Ausgabe 
9.6.1893 Zweites Blatt
 
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1893

Nr 133 Zweites Blatt. Freitag bett 9. Juni

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Bekanntmachung, betreffend Maul- und Klauenseuche zu Hof Allenrod. Die Maul- und Klauenseuche zu Hof Allenrod, Kreis Büdingen, ist erloschen.

Gießen, den 6. Juni 1893.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

__________ v. Gagern.__________________

Bekanntmachung, betreffend Maul- und Klauenseuche zu Grünberg. Wegen des Bestehens der Maul- und Klauenseuche in der Stadt Grünberg muß die Abhaltung des auf 22. Juni d. I. anberaumten Grünberger Viehmarktes untersagt werden.

Gießen, den 6. Juni 1893.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

v. Gagern.

Die Stärke der französischen und deutschen Truppen

in den Schlachten des letzten Krieges ist bei den gegen« wärtigen militärischen Erörterungen von besonderem Interesse. Hier sind die Hauptziffern: In der Schlacht bet Weißenburg hatten die Deutschen 44,000 Mann mit 72 Geschützen, wo- bon die Hälfte ins Feuer kamen, gegen nur 4650 Franzosen mit 18 Geschützen. Bei Wörth hatte unser unvergeßlicher Kronprinz Friedrich 89,000 Gewehre mit 7700 Säbeln und 342 Geschützen zur Verfügung, von denen gegen die nur 32,000 Gewehre, 4800 Säbel, 131 Geschütze der Franzosen 71,500 Gewehre, 4200 Säbel und 234 Geschütze, also an­nähernd die doppelte Anzahl, ins Feuer kamen. Etwas geringer war die deutsche Uebermacht bei Spichern, wo 38,400 Deutsche mit 120 Geschützen gegen 24,400 Franzosen mit 90 Geschützen in den Kampf traten. Mit diesen ersten gewonnenen Schlachten war nicht nur der örtliche Sieg errungen, sondern es wurde auch das moralische Uebergewicht über den Feind erreicht, der an seinem tollen Siegesübermuth gewaltig einbüßte und jetzt schon das Vertrauen zur Heeres­leitung verlor. In der Schlacht bei Beaumont am 30. August hatten die Deutschen 61,500 Gewehre mit 6100 Säbeln und 276 Geschützen zur Verfügung, von welchen zum Entschei­dungskampf eingesetzt wurden 29,900 Gewehre mit 222 Ge­schützen gegen 29,700 Franzosen mit 210 Geschützen. In der Schlacht von Sedan aber waren auf deutscher Seite zur Stelle 133,500 Gewehre, 21,300 Säbel, 700 Geschütze, während die Franzosen auf engem Schlachtfelde dicht zu­sammengedrängt 90,000 Mann, 408 Geschütze vereinigt hatten. In den Schlachten um Metz war die Uebermacht an Zahl allerdings auf Seiten der Franzosen, denn es kämpften in der Schlacht bei Colombey Nouilly am 14. August auf deutscher Seite 30,500 Gewehre mit 150 Geschützen gegen 50,000 Franzosen mit 206 Geschützen. In der Schlacht bei Mars - la - Tour kämpften den Entscheidungskampf 47,000 Deutsche mit 222 Geschützen gegen 85,000 Franzosen mit 432 Geschützen. In beiden Schlachten aber, in welchen auf Seiten der Deutschen noch zahlreiche Reserven zur Verfügung standen, war der Sieg nur dadurch möglich, daß der innere Gehalt der deutschen Truppen dem der französischen, welche durch die Niederlagen der französischen Heere im Elsaß schon heftig berührt waren, weit überlegen war. Das ungünstige Zahlenverhältniß aber erforderte auf deutscher Seite auch ungemeine Aufopferung der Truppen und hierdurch Verluste, die nahezu doppelt so groß waren, als die der Franzosen, denn während dcr der Deutschen bei Colombey. Nouilly 222 Offiziere mit 4550 Mann 7,6 pCt. der an der Schlacht betheiligt gewesenen Truppen betragen hat, war der der Franzosen nur 2700 Mann = 3,79 pCt., bei Mars- la-Tour aber verloren wir 7200 Offiziere, 15,000 Mann 22,3 pCt., die Franzosen nur 13 pCt. ihrer Stärke. Bei St. Privat war die Ueberlegenheit an Zahl auf Seiten der Deutschen, denn es fochten am 18. August die Deutschen mit 166,600 Gewehren, 21,000 Säbeln und 732 Geschützen gegen 19,500 Franzosen mit 1300 Reitern und 520 Ge­schützen. Wenn später im Kriege gegen die französische Re­publik die französischen Heere an der Loire, im Norden Frankreichs und in den Ausfallschlachten von Paris den Deutschen wieder an Zahl überlegen warm, dennoch nicht den Sieg erringen konnten, so ist dies nur ein Beweis gegen die Milizheere, denn die von Gambetta aus dem Boden ge­stampften Heerc bestanden zum größten Theil aus frisch gebildeten Trugen, denen es an tüchtigen Offizieren und Unteroffizieren fehlte. Daß man solche junge Truppen in Len Krieg sandte, hat sich für Frankreich schon durch die schweren VeUuste bitter gerächt, denn es verloren die Fran­

