Ausgabe 
10.10.1893 Erstes Blatt
 
Einzelbild herunterladen

^«»Ss-Aich

in «Uh

9 btr n

Mgs'AnftL

> fowiit bitt 01. en unb Sjffiflfcit denen öl 7* nie th nng der Prämie i

M^^nde (

Ubach, kk'NtrtzrrWN Heu.

ÜüüP tn8 als vfeupitz !chnung. Sldjhingk: Sommeriad r 34, Sei Mtzz--;

Wtfaft Me mtk ädet frftifftr dch

Mtoxtx

38 betreiben werbt, jete ich meinen otri u. yochachlend

W mb l*!

paula Kur=

-M

rsns.

IM einen WM*

Nr. 23».

Der

OOtzeuer *»jd«n «scheint täglich, Ht Uu»n«hme bei Montags.

Die Gießener WeetrttelCaffrt »erden dem »nzeiger Wöchentlich dreimal dch^iegt.

Erstes Blatt. Dienstag den 1V. Octobcr 1893

Gießener Anzeiger

Kenerat-Anzeiger.

VierretjLßriger Jklmmratiiidsi 2 Mark 99 Ptg. °M Bringerlohn. Durch bu Post bqoffll 2 Mark 50 Psg.

Rebochon, tpebwM« unb Druckerei:

Fernjprecher 5L

Zimts« ttnb Anzeigeblatt filr den Ureis Gieren.

rL'^-U-L-Lr.ÄL LL | <k«H«6rifäae: »ietzmn .».mitoWlto.

Aintlicher- Tbeil.

Bekanntmachu«-.

In der Zeit vom 16. bis 30. October d. I können von den auf Grund der Bekanntmachung vom 24. Juni d. I. (Regierungsblatt Nr. 21) neu emittirten Großherzog­lich Hessischen 3VzProcentigen Obligationen, soweit sulche zur Deckung der Kosten der nach den Gesetzen vom 14. Juli 1884 und 9. September 1885 erbauten Nebenbahnen bestimmt sind, Stücke von 5000, 2000, 1000, 500 und 200 Mark zum Paricours, so lange der Vorrath reicht, von Großherzoglicher Hauptstaatskaffe bezogen werden.

Die bei dieser Stelle schriftlich einzureichenden Anmel- düngen werden nach der Reihenfolge ihres Eintreffens berück­sichtigt. Der Käufer hat die Stückzinsen vom 1. October b, I. an bis zum 3. Tage nach dem Eingang der Anmeldung bei der Großherzoglichen Hauptstaatskaffe, wie auch die H älfte des etwa nöthigen Schlußnotenstempels zu entrichten.

Die Berechnung wird von der genannten Kaffe aufgestellt und dem Käufer zugesendet werden, worauf die Obligationen alsbald gegen Entrichtung des Betrags der Rechnung daselbst im Empfang genommen werden können.

Darmstadt, den 29. September 1893.

Großherzogliche Staats-Schulden-Commission.

Lindeck. I. Moellinger.

Deutsches Reich.

Darmstadt, 7. October. Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfingen heute u. A. den Herrn v. Harnier oui6 Echzell, Mitglied der Ersten Kammer der öandstände, den Stadtpfarrer Fischer aus Schlitz, den ordentlichen Professor Dr. v. Bradke aus Gießen.

Berlin, 7. October. Der jüngste Jagdaufenthalt des deutschen Kaisers in Schweden hat eine neue Auflage des Gerüchtes überden angeblichen Anschluß Schwedens an den Dreibund gezeitigt. Wenigstens wärmt eine der Jndependance beige" aus Christiania zugegangene Meldung dieses Gerücht wieder auf, mit der Versicherung, die schwedischen Diplomaten versuchten umsonst, dasselbe als unbegründet hin« zWstellen. Trotzdem klingt die ganze Meldung nach wie vor HAchst unwahrscheinlich, schon deshalb, weil stch nicht etnseyen lLßt, welchen besonderen Nutzen die mitteleuropäische Allianz von einer Waffenverbindung mit dem militärisch schwachen und schon wegen seiner geographischen Lage den Welthändeln fast gänzlich entrückten scandinavischen Doppelreiche haben sollte. Das Heil für Schweden-Norwegen bei Ausbruch eines großen europäischen Krieges liegt in der Bethätigung seiner strengsten Neutralität, und dies weiß man in den maßgebenden Stock­holmer Kreisen selbst gewiß am besten!

