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1893
M. 7. Drittes Blatt.
Gießener Anzeiger
General-Wnzeiger.
Zlints» «nd Attzeigeblatt für bett "Kreis (Biefeen
Sonntag den 8. Januar
Rehaction, Expedition und Druckerei:
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Der
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Amtlicher Theil.
Bekanntmachung.
Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß die nach $ 6 des Reichsgesetzes vom 21. Juni 1887 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden ermittelten Durchschnittsmarktpreise, einschließlich eines Aufschlags von Fünf vom Hundert, pro Monat December 1892 für den Lieferungsverband Gießen pro 100 kg betragen:
Hafer JC. 16.10, Heu J4 9.70, Stroh JC. 5.50.
Gießen, den 6. Januar 1893.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
____________v. Gagern.__
Bekanntmachung,
betreffend die Mathildenstiftung für Oberhessen.
In dem Voranschlag der Mathildenstiftung für Ober- heffen sind für das Jahr 1892 --- 1150 Mark vorgesehen, welche zu wohlthätigen Zwecken verwendet und womit in erster Linie die in der Provinz bestehenden Kleinkinderschulen bedacht werden sollen.
Es werden hiernach die Vorstände solcher Schulen, für welche eine Subvention gewünscht wird, aufgefordert, ihre desfallsigen Gesuche, mit welchen eine möglichst ausführliche Mittheilung über Ausdehnung, Mittel und Bedürfnisse der betreffenden Anstalt zu verbinden ist, bis zum 10. Februar l. Js. an den unterzeichneten Vorstand der Stiftung gelangen zu lassen.
Gießen, 6. Januar 1893.
Der Vorstand der Mathildenstiftung für Oberhessen, v. Gagern, Provinzial-Director.
Aus dem Verwaltungsberichte der Großh. Bürgermeisterei Gießen.
(Fortsetzung).
Einer Anregung Gcoßh. Ministeriums des Innern und der Justiz folgend, hat man sich mit Errichtung eines Filial- Arb ei tshau ses in den Räumen des alten Arrest« Hauses und mit einem Bestand von vorläufig sechs Sträflingen unter der Maßgabe einverstanden erklärt, daß der Gehalt des zugleich als Vorarbeiter fungirenden Aufsehers ganz vom Staat getragen und von demselben außerdem pro Kopf und Tag ein Verpflegungszuschuß von 40 Pig. geleistet roirb,j wogegen die Arbeitsleistung bezw. der Arbeitsverdienst der Sträflinge ganz der Stadt zu gute kommt, welche dafür zwei angemessene Räume stellt und einrichtet und die Verköstigung, Bekleidung re. der Sträflinge übernimmt. Die neue Einrichtung ist erst am 26. November 1891 eröffnet worden, sodaß ein Unheil über deren Wirksamkeit zur Zeit noch nicht abgegeben werden kann- immerhin steht zu hoffen, daß die abschreckende Wirkung der Vermehrung und Ver- theilung der Arbeitshäuser auch für unfern Bezirk bezw. für die Stadt Gießen zur erwünschten Geltung gelangen wird.
Zu den Kosten des Ortsgerichtes wurde neben der Stellung des Locales und Uebernahme der sachlichen Kosten mit Wirkung vom 1. April 1892 ab ein jährlicher Zuschuß von 360 Mk. verwilligt, nachdem Großh. Ministerium des Innern und der Justiz das Großh. Amtsgericht Gießen angewiesen haue, „für die Zukunft in allen Fällen, in welchen der Großh. Bürgermeister die Uebernahme der Stelle eines Ortsgerichtsvorstehers ablehnt, dessen gutächtlichen Bericht über die anderweite Besetzung der Stelle einzuholen, wobei es dem Bürgermeister überlassen bleibt, sich mit der Stadt- verordneten-Versammlung in geeignetes Benehmen zu setzen." Die Herstellung eines neuen Namens-Verzeichnisses zum Grundbuch der Gemarkung Gießen wurde ungeachtet der noch schwebenden Parzellenvermessung vollzogen, weil — auch beim besten Willen aller Betheiligten — bis zur Ingebrauchnahme des auf Grund der Parzellenvermessung aufzustellenden neuen Grundbuches immerhin noch mindestens sechs Jahre vergehen dürften. Die Ablieferung des neuen CatasterS zur Revision ist Seitens des an Stelle des Geometers Buttron gesetzten Großh. Geometers Wißner zu Anfang 1892 erfolgt.
Zur Aeußerung über die B edürfnißfrage zum AuSschank von Branntwein wurden der Stadtverord- neten-Versammlung im Ganzen 36 Gesuche vorgelegt, worunter 29 Uebergänge bestehender Wirthschaften in andere Hände - die Bedürfnißfrage wurde in 30 Fällen unbedingt, in 2 Fällen unter der Voraussetzung bejaht, daß der Gesuchsteller im Uebrigen WirthschaftSconcession erhält und in 4 Fällen ver
neint. Desgleichen wurde bei 7 vorgelegten Gesuchen um Erlaubmß zum Kleinhandel mit Branntwein (worunter 4 Uebergänge bestehender Verkaufsstellen in andere Hände) die Be- dürsnißfrage in 5 Fällen bejaht, in 2 Fällen verneint.