zosen mehr als 140,000 Tobte, mithin dreimal so viel als wir, während die Zahl der Verwundeten auch heute noch nicht angegeben werden kann. Bei diesem Gambetta'schen Heere konnte auch vorkommen, daß bis auf den heutigen Tag noch ein Divisions-General, mehrere Oberste und zahl­reiche andere Offiziere vermißt sind, d. h., daß man nicht weiß, wo ihre Leichen begraben sind. Auf dem Schlachtfelde gefallen, von ihrer zahlreichen Umgebung schmählich im Stich gelaffen, wurden sie von den Hyänen des Schlachtfeldes geplündert.

toeales rrnd provinzielles.

§ Dom höheren Vogelsberg, 4. Juni. Bis jetzt- haben wir auch hier nur leider wenig Regen gehabt, meistens von kurzer Dauer, sodaß die Vegetation sich nur ganz äußerst mühsam entwickeln kann. Sollte diese trockene Witterung noch längere Zeit anhalten, so können die Landwirthe ihr Rindvieh und Schafe kaum noch ernähren. Das Heu ist bis auf einen verschwindend kleinen Theil aufgezehrt. Um im Anfang des Frühjahrs die Heuvorräthe zurückzuhalten, wurde meistens das Stroh zu Häcksel geschnitten und Kurzfutter ge­füttert und ist dadurch auch der Vorrath an Stroh erschöpft. Das Rindvieh wird fast sämmtlich auf der Weide ernährt und müssen voraussichtlich später auch noch bessere Wiesen­flächen beweibet werden, um nur die Thiere durchbringen zu können. Die Wintersaat steht, im Verhältniß zu anderen Gegenden, noch ziemlich gut, ebenso auch Gerste, nur die Hafersaat ist in manchen Feldern bis jetzt noch nicht zum Vorschein gekommen, sodaß diese Felder nochmals bestellt werden müssen. Obwohl die Kartoffeln in trockenen Jahren sehr gute Ernten liefern, so klagen doch die Landwirthe über das Faulwerden derselben auf dem Acker. Die im Garten stehende Dickwurz- und Kohlrübensaat hat trotz täglichen Gießens noch keine Aussicht auf Weiterentwickelung. Das Heugras hat an vielen Stellen bis jetzt noch gar kein Wachs- thum entwickelt, sodaß viele Flächen ganz verbrannt sind. Daß die Preise in Vieh ganz bedeutend gesunken, bedarf kaum einer Erwähnung, ja noch mehr: Niemand will Vieh kaufen, Jedermann will Vieh verkaufen und werden kommenden Herbst viele Landwirthe sich genöthigt sehen, Stücke Vieh selber schlachten zu müssen. Heu wird gegenwärtig hier der Centner zu 8 Mark verkauft und Sommerstroh zu 3 Mark 50 Pfg.

