigen Organs der polnischen Socialdemokraten.
Paris, 9. Februar. Das Unheil nn Panama-Prozeß lautete gegen Ferdinand und Charles de LessepS auf je fünf Jahre und 3000 FrcS. Geldbuße, gegen Fontaine und Tottu auf zwei Jahre und 3000 FrcS. Geldbuße, gegen Eiffel auf zwei Jahre Gefängniß und 20,000 FrcS. Geldbuße.
Paris, 9. Februar. Der letzte Sohn Ferdinand LessepS, welcher im Sudan dient, mußte auf dem Marsche von den übNgen Truppen in einem Dorfe von Eingeborenen sterbend zurückgelasien werden.
Marseille, 9. Februar. ES werden 44 unbekannte Todesfälle gemeldet- eS find keine neuen Cholerafälle vorgekommen.
Petersburg, 9. Februar. Eine sibirische Ausstellung wird hier vorbereitet und von der Regierung patronisirt.
Sitzung der Stadtverordneten
am 9. Februar 1893.
Anwesend: Herr Oberbürgermeister Gnauth, die Herren Beigeordneten Georgi und Grüneberg, von Seiten der Stadtverordneten die Herren Adami, Brück, EmmeliuS, Faber, Flett, Grünewald, Homberger, Habenicht, Helfrich, Heyligenstaedt, Jughardt, Keller, Löber, Orbig, Petri, Dr. Ploch, Dr. Schäfer, Scheel, Simon, Dr. Thaer, Vogt und Wallenfels.
In der Sitzung vom 16. Juli v. I. wurde infolge stattgehabter Waldbrände der Erlaß einer Polizeiverordnung beschlossen, nach welcher daS Rauchen im Walde außerhalb der Wege verboten werden soll. Der ursprüngliche Antrag ging dahin, das Rauchen im Walde überhaupt zu verbieten ebenso das Betreten desselben Seitens schulpflichtiger Kinder ohne Begleitung Erwachsener, weil die Brände, auf welche sich der Antrag speziell bezog, durch SHnber veranlaßt worden, die die Strafmündigkeit noch nicht besaßen. DaS hierüber von Großherzogl. Oberförsterei abgegebene Gutachten besagt, daß es schwer hält, eine derartige Polizeiverordnung durchzuführen, die Gefahr liege darin, daß die Passanten brennende Cigarrenstummel, Streichhölzer weg- toürfcn; es empfehle sich auch angesichts des Umstandes, daß andere hessische Städte ähnliche Verbote zu erlassen beabsichtigten, ohne die Genehmigung dazu erhalten zu können, der Verzicht auf die in Rede stehende Polizeiverordnung. Die Versammlung ging nach Kenntnißnahme dieser Mittheilung zur Tagesordnung über.
Die „Gießener Rudergesellschaft" hat den 82 Mk. 2 Pf. betragenden Ueberschuß ihrer vor einiger Zeit veranstalteten Wohlthätigkeitsvorstellung der Bürgermeisterei zum Zwecke von Armenunterstützungen überwiesen. Es wird beschloffen, diesen Betrag dem Dispositionsfonds der Armen deputation zu überweisen. Dieser Dispositionsfond wurde für Unterstützungs - Fälle geschaffen, in denen ein Eingreifen der offenen Armenpflege nicht gegeben ist. Herr Dr. Thaer fragt an, ob eö nicht möglich sei, daß den einzelnen Bezirken Beiträge überwiesen werden könnten, mit denen sie nach Art deö Dispositionsfonds verfahren könnten, ohne daß erst in der Gesammtdeputation darüber zu berathen sei. Herr Oberbürgermeister Gnauth bemerkt, daß schon früher darum nachgesucht worden sei, allein der Fond sei selbst nach Zuwachs der hier bezeichneten Summe so klein, daß eine Decentrali- sation sich nicht empfehle; so lange der Dispositionsfond keine breitere Grundlage habe, möge von einer Vertheilung auf die Bezirke abgesehen werden. Sofern Niemand Einwvnd erhebe, halte er sich für ermächtigt, der'Rudergesellschaft den Dank für diese Zuwendung Namens der Stadt abzustatten.
