1893
Sonntag den 8. October
Nr. 237
Drittes Blatt
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und Anzeigeblutt für den Ureis Gieren
Hratiskeikage: Hießener Aamilienkkätter
Feuilleton
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Vorstand.
Streit, Pompeo wird von Cellini gelödtet, dieser selbst ver-
Ascanio und Teresa kommen
uns in Cellinis Werkstätte.
nach den Schrecknissen der vergangenen Nacht hierher, endlich
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i. 4 Uhr:
Di» <Mie6tner peelHteiriUtt Berten dem Anzeiger Wöchentlich dreimal dechelegt.
um alle Zimmer zu durchsuchen- unterdeß entflieht Cellini, dagegen wird sein Nebenbuhler entdeckt und von den herbei- gerufenen Nachbarn gehörig verprügelt. Im zweiten Act sehen wir zunächst Cellini in einer Weinschenke, dort bespricht er mit seinen Freunden den EntführungSvlan und fordert sie auf, beim CarnevalSfest den alten Balducci zu verhöhnen. Wiederum belauscht Fieramosca daS Gespräch. Da kommt
nähern sich Cellini und Ascanio, beide in Mönchstracht, Teresa, doch auch Fieramosca und Pompeo erscheinen in gleichem Gewände. Teresa weiß nun nicht, wem sie folgen soll, die beiden Nebenbuhler und ihre Freunde gerathen in
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Aus dem eigentlichen Wochenberichte ist wenig zu bemerken. Die Landtagswahlen sind ruhig verlausen und
über Cellini und droht diesem mit dem Tode. Nur dann könne er Verzeihung erlangen, wenn er den Guß der Statue sofort vollende. Cellini unternimmt das fast Unmögliche, der Guß gelingt, hellleuchtend erscheint die Perseusstatue. Nun endet natürlich Alles in Frieden und Versöhnung. Man sieht, daS Libretto ist recht dürftig und unintereffant, so bleibt eS denn der Musik allein überlaffen, dem Werke den Erfolg
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heir des indirecten Wahlsystems in den weitesten Kreisen der Bevölkerung, dann der allerdings ganz unberechtigten Annahme, daß die Landtage in den einzelnem Staaten ja doch nicht von so großer Wichtigkeit seien, da die allgemein bedeutsamen Fragen doch im Reichstage erörtert würden. Eine Widerlegung dieser ganz verkehrten Anschauung braucht wohl nicht versucht zu werden, wer die Geschichte unseres Landtages kennt, weiß, wie wenig Berechtigung sie hat.
Die Messe ist nun endlich vorüber, gewiß zur großen
mancher Schaden reparirt worden sein.
Ein interessanter Vortrag des Herrn Landtagsabgeord. neten Otto Wolfs kehl war gestern im Verein für Volksbildung angekündigt, das Thema lautete: „Die Gold- und Silberwährung". Da es ihrem Berichterstatter leider nicht möglich war, den Vortrag selbst zu besuchen, muß er für heute darauf verz-chten, darüber Bericht zu erstatten, vielleicht läßt sich daS Versäumte daS nächste Mal .nachholen. Z.
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erscheint auch Cellini, die Liebenden sind vereint. Doch schon t-------v. ,
droht neue Gefahr, Balducci und FieramoSca dringen in das besseres Wetter mitbrachten, dürfte zu guterletzt doch noch HauS, um Teresa wegzuführen- doch ihnen folgt der Cardinal ' ~ '
Salviati, der auf Befehl des PapsteS kommt, um sich nach der Perseusstatue zu erkundigen. Er vernimmt die Klagen
Gießener Anzeiger
Keneral-Mnzeiger.
