1893
Samstag den 7. Oktober
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Zweites Blatt
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2lints- und Anzeigeblutt für den Ureis Gieren.
[ chratisbeikage: Gießener Kamitienbkätter.
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Owßenrr Anzeiger «scheint täglich, ■41 Ausnahme bes Montag«.
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* Eine neue Entdeckung. Gelegentlich der photographischen Aufnahme eines Verstorbenen wurde die merkwürdige Thatsache beobachtet, daß man mit Hilfe der Photographie das Auftreten der Todtenflecke bei einer Leiche mindestens 24 Stunden früher feststellen fanh, als sie für das Auge sichtbar sind. Damit wäre für die practische Medicin ein überaus wichtiges Hilfsmittel in der Photographie entstanden.
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Jahr auf. Im Vorjahr Weizen 16,90 Mk. gegen für Korn 15 Mark jetzt Gerste 14,50 Mark jetzt
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Blerteflttrtget A§MUlMe»t-,reiO» 2 Mark 20 Pfg. mte' Vringerlohn.
Durch bie Post bezogam 2 Mark 50
Rebochon, tpebkie* unb Druckerei:
Hafer 13,80 Mark jetzt Mithin hat nur der Hafer eine Preissteigerung erfahren, die durch den sehr schlechten Ausfall der Haferernte ver
ursacht wird.
Kastel, 2. October. Eine heitere Episode ereignete sich gestern Morgen auf dem hiesigen Bahnhofe bei der Abfahrt des nach Hanau verlegten Bataillons. Die Soldaten befanden sich bereits in den Wagen, als ein Mädchen ängstlich suchend am Zug hin- und herging, ein Packet auf dem Arme tragend. Ein Offizier frug das Mädchen, wen es suche und erhielt die Antwort: den Musketier Sommer von der 10. Compagnie. Der Offizier trat an einen Wagen und rief den Genannten, welcher sofort am Fenster erschien und von dem Mädchen das Packet, Eßwaaren enthaltend, erhielt. Als die Regimentsmusik das Lied spielte: „Muß i denn, muß i denn zum Städtle hinaus" und der Zug sich in Bewegung setzte, weinte daS Mädchen so sehr, daß der Offizier auf es zutrat und mit den Worten tröstete: „Weinen Sie nicht, Fräulein, nehmen Sie jetzt den Winter, der Sommer ist fort und kehrt erst im Frühjahr wieder." Die vielen Anwesenden geriethen durch diese Worte in die größte Heiterkeit, das Mädchen aber ging betrübt davon. Es wird sich wohl trösten, denn Soldaten giebts ja noch genug.
worden war. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist aus diesem Grunde die großartig angelegte Kirche nur in dem östlichen Theile, an dem man nach der Gewohnheit der Zeit zu bauen anfing, ausgeführt, aber am westlichen nicht vollendet worde«. Am Samstag besuchte der Frankfurter Architecten- und In- genieur Verein das Castell und sprach seine Bewunderung über die hochinteresiante romanische Anlage aus. Die hohen Herrschaften aus Lich und Laubach hatten dieselbe schon am Freitag trotz des starken Regenwetters besichtigt. DaS Castell mit dem Prätorium sind nun ganz festgestellt und theilweisß freigelegt, auch die Lagerstraßen sind gefunden. Wie wir hören, wird Herr Koster aus Rücksicht auf seine in Folge der Frühjahr-- und späten Herbstarbeiten angegriffene Gesundheit zu allgemeinem Bedauern seine Stellung als Strecken- Commissär der Limes-Forschung, deren Vorarbeiter er unter Professor Mommsen und wenigen Anderen gewesen war, noch in diesem Herbste aufgeben. Es ist dies um so mehr zu bedauern, als Herr Koster sich um die Wissenschaft und ganz speciell um die Alterthumskunde im Großherzogthum Heffen die größten Verdienste erw'orben und bei seinen Forschungen und Ausgrabungen wahrhaft großartige Erfolge erzielt hat. So ist es ihm gelungen, zwei der wichtigsten Culturstätten in Hessen: bad Kloster Altenmünster, Urstätte des berühmten Klcsters Lorsch, und nun die Urstätte des gleich- berühmten Klosters Arnsburg aufzufinden. (N. H. V.)