Zu „Ausbau der Nordanlage" hat die Baudeputation beantragt, a) für den Theil zwischen dem Pfaff'schen Hause an der Ecke der Wetzsteinstraße und der Dammstraße eine von ihr näher bezeichnete Baufluchtlinie sestzusetzen und den der Richtung der Nordanlage nicht folgenden Geländestreifen zur Anlage von BoöquetS, zur Aufstellung einer Placatsäule und eine» Ventil-BrunnenS zu verwenden- b) das Gelände- Dreieck zwischen der Steinstraße und der Nordanlage, soweit dasselbe nicht bereits veräußert ist, in Bauplätze zu theilen und c) dem Kauf- und Tauschnotul zwischen der Stadt und der Firma Klingspor die Genehmigung zu ertheilen. Was zunächst daS Geländedreieck zwischen Nordanlage und Stein- straßc betrifft, so soll dasselbe in 6 Bauplätze getheilt und die Käufer dieser Plätze an bestimmte Bedingungen für die Bebauung gebunden werden- die Baudeputation hat sich nicht dafür au-sprechen zu können geglaubt, daß daö betr. Dreieck, wie von einigen Interessenten gewünscht und welchem Wunsche auch in den hiesigen Blättern (s. Eingesandt in vor. Nr. d. Bl.) Ausdruck gegeben worden, unbebaut bleiben und nur als Anlage verwendet werden solle. Die besonders betonte Nothwendig- kcit, daß durch große Plätze der Stadt Luft und Licht zugeführt werden müffe, liege hier nicht vor, da erstens durch die Nähe des demnächst einer Verschönerung zu unterziehenden Oswald-GartenS für Luft und Licht gesorgt sei, und zweitens die Straßen-Kreuzungen und breiten Straßen- jüge der dortigen Gegend der Zufuhr von Licht und Luft förderlich feien. Auch in ästhetischer Beziehung verdiene daS Project einer Bebauung vor der einer Anpflanzung den Vorzug, derartige Straßenzüge wie die hier bezeichneten schlöffen zweckmäßiger durch Gebäude als durch Anlagen ab. Was die Rücksicht auf die Knabenschule betreffe, für welche möglichst viel Luft und Licht gefordert werde, so sei durch Messungen festgestellt, daß die Schule durch gegenüberliegende Gebäude nicht im Geringsten beeinträchtigt werde; es gehöre ein himmelhoher Bau dazu, der im Stande fei, bei angenommenem Lichteinfall von 4ö Grad, Schatten nach dem gegenüberliegenden Schulgebäude zu werfen. Noch nicht der unterste Stock deS Schulgebäudes käme unter Schatten, abgesehen davon, daß in diesem Stockwerke sich keine Unterrichtsräume, sondern Wartezimmer, Lehrerzimmer, Sammlungen, Schuldiener
wohnung u. f. w. befänden. ES liege sonach weder ein öffentliches noch sonst rin Interesse vor, von der Bebauung deS Dreiecks abznsehen- zudem sei der Erlös für die Plätze doch mit in Berücksichtigung zu ziehen, und im Hinblick aus den bereits vor zwei Jahren abgeschlossenen Kaufvertrag mit der Firma Klingspor eine andere Verwendung nicht thunlich. Die Käufer der hier in Betracht kommenden Bauplätze sollen unter Anderm gehalten werden, 5 Meter breite Vorgärten anzulegen, außerdem die dem Klingspor'schen Gelände zunächst liegenden einen 3 Meter breiten Abstand von diesem Gelände einzuhalten. Der Kaufpreis, welchen die Firma Klingspor nach Austausch kleiner Geländeflächen noch an die Stadt zu entrichten hat, beträgt 8160 Mk. — Herr Petri empsiehlt, den Brunnen zwischen Dammstraße und Wetzsteinstraße vorerst nicht ausstellen zu lassen, derselbe sei an der unteren Steinstraße nöthiger, weil dort viele Häuser stünden, die noch nicht an die städtische Wasserleitung angeschlossen, während die Umgebung des. ursprünglich vorgesehenen Platzes mit Wasser versorgt sei. Herr Oberbürgermeister Gnauth bemerkt bezüglich des Brunnens, daß die Ausstellung eines solchen an der Nordanlage schon wiederholt hinausgeschoben worden sei, trotzdem sei er dafür, daß ein geeigneter Platz in der Steinstraße bestimmt werde. Herr Vogt beantragt, einen Brunnen in der Steinstraße aufzustellen. Herr Beigeordneter Georgi ist dafür, es bei dem früher gefaßten Beschlüsse bewenden zu lassen und der Nordanlage einen Brunnen, den man den anderen Anlagen nicht vorenthalten, zu sichern - für die Steinstraße ließe sich dann immer noch ein Platz finden. Herr Wallenfels bezeichnet es als dringendes Bedürfniß, besonders für den älteren Theil der Dammstraße, deren Häuser noch nicht angeschlossen, daß ein Brunnen an der Nordanlage ausgestellt werde. Herr Scheel empfiehlt, nicht an dem so lange gefaßten Beschlüsse zu rütteln, das Bedürfniß für einen Brunnen an der bezeichneten Stelle fei vorhanden, für die Steinstraße würde sich auch noch Rath schaffen lassen. Es wird beschlossen, den Brunnen an der Nordanlage aufzustellen, im übrigen den Anträgen der Baudeputation bezüglich der Baufluchtlinien und Verwerthung des Geländes zwischen Steinstraße und Nordanlage zugestimmt.
