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Es schien im Anfang der Woche, als ob die Aufwärtsbewegung, je länger sie dauere, umsomehr an Kraft gewinnen sollte. Das glänzende Resultat der Submission aus die österreichische Goldrente hieß alle Rücksichten vergessen. Man drängte ungestüm nach oben, und Berlin, das sich so lange gegen die Bewegung gesträubt hatte, schien die begangenen Fehler wett machen zu wollen und überbot fast den Ester, mit dem man an der Donau für die Hausse Propaganda machte. Darin offenbart sich die Macht des Erfolgs — vor ihm verstummen alle Einwände und Bedenken, jede sachliche Erwägung verliert ihren Werth, und nur die Logik, die da predigt, mit dem Strom zu schwimmen, wirbt sich begeisterte Anhänger. Jedes Procent, um das die Course steigen, wird ein überzeugendes Argument für die Richtigkeit der herrschenden Anschauung, das seine Macht auf immer weitere bisher fernstehende Kreise ausübt und dadurch nur eine neue Aufwärtsbewegung der Course vorbereitet, denn die Course steigen, weil immer neue Käuferschichten sich herzudrängen, um die günstige Conjunctur auSzunütz-n und ihren Anthell an den reichen Gewinnen etnzuheimsen, welche eine so andauernde Werthstetgerung aller Effecten über die Börse ausschüttet. Freilich kommen trotz dieser ständig zuströmenden neuen Kräfte auch gelegentliche Rückschläge vor, wenn z. B. eine besonders starke Aufwärtsbewegung den ersten Käufern nähr legt die bisher erzielten Gewinne zu realisiren, dann überwiegt bisweilen das Angebot die Nachfrage, uyd die Course sinken e>n paar Procent von ihrer höchsten Staffel herab. Dann entsteht eine Pause in der Aufwärtsbewegung, die selbst Tage lang andauern kann, wenn die Realisationen größeren Umfang annehmen, gewöhnlich aber ziehen die abgeschwächten Course schnell wieder neue Käufer heran und die Aufwärtsbewegung kommt wieder in Fluß. Ihre natürliche Grenze findet dieselbe also nur in der Erschöpfung der Käuferschichten, aber diese Grenze ist nicht in allen Fällen die gleiche und es ist anzunehmen, daß dieselbe gegenwärtig viel näher liegt als z. B. im Jahre 1889, weil die Erfahrungen der jüngsten Zeit verhindern werden, daß überwiegende Theile des Capitaltsten- publtkumS mit in die Bewegung htnetngertffen werden. Trotz der vorhin angedeuteten großen Macht des Erfolgs sind es in der Regel doch nur speculativ veranlagte Naturen, welche dcmselben Folge leisten. Für den größeren Theil des Capitalisten- publtkums bleibt die Rente der ausschlaggebende Factor und wird das Verhältniß zwischen der erwarteten Rentabilität und der Höhe des Courses derart, daß ein Gewinn in der Conservirung des Besitzes nicht mehr erblickt werden kann, dann wirb das Material, das die Jahre hindurch in sesten Händen lag und trotz aller Anstrengungen der Barffiparter nicht zum Verkauf kommen wollte, doch wieder zur Börse strömen und der Aufwärtsbewegung ein Ziel setzen. Ob die letzte Abschwächung die schon so große Ausdehnung gewonnen bat, schon ein Zeichen dieser Realisationen effecttven Besitzes ist, läßt sich nicht entscheiden, denn Lösungen speculattver Hausseengagements und selbst Blancoabgaben haben für den Augenblick die gleiche Wirkung. An der Börse aber neigt man der Auffassung zu, daß die Aufwärtsbewegung ihr Ende noch nicht erreicht hat, und man sieht in dem Jntereffe der großen Finanz- mächte, in den noch immer bestehenden Baissepostttonen, in dem flüssigen Geldstand und in der zuversichtlichen Haltung der Wiener Börse Förderer der Bewegung, auf deren Kraft man sich noch geraume Zeit verlassen könne.