12 193 416.80 Mark.
Bemerkenswerth ist die Steigerung des Inserat-Budgets bis 1890, woraus man ersieht, daß die Firma trotz wachsender Popularität ihre Publikationen nicht einschränkte, sondern sie im Gegentheil vermehrte. Wie man sieht, für unsere deutschen Verhältnisse riesige Summen für Ankündigungen. Von amerikanischen Geschäftsleuten werden solche ebenfalls erreicht. Die Ausgaben hätten sicher nicht gemacht werden können, wenn nicht großartige Erfolge erzielt worden wären. Eine Anlage für Inserate auch in kleinerem Umfange macht sich deshalb stets durch Vermehrung des Umsatzes weit bezahlt und ist heutzutage für jeden Geschäftsmann, will er sich nicht überflügeln lassen, unentbehrlich. Nur darf man nicht glauben, daß eine einmalige Ankündigung sofortige greifbare Erfolge bringt, das Publikum muß ständig auf das Geschäft aufmerksam gemacht werden. Die fortgesetzte richtige Reclame, nicht die Auswüchse derselben, ist neben reeller Bedienung ein nicht zu umgehendes Mittel zu den Geschäftserfolgen und ein Factor, mit dem jeder Geschäftsmann heute unbedingt rechnen muß.
* Schlecht abgerichtet. „Lieber Doctor, du solltest deiner Magd aber doch etwas Weltklugheit beibringen!" — „Wieso!" — „Als ich dich heute kurz nach vier Uhr besuchte und nicht mehr antraf, sagte mir die gute Alte ganz treuherzig : „Wie die Ordinationsstunde vorbei war, hab' ich den Herrn Doctor ausg'weckt, und dann is er fort'gangen!"
* Leicht möglich. Vater: „WaS machst Du hier?" Knabe: „Ich kujonire Zeitwörter!"
an Druckerei
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* Dieastmau» unb Hund. Neulich pfiff in H a n n o v e r ein Herr einem in der Oberstraße umherlaufenden Hunde. Das Thier achtete auf das Pfeifen nicht. Sein Herr ruft deßhalb einem vorübergehenden Dienstmanne zu : „Dienstmann, laufen Sie doch meinem Hunde da nach!" Der Dienstmann thut, wie ihm geheißen, und bald sind Dienstmann und Hund verschwunden. Gegen Abend kehrte Scherry, gefolgt von dem athemlosen, keuchenden Dienstmann zurück. „Aber mein Gott", ruft der Herr aus, „konnten Sie denn das Thier nicht einfangen?" „Um Verzeihung",entgegnete der Dienstmann, „Sie befahlen mir, dem Hunde nachzulaufen, und das habe ich fünf Stunden lang gethan. Für die Stunde 50 Pfg., macht 2 Mark 50 Pfennig!" Der Herr mußte wohl oder übel bezahlen, denn der Dienstmann hatte feinen Auftrag buchstäblich ausgeführt. ,
• Juferireu bringt Gewinn. Zahlen beweisen! Pears Soap ist die weltbekannte Seife jener Fabrikanten, welche nicht blos tüchtige Seifensieder, sondern auch die bedeutendsten Inserenten der Gegenwart sind. Die Firma ist nunmehr in eine Actiengefellschaft umgewandelt worden, in deren neuesten Prospect sich die nachstehenden Daten finden: In den sieben Jahren von 1885 bis 1891 wurden für Inserate im Ganzen ausgegeben 12193416 80 Mark, die sich folgendermaßen vertheilen:
r 1893.