Fürst Bismarck weilt zur Stunde wieder 'n Friedrichsruhe. Die noch in den letzten Tagen erneut ver­breiteten Nachrichten über den angeblich sehr bedenklichen Gesundheitszustand des Altreichskanzlers haben sich als gänzlich unbegründet herausgestellt, vielmehr befindet fick Fürst Bismarck schon seit einiger Zeit auf dem Wege entschiedener Recon- doleScenz. Der letzte Aufschub in der Abreise des Fürsten von Kissingen soll lediglich dadurch bedingt gewesen sein, daß der Altreichskanzler von einer Wespe, in den Hals gestochen morden war, und die sich hieraus entwickelnde Geschwulst hatte ihm bedeutende Schmerzen verursacht. Der jüngste, zur Zeit nun also wohl beendigte Kurbesuch des Fürsten Bismarck in Kissingen hat durch die schwere Erkrankung des greisen Ex-Kanzlers eine ganz ungewöhnlich lange Dauer erlangt, und mit theilnahmvollftem Jntereffe blickte man darum in ganz Deutschland im Geiste nach dem freundlichen Badeorte an der fränkischen Saale, wo diesmal dem Ex­kanzler ein so schmerzensreiches Krankenlager beschieden sein sollte. Um so größer ist aber jetzt allseitig die Genugthuung darüber, daß Fürst Bismarck nunmehr wieder vollster Ge- riesung zugeht, und daß ihm seine Gesundheit in den gewohnten Räumen des Schloffes von Friedrichsruh bald vollständig iviedergegeben werden möge, dies ist der innigste Wunsch Mer patriotischen Deutschen! Im Uebrigen weist der dieS- jLhrtge Kissinger Kuraufenthalt Bismarcks durch den Depeschen- ivechsel zwischen Kaiser Wilhelm und dem Altreichskanzler eine Episode von besonderer Bedeutung auf, und ist aller Grund zu der Annahme vorhanden, daß die hiermit ein» geleitete Versöhnung zwischen dem kaiserlichen Herrn und seinem ehemaligen ersten Berather noch weitere Fortschritte machen wird.

Die neuen deutsch-russischen Haudelsver- tuagsunterhandlungen in Berlin haben unter günstigen

Aussichten begonnen. Es wird versichert, die russischen Dele- girten bekundeten eine sehr entgegenkommende Haltung und scheine es, als ob die russische Regierung ernstlich daS Zustandekommen eines Handelsvertrages mit Deutschland wünsche.

Der deutsche Gewerbekammertag tritt in den Tagen vom 12. bis 14. October in Eisenach zusammen. Den Hauptgegenstand der Verhandlungen werden, wie die Nordd. Allg. Ztg." hört, dieVorschläge des Königlich preußischen Ministers für Handel und Gewerbe für die Organisation des Handwerks und für die Regelung des Lehrlingswesens im Handwerk" bilden.

Börsen-Enquete-Commission. Die Redac- tions-Commission für den Schlußbericht der Börsen-Enquete- Comnzission hat am Freitag ihre Arbeit beendet. Zur end­gültigen Feststellung des Berichts wird das Plenum der Commission auf den 10. November berufen werden.

Berlin, 7. October. Heute Nachmittag verstarb der General der Cavallerie, General-Adjutant Sr. Majestät des Kaisers, v. Versen, commandirender General des 3. Armee­corps.

Kisfiugen, 7. October. Fürst Bismarck ist heute 11 Uhr 40 Min. von hier ab gereist. Das Wetter war prächtig, alle Villen hatten Flaggenschmuck angelegt und viele der Einwohner und der noch hier weilenden Fremden hatten sich auf dem Bahnhofe eingefunden, auf dem der Fürst, von Professor Schweninger begleitet, in seiner Equipage anlangte. Er ging alsdann ohne Stütze nach dem Perron, wo ihn ein bekränzter und geschmückter Salonwagen den enthusiastischen Rufen der Menge, welche namentlich den WunschAuf Wiedersehen" stürmisch äußerte, entführte. Der Fürst dankte freundlich, den Schlapphut ziehend, bis der Zug aus der Halle gefahren war. Das Aussehen des Fürsten war ein vortreffliches.