Berlin ist, wie bemerkt, in dieser Woche mit ganz besonderem Eifer in die Bewegung etngetreten und man ging dort sogar so wett, der Wiener Börse Widerstand entgegenzusetzen, als sie nach den überaus starken Courssteigerungen in der zweiten Hälfte der Woche zu Realisationen schritt. Freilich legte man in Berlin daS Schwergewicht auch nicht so sehr auf den Bankenmarkt, wie das in Wien geschah, sondern den ausschlaggebenden Factor bildeten Montan-, spectell die Kohlcnwerthe. Die Constttuttung des Kohlensyndicats und die Erwägung, daß dasselbe sein Bestreben trotz der gegentheiligen Versicherung dennoch auf eine Preissteigerung der Kohle richten würde, hatte die Verwaltung der badischen und württembergtschm Bahnen veranlaßt, ihren Bedarf für das Jahr 1894 jetzt bereits zur Submission zu stellen. Die Angebote, die darauf eingtngen, waren ganz beträchtlich, theilweise um 20% höher als die letzten Notirungen, und die Berliner Speculation nahm daher Anlaß, Kohlenwerthe ganz besonders zu begünstigen. Die hohen Preise sind freilich von den Bahnverwaltungen nicht acceptirt wordm und von allen Setten regt sich auch die Opposition gegen eine derartige Preissteigerung, aber es ist doch ,'weifelhaft, ob dieielbe von genügendem Erfolg begleitet sein wird, wenn nicht dem ausländischen Product der Kampf gegen das Syndicat erleichtert wird.
feofcen Course Im Monianmarkl haben sich daher auch nach behauptet, au schon Wien im vollen Rückzug begriffen war, und erst später, als die rückläufige iTfGunc? allgemein wurde, gaben auch Kohlenaetirn den größten kbetl der er- reichten Avancen auf. Stimmultrend wirkten im Montanmarkt noch Gerüchte, die N« nj” *)e^yufüon deS Bochumer Gußstahlwerkes mit einer rhetnifchen Privatfirma befaßten. Die Gerüchte sind vor Wochen schon einmal aufgetaucht und dazumal r ro,,e n' aber obgleich sie auch diesmal keine Bestätigung gesunden haben, obgleich sie sehr unbestimmt gehalten sind und nicht einmal der Name der zweite« Firma zweifellos seftsteht, so haben sie sich doch hartnäckig behauptet und die Be-> wegung im Montanmarkte weiter gefördert. Sachliche Momente kamen im Uebrtgen n,uy^. n-r^ani verschwindendem Maaße zur Geltung. Im großen Zuge und fast gleichmäßig auf allen Gebieten bewegten sich die Course nach oben und erreichten im Anfang der Mittwochsbörse ihren Höhepunkt, aber schon an diesem Tage besannen die Realisationen, die in der Folge so großen Umfang annahmen, daß In einzelnen Fällen mehr als die ursprünglichen Avancen wieder verloren gingen. Am Donnerstag Abend veröffentlichte die Creditanstatt ihren Jahresabschluß. Von allen größeren Finanzinstttuten ist dieser bis jetzt der einzige, der gestattet, die Dividende hoher als im Vorjahre zu normtren. Er hat seinen guten Eindruck auf die Börse auch nicht verfehlt und er hat die rückläufige Bewegung doch wieder gestaut, wenn er auch nicht vermocht hat, dieselbe in ihr Gegenthetl zu verkehren.
Wien hat in dieser Woche außer dem Bankenmorkt den Bahnactien ein be« sonderes Interesse zugewendet. Offenbar sah man diese Actiea al« zurückgeblieben an und suchte das Versäumte in kürzester Zett nachzuholen. Sachliche Beweggründe sind auch hier nicht zu Tage getreten, einzig in Bezug aus die lombardische Balm scheinen Bestrebungen bestanden zu haben durch ein Hinausschteben der Prtorttäten- ttlgung die Acttenrente zu erhöhen. Nachdem aber die VerwcHtung selbst sich gegen das Project erklärt hat, sind die stark gestiegenen Actten soweit wieder gefallen, daß dtefelben noch 2 fl. gegen den Schlußcours der Vorwpche verloren haben. Neben diesen wurden noch Nordwest- und Elbthal-Actien, Buschtherader und einige andere böhmische Bahnen besonders begünstigt und diese Acsten haben sich auch bester behaupten können, so daß sie zum Theil mit ansehnlichen Gewinnen aus der Woche hervorgehen. Schweizer Sielten waren fest, aber weniger beachtet, nur für Gotthard - Actien bestand größere Nachfrage, weil seit geraumar Zeit ein Project, das die vierprocenttge« Prioritäten in 3'/, procentige convertiren nsill, viel besprochen wird. Vorübergehend wurden auch Marienburger stark gekauft, weil man wieder einmal verstanden hatte, mit dem russischen Handelsvertrag Stimmung zu machen. Der letztere kam auch neben den bereits erwähnten Momenten im Montanmarkt zur Geltung und begünstigte vornehmlich Laura - Actien, ohne indessen auch hier bauernde Wirkung erzielen zu können. Die Steigerung der Kohlenactien war sehr bedeutend. Gelsenkirchener erreichten den Cours von 155, HarpenerI49, Htbernta 124.50, aber diese ganzen Gewinne sind wieder verloren gegangen, und die Schlußcourse weisen kaum merkliche Veränderungen auf.