zwar unter einer ganz auffallend geringen Betheiligung der die Tochter Balduccis wegzuschleppen. Die nächste Scene Wahlberechtigten. Mit Recht schreibt eine hiesige Zeitung spielt auf einem großen Platze, es herrscht bunt bewegtes, ' diese Thatsache zwei Hauptumständrn zu, einmal der Unbeliebt- lärmendes Faschingsgetriebe. Teresa erscheint mit ihrem ' ' ' ' <m Xei-
Vater, sie besuchen zusammen die Pantomime „König Midos", die auf einem kleinen Theater dargestellt wird, Balducci erkennt in dem König mit den Eselsohren voll Wuth sein Ebenbild, er stürzt auf die Bühne, ein Auflauf entsteht, Balducci wird von den Freunden Cellinis weggedrängt. Nun
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AScanio, ein Freund Cellinis, und bringt diesem den gemeffenen Befehl des Papstes, die schon längst bestellte Perseusstatue bis zum nächsten Tage zu vollenden. Die Freunde entfernen sich und nun beschließen Fieramosca und beffen Freund Pompeo, die Entführung TerelaS zu vereiteln. Auch sie j wollen beim Carneval als Mönche verkleidet erscheinen, um
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Wochenbriefe aus der Refiden).
(Originalbericht für ben „Gießener Anzeiger".)
Darmstadt, 6. October 1893.
Eine Premiere. — Die Landtagswahlen. — Vortrag.
In unserem heutigen Wochenbericht muß vor allen Dingen timS wichtigen Ereignisses aus dem Darmstädter Kunstleben gedacht werden, daS schon lange mit regem Interesse erwartet hiurbe, wir meinen die erste Aufführung von Hector Levlioz' Oper „Benvenuto Cellini". Der berühmte französische Componist, beffen Name heute in aller Munbe ist, te.ttbe bekanntlich zu seinen Lebzeiten vielfach verkannt und verspottet, erst dem gereiften Verständniß unserer Zeit blieb (3 Vorbehalten, seine originale Größe, seipe musikalische Bedeutung in richtiger Weife zu erkennen und zu preisen. Das geniale Werk, das unsere Hofbühne am vergangenen Sonntag eiiu m auserlesenen Publikum vorführte, ist bereits 1838 ent« ftor'bcn und hat damals keineswegs den Beifall gefunden, der Ibw hätte zukommen müssen. Die Schuld daran mag wohl zuw Theil der allerdings sehr mangelhafte und manchmal pcradezu triviale Text tragen, der auch heute noch einen durchaus unerfreulichen Eindruck macht. Dagegen kann nur Unverstand und Leichtfertigkeit die musikalischen Schönheiten der Partitur verkennen oder Hinwegleugnen, die bei einer (liitrn Aufführung sieghaft zur Geltung kommen müffen. Die (rniblung deS, wie gesagt, mangelhaften Librettos ist in kurzen Zil,en die folgende: Der römische Goldschmied Benvenuto itCint liebt die Tochter des päpstlichen Schatzmeisters Balducci, T^esa; er kommt zum Stelldichein ins HauS und überredet sie «am nächsten Tage, dem Fastnachts-Dienstag, mit ihm zu fließen. Ern Freier Teresas, FieramoSca, der sich unbemerkt ein,ieschlichen, belauscht die Liebenden und vernimmt, daß 6cfl.ini als Mönch verkleidet seine Geliebte entführen will. Min kehrt der alte Balducci nach Hause zurück, Cellini Dtcbirgt sich vor ihm, auch FieramoSca versteckt sich hinter eiium Vorhang. Teresa, vom Vater befragt, warum sie noch Bäflie, gibt in ihrer Verlegenheit an, ein Mann hätte sich in M HauS eingeschlichen und sie belästigt. Balducci eilt weg,
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Freude aller Bewohner des durch den Trubel und Lärm ge- ...... t_____________ ______ o______, , , ; plagten StadttheilS. Die Geschäftsleute haben diesmal wegen haftet/doch glückt es ihm, zu entfliehen. Der dritte Act führt 1 der schlechten Witterung nur sehr schlechte Geschäfte gemacht/ unsere Stadtverwaltung suchte sie für den Ausfall dadurch zu entschädigen, daß sie die Dauer der Messe um zwei Tage verlängerte, und da gerade diese zwei letzten Tage etwas
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