Ausland.

liebet eine bemerkenswerthe Kundgebung des Kaisers Franz Josef in der ihrer Entscheidung zutreibenden kirchen­politischen Frage in Ungarn weiß ein römisches Tele­gramm derN. Fr. Pr." zu berichten. Der Kaiser soll dem Papste sein Bedauern darüber ausgedrückt haben, daß in Betreff der Einführung ber Zivilehe in Ungarn keine Einigung zwischen ber ungarischen Regierung und dem Vatican erzielt worden sei. Außerdem versichert die erwähnte Depesche, der Kaiser habe diesem Ausdrucke seines Bedauerns noch die Bemerkung hinzugefügt, er könne als constitutioneller König von Ungarn dem Willen des ungarischen Volkes keinen Wider­stand leisten. Sollte sich die ganze Nachricht bestätigen, so würde aus ihr zunächst erhellen, daß Kaiser Franz Josef dem Civilehegesetzentwurfe des Cabinets Wekerle allerdings seine Zustimmung gegeben hat, aber nicht aus eigener lieber- zeugung, sondern lediglich als streng constitutioneller Monarch. Es unterliegt aber keinem Zweifel, daß bei den bevorstehenden parlamentarischen Kämpfen über die Civilehe die ungarische Opposition eine derartige Stellungnahme des Monarchen in der schwebenden Frage ganz gehörig zu Ungunften des Ministe­riums Wekerle auSbeuten würde.

Noch kurz vor der Verwirklichung des russischen Flottenbesuches in Frankreich werden in diesem Lande vereinzelte Stimmen laut, welche sich gegen den überschäumenden Russenenthusiasmus der Franzosen kehren. Eine derartige Vorlesung hält den französischen Ruffenschwärmern der Chef- redacteur desFigaro", Magnard. Der geistvolle Publicist bezweifelt in einem Artikel die Richtigkeit ber von mehreren Blättern gebrachten, selbstverstänblich erfunbenen Nachricht, Deutschland und Italien würden anläßlich der Russenfeste ,Agents provocateurs nach Paris und Toulon entsenden. Alsdann führt Magnard aus, die Franzosen müßten sich vor Allem gegen ihren eigenen Enthusiasmus, ihre eigenen Nerven und gegen sich selbst wehren. Sehr richtig, schade nur, daß Magnard mit seinen Mahnungen dem Prediger in der Wüste gleicht.

Die Schaffung eines Vicekönigthums in Russisch- Ceutralafieu ist das neueste Project der russischen Politik in Centralasien. Der künftige Bicekönig soll die ausgedehntesten Vollmachten erhalten und nur direct dem Czaren verant­wortlich fein. Es heißt, dem ganzen Plane liege die Idee zu Grunde, die ruisischen Besitzungen in Centralasien durch eine von Petersburg unbeeinflußte Verwaltung zu einer ge­eigneten Basis für Offensiv-Operationen Rußlands im Osten zu machen.

Paris, 7. October. Madame Adam, Chefredacteur desJournal", reist morgen nach Toulon ab, um den russischen Seeleuten 2138 Armbänder als Andenken

an die französischen Frauen zu überbringen. Für die Familie Avelane sind mit Diamanten besetzte Juwelen bestimmt.

Druffel, 7. October. Die Polizei verhaftete zwei fr an- zösische Deserteure, welche im Kriegsministerium Lebel- patronen zum Verkauf anboten.

Brüssel, 7. October.Reforme" bekämpft die Mili­tärreformvorschläge, welche General Brialmont gemacht hat, und empfiehlt das schweizerische System der bewaffneten Nation.

Bern, 7. October. Die Einführung der Todes­strafe wurde von der mit der Abfassung des Schweizer Strafgesetzbuches betrauten Commission mit allen gegen zwei Stimmen abgelehnt.

