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6.8.1893 Erstes Blatt
 
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1893

Sonntag den 6 August

Erstes Blatt

Nr. 183

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Amts- unt> Anzeigel'latt für den Äveir Gieren.

Alle Annone en-Burraux bei In- und IuIImM nchm«

ckratisöeitage: Gießener Aamitienökätter.

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der Einfuhr. Deutschland Semester 1893 in Tonnen:

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Britisch-Nordamerika Britisch-Ostindien Frankreich

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Gefunden: 2 Taschenuhren, 1 Uhrketle, 2 Taschen- mesier, 1 Zwicker. 1 Brille, 1 Jnsectenspritze, 1 Buch, 1 Schreibheft, 1 Taschentuch, 2 Handschuhe, 1 SHUpS, 1 Stück Stoff, 1 Paar Strümpfe, 1 Hunde-Maulkorb und 2 Wagenkapseln.

Gießen, den 5. August 1893.

Großherzogliches Polizeiamt Gießen.

Fresenius.

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Deutsches Reich.

- Zum deutsch-rusfischen Zollkrieg. Wie derKöln. Zeitung" aus Peters bürg gemeldet wird, befleißigt sich die dortige Preffe durchschnittlich eines durchaus ruhigen Tones gegenüber Deutschland. Ein entschieden beeinflußter Artikel der Nowoje Wremja betont, Fürst Bismarck habe das Ge­treide aller Länder gleich besteuert, Graf Caprivi habe aber dem deutschen Arbeuerstand eine Wohlthat erweisen, zugleich

Der Gtetzentr >*lrtgct «d*nnt tiglidi, »it Ausnahme bei Montags.

Die Gießener

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theiligt gewesen.

Berlin, 4. August. Die für weite gewerbliche Kreise Deutschlands wichtige Frage, ob nicht solche russische Maaren, welche auf Grund schon früher abgeschloffener Verträge im Laufe der nächsten Zeit zur Einfuhr nach Deutsch­land bestimmt waren, von dem fünfzigprocentigen Zoll zu schlag befreit bleiben sollen, ist vom Bundesrath verneinend beschieden worden, wenigstens im Princip. Wie derReichsanzeiger" mittheilt, hat sich die genannte maß

Rußland ist hiernach . .

der Roggenewfuhr mit 24,2 pCr., an der Gerstenetnfuhr mit 24,3 pCt. und an der Hafereinsuhr mit 2,1 pCt. be­

gebende Corporation dahin schlüssig gemacht, daß nur solche Waaren russischer Herkunft vom Zollzuschlag befreit bleiben, welche vor dem 1. October d. I. durch Verzollung zur Ab­fertigung nach Begleitschein II. oder zur Anweisung auf Privat-Transit-Lager angemeldet und bestellt wurden, sofern sie vor dem 31. Juli die russische Grenze überschritten hatten. Alle weitergehenden Ausnahmen sind vom BundeSrathe au- zwingenden Gründen abgelehnt worden, wenn er auch infolge der kaiserlichen Verordnung vom 29. v. Mts. befugt ist, tn einzelnen geeigneten Fällen aus Billigkeitsrücksichten einen Zollnachlab zu a-währ-u. Im Jnt-rcsi- des beutfaen Handels kann wohl erwartet werden, daß der BundeSraty diese Billigkeitsrücksichten in genügendem Maße walten latzt. In Petersburg macht sich, wie verschiedene Mel­dungen aus der russischen Hauptstadt besagen, ein Umschlag in der bisherigen überreizten Stimmung gegen Deutschland bemerklich. Die größeren Blätter schlagen in Besprechung des deutsch russitchen ZollconflictS einen ruhigeren, verlohn- licheren Ton an und sprechen sie zum Theil die Ueberzeugung auS, daß die für den Herbst in Aussicht genommenen com- miffarischen Berathungen in Berlin trotz des Zollkrieges ein für beide Theile befriedigendes Ergebniß zeitigen werden. Andere Blätter sprechen es sogar offen aus, daß Rußland sich in seinen Berechnungen beim Eintritt in den Zollkampf mit Deutschland getäuscht habe, weil die deutsche Ernte besser ausgefallen sei, als vermuthet wurde, und weil sich Deutsch­land auch ohne russisches Getreide behelfen könne. Ob man auch bereits in den russischen Regierungskreisen zu der letzteren sehr richtigen Anschauung gelangt ist, erscheint freilich noch zweifelhaft, hier wird man sich wenigstens mit Händen und Füßen sträuben, den gemachten Jrrthum einzugestehen und demgemäß zu handeln. , .. .

Der in den offiziösenBerl. Polit. Nachr. QUi getauchte Vorschlag, zur Erhöhung der Reichs-Etn- nahmen das bisherige einheitliche Packetporto von 50 Pfennigen für 5 Kg. Gewicht wieder aufzuheben, erfahrt allseitige energische Zurückweisung. Derselbe paßt allerdings ganz und gar nicht in die heutige Zeit der postalischen Ver- kehrserleichterungen hinein, dann könnte man z. B. ja auch

auch den Dreibund kräftigen wollen, und deßhalb den Dreibundstaaten 40 pCt. des Einfuhrzolls erlaffen - dadurch sei Rußland ein Recht zum Einspruch gegeben. Immerhin hoffe man jedoch noch auf friedliche Beilegung und sehe das bei den gegenwärtigen Kampszöllen nicht miteinbegriffene Finnland als offenes Thor an, welches eine friedlichere Ge­staltung des Zollkrieges ermögliche.