Für Zwecke außerhalb der städtischen Verwaltung wurden verwilligt: 150 Mk. zu Preisen für die im October 1891 dahier veranstaltete Obstausstellung des Obstbauvereins für die Provinz Oberhessen- 100 Mk. jährlicher Beitrag dem Kunstverein für das Großherzogthum Hessen, gegen Ermäßigung des sonntägigen Eintrittsgeldes zu den hiesigen Bilderausstellungen auf 20 Pfg.- 250 Mk. Gaspreisnachlaß an den Director des „Neuen Theater" im Cas6 Leib.
II. Verwallungsrecheuschaft.
Die Uebersicht der Einnahmen und Ausgaben für die Zeit vom 1. April 1891 bis Ende März 1892 stellt sich
ziffernmäßig wie folgt:
Einnahme.
Ausgabe.
V*
A. Betriebs-Rechnung.
152433.22
Rest aus vorderen Jahren
189.33
3412.47
Gebäude, vermtethet
1255 46
25845 36
Grundstücke
8278 46
113424 75
Waldungen
32574.42
42459.30
Gaswerk
—
31193 41
Wasserwerk
—
25358 64
Schlachthaus
10082.02
3340 -
Jagden
—
3219.15
Märkte
73144
27.90
Atchanstalt
—
1284.—
Waagaristalten
607.94
28023 30
Kirchen
29621.89
242480
Friedhöfe
3889.11
117422
Volksschule und Fortbildungsschule
7814980
26019.02
Höhere und erweiterte Mädchenschule
57109.14
189.87
Realgymnasium und Realschule
27464.71
50.—
Handwerkerschule und Localgeroerbeveretn
1627.75
—
Vorschule des Gymnasiums
568 46
24.80
Öffentliche Feteritchkellen
1365.72
—
Denkmäler
GemernnützigeZweckeaußerhalbder städtischen
1090.10
—
Verwaltung
1203.60
528 64
Strahenunterhaltung
14824 70
178.02
Slratzenretntgung und Kehrichtabfuhr
28621.47
25 90
Straßenbeleuchtung
24023.06
160 50
Oeffentltche Anlagen
6809.11
9-
Brunnen
5987.57
251.20
Bäche
704.17
—
Canäle
5713 93
—
E-uwässerungsanstalten
565.73
865 41
Filtaiaroeushaus
1642 48
449 55
Tonnenanstalt
142 96
15.-
Feuer löschanstalten
2339 96
—
Faseloteh
Gcmarkungs-, Flur- und Gewanngrenzen,
550 —
—
Parcellenocrmessung
2284.—
57.10
Werth- und Schadenenotz von Feldstrafen
57.10
—
Vertilgung schädlicher Threre
125 35
—
AiMrNpflcge
42339.42
1339 29
Versicherung der Arbeiter
3896 69
—
Impfung
374 40
3676.71
Sii tätigen
3092.37
—
Z oecke oes Kreises und der Provinz
59393.52
1825 37
Mtttäi zwecke
6909 82
4723 67
Vo tzet
41098 53
108-
O ffentltche Sicherheit
1706 07
1620 29
Allg meine Verwaltung
53357.70
——
Pensionen
4314.89
2499 04
Schuldentilgung
38874.46
165 09
Grundzinsen und Anerkennungsgebühr
—
6 -
Einzugs- und Etnschretbgeld
—
18446 03
Captialzinsen
165911 73
111758.39
Octrot
29081.32
3055 —
Hundesteuer
261.33
57.-
Anlhetl von Stempeltaxen für Wanderlager
—
80 —
Für die Landesunroersiiät
924 46
4968.-
Fleischbeschau
5172.32
—
Rettungsanstalt und Cholerabaracke Beitrag zum Einkommen des Retchsbank-
562.01
—
agenten
32.65
642 13
Zusammenlegung von Grundstücken
311.56
43957 02
Ausgelrehene Capttalren
37078.92
—
Reseroesond
—
—
Betrtedscapital
—
324084 77
Communalsteuern
Rente der Ober hessischen Eisenbahn-Gelände-
13663.93
—
Entschädigung
5761.74
985456.33
Summe der Betriebs-Rechnung B. BermSgens Rechnung.
864320.78
40711.66
Rest aus vorderen Jahren
—
6684.28
Sttstungscaptlalten
An- und Verkauf von Gebäuden und
—
57134.04
Grundstücken
193586.84
1211020
Erbauung gemetnheitltcher Gebäude
386388 98
22877.95
Erbauung von Straßen
140767.08
—
Canalbauten
—
—
Erbauung eines Gaswerks
17509.72
—
Erbauung eines Wasserwerks
25482 71
681123.03
Capttalaufnahme und Rückzahlungen
38960 67
820641.86
Summe der Vermögens-Rechnung
802696^»
Hauptwie-irholung.
