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08/08/1893 Zweites Blatt
 
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Dienstag den22. August,

B a umaterialienhandlung.

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Gießen, den 24. Juli 1893.

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Börfe*wo*>eti*t

non E. Wasser schieben, Bankgeschäft.

Die im Laufe der letzten Wochen immer größer gewordene Befürchtung, daß eS anstatt eines friedlichen IleberetnkommenS, zwifchen Deutschland und Rußland zu einem Kampf in wirthschastlicher Beziehung kommen werde, ist leider in Er­füllung gegangen. Wie nicht anders »u erwarten war, hat der BundeSrathlin feiner Sitzung am vergangenen Freitag die Einführung des russischen Maximaltarifs damit beantwortet, daß er dte Erhöhung der bisherigen Zollsatz- gegenüber Waaren russischer Herkunft beschlossen hat. Unser östlicher Nachbar ist dadurch in seiner Ansicht, daß sein Maximaltartf unS gegmüber berechtigt sei, weil wir biS letzt schon auf sein Getreide mehr Zoll erhoben haben, als auf dasienige anderer Lander, noch bestärkt worden und ließ sich zu wetteren Repressalien hinreißen, indem er durch kaiserlichen Erlaß feine Zölle um weitere 50 Procent steigerte und die von den deutfchen Schissen in den russischen Hafenplätzm zu entrichtende Aenderungs- gebühr sogar verzehnfachte. Es ist nicht anzunehmen, daß unsere Regierung darauf­hin gleichfalls eine neue Steigerung vornehmen wird, da ein solch endloses Schrauben vollständig zwecklos ist. Die jetzt beiderseitig in Kraft getretenen Zollsätze sind so hoch, daß weder Deutschland nach Rußland noch Rußland nach Deutschland zu erportiren vermag. Wenn man auch begreiflich findet, daß dte letzten Zwangs­maßregeln Rußland« wegen ihrer Nutzlosigkeit dte deutschen Börsen nicht mehr zu altertren vermochten, so bleibt doch auffällig, wie wenig Einfluß der Zollkampf, seitdem er zur Thai geworden ist, auf dte Gestaltung der Marktlage gehabt hat, denn man darf sich nicht verhehlen, daß unsere Industrie schwer darunter zu> leiden haben wird. In erster Linie werden dte oberschlesischen Jndustrtebeztrke geschädigt werden und gezwungen sein, westwärts ein neues Absatzgebiet zu suchen, wodurch den Industriellen Westdeutschlands eine Eoncurren» erwächst, welche auch sie zu Opfern zwingt, was bet der ohnehin nicht rosigen ^age unserer Geschäftswelt eine recht trübe Perspective für dte Zukunst eröffnet. Dte Gründe für dte Thetlnahm- losigkeit der Börse diesen Sorgen gegenüber sind verschiedener Natur. Das Publikum ist durch dte herben Verluste in den letzten Jahren jeder speculattoen Transactton abgenetgt und der Speculatton fehlt es an Muth und Kraft, ohne ^"lerftutzrmg der (^pttaltstenwelt eine wirksame Aclton durchführen zu können. Vielfach ist auch noch Hoffnung vorhanden, daß gerade durch die aus die Spitze gesttebmen Zollsätze der Abschluß eine« Handelsvertrages beschleuntat werde, und veranlaßte viele zur Zurückhaltung, so daß dte Wirkung des Zollstretts mehr in der Schwerfälligkeit der Umsätze als in den Eoursen zum Ausdruck kam. Vorübergehend schien e« so- 8ar, al« ob sich für alle nicht dtrect betroffenen Effecten eine beffcre Sliomung Zahn brechen wollte, wozu dte haussirenden Wiener Nottrungen das Signal gaben. Den österreichischen Haussier« mangelt seit einiger Zett ein Grund mit welchem sie thren Optimismus rechtfertigen können, und sie ließen sich detzhald dte Gelegenheit nicht entgehen, darauf htnzuwetfen, daß aus unserem Zollkrieg ihrer Industrie stutzen zuflteßen müsse. Lange währte jedoch ihre Begeisterung nicht. Die Nach­richt, daß in London der PrtvatdtScont den officiellen Satz erreicht hat, und die daraufhin erfolgte Erhöhung der Bankrate erweckten in der Wiener Speculatton dte Befürchtung kommender Prolongattonsschwtertgkeiten und führm zu Realisationen und EourSabschwächungen.

In den Bereinigten Staaten dehnt sich der geschäftliche Niedergang immer weiter au« und von den größeren Städten hat eine nach der andern ihre Krtsi« durchzumachen. Neuerdtng« ist Chicago an der Reihe, in Folge zahlreicher Falli­mente an den Newvorker Geldmarkt zu appelltren. Die Geldzuslüsse au« Curopa kommen deßhalb der Newvorker Börse nur wenig zu statten und lasten die Eourfe nicht zur Ruhe kommen. Zudem machen die Silber-Interessenten alle Anstrengungen, dte Aufhebung der Sherman-Acte zu verhindern, obwohl nachgewiesen ist, daß die bestehenden Stlber-Gefetze zum großen TheU an der wtrlhschaftltchen Depression schuld sind.