Aehnlich ist das Verhältniß im Bankenmarkt. Hier sind DiScontos sogar noch unter den Schlußcours der Vorwoche gesunken, während die anderen deutschen Actien sich doch noch behaupten, zum Theil auch noch kleine Gewinne zurückhalten könnten. Credit inbessen, die 8 fl. gestiegen waren, haben nun die Hälfte diefer Avance wieder abgegeben. — Der Anlagemarkt war still.
Portugiesen wurden vorübergehend begünstigt auf die Erklärung des Staats- secretärs von Marschall, daß es das Bestreben der Reichsregierung fei, die auswärtigen Gläubiger Portugals nicht benachtheiligen zu lassen, ebenso sprangen Griechen ein paar Procent hinaus, als der Abschluß einer neuen Anleihe mit ziemlicher Bestimmtheit gemeldet wurde. Man vergaß nur bet dieser Höherbewei thung, baß die Einnahmen, die für die neue Anleihe verpfändet werden, die Sicherheiten der alten Anleihen verringern. Mexicaner schwächten sich ab aus Befürchtung vor weiterem Sinken des Silberpreises, und im Uebrigen herrschte auf dem ganzen Anlagemarkt eher die Neigung zu Realisationen als zu neuen Käufen.
Course der Frankfurter Börse.
CtaattanUibtti.
Conrn vom 24./II. 4./III. Cours vom 24./II. 4./III
fo/o Hessische Obligation.
, Bauern ....
„ Baden.....
105 90
107 50
106.30
107.65
4V^/oPortug.-A. 88 u.89
5o/o amort. Serb. Gold-
27.40
28.—
105 20
105.15
Rente ....
80.80
80 40
3°7o Sächsische Rente. .
88 50
88.70
bo/oSerbischeEtsenbahn-
3V«% BremerStaatsanl.
-.—
98.60
Hyp.-Obl. L. A. .
82.25
82 70
„ Hamb.Staatsrente 4o/o Oestr. Goldrente .
98.60
98 80
4o/gSchwed.Oblig.1880r
104.40
104 15
88 90
99.50
l°/o Türken conv. Ltt. D.
21.90
22.10
„ Gr lech ischeMonopol-
5°/o Argent. Gold - Anl.
44 65
44 —
Anleihe . . .
60.90
62.25
v. 1887 . . .
3>/j°/o Egypt. priv. Anl.
5c/0 Rumänische Rente .
98 50
98.50
95.50
95.55
4V0 Rust. Consols S. III
—.—
<H Un» aö n^rto rit ilUn.
4*Yo Pfalz. Ludwigsbahn
50/0 Südbahn Lombarden
105 10
105.—
(Bexbach) . . . , Hessische LudwigSb.
104.25
104.50
4°/0 do. do.
98.50
99.30
30/0 do. do.
65.10
65.75
68/69 garant. .
103.65
103.70
40/0 Prag-Duxer Gold .
101.—
100.75
, Eltsabethb. steuerfrei
, Rudolf Gold (Salzt.)
101.60
101.95
Gold ....
101.75
102.20
„ Franz-Josef Silber
83.45
83.45
5o/o Oestr. Staatsbahn.
109.25
109.30
3% staatl. garant. Jtal.
40/0 do. do.
101.90
102.20
Eisenbahn . .
58 35
58.50
3o/o do. do.
3% Ltvorneser . . .
4o/g Rust.Südw -Etsenb.
65 —
64.90
I—VIII.Emist.
84.85
84.70
95.50
95.20
3o/o do. ErgänzungSnetz 5<>/o Nordwestbahn Golb
82.70
109.20
108*50
4o/g Wladikawkas gamt.
40/0 gar. Sardin.Sec.stfr.
95 30
81.65
94.55
81.—
Ludwigshafen-Bexbach.
Hessische Ludwigsbahn.
,225.—
225.—
Galiz.CarlLudw.-B.-Act.
184.50
184'/.
111.70
112 70
Oest. Nordw.-Bahn Lit.8.
204‘/lc
207.60
Pfälzische Norddahn .
114 55
114.45
Gotthardt.....
154.55
156.65
Lübeck-Büchner . . -
137.—
139.30
Jtal. Mittelmeer . .
102.20
102 85
Deutsche Reichsbank .
150.30
150.15
Dresdener Bank. . .
150 60
152.15
Berlin. Handelsgesellsch.
146.90
147.65
Mitteldeutsche Credttb. .
98.60
100.70
Deutsche Bank . . .
165.—
166 90
Wiener Bank-Verein .
105.—
104>/z
DeutscheGenostenschftSb.
Württemb. Vereinsbank
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