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07/07/1893 Zweites Blatt
 
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Rr. 157. Zweites Blatt. Freitag dm 7. Juli

1893

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Gießen, 8. Juni 1893.

Großh. Ottsgericht Gießen.

I. A.: Vogt.

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Gießener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

Die Gießener JamitienSrälter werden dem Anzeiger «wöchentlich dreimal Keigelegt.

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84 Vorarbeitern, 21 Aufsehern, 6 Oberaussehern und einen Depotverwalter, zu denen dann im Winter noch Hilfsarbeiter treten. Allein zur Beschaffung von Geräthen wurden 1892 über 65,000 Mk. ausgegeben. Als Beihilfe zur Reinigung gebrauchte man ferner in derselben Zett nicht weniger als beinahe 36,000 Kg. Desinfectionspulver und fast 60,000 Kg. Streusand. Für die Inbetriebsetzung der 162 Sprengwagen, die über 800,000 Cbm. Wasser versprengten, zahlte man rund eine Viertelmillion Mark an die Unternehmer.

Um den Straßenkehricht fortzuschaffen, waren 1892 über 96,000 Fuhren nöthig, die durchschmittlich mit 3,90 Mk. bezahlt wurden, so daß die Beseitigung des Kehrichts 377,618 Mk. kostete. Dazu kamen im Winter noch 170,000 Schneefuhren, für die noch 366,627 Mk. besonders aus» geworfen werden mußten.

Aehnlich liegen die Verhältnisse in anderen Großstädten. Zum Vergleich sei noch Paris herangezogen. So reinlich auch die Pariser sein mögen, so muß doch auf jeden Kopf der Pariser Bevölkerung für den Tag etwas mehr als 1 Kg. Straßenschmutz gerechnet werden. Was Wunder, wenn da die Gesammtausgaben der Stadt Paris für die Straßen- reinigung im verflossenen Rechnungsjahre die Kleinigkeit von über 67,000,000 Francs ausmachten? Dauernd angestellt sind bei der Straßenreinigung gegen 3200 Arbeiter. Für den Transport der Abfuhrstoffe muß Paris den Unternehmern jährlich gegen 2,000,000 Francs bezahlen, d. i. für einen Tag 5474 Francs.

Die angeführten Zahlen werden genügend beweisen, daß die Beseitigung der Abfuhrstoffe eine äußerst kostspielige Großstadtplage ist. Aber die Fortschaffung der Abfuhrmaffen ist noch derjenige Punkt, der den Stadtverwaltungen am wenigsten Sorge macht. Viel brennender ist dagegen die Frage nach der Verwerthung der Abfuhrstoffe. Was soll aus diesen Kehrichtmassen werden? In früheren Zeiten fanden die Städte an den Landwirthen der Umgegend willige Abnehmer, die den Kehricht als Dung gegen Entgeld auf

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Mb Volksbelustigung.

ihren Feldern verwendeten. Seit der Einführung deS chemischen Düngers hat sich aber die Zahl dieser Abnehmer wesentlich verringert, ja, sie ist in manchen Städten, wie in Paris, so zurückgegangen, daß die Stadt froh sein muß, gegen gute Bezahlung überhaupt noch Abfuhrunternehmer zu finden.

Die Folge davon ist, daß die Großstädte an die Grenze ihrer Gemarkungen allenthalben haben Abladeplätze errichten müssen, wo der überschüssige Kehricht gesammelt wird. Aber sogleich machen sich auch hierbei Uebelstände geltend. Wie sich die anstoßenden Gemeinden gegen die Pariser Stadt- Verwaltung wenden und die Anlage von Abladeplätzen in ihrem Bezirke nicht dulden wollen, so beklagen sich auch die Vororte Berlins über die Errichtung von Abladeplätzen in ihren Gemarkungen, wie denn namentlich die Kreise Teltow und Niederbarnim dagegen vorstellig geworden sind.

