Ausgabe 
9.4.1893 Erstes Blatt
 
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so wird als Nachfolger Buffs Herr Reichstags- unb Land' lagsabgeordneter vr. Gutfleisch hier bezeichnt; doch liegt eine Bestätigung der Nachricht von betheiligter Seite noch nicht vor.

ArbeiterHrnhzrrg Großen BnseckVießen. Der Abgang deS von Montag den 10. d. MtS. eingelegten Arbeiter« FrühzugeS von Großen-Buseck ist nach neuesten Anord­nungen auf 5 Uhr 25 Min. gelegt, so daß er 9/<6 Uhr in Gießen eintrifft.

♦♦ Rnhestands-Bersetznag. In den Ruhestand versetzt wurde am 30. März l. I. der Steueraufseher Johannes Bertling zu Gießen auf sein Nachsuchen und unter An« erkennung seiner treu geleisteten Dienste.

Neue» Theater. Mit glänzender Ausstattung, wie wir hier noch nie gesehen, ging am gestrigen Abend die OperetteDer Bettelstudent" von Earl Millöcker in Scene. DaS HauS war nahezu ausverkauft und zollte das sichtlich animirte Publikum der flotten Darstellung un* getheilten Beifall. Herr Director BaarS verfügt über Kräfte, welche das Niveau der Mittelmäßigkeit bei Weitem überschreiten und wird in Folge dessen ein Ensemble ge­bildet, daS jeder großstädtischen Bühne zur Ehre gereichen würde. Wir können uns bei Herrn Director BaarS nur bedanken, daß selbiger mit seiner tüchtigen zahlreichen Ge« sellschast uns besucht, denn ein derartiges gutes Ensemble unb flottes Zusammenspiel, sowie brillante Ausstattung an Eostümen rc. haben wir hier noch nie gesehen. Die Auf­führung war eine mustergiltige unb verdienen Darsteller und Orchester nebst Regisseur und Eapellmeister den ungetheiltestcn Beifall. Nachdem wir gestern den Tenor Herrn Neusch als guten Vertreter seines Faches kennen lernten, hörten wir heute zwei andere Tenore, Herrn Beehrmann als Symon und Herrn Schulhofs als Jan. Herr Beehrmonn scheint ein alter routinirter guter Opereltrn-Tenor zu sein, Herr Schulhoff verfügt über hübsche, weiche Stimmmittel, derselbe scheint schauspielerisch noch nicht ganz sicher zu sein, wird jedoch bei fleißigem Studium wohl Gutes leisten. Fräul. Kronegeld und Fräul. Ziem an n waren auch heute ihrer Aufgabe gerecht und werden wir von diesen Damen wohl nur Lobendes zu berichten haben. Frau Hein scheint eine tüchtige Vertreterin der komischen Alten zu sein, ebenso Herr Thiemann als Stornier; sein Ollendorf war, abgesehen von einigen überflüssigen Kalauern, eine gute Leistung, desgleichen die des Herrn Eonradi als Enterich. Die übrigen Partien, Ofsiciere, Musikgraf, Bagumil rc. waren ebenfalls bestens am Platze. Der allgemein gezollte stürmische Beifall war ein wohlverdienter.Am Sonntag gelangt von dem beliebten Walzerkönig Strauß sein Meisterwerk Der Zigeunerbaron" zur Aufführung. Wir können heute, nachdem wir zwei Vorstellungen gesehen und gehört haben, den Besuch der Baar s ' s ch e n Vorstellungen nur besten- empfehlen, da wir wohl sobald ein so flottes und gutes Ensemble hier nicht wieder hören werden.

** Neue» Theater. DaS rühmlichst bekannte Preis- Lustspiel:Der neue Stifts-Arzt" vonL.u.M.Günther wird am Montag den 10. d. M. zum ersten Male hier in Scene gehen; dasselbe erfordert ein überaus großes Damen- Personal und war dies wohl mit ein Grund, weshalb wir dies feine Lustspiel, welches eine Zierde aller Hof- und größeren Stadltheater ist, hier noch nicht zu sehen bekamen. Herr Director BaarS hat obige Novität für das Stadt­theater in Greifswald angekauft und hatte dieselbe einen solch durchschlagenden Erfolg, daß sie im Laufe der Saison zu verschiedenen Malen wiederholt werden mußte. Was bei obigem Lustspiele besonders gelobt wird, ist die feine Corn- bination desselben, sowie der elegante Dialog, welcher sich fern hält von allen banalen Trivialitäten und dabei doch

musikalischen Vortragö eine Salve von Bravos und Hände­klatschen. DaS bewog den Kiinstler, noch eine Polonaise als Zugabe zu intoniren, er spielte so leicht und doch so schwer- muthsvoll, als wolle eine Sirene ihren Geliebten vom festen Land in daS trügerische Naß der Wellen hinablocken.