Heppenheim a. d. B., 4. Juni. Gestern hielt die Krteger- kameradschaftHassia" in unserer Stadt ihren Prä sidial- Delegirtentag ab und der hiesige Verein verband damit am heutigen Tage die Feier seines 20jährigen Stiftungsfestes. Unser Städtchen hatte aus diesem Anlaß das schönste Fest­gewand angelegt. Samstag Nachmittag 6 Uhr begannen in der BrauereiZum Hirsch" die Verhandlungen des Dele- girtentagS, wozu die Vertreter von 36 Verbänden erschirnen waren. Der Präsident des Landesverbandes, Herr Oberst Gerlach, eröffnete die Sitzung mit einer Begrüßung der An­wesenden und brachte auf den hohen Protector des Verbands Se. Königliche Hoheit den Großherzog ein jubelnd auf- genommeneS Hoch aus. Herr Bürgermeister Höhn begrüßte im Namen der Stadt in warmen Worten die Erschienenen und sprach Namens der Stadtvertretung seinen Dank für die der Stadt erwiesene Ehre aus. Aus den nun folgenden Verhandlungen ist erwähnenswerth, daß die satzungsgemäß aus dem Präsidium ausscheidenden Mitglieder, die Herren Auler von Bensheim, Scriba von Schotten, Minnich von Oppenheim, wiedergewählt wurden, lieber den Kyffhäuier- DenkmalS«Fonds wurde von Herrn Hauptmann Waldecker Bericht erstattet. Die noch fehlenden Mittel von 300- bis 350000 Mark sollen im Wege emer Lotterie beschafft werden. Die 25jährige Wiederkehr des Tages der Schlacht von Grave- lotte soll vom Verband im August 1895 besonders gefeiert werden und wurde als Ort hierfür nach lebhafter Debatte Darmstadt bestimmt. Den Tag der Feier festzusetzen wurde dem Präsidium überlassen. Als Ort für den nächstjährigen Delegirtentag wird Mainz bestimmt. Ueber den Besuch der Schlachtfelder bei Gravelotte wird durch Herrn Hauptmann Gernsheim referirt und von demselben u. a. abgerathen, diesen Besuch der Verkehrsmittel rc. wegen in großen Massen auszuführen, vielmehr den einzelnen Vereinen die Ausführung dieser Absicht zu überlassen. Schließlich wurde der Vor­anschlag- für 1893 genehmigt. Die Teilnehmer begaben sich sodann in den Garten des Gasthauseszum halben Mond" zu gemütlichem Zusammensein, wobei die Capelle des 4. Großh. Jnf.-Regts. (Prinz Karl) Nr. 118 concertirte. Der heut'ge Tag galt hauptsächlich der Feier des 20jährigen Bestehens des hiesigen Kriegeroereins. Am Vormittag wurden die sehr zahlreich erschienenen auswärtignn Vereine empfangen- um 12 Uhr vereinigte ein Festessen die Theilnehmer im Gasthof

Zum halben Mond". Kurz vor 3 Uhr traf Se. König!. Hoheit der Großherzog, der hohe Protector des Verbands, von den Spitzen der Behörden und einer Ehrencompagnie deS hiesigen Vereins an der Bahn empfangen, ein und fuhr unter dem brausenden Jubel der Bevölkerung nach der Stadt, um hier den Vorbeimarsch der erschienenen 52 Kriegerveretne abzunehmen. Leider ging dabei ein starker Regen nieder. Nächstdem bildeten die Vereine Spalier und hatte Se. Königl. Hoheit die Gewogenheit, hier nochmals im Vorbeifahren die erschienenen Krieger einer Besichtigung zu unterwerfen, von denselben mit begeisterten Hochrufen empfangen. Nachdem man auf dem Festplatz angekommen war, wurde Se. Königl. Hoheit der Großherzog von Herrn Oberst Gerlach nochmals in warmen Worten begrüßt und ein jubelnd aufgenommenes Hoch auf Allerhöchstdenselben ausgebracht. Das Hoch deS Herrn Majors Freiherrn v. Röder auf den obersten Kriegs­herrn, Se. Majestät den Kaiser, sand ebenfalls begeisterte Zustimmung. Nachdem noch dem hohen Protector die fünf ältesten Bezirksvorsteher (unter den Vorgestellten befanden sich zwei aus der Provinz Oberhessen, Fabrikant Ranft-Grün- berg und Klinikverwalter Keller-Gießen, letzter ist Schrift­führer des Bezirks Gießen) vorgestellt worden waren, ver­ließen Se. Königl. Hoheit den Festplatz, um nach der Residenz zurückzukehren. Der übrige Theil des Festes hatte sehr unter der Ungunst des Wetters zu leiden, was umsomehr zu be­dauern war, als die vom hiesigen Verein getroffenen Vor­bereitungen und Arrangements von größter Sorgfalt zeugten und allseitig überraschten.