Und man kann in der Thal den Vororten ihre ab­wehrende Haltung nicht verübeln. Denn diese Abladeplätze, auf denen die aufgehäuften Massen allmähltg in Verwesung übergehen, bilden einen Herd für alle möglichen Krankheits­erreger, sie sind eine stete Jnfectionsgefahr nicht nur für die- nächste Umgebung, sondern auch für die Großstädte selbst, die namentlich zu Zeiten einer Epidemie eine furchtbare Be­deutung erlangen kann. Daher ist aus hygienischen Gründen die Ansammlung von Abfuhrstoffen auf Sammelplätzen ent­schieden zu verwerfen. Fast ebenso bedenklich ist ein Roth- behelf, zu dem man gegriffen hat, indem man die Abfuhr­massen zu Straßenaufschüttungen, Ausfüllungen von tiefer liegendem Bauterrain und Anlagen von Uferböschungen ver- wendet hat. Durch diese Maßnahmen wird zweifellos der Untergrund verschlechtert, so daß Verschleppungen von Krank­heitskeimen stattfinden könnten in den Neubauten, die sich später auf diesem aufgeschütteten Terrain erheben.

(Schluß folgt.)

Keilgeöotenes.

Conditorei Heiller.

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Freitag den 21. Juli, Nachmittags 3 Uhr, sollen auf dem hiesigen Ortsgericht die den Gustav Mook Eheleuten in Gießen gehörigen Immobilien:

Flur I Nr. 689eM/10o 53 qm Grab­garten in den Neuen Bäuen,

Flur I Nr. 689e"/ioo - 307 qm Hof- ratthe daselbst

öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, 8. Juni 1893.

Großh. Ortsgericht Gießen- I. A.: Bogt. 5165

(vfeubrand) [6843 können täglich abgefahren werden bei Gebr. Faber, Leihgestern.

Feuilleton.

Eine Großstadtplage.

Von Theo Seelmann.

(Nachdruck verboten.)

Kürzlich ging die Nachricht durch die Blätter, daß auf oaS von der Berliner Stadtverordneten-Versammlung an den Magistrat gerichtete Ersuchen, Versuche mit der Verbrennung der Abfuhrstoffe anzustellen, die Mittheilung eingelaufen sei, der Magistrat beabsichtige, derartige Versuche in größerem Maßstabe auf einem der städtischen Abladeplätze vornehmen zu lassen. Damit ist ein Schritt vorwärts gethan auf der Bahn, die zur Beseitigung einer Großstadtplage führen wird. Denn an den Uebelständen, die mit der Entfernung und Verwendung der Abfuhrstoffe in Zusammenhang stehen, mögen sie nun von der Straßenreinigung herrühren oder aus Haus­müll bestehen, leiden alle Großstädte auf das Empfindlichste.

Ein altes Sprüchwort sagt:Das Geld liegt auf der Straße." Leute, die vielleicht auf Grund dieses Spruches danach gesucht haben, mögen vielleicht seine Richtigkeit be­streiten wollen, die Verwaltungsbehörden der Großstädte da­gegen werden sicherlich aus vollster Ueberzeugung darin über­einstimmen, daß das, was auf der Straße liegt, für sie Geld bedeutet. Nämlich insofern, als sie alljährlich horrende Geld­summen dafür bewilligen müssen, um das, was auf der Straße liegt, zu entfernen. Wenn Toiletten überhaupt, so kostet die Straßentoilette erst recht Geld. Um den Berlinern eine bequeme Passage durch das irdische Jammerthal zu ermöglichen, hat es sich die Stadt im verflossenen Rechnungs­jahre allein 8,763,899 Mk. kosten lassen. Das sind die Ausgaben für Pflasterungen und für die mit ihnen? zusammen­hängenden Ausgaben. Für die Straßenreinigung dagegen verwendete die Stadt im letzten Jahre 2,107,256 Mk. Für die Herstellung der Straßentoilette verfügt Berlin über ein ständiges Personal von 610 Arbeitern und Arbeitsburschen,

Bekanntmachung.

An der Südseite des hiesigen Bahnhofsgebäudes ist heute ein dem Publikum stets zugänglicher Briefkasten angebracht worden. Die Leerung deffelben erfolgt zu denselben Zeiten, wie es hinsichtlich des am inneren Bahnsteig angebrachten Briefkastens geschieht (5 Minuten vor Abgang einer jeden Bahnpost).

Gießen, 4. Juli 1893.

Kaiserliches Postamt.

I. V.: Goebel.

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