§ Vom westlichen Vogelsberg, 4. October. Das schlechte Ergebniß der diesjährigen Getreideernte zeigt sich sehr deutlich im Befahren der Grünberger Fruchtmärkte, der bedeutendsten Oberhessens. Während sonst und namentlich im vorigen Jahre die Fruchtwagen all Samstag in langer Reihe aus dem Vogelsberg angefahren kamen, sieht man solche jetzt in viel geringerer Zahl und mit weniger schwererer Beladung. Am klarsten erkennt man den Unterschied zwischen dem vorjährigen und diesjährigen Absatz an Getreide durch einen Vergleich deS summarischen Fruchtverkaufs im vorjährigen September mit dem diesjährigen. Damals wurden verkauft: Doppelcentner 1592,50 Weizen gegen jetzt 536,50 (ein Minus von 1056 Doppelcentner), 294 Korn gegen 175,75 jetzt (- 118,25), 122,50 Gerste gegen 9,50 jetzt (— 113), 346 Hafer gegen 152,50 jetzt (— 193,50), im Ganzen 2360,75 Doppelcentner für 39 489,05 Mk. gegen 875 Doppelcentner für 13316,15 Mark des jetzigen Septembers, das macht einen Unterschied 1485,75 Doppelcentner Frucht und eine Gelddifferenz von 26172,90 Mark aus. Die Durchschnittspreise weisen ein weiteres Herabgehen für dieses bezahlte man für je 100 Kilo
Gießener Anzeiger
Hmeral-Mnzeiger.
— (Mode-Bericht Winter 1893/94.) Die bekannte Seiden- Fabrik «. Hemreberg in Zürich schreibt un9: Für Gesellschaftsproben, Theater, Bälle rc. bringt uns die kommende Saison: Satin Duchesse und namentlich Satin „Liberty“, einen glanzvollen, weichen, sammtarttgen Seiden-AtlaS, der durch seinen edlen Faltenwurf dem altbekannten Satin Duchesse bald den Rang ablaufen dürste; dann taucht der kaum verschwundene Moir6e wieder auf, weniger in wfran<?aise“ oder „antique“, sondern in dem neuen „miroir" (Spiegel- Moiree), der von hoher Eleganz ist — ferner: Camel6on in Moirte für hohe und höchste Gesellschaftstoiletten, in dm entzückendstm Eomposttionm: Duchesse Camtieon in schwarz mit CamcISvn-Schutz- säden, die einen höchst distinguirten Effect hervorbringen; Damas „Loie Fuller“, ein schlangenartiges Dessin in dm verschiedensten Farbm-Combtnattonen — höchst originell, hochmodern und sehr chic. — Aber auch für den Allgemetnbedarf sind reizende Nmheiten fle= schaffen worden; obenan stehen Sarah Changeant (Schiller) mit kleinen Tupfen in den modernstm Farbenzufammenstellungen, ferner Merveilleux und Bengalines in einfarbig glatt (wmig in Changeant), sowie Damaste in kleinen Streu-Dessins, kleine Tupfen, Böhnchen, Vierecke, Blümchen rc., ebenfalls mehr einfarbig als „Schiller) ; auch Barr6 ist viel bestellt worden, „also gestreifte Stoffe", bet dmen die Streifen der „Quere", nicht der Länge nach lausen, mehr für schlanke, als corpulmte Figurm sich eignmd. — Wirklich neue Farben sind nicht erschienen, sondern aus dem alten überreichen Farbenschatze (es eristirm mehr als 7000 verschiedene Nuancen!) hat man einige als hochmodern ausgewählt; holzbraun (do>s) ganz dunkeloiolett (reine Claude), türkis fraise, hell bis dunkelserpmt und sandgelb: doch sind so ziemlich auch alle übrigen Farben wieder bestellt worben, die wir in der letzten Saison hatten.
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Octota 1893.
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Bekanntmachung,
betreffend die Nothlage der Landwirthschaft.
Unter Bezugnahme auf unser Ausschreiben vom 16. v. M. «bringen wir hiermit zur öffentlichen Kenntniß, daß die auf -den 9.—11. d. M. dahier stattfindenden Märkte von der -Mitär-Vieh-Ankaufs-Commission nicht besucht werden.
Gießen, den 5. October 1893.
Großherzogliches Kreisamt Gießen.
_______________v. Gagern.___________________
Gießen, den 5. October 1893. -Lelr.: Remunerirung des Polizeiaufsichtsperfonals.
DaS Grotzherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises.
Zur Remunerirung des Polizeiaufsichtsperfonals ist uns .auch für das Etatsjahr 1893/94 von Großh. Ministerium btä Innern und der Justiz eine Summe zur Verfügung ge- -stelll worden.