Für den Ausbau der Garten st raße durch Steins Garten werden 9500 Mark zu Lasten des Budgets für 1893/94 bewilligt.
Herrn Gottlieb Nauheimer soll die beabsichtigte Straßenauffüllung in der Lonystraße (von der Bleichstraße aus) genehmigt und die Kosten mit 80 Pfg. pr. Cbm. nach Eröffnung der Straße ersetzt werden.
Infolge geltend gemachter Bedenken über die mangelhafte Beleuchtung des Eingangs zur Diez st raße von den Neuen Säuen her wurde das Gaswerk angegangen, den Zustand sestzustellen und sich zu äußern, wie demselben abzuhelfen fei. Der Vorschlag des Gaswerks geht dahin, 'entweder am Nattmann'schen Hause eine Consollaterne oder auf der gegenüberliegenden Sette, vor dem Brüel'schen Hause, eine Cande- laber-Laterne anzubringen und zwar in Entfernung von 12 dezw. 15 Meter von der Straßenfront der Neuen Baue aus. Es wird, nachdem Herr Hornberger den jetzigen Zustand als unerträglich und der Abhülfe bedürftig bezeichnet, im Sinne des oben mitgetheilten Vorschlags beschlossen.
Uebcr das Gesuch des Herrn L. Huhn um Erlaubniß zum Bauen in der Goethestraße wurde nicht verhandelt, da die in einer früheren Sitzung beanstandete Fayade durch eine andere ersetzt worden.
Das DispensationSgesuch des Herrn Emil Kalbfleisch, in welchem es sich um die beanstandete Errichtung einer Arbeitshütte mit FeucrungSanlage auf dem Arbeitsplätze des Gesuchstellers, am Schiffenberger Weg, handelt, wird abgelehnt.
Dem Gesuche der Firma Gebr. Röhr le um Erlaubniß zur Herstellung eines Zugangs zu dem von ihnen gepachteten Thorhause am Wallthor wird stattgegeben und zur theilweisen Niederlegung einer Mauer unter Vorbehalt bereit Wiederauf- richtung im Falle Auflösung deS Pachtverhältnisses Genehmigung ertheilt. Den Gefuchstellern wird außerdem aufgegeben, für genügende Entwässerung des HofeS und Reinhaltung eines bisher als Ablagerungsort für Scherben ufro. dienenden Platzes zu sorgen, ebenso das birecte Verladen von Flaschen durch bas Fenster an ber Nordanlage, wodurch der fiele Fußgängerverkehr behindert werde, zu unterlassen.
Für Einführung bezw. Erweiterung der Gasleitung in der Handwerkerschule am Asterweg werden die Kosten mit 81.05 Mark nachträglich bewilligt.
Dem Gesuch des Herrn Commerzienrath W. Gail üm Erlaubniß zur Beseitigung eineß Theils deS Atz elbuscher Weges soll stattgegeben werden, wenn die bieserhalb neu anzulegende Wegstrecke in ihrer ganzen Brette auf die Stadt übergeht und Seitens des GesuchstellerS für hinreichende Entwässerung gesorgt wird. Falls die beabsichtigte Wegverlegung die Einleitung des EnteignungsversahrenS gegen einige Grundbesitzer nöthig machen sollte, so hat Gesuchsteller die Kosten zu ersetzen.