Frankreich ist Dank dem Recht, da« der Stark« dem Schwachen gegenüber besitzt, au« dem Eonfitct mit Siam al« Sieger hrrvorgeganaen. Damit aber die Börsen um kehre Sorgen ärmer werden, liegen au« Argentinien Nachrichten über einen neuen Aufstand vor. Soweit sich derselbe von hier aus beurthetlen läßt, scheint er namentlich gegen dte Provtnzial-Regterungen gerichtet zu sein, und wenn er hieraus beschränkt bleibt, so ist zu wünschen, daß er von Erfolg gekrönt werde. Di« Mißstände, welche in der letzten Zett wieder in der Berwallung der Provinzen und Prooinztalbanken zu Tage getreten find, lenen eine Aenderung io deren Verwaltung

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dringend nothwendig erscheinen, und darau« erklärt sich auch, weßhalb sich die «nfc löstder der aufrührerischen Bewegung angeschlosten haben und wetzbalb die Unruh« auf den Cour« der argentinischen ^erlbe emen relativ nm klernen Einsts au«, übten Ter Verlust, welchen die an der Frankfurter Bors« notirten «nlr'hm er- Fhtm fid, auf dn Tracmt; bi, 8«u0>,i,.I btr Stabt ^uau*

Aires zogen fogar eine Kleinigkeit an, weil das Soldagio etwa» zuruckgegangcn ist.

Erfreulichere Mittheilunaen liegen au« Merico vor und beweisen, datz mau Anstrengungen macht, seinen Verpflichtungm trotz der^ erschwerten Umstände voll nachzukommcn. Um den Ausfall ,u decken, dm der Staai»schatz wegm des ge. steig-rtm Goldagio« zu erleidm hat, ist von der Regierung dte Reductrung der Sc. hälter von Sivil- und Militärbeamten, sowie dte Einführung verschtedmer neuer Steuern beschlostm worden. Obgleich noch abzuwartm bleibt ob diese Ma^rezU» genügen werdm, den Slaat-hauShaU im Gleichqewtcht zu erhaltm, so reichte doch das Kundgebm de« fluten JBlUen« au«, den EourS der bprocmttgm Anleihe um annähernd 4 Proceut zu steigern.

Don dm euroväischm Renten waren österreichische, ungarische, serbische und rumänische behauptet, Griechm, Türkest und Spanier Bruchtbclle bester, Portugief« abgrschwächt. Für Zlaltmer war matte Zenbenj vorherrschend in erolfle der fort, gcsetztm E-ccutionsoerkäufe für daS Pariser Bankhaus Glunebaum fr«ree & Es. Russische Weribe Ittten durch den Preisfall deS Petersburger Wechse^omse«. Untat einheimischen Fond« bewahrten in der erstm Wochmhälfte recht feste Haltung, die 3procmtigen wurden aber am Donnerstag auf Gerüchte über eine ta Kurze devor- stehmde Neu-Emission und durch dm oerstetstm Seldstand um 50 Pfg. flebruft Es ift indcsten kaum anzunehmm, daß unsere Finanzverwaltung schon letzt 1vreber größere Ansorderungm an den Geldmarkt stellm wird, obgleich ihr durch die Mtlitar. Vorlage ein dringende« Geldbedürfniß erwachsen ift.

Die Schwankungm der deutsch« Bankaciien vollzogen sich in enflea Grenzen, neigten aber eher nach unten; die österreichischen erzielten in Uedereinstimmun« mit der Imdenz der Wiener Börst aniänglich eint allgemeine Btsserung und gtnflea zum Schluß auf ihrm ursprünglichen Stand zurück.

Die gleiche Bewegung machten auch österreichische Eisenbahnen mit; einzelne davon konnten jedoch einen Theil ihrer Aoancm behaupten. ^Lombarden war» vorübergehend auf da4 höchst unwahrscheinliche Gerücht, daß Derstaatlichung«. Verhandlungen auf Grund einer Acitmrente von 5 fl. eingeleitet sei«, zu wefentl^ höherm Eoursen gesucht. Schweizerische Etsmbahnen sind wmtg verändert; italienische lagen anfänglich matt, erholtm sich aber tm «erlauf wieder. Prince-Vmri setzte» ihrm Rückgang um weitere 3 Procent fort. Unter dm deutschen Bahnen erfreute sich nur Ostpreußen und Marienburger lebhafterer Nachfta^t und schließen nach mehrfachen Schwankungen annähernd auf dem Moeau der Vorwoche.

Der Montanmarkt, insbesondere Kohlmactim, haben eine recht bewegte Woche hinter sich. Der gigantmhafte Strtke der «ohlenarbetter in England einen scits und die officielle Verkündigung de« Kohlm-Syndicat«, daß vom 1. August a» der Verkauf nur durch seine Vermittlung erfolge, andererseits veranlaßte vteU Deckung«- und Meinungskäufe zn erheblich gesteigerten Preisen. Al« m Laufe, der Woche der mglische Strike dann ruhiger beurtheilt wurde, kam die Ueberzeugung zum Durchbruch, daß die deutschen Kohlmgruben nur wmig davon fronten wurden, und mehr und mehr trat die Besürchlung hervor, daß der deutsch-russische Zollkriq auch unseren Kohlmbergwerken Schadm zufügm werde, insofern al» unsere Ei en- werke gezwungen sein würden, ihrm Betrieb einzuschränken und somtt derm Kohlen­oerbrauch nicht mehr so groß sein würde. Hibernia haben ihrm Gewinn wieder vollständig aufgegeben, Gelscnkirchmer und Harpener verlorm noch Procent dazu. Dortmunder Union sind mühsam behauptet. Laurahütte büßte durch ihre Be­ziehungen zu Rußland 3 Procmt ein und für Bochumer ist der Verlust noch stärker, weil der VerwaltungSraih dte Dividmde niedriger bestimmt hat, als man nach den letzten Schätzungen erwartete^________________

Eourfe der Frankfurter Börse.

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