Sie wollen uns daher binnen L4 Tagen die Polizei- ' bediensteten Ihrer Gemeinden, welche sich durch besonders .gewissenhafte Pflichterfüllung einer Belohnung würdig gezeigt jabtn, bezeichnen und hierbei deren Lebens- und Dienst- alter, sowie weiter genau angeben, wie viele Polizei- Uv^eigen dieselben in dem Etatsjahre 1892/93 erhoben .jabtn und ob das außerdienstliche Verhalten derselben zu Klagten keinen Anlaß gegeben hat.
Diejenigen Polizeibedienstelen, welche Sie einer Belohnung nicht würdig erachten, wollen Sie uns ebenfalls unter Ungabe der Gründe namhaft machen.
v. Gagern.
CeceU« M*b provinziell-».
Gießen, den 6. October 1893.
* Auszeichnung. Der Oberheffifche Obstbau- I -hrrein, vertreten durch den Director und I. Secretär der I »Geschäftsstelle, die Herren v. Peter und C. Reich eit, (bie im Auftrage der Großh. Regierung den Eongreß und fcit Ausstellung des deutschen PomologenvereinS in Breslau besuchten, erhielten dort den höchsten Staatspreis, bic große silberne Staatsmedaille sowie die goldene AusstellungS- vieb aille unb ein Diplom für Leistungen auf den verschiedenen -gebieten deS Obstbaues. Der junge Verein, der erst vier Jahre vll ist, zählt jetzt 4300 Mitglieder im Gebiete der Provinz -Dberhessen.
•• Zur Beachtung für Arbeitgeber. Diejenigen Arbeiter (ib Arbeiterinnen, welche das 21. Lebensjahr noch nicht sendet haben und noch im Besitze eines vor dem 1. April 892 ausgestellten Arbeitsbuches sind, haben letzteres in Ge- läßheit der Ausführungsbestimmungen zur Gewerbeordnung om 28. März 1892 gegen ein den neuen Bestimmungen a ^sprechendes Arbeitsbuch umzutauschen. Für die Beobachtung lkser Vorschrift ist der Arbeitgeber verantwortlich. Da bei en gewerbepolizeilichen Revisionen insbesondere auch die rbeitsbücher revidirt werden, fo ist den Arbeitgebern zu at&cn, die Arbeitsbücher der von ihnen beschäftigten Arbeiter int" Arbeiterinnen unter 21 Jahren zu prüfen, ob sie den niren Bestimmungen entsprechen. Die neuen Arbeitsbücher ■nb leicht dadurch erkenntlich, daß dieselben von kleinerem iormat sind und auf der ersten Seite außer dem Namen des ibeilers auch den des Vaters oder Vormundes tragen, ßie neuen Arbeitsbücher für männliche Arbeiter haben Hauen und die für die weiblichen Arbeiter haben braunen Umschlag.__
Lich, 3. October. Die Ausgrabungen bei Hof-Güll, Iisp. Kloster Arnsburg, gewinnen ei» höheres cultur- -sichtliches Jntereffe dadurch, daß Herr K o s l e r inmitten des smeö'CaftellS die zum Theil prachtvoll erhaltenen Mauern ner mittelalterlichen romanischen Basilika (Kirche) aufgefunben it. Bis jetzt ist das Hauptschiff mit großer ApsiS, ein Seitenschiff »lt Apsis, sowie ein Theil des QuerschiffS und zweiten Seiten- -schiffs freigelegt. Die Mauern haben auf der Nordsette noch mehr ko ein Meter Höhe, auf der Südseite sind sie bis auf die fcorfcl ausgebrochen. Wie bekannt, bauten die ersten Mönche -Ion. ArnSburg in dem Castelle Altenburg an, verließen das- jt(6 e aber schon nach 23jährigem Aufenthalt und siedelten jiatß) Arnsburg über, das ihnen von den Besitzern desselben, icn Ahnen der fürstlich unb gräflichen Solms'schen Häuser, iie ihren Wohnsitz nach Münzenberg verlegt hatten, überlassen
1885
623 290.40
Mark,
1886
1 176 975.12
H
1887
1 646 236.44
ff
1888
1 729 828.04
ff
1889
2 398 076.36
ff
1890
2 539 884.04
ft
1891
2 079 126.40
ft