" Vermischtes.

* Saatenfiand in Rußland. Der russischeFinanz» Anzeiger" Nr. 19 vom 9./21. v. M. enthält folgende amt­liche Mittheilung über den Stand der Winter- und Sommer­saaten im europäischen Rußland: Laut telegraphischen Berichten der Steuer-Jnspectoren an das Finanz-Ministerium war der Stand der Winter- und der Sommersaaten im europäischen Rußland und im nördlichen Kaukasus bis zum 3. Mai im Ganzen ein völlig befriedigender. Besonders gut standen die Wintersaaten im nördlichen Kaukasus, beinahe im ganzen Flußgebiet des Don, in den mittleren Stromgebieten der Wolga und Kama und in den centralen Schwarzboden Gou« vernementS, also namentlich in demjenigen Rayon, welcher im Jahre 1891 von Mißernten betroffen war und welcher einen Theil des kornreichen Gebiets in Rußlands bildet. Im übrigen Theil des europäischen Rußlands war der Winter­saatenstand theils gut, theils befriedigend und nur stellen­weise und ausnahmsweise unbefriedigend. Unter mittelmäßig erwiesen sich die Wintersaaten nur in einzelnen Kreisen der nordwestlichen, der industriellen, der nördlichen, der südwest­lichen und der südlichen Gouvernements, also vorwiegend in der Zone, wo kein Schwarzboden ist, während in der Schwarz- bodenzone unbefriedigende Saaten nur in einzelnen Kreisen der Gouvernements Chersson, Jekaterinoslaw, Kiew und Podolien vorkamen. Von den Wintersaaten hat der Weizen mehr gelitten, im Weichselgebiet aber ausschließlich der Roggen, während der Winterweizen dort unversehrt blieb. Der theil- weise unbelriedigende Stand der Wintersaaten, namentlich des Weizens, erklärt sich durch die ungünstige Witterung, welche bis in die zweite Hälfte des April hinein andauerte. Nach dieser Zeit schlug die Witterung um, Wärme und Regenwetter traten ein, und es hat sich seitdem die Anzahl der Kreise mit guten Ernteaussichten bedeutend vermehrt, wie aus nach­stehenden Zahlen ersichtlich ist:

Gesammtzahl ....

Zum 15. April Anzahl

Zum 3. Mai Anzahl

der Streife:

/o

der Streife:

%

604

604

Wintersaatenstand tn Streifen

gut.....

29

5

124

21

befriedigend . .

101

17

303

50

mittelmäßig . .

100

17

87

14

unbefriedigend. .

32

5

26

4

sehr unbefriedigend

19

3

10

2

noch unbestimmt .

323

53

54

9

Der Sommersaatenstand kann in denjenigen Gegenden,

wo er

bereits erkennbar ist, als

völlig befriedigend gelten und 6e«

rechttgt zu guten Erwartungen.

* Patient und Doctor.Herr Doctor, ich fühle heute schon wieder die Straft in mir, ein GlaS Bier zu trinken." So, so es wäre mir aber doch lieber, wenn Sie sogar die Kraft in sich fühlen würden, kein Glas Bie' zu trinken!"