Petersburg, 7. October. Die Regierung gibt zur alt- russischen Ausstellung 1896 in Nischni Nowgorod drei Millionen Rubel und die Gebäudetheile der Moskauer Ausstellung.

Cadix, 7. October. Die russischen Marinesoldaten wohnte« gestern der Einschiffung des spanischen Infanterie- rjegimentS nach Melilla bei. Die Russen brachten den spanischen Soldaten eine enthusiastische Ovation dar.

Hcucfte Nachrichten»

Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.

Köln, 8. October. Heute bildete sich hier, unter zahl- reicher Betheiligung aus allen Theilen der Provinz, ein rheinischer Provinzial-Verband für Knaben- Handarbeit.

Friedrichsruh, 8. October. F ü r st B i s m a r ck ist gestern um 11 Uhr 5 Min. Nachts hier eingetroffen. Auf dem Bahnhofe hatten sich zu seiner Begrüßung etwa 60 Personen aus der Umgegend versammelt. Der Fürst begab sich int Wagen nach dem Schlosse.

Trakehueo, 8. October. Se. Majestät der Kaiser ist heute Abend kurz nach 8 Uhr, unter dem Jubel der zahl­reich herbeigeströmten Menge, ab gereist. Als sich der Zug in Bewegung setzte, stimmte das Publikum die National­hymne an.

Straßburg, 8. October. Heute wurde der Grundstei n für die neue evangelische Garnisonkirche gelegt. Dem Feldgottesdienst, anläßlich dieser Feier, wohnten der commandirende General, die Generalität und das Offizier' corps der Garnison, sowie eine Deputation der letzteren bei. Staatssekretär von Puttkamer, die Spitzen der Civil-Behör- den, Rector und Prorector der Universität, die evangelische Geistlichkeit der Stadt, die katholische Militär-Geistlichkeit, wohnten inmitten eines nach Tausenden zählenden Publikums dem feierlichen Acte bei.

Paris, 8. October. Amtlicher Bekanntmachung zufolge werden folgende Cavallerie-Regimenter und Stäbe neu gebildet: Das 14. Husaren-Regiment in Alentzon, die 7. Dragoner-Brigade im Lager von Chalons, die 7. Cavallerie-Division in Meaux, sowie das 31. Dragoner- Regiment im Lager von Chalons.

SS

Cocafc* rrnd

Hießen, den 9. October 1893.

** Zur Laudtagswahl. Wenn, wie anzunehmen ist, Wolz in Seligenstadt-Babenhausen und Hirsch in Osthofen gewählt werden, so besteht die neue hessische Kammer aus 7 Deutschfreisinnigen (Euler*, Neeb*, Pitthan, Christ II.*, Guntrum, Metz-Gießen und Lichtensei), aus 5 Anhängern des Centrums (v. Dael Köth-Warscheidt*, Dr. Schmidt*, Wasser­burg *, Wolz, Pennrich), aus 4 Socialdemokraten (Kramer*, Jöst, Ulrich, Müller) und aus 3 Anhängern der deutschen Reformpartei (Köhler* (doppelt gewählt), Ripper). Die übrigen 31 Mitglieder gehören der nationalliberalen Partei an, von denen Breimer, Haas (Offenbach), Dr. Friedrich, Dr. Osann, Graf Oriola, Weith, Pfannstiel, Erk, Wester- nacher, Römer, Hirsch wieder-, sowie Haas Hamstadt* und Ernst Wernher* neugewählt, die vorstehend mit einem Stern Bezeichneten nicht Mitglieder des vorigen Landtages ge­wesen sind.

** Au uachbeuauoteu Großh. Kreisamteru sind Personal­änderungen eingetreten wie folgt: Die Kreisräthe Wolf in Alzey und Gustav von Zangen in Oppenheim wurden unter Anerkennung ihrer treuen Dienste in den Ruhestand versetzt. Der KreiSamtmann des Kreises Heppenheim Carl Bichmann wurde zum Kreisrath des Kreises Oppenheim, der Ministerialsecretär beim Staatsministerium Dr. Georg Freiherr v. Wedekind zum Kreisrath des Kreises Alzey ernannt. Ernannt wurden: der Kreisamtmann bei dem Kreisamt Darmstadt Regierungsrath Dr. Gustav Weiprecht