Man hätte ein Blatt fallen hören können, so stille war eS bei dem Spiel des Grafen im Salon. Deshalb hörte auch jeder zwei Herren verspätet eintreten. Der eine war ein weißhaariger und bärtiger Greis von großer Rüstigkeit, der andere ein jüngerer Cavalier von großer Statur, braun gebrannt von der Sonne, distinguirt in der Erscheinung. Olga von Lubowöky hatte nur Augen für Oskar von Oginsky- sie sah jene zwei nicht, sondern wandte sich an den Grafen mit den Worten:

Diese Polonaise müssen Sic mir aufschreiben, Gras­es soll mein LieblingSstück werden!"

OSkar verbeugte sich.

Ihr Lob, Olga," entgegnete er leise,wiegt mir daS Urtheil aller übrigen auf!"

In der Pause sehen Sie mich im GlaShause!" flüsterte ftr.Ich muß Sie sprechen!"

Er verbeugte sich nochmals und trat zurück, dann aber nahte sich der Wirthin der Metropolit von Warschau.

Schöne Musik, Baronin, nicht wahr?" sagte er laut. Leise aber setzte er hinzu:ES ist alle- im besten Gange- wir unterhandeln mit Potcmkin, wie mit der Gräfin Lichtenau- beide lieben daS Geld und Polen ist vielleicht zu retten?

Gott sei Dank!"

Ja um die Ehre! Aber zum Glück trifft auch KoS- ciuSzko eben ein! Sehen Sie, da steht er umringt von den Freunden unb den Egon von Gablon-kh hat er auch wieder mitgebracht!"

ES war der Baronin, als habe sie eine giftige Viper gestochen, als sie den Namen hörte.

Wen hat er mitgebracht?" fragte sie tonlos.

,,Nun den GablonSktz- er hat parlamentarisches Geschick, Schlauheit, Energie? Die Liga rechnet viel auf ihn?"

So, ja, gut denn! Führen Sie Kosciuszko zu mir!" (Fortsetzung folgt.)

van gesundem Humor nnb tretendem Ditze getragen wird. Da nur eine einmalige Aufführung deSneuen Stifts- Arztes" fein wird, verfehlen wir nicht, alle Freunde eines guten Lustspieles auf die Montags-Borstellung hinzmveifen.

♦♦ Sircil nnb Theiter Walenda. Wie auS dem Anzeigen theil ersichtlich, trifft demnächst daS berühmte EircuS-Theater Wallenda hier em. Die Specialität deS Besitzer-: Bor führung von dressirten Thieren aller Art hat sich seit dem letzten Hiersein deS Theaters bedeutend erweitert. Sin ganzer Thierpark ist eS, den er jetzt mit sich führt. Bier prächtige Löwen, zwei mächtige Elephanten, zwei Bären, Hunde, von der größten Dogge bis zum kleinsten Salon- und Damen- Hündchen, Katzen, Affen, PonnyS, Kakadus und Tauben, zum Theil gleich dutzendweise, sorgen allein schon für sich für ein sehr abwechselungSreicheS Programm. Aber auch die Künstler - Specialitäten sind in gewohnter Weise Kräfte ersten Ranges.

Postvefen. Sämmtliche Briefträger und Briefkasten- leerer führen Postfreimarken und Postkarten zum Verkauf bei sich. Auch werden auf vorherige Bestellung Postwertzeichen bei dem nächsten Briefbestellgange überbracht. Die Bestellung kann durch Zettel erfolgen, welche in die Briefkasten gelegt oder den Boten übergeben werden- eine Gebühr ist für solche Bestellschreiben nicht zu entrichten.

