Ausgabe 
8.12.1893 Zweites Blatt
 
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1893

Freitag de» 8. Deecmber

Nr. 289 Zweites Blatt

Weßener Anzeiger

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Hratiskeitage: Hisßener Aamitienökätter

hm,denen Literatur abgefunbcn hat, greif' '-h B,itlen ouS bem

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Feuilleton

Hotel ohne Trinkgeld.

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Die Füllung des Eiskellers in den neuen Kliniken soll auf dem öffent- licheu Submissionswege vergeben werden. .

Lieferungsbedingungen können auf dem Verwaltungsbureau genannter Anstalt Nachmittags von 36 Uhr eingesehen werden.

Offerten sind bis Samstag den 9. Deeember 1893, Vormittags 12 Uhr, dahin einzureichen.

Gießen, den 4. December 1893.

Die Großherzogliche Direction der neuen Kliniken. [10050

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Während die Arheitsgepoffen einer Fabrik oder Werk­statt ein schönes Kameradschaftsgefuhl pflegen, sieht der Kellner in seinem Collegen zugleich den T°"currenten und sucht ihm die beste Trinkgeldgelegenhett, den besten Posten abzujagen. Es ist unter den Kellnern spruchwörtlich. Zwei Freunde sollen nicht in demselben Hause Stellung nehmen.

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August Montanus Nachfolger

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heißt dort:

In Wien füll jetzt, tbte ich vor Kurzem von einem un- verheiratheten dortigen Arzte erfuhr, ein den »besseren Ständen" angehörender Junggeselle täglich etwa einen Gulden Trinkgeld im Jahresdurchschnitt zu zahlen haben. Bei der TasseSchwarzen" nach Tisch erheben sogar drei Personen die Steuer: außer dem Zählkellner und demjenigen, der die Taffe vorsetzt, der Piccolo, welcher die Zeitung bringt. Bei uns in Norddeutschland ist es so schlimm noch nicht, der Trinkgeldzwang wird jedoch drückend genug empfunden, um Vie Frage nach Abhilfe auf die Tagesordnung zu setzen. Vom egoistischen Standpunkte des Trinkgeldgebenden m. E. nicht ganz mit Recht. DaS Douceur macht gegenwärtig einen festen Bestandtheil des vom Wirth beanspruchten Entgelts aus, die Form verleiht aber dem Gast einen Einfluß auf die Zuvorkommenheit des Bedienenden. Jedoch nicht allein deßhalb steht sich dieser letztere schlechter, als wenn er auf Gehalt rechnen könnte. Vor Allem und das macht auch mich zum ausgesprochenen Gegner- ist er in eine un­verdiente , unwürdige sociale Stellung herabgedrückt. Ein Theil der organisirten Kellner bekampst ja daher auch das

Die Majorität der Kellner, soweit eine solche hat gehört werden können, ist freilich noch gegen die Trinkgeldabschaffung. Man kann darüber des Näheren in der vorzüglichen Studie des Dr. Carl Oldenberg über denKellnerberuf" nachlesen. Lediglich um zu zeigen, wie gründlich und gewissenhaft Olden- berg feine Aufgabe erfaßt, daß er sich nicht mit der vor­

der Centralstelle für Arbeiter-Wohlfahrts- Wohlfahrts-Correspondenz", wird mit dem neuen Jahre ju einer Zeitschrift für Wohlfahrt-- und ge- werbliche Gesundheitspflege, monatlich zweimal erscheinend, erweitert werden. Wir sind in der Lage, bereits heute ektep für die Probe-Nummer der Zeitschrift bestimmten Artikel zw veröffentlichen, der von allgemeinem Jntereffe sein dürste. ES

wird durch JtzletdS «atarrhpafttlle« in kurzer Seit radical befestigt. [8738

liegt «>«' fiat» jfcTa8cbe' [10083

Gewiß)ist eS stark übertrieben, wenn ein angesehener Brüsseler Gastwirth in offener Versammlung sagte: Der Kellner nehme 5 Fr: Trinkgeld, um 5 prette er de Gast und um 5 Fr. den Wirth, aber etwas Wahres ist doch daran. Pfarrer Schmidt erzählte von einemsehr respektable Oberkellner, der ihm eingestanden habe, der Kellner eii nal^u auf das Betrügen angewiesen, namentlich beim Geldwechseln an besonders frequenten Sonntagen." (S. 19.)

Aufgabe dieses Blattes ist es, über geglückte Versuche zur Beseitigung socialer Uebel zu berichten.

Um einen zuverlässigen Aufsatz auf dem in Rede stehenden Gebiete abfassen zu können, habe ich michzum Bemche^pon trinkgeldlosen Hotels aufgemacht uni:i nnDMeute üon bern^ jenigen erzählen, in dem mir dex Versuch am glücklichsten gelungen zu sein scheint, welches daher am ehesten auf Nach- folge rechnen kann.