Die Verhandlungen über die beantragte Aenderung deS OrtSstatuts in Betreff der Sonntagsruhe im Handelsgewerbe schloffen mit Zurückverweisung an die bestehende Sonder-Commission behufs nochmaliger Berathung. (Wir werden in nächster Nr. weiter darüber berichten. Red.)
Cocalci und provinzieller.
Sieben, 10. Februar 1893.
-d. Theater Verein Die Aufnahme der „Neuvermäh 1- t en" BjörnfonS bei der gestrigen Vorstellung ist eine kühle zu nennen, wenn man damit den Enthusiasmus, den seither stets die classischen Stücke bei dem hiesigen Publikum hcrvorriefen, vergleicht. Man muß wohl den Grund dafür, bi die Darstellung alles in allem eine gelungene war, darin suchen, daß baß Stück, sobald eß auf die Bühne gebracht
wird, ein« der schwerverständlichsten und tiefften ist, welche die neuere Literatur zu verzeichnen hat, und eS ist nicht leicht, bei einer ersten Bekanntschaft die ganze Feinheit ber Charac- terisirung und deS Dialogs, noch weniger aber die Bedeutung aller Fragen, deren Lösung daS Schauspiel zu geben versucht, voll zu verstehen und zu würdigen. Bon einer dramatischen Wirkung kann, wie bei den meisten Stücken BjörnsonS, nicht die Rede sein — um so größer aber ist daS Interesse, welches bei bem Zuschauer rege wird. „Die Neuvermählten" gehört zu den Bübnenstücken — Schauspiel ist nicht die rechte Bezeichnung —, die nicht nur einmal gesehen oder gelesen sein wollen: auch darum der fast erzwungene Beifall, der ihm gestern vom Publikum deS Theater-VereinS zu Theil ward, leider zu Theil ward. Es ist eine unerfreuliche, um nicht zu sagen traurige Thatsache, daß man heutzutage nur denjenigen Kritiken einiges Interesse entgegenbringt, deren Prinzip es ist, stets zu verneinen, und nicht minder bedauerlich ist eS, daß man — in weiteren Kreisen — em neues Bühnenstück nach der Aufnahme zu beurtheilen pflegt, die ihm vom Publikum geworden, und noch immer hat Niemand daran gedacht, bei der Kritik eines Stückes, sobald er über die Aufnahme durch baß Publikum berichtet, zuvor eine Kritik dieses Publikums zu schreiben. DaS sei hier nur angebeutet und nicht auf daS Publikum deS Theater-VereinS angewendet: für den aufmerksamen Beobachter wird sich die kühle Aufnahme ber „Neuvermählten" nicht am wenigsten burch baS Publikum erklären — ein Publikum, dem man im Allgemeinen den Namen eines feinfühligen, gebildeten nicht versagen darf. — Die Hauptrolle in den „Neuvermählten" gab Herr ©al In er. Dürfen wir nach den wenigen Stücken, in denen wir ihn seither zu sehen Gelegenheit hatten, ein Unheil abgeben, so scheint unß die Hauptstärke deS Künstlers in solchen Rollen zu liegen, wie sie nur aus der Feder „moderner" Schriftsteller hervorgehen. Der Axel Herrn WallncrS war trefflich in Haltung und Stimmung, was allein bei einem tiefen Eindringen in die überaus schwierige Rolle möglich ist. Fräulein von Legrenzi, heute zum ersten Male auf der Bühne deS Theater-VereinS, spielte die Laura ebenso ausgezeichnet: wir betonen nur, mit welchem Geschick sie die Steigerung, die diese Rolle verlangt, die gänzliche Umwandlung, die sich an der Seele ber jungen Frau im Verlauf deS SiückeS vollzieht, zum Ausdruck zu bringen' wußte, und wir hoffen, die junge anmuthige Dame noch oft in Gießen bei offener Scene, wie baß gestern im zweiten Acte geschah, mit Beifall begrüßen zu dürfen. Fräulein Landori trat für unß zum ersten Male in' einer Rolle auf, die nicht zu den „classischen" gehört; ihre Shraft liegt wesentlich — trotz des abfälligen Ur- theilS über ihre Luise Miller — auf dem Gebiete ber großen Tragödie: doch spielte sie bic wundervolle sympathische Mathilde — an der nur der etwas zu lebhafte Augenaufschlag ein wenig störend war — mit so tiefem Verstälidniß, daß wir uns freuen werden, sie bald wieder auf der kleinen Bühne deS Theater-VereinS begrüßen zu dürfen. Auch Frau Ernst gab die Frau des Amtmanns, diesmal unter sehr schwierigen Ver hältnissen, sehr gut. — An die tiefernsten, poesievollen „Neu vermählten" schloß sich „Der zündende Funke" Taille- ronS, ein reizendes, geistreiches Lustspiel, baß sich nur in einer etwas zu mageren Landschaft abspielte, der eß so sehr an Bäumen und Büschen fehlte, daß die lustige Antoinette nur mit Mühe einen Platz fand, wo sie sich verbergen konnte, um das Gespräch Raouls mit Leonie zu belauschen. Frau Keller-Frauenthal gab diese Leonie — der Theater zettel hat diese Rolle mit derjenigen von Fräulein Eichenberg, welche die Antoinette spielte, verwechselt — ebenso vorzüglich und liebenswürdig, wie sie vor einigen Monaten die Gräfin Olga in „Fedora" gab, und Herr Wallner trat unß hier als ein ganz Anderer, als wir ihn seither gekannt, entgegen und zeigte sein Talent für Lustspielrollen. Fräulein Ei ch en - berg, die schon lange viele Freunde bei uns zählt, war alß Antoinette reizend, liebenswürdig und natürlich — und dieses letzte, daß größte Lob, welches man einem Schauspieler spenden kann, erwarb ihr begeisterten Beifall bei offener Scene und läßt uns den Wunsch aussprechen, die junge Künstlerin noch recht oft zu sehen. — Mit Bedauern erfuhren wir, daß die heutige Vorstellung für diese Saison die letzte war, welche die Frankfurter SHlnftler gaben, und daß die nächste Aufführung andere Gäste nach Gießen bringen soll. Mitglieder des Darmstädter Theaters. Erwarten wir sie auch mit großem Interesse, so sehen wir doch diejenigen ungern scheiden, die, unß nun schon seit drei Wintern bekannt, so manchen Genuß bereitet, und die wahrlich nicht den geringsten Antheil haben am Blühen und Gedeihen beß Theater-VereinS. Deshalb auf Wiedersehen!
— Wie aus dem Jnseratentheil unseres heutigen Blat- teö ersichtlich, findet Freitag, den 17. Februar, Nachmittags 5 Uhr im Saalbau zu Marburg baß vierte Concert beß dortigen akademischen Concert-VereinS statt. In demselben kommt das großartige Werk von Joh. Scb. Bach „Die MatthaeuSpassion" zur Aufführung. Auf dasselbe näher einzugehen, glauben wir umgehen zu können, da cß unseren Lesern durch die auch hier stattgehabte Aufführung und ein gehende Besprechung noch bekannt sein dürfte. Erwähnt möge sein, daß die wohlbewährte Führung beß Dirigenten, Herrn Prof. Barth, für baß schöne Gelingen der großen Aufführung Allerbestes erhoffen läßt. Die Soli liegen in wohlbewährten Händen: Evangelist Herr Franz Litzinger, Christus Herr M. Büttner, Sopransolo Frau Hans Huber, Altsolo Frl. A. Stephan. Das Orchester ist Doppelorchester und entspricht so dem Doppelchor. Damit auch dem auß toärtigen Publikum Gelegenheit geboten ist, der Aufführung dieses herrlichen Werkes beiznwohnen, wird das Concert wie die am vorhergehenden Tage stattfindende Generalprobe, um 5 Uhr Nachmittags im Saalbau beginnen und ist somit die bequemste Gelegenheit zu Hin- und Rückfahrt geboten. Sämmtliche Soli werden auch in der Generalprobe zum Vortrag gelangen und kann diese daher schon im Wesentlichen alß eine erste Aufführung der Passion gelten.