♦♦ An sammtlichen Ostbanmen sind bereits starke Blüthen- knospen sichtbar. ES fehlt nur ein warmer Rogen, um Alle- binnen einiger Tage in einen BlÜthenflor zu verwandeln. Wie eS biß jetzt den Anschein hat, flieht eS in diesem Jahre viel Obst, vorausgesetzt, daß nicht noch starke Nachtfröste Eintreten.

* lieber sogenannte Schlender-Bazare, den Ruin der kleinen unb mittleren Geschäftsleute, spricht dieNational- Zeitung" ein sehr verständiges Wort:Der große Umsatz allein kann die anscheinende Verschleuderung mancher Gegenstände nicht erklären. Wenn die Dinge in diesen Riesenbazaren billiger scheinen, so geschieht eS entweder aus Kosten der Güte, der Haltbarkeit, des Gewichts, deS Maßes. DaS Haus führt sicherlich auch gute Artikel. Es hört von einem kleinen Fabrikanten, der sich in argen Verlegenheiten befindet, und kauft ihm gegen Baar große Posten ab, die er unter dem Druck einer Zwangslage hcrgiebt. Aber häufiger geschieht eS, daß die Aufträge an die Fabrik für die Massenartikel etwa, wie folgt ergehen: auS einem Pfund Seife macht ihr mir nicht drei, sondern v er Stück- daß Band wird nicht 125, sondern 122 Millimeter breit gemacht - die Taschentücher sind um ein wenige- kleiner. Diese ge­ringen Ersparnisse an Maß und Gewicht machen, wenn eS sich um Tausende von Stücken handelt, in den bis auf einen Zehntel Pfennig berechneten Preisen schon einen -solchen Ge- sammtunterschied, daß der Verkauf um fo viel billiger er­folgen kann. Und was vom Maß und Gewicht gilt, das gilt auch von der Qualität. Unsere Industrie stellt schließlich Alles her, was man von ihr verlangt, und sie versteht efl auch, minderwerthigen Dingen ein bestechendes Aussehen zu geben. ES soll nicht behauptet werden, daß daS, waS in diesen Geschäften verkauft wird, nicht vielfach daS werth ist, was man dafür bezahle. Aber deshalb ist es noch lange nicht werth, daß cS überhaupt gekauft wird, «eil den Ansprüchen eben nicht genügt, die erhoben werden müssen. Im Allgemeinen kaust nur billig, wer das Bessere und folge­richtig auch etwa» Theurere kauft. Ein Paar Stiefel zu 16 Mark, das ein Jahr auShält, ist billiger als zwei Paar zu 10 Mark, von denen jedes nur sechs Monate hält. Es flieht ja Fanatiker deS Ramsches unter den Frauen, dir grundsätzlich nur Ausverkäufe besuchen und auf die der rothe Zettel deS AuctionatorS eine zwingende Gewalt auSübt. Aber im Allgemeinen sollte man doch annehmen, daß unsere Frauenwelt, wenn sie ihre Eintragungen in daS Wirth- schaftsbuch macht, selbst dahinter kommt, daß um ein ihnen geläufiges Bild zu gebrauchen überall mit Wasser gekocht wird. Wie viele hat man nicht schon betheuern hören, daß sie nie wiederbillig" einkaufen wollen. Ob sie diese feste Vornahme auch immer gehalten haben, ist aller­dings eine andere Frage."

* Der Getreidemarkt. Die Osterfesttage setzten dem Getreidegeschäft naturgemäß enge Schranken, so daß sich dasselbe in der abgelaufenen Berichtswoche trotz deS be­gonnenen FrühjahrSterminS im Allgemeinen in ziemlich kurz gezogenen Grenzen bewegte. Weizen und Roggen gaben hierbei nach mehrfachen Schwankungen an den meisten Plätzen noch weiter im Preise nach, während sich Hafer fast überall kräftig behauptete. Bon welchem Einflüsse der auS Chicago gemeldete Zusammenbruch deS dort bestandenen Hausse RingeS in Weizen auf den europäischen Getreidemarkt sein wird, läßt sich augenblicklich zwar noch nicht mit Bestimmtheit be­urteilen, verrnuthlich dürften aber die durch die Ehicagoer Vorgänge bekundeten Rückschritte im transatlantischen Weizen­geschäft auch den europäischen Markt nicht unberührt lassen. Notirungen an der Berliner Produktenbörse: Weizen von 143 biS 154 Mk. pro 1000 Kilogramm. Roggen von 114 bis 131 Mk., Hafer von 140 bis 157 Mk., Gerste von 125 bis 175 Mark.