Gesammtbedarf Deutschlands an fremd­ländischem Getreide und Antheil Rußlands an bezog vom AuSlande im ersten

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Gießener Anzeiger

Kenemk-Anzeiger.

* Eine fidele Prüfung. DemWiener Fremdenblatt" wird geschrieben: Zu den fröhlichsten Eindrücken, die ich von der letzten Generalversammlung des Drognisten Verbandes in Eisenach mitnahm, gehört die nach Erledigung des offiziellen Programms abgehaltene humoristischeDroguistengehilfen - Prüfung". Nach einigen einleitenden Worten desPrüfungs- commiffärs" erschienen die dreiPrüflinge" auf der Bühne und nahmen zu allgemeinem Vergnügen auf einer Schulbank Platz. Die Herren wurden mit den nöthigen Bemerkungen dem Auditorium vorgestellt: 1. Herr Peter Oleum aus Bremerhaven macht einen sehr raffinirten Eindruck. 2. Herr Kamillo Thee besitzt ein sehr einnehmendes Wesen. 3. Herr von Sennes aus Alexandrien wird offenbar einen durch­schlagenden Erfolg erzielen. Hierauf begann ordnungsgemäß das Examen. Von den Fragen und Antworten, die hier mit der ernstesten Miene von der Welt gestellt und gegeben wurden, nur einige Proben. Was ist absoluter Alkohol? Abso­luter Alkohol ist derjenige Alkohol, den der Mensch absolut haben muß. WaS ist trockene Destillation? Trockene Destillation ist, wenn Jemand in eine Destille geht und kein Geld hat, sich einen zu kaufen. Was sind Sammelfrüchte? __ Heidelbeeren, weil diese eingesammelt werden. Was ist eine Verseifung? Wenn der Barbier den Kopf einseist statt den Bart, dann ist es eine Verseifung. Nennen Sie einige Abarten des Ichthyols! - Jch-thyol, Du-thyol, Er- thyol. Wie stellt man Rohrzucker her? Man nimmt Zuckerrohr und dreht's einfach rum. Herstellungsverfahren von Insektenpulver? Mau nimmt Pulver und thut's in Sekt, dann hat man Jn-sekt-en-pulver. Was ist eine Base? Meerschtenihels eine hübsche Cousine. Allgemeine Eigeu- fchasten derselben? Das kommt ganz auf die Cousine an. Wie gewinnt man Kopal? Man schneidet einem Aal den Kopp ab, dann hat man einen Aalkopp- den braucht man blos umzudrehen, dann hat man Koppaal. Wie gewinnt

man den Schweiel? Der Schwefel wird hergcstellt aus

dem Schwefelholz. Wie ist der lateinische Name für das

letztere? Utan svafel och fosfor. Was heißt das au

Deutsch? Außer Schwefel ooch Phosphor. Was hat der Droguist zu thun, wenn er ohne Spiritusconcession Spiritus verkaufen will? Er muß den Spiritus bis zum spezifischen Gewichte des Wassers verdünnen, dann ist er straflos. Was -Ist ein Atom? Nichts. Nachdem die Herren Candidaten

Amtliche»- Theil.

Gießen, den 3. August 1893.

Betr.' Die Strafregister; hier die Nachweisungen der im I. Halbjahr 1893 verstorbenen bestraften Personen.

Der Großherzogl. Erste Staatsanwalt

beim Landgericht der Provinz Oberhessen

an die Qrtspolizeibehörden zu Bellersheim, t?bcr= stad«, Garbenteich, Münster, Nonnenroth, Ober- Bessingen, Weickartshain.

Nachdem Sie trotz meiner Aufforderung in Nr. 154 des I ,Gießener Anzeiger" die oben erwähnten Nachweisungen bezw. Fehlanzeigen bis jetzt nicht eingesandt haben, werden Sie hiermit nochmals an die Einsendung derselben binnen drei Tagen bei Meidung disciplinärer Ahndung erinnert.

Jockel.

durch diese und ähnliche Antworten ihrehöheren" Kenntnisse | dargethan hatten, konnte es nicht fehlen, daß ihnen ein Zeugniß der Reife mit Auszeichnung gegeben wurde.

