Lacaille auSgeführten Messungen zu 3 Fuß 11,44 Linien an« genommen wurde. „ ,, , . ..
Die Flächen«, Körper- und GewichtSmatze und die Ober« und Umrrrittheiten wurden nicht ganz, aber in der Hauptsache so festaestellt, wie sie noch jetzt Geltung haben.
Am 18. Germinal deS Jahres III (1795) wurde das Decret Jon 1793 durch ein anderes Gesetz ersetzt, welches mit e nem Nachtragsgesetz vom 18. Frimaire deS Jahres VIII (1799) noch heule in Kraft steht.
Den Anlaß zu diesem letzteren Gesetze gab die inzwischen erfolgte Vollendung der Arbeiten der Akademie der Wisien« schäften, zu welchen auch eine Anzahl auswärtiger Gelehrter herangezogen worden war. Man hatte die Länge deS zehn- millionstm TheileS deS Erdquadranten, daS Meter, als.3 Fuß 11,296 Linien betragend ermittelt und zwei Platinstücke von dieser Länge hergestellt. Ebenso hatte man daS Gewicht des CubikdecimeterS reinen Wassers bei 4§ CelsiuS, daS Kilogramm, in Pfunden erquUelt, und ein Platinstück von diesem Gewicht angefertigt.
Diese beiden Urmaße wurden dem gesetzgebenden Körper überreicht, welcher daraufhin in Art. 2 deS erwähnten Gesetzes verfügte: Le mdtre et le kilogramm en platine, depos^s le 4 meaaitfor dernier au Corpa legislatif par VInstitut national . des IhSißnces et des arte, aont des etalona definitifa des mcaurea ne longueur et de poida toute la France.
Längen^' und Gewichtseinheit ist also nicht der zehn« millionste Theil des Erdquadranten und deS CubikdecimeterS Waffer (die ursprünglich in Aussicht genommenen Naturmaße), sondern ein in Paris angefertigter Metallstab und ein eben« solches Gewichtstück, also künstliche Maße.
Nach dem ersteren Gesetz ist sodann daS Flächenmaß daS Ar (d. h. ein Quadrat von 10 Meter Seite), Hohlmaß das Liter (d. h. ein Würfel von 0,1 Meter Seite), Körpermaß das Stere (d. h. ein Würfel von 1 Meter Seite). Hierzu kommen das Hundertstel und das Hundertfache deS Ar, das Zehntel und das Zehnfache deS Stere, die Größen, die sich durch fortgesetzte Theilung und Vervielfachung der genannten Gewichts-, Längen- und Hohlmaße mit zehn ergeben, und die Größen, die sich durch Halbirung und durch Verdoppelung der sämmllichen erwähnten Körpermaße und Gewichte ergeben.
Die Geltung der beiden Gesetze auS den Jahren III und VIII hat übrigens bald nach ihrer Erlassung eine Unterbrechung erfahren. Infolge des Widerstandes, welchen die unteren Klassen den neuen Maßen und Gewichten entgegensetzten, kehrte Napoleon I. durch ein Decret vom 12. Februar 1812 theilweise zu den älteren Einheiten zurück. Er machte insbesondere.^ur Längeneinheit wieder die Toise, aber genau von 2 Md'ter Länge, eingetheilt in 6 Fuß zu 12 Zoll zu 12 Linien. AlS Gewichtseinheit führte er wieder das Pfund ein, aber in der Schwere von 500 Gramm mit Theilung durch fortgesetzte Halbirung. DaS Decret wurde erst durch ein Gesetz vom 4. Juli 1837 wieder aufgehoben, welches vom 1. Januar 1840 an den beiden Gesetzen der Jahre III und VIII wieder unbeschränkte Geltung gab.
Die Vorzüge deS metrischen Systems nun liegen in der einfachen Beziehung der verschiedenen Maßgattungen zu einander, in der Blldmig der höheren und niederen Einheiten durch Vervielfachung und Theilung der Grundeinheiten mit 10 und endlich in der sinnreichen Bezeichnung der Maße. Mit vier Hauptwerken (Meter, Ar, Liter, Gramm) und sechs Betworten bezeichnet man nicht allein alle Maße, sondern man characteriprt zugleich die Maßgattung, drückt daS Derhältniß auS, in welchem jedes Maß zu einem anderen seiner Gattung steht und gibt die Beziehungen verwandter Maße zu einander an. Diese Idee wird dem Holländer van Swinden verdankt, einem der auswärtigen Gelehrten, welchen die sranzösische Akademie der Wisienfchaften zu den im Jahre VII zum Abschluß gebrachten Arbeiten zügezogen hatte.
Wenn nun auch andererseits nicht zu verkennen ist, daß für den Kletnverkehr daS Meter und das Kilogramm zu große Einheiten sind und da- Gramm zu klein ist, und wenn ferner die geringe Theilbarkeit der Zahl 10 ein Uebelstand ist, so ist doch daS metrische System im Ganzen allen anderen Maßsystemen so überlegen, daß allmälig sehr viele Staaten dasielbe angenommen haben.