ImHabsburger Hof, Reform. Hotel", in Innsbruck ist-- nämlich geradezu billiger als tn den -»lft-rechenden Übrigen Gasthöfen. Was aber wichtiger: die Dienerschaft ist sehr zuvorkommend, der Comfort genügt anspruchsvollen Ge­wohnheiten, die neuesten Errungenschaften der Hoteltechnik, wie gepolsterte Doppelteren vor den Schlafzimmern, elec« trisches Licht an der Wand, auf dem Tisch, am Bett, daneben auch Gaslicht für den Fall, daß das electrische Licht versagt, sind vorhanden- ja, ich habe dort Einrichtungen kennen ge­lernt, denen man in Hotels allerersten Ranges (zu denen rechnet sich derHabsburger Hof" kaum) noch nicht begegnet. So die Vorkehrung, vom Bett aus die Zimmerthür verriegeln und den Riegel jeder Zeit wieder zurückschieben zu können, namentlich aber die electrische Glocke ipi Eloset. Sobald es in der behaglichen, nach dem Garten zu geöffneten Veranda

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! Vorstand.

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Mhl zu werden beginnt, steigen große Spiegelscheiben aus dem Boden empor und stellen Abschluß her. 3 jeber ©tage befinden sich Kästen zur Aüfpähme von Beschwerden," find Blocknotes mit Bleistift angebracht, um in bequemster und discretester Weise die Wünsche, die man etwa noch Mt, vom Herzen abwälzen zu können. .

Ich gestehe, daß tn den Tagen meines dortigen Auft enthalt- nicht der geringste Anlaß hierzu vorlag, wiewachi » wahrscheinlich zu iden unbequemsten Gasten g-hvrt-, di^dos Hotel bis jetzt beherbergt hat- forschte Ich doch alle Beh llgten vom Prinzipal bis zum letzten Burschen au-, ^lli- llberall auf den Grund gehen und war namentlich o !«»«» , gegen § 1 der Hausordnung zu verstoßen nämlich Tiint- ge?der anzubieten. Es gelang nirg^ds solches ""»ubringe .

Das Erfreulichste bei meinem Bestich- war d°r.AuS-nuck der Zufriedenheit bei allen B-thkiligten. Nur eine v°n der Naiur mit besonders freundlichem Empfehlungsbrief ans gestattete Kellnerin meinte, sie würde sich bei Trinkgeld doch etwas besser stehen, die übrigen B-di-nste.-n waren de t tta- sicht, es käme ungefähr auf daffelbe htnaus Dafür spr.cht wohl am bdredtesten d« sehr geringe Wechsel im Person l.

Wenn diese Thatsache das Hauptergebmß bei dem B-r suche er wurde vor etwa anderthalb Jahren e>vgeleitet - bilden dürste, so ist doch wohl di- w chtigst- d -, daß auch die Unternehmer trotz der hohen G°fch°ftS-°st°n£ e Rechnung gesunden haben und besriedigt sind, denn allein dadurch ist die Nachfolge gewährleistet.

Was di- Art der Ahnung betrifft, so sind » stellten nicht wie es unlängst in einer durch die Zeitungen oetienben Noti, hieß am Gewinn beteiligt ober gar -Seschäft-genoss-n, wenigsten- nicht- in dem Sinne, m dem man diese Bezeichnung zu gebrauchen pfl-gt. Dl- »eune und Kellnerinnen in den Restauration-raumen empfangen neben freier Station 4 pCt. von d-mi-mg-N BrMtob trag, welchen sw abliefern. s° dteffr in der saison osen Zeit oft etwas niedrig ausfällt, Jft ibp-n eine Mmimal-mnahm- für den Tag gewährleistet. Dementsprechind sind auch die Zimmerkellner und Kellnerinnen, Portiers, Hausdiener u.. f. - gestellt. Die Probe dürste demnach als bestanden gelten vivat sequenß.

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Nicht allein jedes Siegel, jede Etiquette, sondern auch der Gesammteindruck der Flasche ist gesetzlich eingetragen und geschützt. Vor jeder Nachahmung oder Verkauf von Nachahmungen wird mithin ernst­lich gewarnt und zwar nicht allein wegen der zu ge- . Wärtfeenden gesetzlichen Folgen, sondern anett jf hinsichtlich der tur die Gesundheit zu befürchtenden Nachth®ilc, welchen sich der Consument aussetzen wurde.

Der Nachbenannte verpflichtete sich schriftUoh, keine Nach­ahmungen unserer allein echten Benedictine zu verkaufen.

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