985456 33 Betriebs Rechnung 864320 78
820641 16 Vet mögens-Rechnung 802696 —
1806097.49 Hauptsumme 1667016 78
Die Einnahme beträgt nach der Rechnung 1806097.49
„ Ausgabe „ „ „ „ 1667" 16 78
Verglichen bleibt Überschuß 139080.71 und dte'er besteht in:
1. Baaroorrath:
a) für den Betrieb
b) für das Vermögen
2. Vorlaaen:
a) für den Betrieb
b) für das Vermögen
3. Liquidiiten Ausständen:
a) für den Betrieb einschließlich
14.31 JL liqulbhte Kirchensteuer
b) für das Vermögen ________________________
Summe rote oven 139080.71
Localer unö provinzieller.
Gießen, 7. Januar 1893.
— Ans dem Zostizdieust. Durch Entschließung Groß- herzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz vom 4./5. Januar 1893 wurden beauftragt: Gerichtsassessor Georg Hörle in Alsfeld mit Wahrnehmung der Dienstoerrichtungen eines Richters am Amtsgericht Grünberg, Gerichtsassessor Ludwig (Strein in Höchst mit Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eines Richters am Amtsgericht Langen, Ge> richtsasseffor Ferdinand Frey in Dakmstadt mit Wahrnehmung der Dienftverrichtungen eines Richters am Amtsgericht Höchst, Gerichtßassessor Karl Ferdinand Römheld in Darmstadt mit Wahrnehmung der Dienstoerrichtungen eines Richters am Amtsgericht Seligenstadt, Gerichtsasseffor Dr. Otto Sch warz in Darmstadt mit Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eines Hilssgerichtsschreibers am Oberlandesgericht, Gerichtsassessor Dr. Karl Langsdorf in Mainz und Gerichtsassessor Ludwig August Breidenbach in Friedberg mit Wahrnehmung der Dienstoerrichtungen eines Hilfsgerichtsschreibers am Landgericht der Provinz Starkenburg, Gerichtsasseffor Adam König in Pfeddersheim mit Wahrnehmung der Dienstverrichiungen eines Hilfsgerichtsschreibers am Landgericht der Provinz Rheinhessen.
— Bewahret das Feuer und Licht. Am 1. Januar d. I. kam in Büdingen ein Zl mmervrand vor, Der dadurch entstanden war, daß das Dienstmädchen sich sein Sch afoett mit einem Backstein, welcher zuvor im Ofen erh tzt wurde, erwärmen wollte. Durch den überh tz en Stein fing das Bett Feuer. Bis der Brand bemeift wurde, stand das ganze Zimmer schon in Flammen. Die Feuerwehr wurde aiarmirt. — Derselbe Fall ist auch verflossene Woche aus derselben Veranlassung in Schotten vorg-kommen, wurde aber von den Bewohnern des Hauses bemerkt und das in Ausbruch begriffene Feuer gelöscht. — Auch ist in Schotten durch allzu nahes Legen des Holzes bei und in die Kachel des Ofens ein Zimmer brand entstanden, der ebenfalls rasch beseitigt werden konnte, da die Hausfrau rechtzeitig hinzukam. — Es ist deshalb Pflicht ein s jeden Haushaltungsoorstandes, die ©einigen auf diese Fälle aufme>ksam zu machen, damit schlimmen Eventualitäten vorgebeugt wird. Die Strenge des Winters macht das Löschen eines ausgebrochenen Brandes sehr schwierig, da Löschmaschine und Schläuche alsbald einfrieren.
— Der Getreidemarkt. Der deutsche Getreidemarkt hat das neue Jahr mit einer kleinen Hausse in Weizen und Roggen begrüßt, die angesichts des matten Abschlusses des aite» Jahres kaum zu erwarten stand. Bessere Meldungen vom amerikanischen Getreidemarkte und das eingetretene Frostwetter bewirkten zusammen die günstigere Wendung in den deutschen Preisnotirungen, welcher auch die Erhöhung deS geschäftlichen Umsatzes entsprach. Die hervorgetretene günstigere Tendenz für die beiden Hauptgetretdesorten ließ auch den Hafer nicht unberührt, welcher bei lebhaftem Verkehr etwas anzog. Der ansehnliche Report speciell im Roggen ist ein Zeichen, daß sich die festere Strömung auf dem Getreidemarkt erhalten zu wollen scheint, natürlich sind aber Rückschläge keineswegs ausgeschlossen. Die Preise an der Berliner Getreidebörse stellten sich für den Jahresübergang folgendermaßen: Roggen notirte von 128 Mk. bis 135 Mk. pro 1000 Kilogramm, Weizen von 144 Mk. bis 155 Mk., Hafer von 134 Mk. bis 154 Mk., Gerste von 115 Mk. bis 165 Mk.
Mülheim, 2. Januar. Auf dem hiesigen Standes amte wurde heute die erste Eheschließung pro 1893 vorgenommen, und zwar war dies bei dem Bräutigam die „sechste" und bei der
119458 83
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15039 43
134198 26
434.92
—
434.92
1241.80
2905 73 4147 53