Die großen Schwierigkeiten, welche der Uebergang zu neuen Maßen bietet und welche theilö in der Notwendigkeit liegen, daß an Stelle der vielen von Jedermann im Gedächtniß
bewahrten Maßzahlen neue erlernt werden müsien, theils in den Soften, welche die Anschaffung der neuen Maße ver- ursacht, wurden im Vergleich mit den Vortheilen deS metrischen Systems und der Gleichheit deS Maßsystems möglichst vieler Staaten gering geachtet.
Die Einführung ist namentlich erfolgt: im Deutschen Reiche, in den Niederlanden, Belgien, Spanien und Portugal, Griechenland, der Türkei, Norwegen und Schweden, Italien, Oesterreich, Dänemark, Rumänien und in den meisten Staaten von Südamerika. Die wichtigsten Ausnahmen bilden Großbritannien mit seinen Colonien, die Vereinigten Staaten von Nordamerika, die Schweiz und Rußland. In ben_ ersten drei Staaten ist aber die Anwendung deS metrischen Systems in gewissem Umfang geduldet, und die wissenschaftliche Lite- ratur aller Staaten bedient sich überwiegend des metrischen Systems.
DaS Jntereffe an den metrischen Maßen ist daher ein universelles. Dies führte dazu, daß am 20. Mai 1875 zu Paris zwischen 17 Staaten (darunter Deutschland, Oesterreich, Schweiz, Großbritannien, Italien, Rußland) ein Vertrag ab- geschloffen wurde, kraft deffen in Paris ein ständiges internationales Amt für Maß und Gewicht auf Kosten der vertragenden Staaten ins Leben trat. Dasselbe steht unter Aufsicht eines internationalen wissenschaftlichen ComiteS, welchem eine auS Vertretern aller betheiligten Regierungen gebildete General- conferenz vorgesetzt ist.
Diese Organe sollen in Anlehnung an die vorhandenen französischen Urmaße eine dem Bedürfniß der betheiligten Staaten emsprechende Anzahl möglichst identischer Urmaße und Urgewichte Herstellen, aus diesen ein Meter und ein Kilogramm als internationales Urmaß und Urgewicht auS- wählen und die übrigen als nationale Urmaße und Urgewichte unter die betheiligten Staaten vertheilen. DaS Amt soll die internationalen Prototype aufbewahren, die nationalen von Zeit zu Zeit mit ihnen vergleichen und ebenso auch alle sonstigen zu öffentlichen oder gelehrten Zwecken bestimmten Meßwerkzeuge auf Verlangen auf ihre Richtigkeit prüfen.
Heute rechnen wohl nur noch ältere Leute nach Ellen, Aeckern und Scheffeln, Centnern u. dgl. Die jüngere Generation hat sich an die neuen Maße und Gewichte ebenso gewöhnt als wie an die Markrechnung.
Egon W.
Verruchtes.
♦ Am Strang der Sterbeglocke erhängt. Im Oratorium der Franziskaner-OrdenSkirche Maria Schnee in Prag fand der zur Vornahme einer Andachtsübung daselbst erschienene Kleriker den zweiten Meßner, einen verheiratheten Mann und Vater eines dreizehnjährigen Mädchens, am Strange der Sterbeglocke erhängt. Unheilbare Krankheit, in Folge deren er den Dienst zu verlieren fürchtete, war das Motiv der That des Selbstmörders.
♦ Ein lustige« Stücklein ereignete sich kürzlich in G e r a. Fuhr da ein junges Ehepaar Abends von einem Sommerfest mit dem Kinderwagen nach Hause. Als man in die Nähe der Wohnung gelangt war, wurde die verblüffende Entdeckung gemacht, daß man einen falschen Kinderwagen und statt des Töchterchens einen fremden Knaben mitgenommen hatte. — Sofort kehrte man nach dem Ausflugsorte zurück, wo schon lange die Eltern deS mitgenommenen Knäbleins nach dem verschwundenen Kinderwagen suchten. Muß daS Sommerfest aber schön gewesen sein!
• Alles oder nichts. In der Schlesischen Zeitung befindet sich solgendes „streng reelles" Heirathsgesuch: „Wittwer mit einem Vermögen von 200,000 Thalern, 38 Jahre, 1 Kind, sucht eine tadellose, liebenswürdige, lustige Dame zur Frau, entweder mit viel oder direct gar keinem Vermögen. Gefl. Off. (wennmöglich mit Photographie und alles Nähere) bitte mir vertrauensvoll unter X hauptpostlagernd einzusenden und verspreche auf Ehrenwort strengste Discretion."