Zur Hagelversicherung. Wie die ersten Tage deS Apri! bereits bewiesen haben, findet zuweilen im Frühjahr eine ganz bedeutende W ä r m e e n t w i ck e l u n g^ statt, welche erfahrung-mäßig die der Landwirthschast so sehr nachtheiligen Hagelschläge sehr begünstigt. (56_ fei deshalb allen Land­wirt hen angerathen, die Hagelversicherungen möglichst zeitft abzuschließen.

Der Deutsche Werkmeißernerdand. der ungefähr 20,000 Mitglieder tn allen Theilen Deutschlands zahlt, hielt dieser Tage in Chemnitz eine Delegierten!) er sam m« l un g ab, die für die weitere Entwicklung deS BerbandcS von der größten Wichtigkeit war. Der aufgefteüie HauS- I.altSplan für 1893 und 1894 wurde mit sehr großer Mehr- beit genehmigt - unter anderem sollen für Unterstützungen

50,000 Mk., für die Werkmeister-Zeitung 4850 Mk. jährlich» außgegeben werden. Weiter begründete man nach den Vor- chlägen deS Ausschusses für Witwen- und Invaliden» Inrernutzung eine Witwen- und Waisen-, sowie eine Jnvalidenkasse und genehmigte die Anweisung deS dazu erforderlichen GrundcapitalS und die Erhöhung der Monats» beitrage. An den Abstimmungen nahmen 134 Delegierte theil.

6e König!. Hoheit der Großherzig reift tm Laufe der nächsten Woche mit feiner jüngsten Schwester zu mehr- wöchentlichem Besuch der Königin Victoria von England nach Italien.

Laidwirthschaftlicher Be,irk»nerein Kriedderg. Sonntag den 9. April, Nachmittags 3 Uhr, findet im GasthauS zum Löwen" in Nieder Weisel eine Versammlung statt. Tagesordnung: 1. Besprechung über den Ausbau des Getreide-, eingeleitet durch Großh. LandwinhschaftSlehrer Dr. von Peter. 2. Wo- will der Bund der Landwirthe. Referent H. Reitz in Butzbach.

§ Reiskirchen, 7. April. Der hiesige ca. 50 Mitglieder zählende Krieger-Verein wurde in den Landesverband der KriegerkameradschaftHassia" ausgenommen.

Schlitz, 5. April. Nach glaubwürdigen Mittheilungen wird im hiesigen Schlosse auch biefel Jahr wieder der Ka tfer ,\u zweitägigem Besuch der Gräflich Görtz'schen Familie mit Bestimmtheit erwartet. Die Ankunft Sr. Majestät ist zwar nach Tag unb Stunde noch nicht festgesetzt, jedenfalls wird sie aber, früherer Gepflogenheit gemäß, in hie Zeit der Auerhahnbalz, also in die erste Hälfte de- Monats Mai fallen.