Berliner Gerichtsscene.Jette, das Mädchen gegen Alles."Jette" so lautete ihr nom de guerre, während ie in den Prozeßacten mit ihrem bürgerlichen Namen Minna M. genannt ist hatte es als Mädchen für Alles nur drei Tage bei der verwiltweten Frau Restaurateur Lina S. aus­gehalten. Als sie am Tage nach ihrem heimlichen Abzug ihre Habseligkeiten abholen wollte, wurde ihr die Herausgabe derselben verweigert. Erst nach vierzehn Tagen gelangte sie in den Besitz ihres Eigenthums. Sie strengte nun gegen Frau S. eine Entschädigungsklage an, die sie damit begründete, daß ihr durch die verzögerte Zurückgabe ihrer Sachen Nach­theil erwachsen sei. Zu dem vorzeitigen Verlassen des Dienstes wäre sie aus mancherlei Gründen berechtigt gewesen.Erstens", führte die Klägerin aus,hatte ick mir als Mächen for Allens vermiethet, wo aber nich mit inbejriffen is, bet ick mir von dem Schamberjarnisten, der bei die Frau wohnt, in die Backen kneifen lassen muß. Zwectens brauch ick mir doch nich je« fallen zu lassen, mit eene Katze zusammen zu schlafen, wo ick doch so wie so schon Vichzeig mehr als genug in meinem Bette hatte, wat mir die janze Nacht zerstochen und zer­schunden hat. Denn als Mächen for Allens ..."Wat, Sie als Mächen for Allens?" fällt die Verklagte hitzig ein. Ja, wären Sie det nur jewesen, dann wär t jut, dann hält ick Ihnen uff den Händen jetragen, aber so ... so waren Se 'n Mächen jejen Allens . . . jawoll, det waren Se. . . . Herr Richter, wat ick wollte, da wollte sie immer det Jejentheil von. Un wat det Kneifen anbelangt, Herr Rath, da frage ick Ihnen um Allens in der Welt, wär' det 'n Jrund, uff un davon zu loofen? Wenn alle Mächens, die mal ehrbar in die Backen jekniffen worden sind, jleich Reißaus nähmen, dann jäb' et ja jar keene mehr in Berlin. Ick selbst, Herr Justiz­rath, wie ick hier vor Ihnen stehe, ick bin als junget Mächen nich zehn, nee zwanzig Mal jekniffen worden, aber deßwegen bin ick doch, wer ick bin. In Uebrijen aber, Herr Präsident, wat mein Schamberjarnifte is, der kneift nich, det jloob ick nie un nimmer. Det is n oller Herr, der sammelt Käfer, Käfer, un immer wieder Käfer . . . aber Kneifen, Jott be­wahre ..." Klägerin: Er hat mir aber jekniffen. Jette", hat er jesagt,Sic sindn janz netter Käfer," und dabei hat er mir jekniffen." Beklagte:Da sehn Se et nun, Herr Assessor, er hat ihr forn Käfer jehalten, der olle

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Mann . . Un wat bat mit die Katze anbelangt, wo fe sagt, bat se mit die hätte schlafen müssen, so ist die Sache die, da mein früherer Mächen bet jute Thier daran jewöhnt hatte, bet ihr zu Fuße zu liefen, und da dachte nu det unschuldffe Vieh, da wär' weiter nischt bei, un suchte noch bei der Jette ihre jewohnte Schlafstelle. Klägerin:Ick bitte, 3cttc bin ick nich mehr, sondern Freilein Mina." Beklagte: Jott sei Dank! . . . Un dann bat mit bet anbere Vichzeig, Herr Justizrath, da frage ick Ihnen, wo jiebt et bet in Berlin nich? Aber bajcjen hilft keen Ausreißen, sondern nur In­sektenpulver, wie et ja tagtäglich in die Zeitungen angekündigt wird: un watn richtijet Mächen iS, det nimmt den Kampf uff un schmeißt nich jleich die Flinte ins Korn." Dav Gericht wies Jettes Klage ab, weil sie hinlängliche Grunde zur Aushebung deS Dienstverhältnisses nicht vorgetragen habe, und die Herrschaft ihr Zurückbehaltungsrecht an den in der Wohnung verbliebenen Sacken mit Recht ausgeübt habe. Im Corridor trennten sich die Parteien mit höhnischen Verbeugungen. Adje, Frau <S.!" ruft Jette,un i-k wün'che Ihn-'' un Ihren Wanzen ein langes Leben."Adje . . Sie . . Machen jejen Alles . ."

Vorher un nachher.

Von Karl Schaffnit, Darmstadt.

Vor fünf, sechs Johr 's hatt stack gerejent Is mer owends e junger Mann begcjent, Wor kreizfidel, halb schläächt vor Vergnüje- Am Wetter könnt des doch net lieje!

No l" sagt ich,he! Wo gewese heit?

Bei dem schöne Wetter gewiß net weit?" Wos?" Hot er gekräht,Wetter hi, Wetter her! In de Berkstrooß warn mer die kreiz un quer. Wos lickt mir an bere Rejenerei!

Hurrah! Die Liebste wor debei!"

Am Sunndag owcnd beim Schöppche-Bloose Bin ich Widder uff selwigen Mann gestoße. No!" sagt ich,wo dann gewese heit?" Ach!" sekt er,in de Berkstrooß, awer net weit." No! Recht amesiert dort?" haw ich gesagt.

Do Hot der der Mann e Gesicht gemacht, Als wann er e bißche an Zäh'weh litt: Ach!" sekt er,naa ! Mei' Fraa wor mitl

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