* Aus der Schweiz, 1. August. Ein Viehhändler hatte, wie die „Basl. Nachr." erzählen, einem ärmeren Bürger einer oberaargauischen Gemeinde eine Kuh verkauft, und da letzterer immer nicht bezahlen wollte, übergab ihn der Verkäufer dem Beitreibungsbeamten. Nun fiel ihm aber ein, daß nach dem neuen ConcurSgesetze eine Kuh, wenn sie daS einzige Thier im Stalle ist, nicht gepfändet werden kann, und so kam er auf den, wie er glaubte, pfiffigen Gedanken, seinem Schuldner noch eine Ziege zu billigem Preise zu ver
kaufen. Diese- GaiSlein wollte er opfern, um dann dar formelle Recht zu haben, die Kuh zu pfänden. Unser Schuldner, der auch nicht auf den Kopf gefallen ist, kauft die Ziege und frohlockend zieht der Gläubiger ab. Am anderen Tag in verbrühe ist er aber schon da mit dem Bet- treibungSbeamten und glaubt sicher, seine Kuh wieder nach Hause führen zu können. Wie sie aber in den Stall treten, war feine Ziege mehr zu sehen. Auf Befragen deS Bei- treibungSbeamten sagt unser Schlaumeier, er habe gestern Abend daS GaiSlein geschlachtet und mit seiner Familie schon theilweise aufgezehrt. Unter diesen Umständen durfte nach dem Gesetz nicht gepfändet werden und der Viehhändler zog zwar nicht mit seiner Kuh, wohl aber mit einer langen Nase ab, denn er war nun auch noch um seine GaiS gekommen.
Citcratur unb Kanft.
— Unter den bedeutenden Dichtern und Schriftstellern der Gegenwert erfreut sich wohl keiner einer gleich großen Beliebtheit wie Georg EberS. Seine trefflichen Romane, Vie zuerst die Geheimnisse des alten Wunderlandes der Pyramiden dem staunenden Laienpublikum erschlossen, haben ihren Triumphzug durch die ganze civUisirle Welt gehalten. Um so willkommener wird für alle die zahlreichen Verehrerinnen des genialen Manne- die in der Deutichen Verlags-Anstalt in Stuttgart erscheinende Ausgabe seiner sammelten Berte* fein, von der die ersten beiden Lieferungen bereits vorliegen. Dieselben bringen den Anfang deS prächtigen historischen Roman» »Eine ägyptische Königstochter-, des ersten Werke« von Georg Eber», daS feinen Ruhm als Schriftsteller begründete. Heute wie bei seinem erften Erscheinen nimmt unS die wunderbare Schilderung de» Zauberlande» Aegypten wieder gefangen und die Gestalten des Rhodop!» und Eappho, de» Amasi» und Bartja erstkhm vor unserem geistigen Auge. WaS den Werken von Eber» die beispiellose Verbreitung verschafft, da» liegt in der genialen Verschmelzung der Ergebnisse der strengen Wissenschaft mit der luftigen, immer leichtbeschwingten Dichterphantasie, und nicht »um geringsten auch in der edlen, reinen Form, in der alle feine Werke gehalten sind. Diese Vorzüge geben vor allen den Schriften von Georg Eber» die Berechtigung, in der Bücherei eine» jeden deutschen Hause» dm Ehrmplatz eingeräumt zu bekommen, und der ungemein billige Prei» von 60 Pfg. pro Lieferung ermöglicht e» Jedem, sich diesen herrlichen Schatz zu erwerben. Die erste Lieferung ist in jeder Buchhandlung zur Ansicht zu erhaltm.
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Derfrier, £anO* unb Voltwirt
— Haferersatz bei der Pferd es LtternnO. Der Hafer, der roegen feiner für da» Pferd am zuträglichsten 'Nährstoff-Zusammensetzung von Eiweiß, Fett und Kodlehvdrate (Stärke, Zuckn), da» beste Futtermittel abgiebt, kann unter Berücksichtigung der Nähr ftoffe in Procmten wie folgt, ersetzt nietben: 50 Pfund Rei» und 40 Pfunb Weizenkleie erfetttn vollkommen 100 Pfb. Hafer, oder 75 Psd. Reismebl und 20 Pfund Weizenkleie, ferner durch 100 Pfd. Kartoffeln, 30 Pfd. Mai» und 10 Pfd. Baumwollsamenmehl, endlich durch 75 Pfd. Kartoffeln, 50 Pfd Palmkuchen. Al» theilweise» Ersatzmittel für Hafer sind noch die Baumwollsamen und Erdnuß- Ölkuchen zu nennen. Sie wirken außer ordentlich vorthellhaft auf die MuSkelklast der Pferde ein und ermöglichen eine nicht unerhebliche Ersparniß, indem ein sonst 10 Pfd. Hafer den Tag erhaltende» Pferd dann nur 5 Psd. Hafer und 2—21/« Pfd. Baumwollsamcn- bezw. Erdnußölkuchen zu erhalten braucht.
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