O An» dem Vogelsberg, 7. April. Die gegenwärtig sehr trockene Witterung hat auch Rain und Hecken ungemein auSgetrocknet, eine Gelegenheit zur Ausrottung der Hecken, von der, wie die häufigen Rauchwolken und Feuerfäulen im Felde bezeugen, außgtebig Gebrauch gemacht wird. Obgleich fast jede- Jahr in den Blättern vor einer allzastarken Aus­rottung der Hecken gewarnt wird, schlägt man dennoch diese Warnung in den Wtnd und fährt in jedem Frühling mir der Ausrottung der Hecken luftig weiter. Wir können un- beShald nicht versagen, hiermit nochmals nachdrücklich den Nutzen der Hecke zu betonen. ES kst selbstverständlich, daß hiermit nicht der Hecke inmitten der Grundstücke ober auf calturfäbigem Boden baß Wort gcrebet werden soll, sondern nur der Hecke auf ihrem natürlichen Standorte, der steilen Böschung, dem Gerölldoden oder der trockenen Kuppe, auf der sonst Nichts fein Fortkommen findet Die Nachtheile, die hier die Hecke bringt, sind ganz verschwindend gegen ihren bedeutenden unb mannigfaltigen Nutzen, den Herr Forstassessor Weber in Schotten in einem früher erschienenen Artikel sehr zutreffend beschreibt. Die Hecke bindet, tagt te r Ausführung, am Hang den Boden durch da- Wurzelge­flecht unb verhindert ein Abrutschen und Abschwemmen ber Erde, sie verhindert die Bildung von Wasserrissen in den darunter liegenden Aeckern, indem sie meist etne zweckmäßige Wasservertheilung bewirkt. Man sieht mitunter, daß an Rainen die Hecken auSgerodet worden sind der paar Wellen Reisig wegen oder in der Hoffnung, GraSwuchS zu erzielen, und daß jetzt nach einigen Jahren baß Wasser die Erde ab- gespült hat, Theile drS oberen Grundstücke- abgerntscht sind, die Wurzeln ertrag-fähiger Obstbäurne bloßgelegt, die Bäume bergab geneigt und die unteren Grundstücke von Wasserriffen durchschnitten sind, unb baß nun an solchen Stellen mit großen Opfern an Zeit und Gelb Mauern auf­geführt ober sonstige Verbauungen von meist geringerer Dauer hergestellt werden. AIS Erhalter der Feuchtigkeit leistet jeder Busch im Felde nicht zu unterschätzende Dienste, zumal an Sommerhängen, die in ber Regel flachgründiger sind. Hiermit im engen Zusammenhänge steht die Wasser­zurückhaltung bei starken Regengüssen, roaß einmal für die nächsten unter ber Hecke liegenben Grundstücke von Bedeutung ist, inbem biefclbe immerhin eine Verzögerung im Abfluß, ein bessere- Einsickern beS Wasser- in den Boden und ein lange- Anhalten der Feuchtigkeit bewirkt, bann aber auch im Vanbeßculiurintcreffc Beachtung verbient. Ganz besonder- üerbient aber die Hecke Beachtung al- Rist- unb Brutstätte für die Vögel.

A Mainz, 7. April. Eine eigenartige Beleidigungs­klage beschäftigte gestern den ganze» Tag daß hiesige Schöffengericht. Gelegentlich ber letzten Stabtverordneten- wählen hatte näml'ch ber socialbemokratische Stabtverordnete Dörr in einer Volksversammlung behauptet, die ftäbtifdien Stiftung-gelber gelangten meisten- in unrechte Hände. In der Stadtverorbnetenversammlung wegen dieser Behauptung heftig angegriffen, suchte Dörr den Beweis durch Angabe einer längeren Liste von Personen anzuführen, die angeblich unverdienter Weise die Stiftung-gelber erhalten. Hierbei hat Dörr auch die Familienverhältniffe ber genannten Personen beleuchtet unb in einem Fall zwei erwachsenen Töchtern eine» Stiftung-empsängers bezüglich ihre- sittlichen BerhalteaS cm sehr schlechte- Zeugniß ausgestellt. Letzteres hat nun die beiden Frauenzimmer veranlaßt, Beleidigungsklage gegen den Stadtverordneten Dörr anzustrengen, die gestern zur Ver­handlung kam. Der Beklagte hatte eine lange Reche von Zeugen ausmarsch ren lassen, die indeß von dem Kern der Sache nichts wußten, weßhalb die Verhandlung zur Ber- nebmung weiterer Zeugen v.rtagt wurde. In dem nahen Nieder-Jngelheim ereignete sich verflossene Nacht ein erschütternder Ungl ütf ßfall. Die aus drei Köpfen be> stehende Familie Schweikart ist durch «usstt ömen von Kohlen- ga» auS einem amerikanischcn Ofen erstickt. Da- Dienst­mädchen, welche- an das späte Aufstehen der Herrschaft nicht gewöhnt war, fand dieselbe bewußtlos in den Betten. Sofort angestrllte DicderbelebungSversuche hatten, wie man un- von Nieber-Jngelhetrn schreibt, nur den Erfolg, daß der Ehe­mann vielleicht am Leben bleibt, während bei Mutter und Kind der Tod bereits eingetreten ist.

E. Bingen, 7. April. Der Verkehr auf dem Güter»