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04/11/1893 Zweites Blatt
 
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Amts- unb Anzeigeblcrtt für den Äveis <6ie^zen»

Hratisbeilage: Gießener Kamitienbkätter.

Wahlspruch:

,Treue und Bruderliebe".

alter Canzletschrift in der

in

Starkenburgia sei's sanier

Wonahme von Anzeigen zu bn Nachmittag» für den folgenden Tag erscheinmdm Nummer bi» Bonn. 10 Uhr.

Die Vertreter der Alten Herren:

E. Freiherr v. Ricou, Dr. Rosenberg, Dr. Scharfenberg, Metz.

liedes des CorpS:

Starkenburgia, Dir gehör ich,

Dir bleib ich ewig hold, Auf Deine Fahne schwör ich, Die Fahne Roth-Weiß-Golb. Starkenburgia soll's beweisen Mit Wort und mit der Thal, Daß stets ihr Herz und Eisen Gleich brav geschlagen hat!"

Es sei schließlich noch bemerkt, daß durch Errichtung eines besonderen Podiums dafür Sorge getragen worden war, daß auch die Damen der Alten Herrn der Feier anwohnen konnten, sowie ferner, daß von Seiten des Herrn Photo­graphen Uhl eine Photographie der Festtheilnehmer ange­nommen wurde, welche den Moment darstellt, in welchem der Vertreter der Alten Herren, Landgerichtspräsident Freiherr v. Ricou, den ersten Hammerschlag vollzieht.

Am Abend versammelten sich Alt und Jung zur Fest- kneipe und verweilten dort Alte Herrn und actioc CorpS- mitglieder sowie Fcstgäste in bunter Reihe in den alten trau­ten Räumen der Pulvermühle bis zum frühen Morgen. Die Kneipe verlief in animirtester Stimmung und wurde durch zahlreiche Reden ernsten und heiteren Inhalts gewürzt. Namentlich wurde ein humoristischer Toast des Herrn Regie­rungsrath Roßler-Darmstadt auf den Vorstand des Alten- Herren-Vereins mit allgemeinem Jubel ausgenommen.

rellem Maße erfüllen könne.

Redner legte weiter den jüngeren Eorpsbrüdern ans Herz, zur Einfachheit und Sparsamkeit möglichst zurück« ftkshren und den hier und da zum Nachtheil des Corpslebens tnt sich greifenden Luxus zu vermeiden, und schloß mit den Worten:Möchte das an diesem schönen Punkte zu er- W lende HauS als das äußere und immer sichtbare Zeichen tlS Mittelpunktes unserer theurenStarkenburgia" glücklich icllendet werden, möchte es dann immer fröhliche, frische Gesichter mit festem Sinn und Gottvertrauen, waffengeübter jjuib und von wahrem reinem Streben beseelt in Treue und Bruderliebe kommen und gehen sehen und möchte unser lheinres Corps in demselben bis in ferne Zeiten wachsen, .ljen und gedeihen. Das walte Gott!"

Nach dieser Ansprache theilte der Schriftführer des Ver« eiivS Alter Herren des Corps, Rechtsanwalt Metz-Gießen, mit, daß Corpsbruder Georg Sieglitz, welcher durch ein eilen Festtheilnehmern unvergeßliches Fest spiel das 50jährige Lliftungsfest wesentlich mit verherrlicht habe, auch zur heu- iizsn Feier einen poetischen Festgruß gesandt habe, welchen tt »<Redner) zur Kenntniß der Festversammlung bringen wolle.

Rechtsanwalt Metz verlas darauf mit weithin vernehm­lich'rr Stimme folgendes Gedicht:

Tie Grundsteinlegung des Corpshauses I derStarkenburgia".

Meßen, 28. October 1893.

Heute Nachmittag beging das hiesige CorpsStarken- I iu i g i a* die Feier der Grundsteinlegung des dem Corps I ton Alten Herren errichtet werdenden Corpshauses in ein« I facher, aber durchaus würdiger Weise.

Nachdem ein einfaches gemeinschaftliches Mittagessen die I Alten Herren, sowie die activen Mitglieder des Corps im I Hctel Schütz" vereinigt hatte, begaben sich die Festlheil I nebmer, etwa 50 bis 60 Personen, in gemeinschaftlichem Zuge, DhiHt, Fahnenträger nnd Chargirte in Wichs voran, vom ,H«Rel Schütz" an auf birectem Wege durch die Westanlage, Frankfurter Straße, Alicestraße, Ludwigsstraße, Liebigsttaße nach der südöstlich der Stadt Gießen zwischen Liebigstraße und Leihgesterner Weg an schönem Aussichtspunkt gelegenen Baufftette.

Dortselbft angekommen, hielt Namens der Alten Herren Htn- Landgerichtspräsident Freiherr v. Ricou die Weihe« rckt. Derselbe gab zunächst eine kurze Ueberficht über die Lorgeschichte deS Baues, in welcher er bemerkte, daß gelegene lij deS 50jährigen Stiftungsfestes deS CorpS im August 1890 lic Idee zur Errichtung eines CorpShaufes angeregt und so­fort durch namhafte Zeichnungen anwesender Alter Herren in! Practische übersetzt worden fei. Zur Verwirklichung deS Pla-ieS fei ein Verein Alter Herren gegründet, ein weiterer und engerer Ausschuß gewählt worden, beffen hingebender ' Lhöuigkeit es gelungen fei, einen geeigneten Bauplatz zu j findkn und die ganze Angelegenheit soweit zu fördern, daß jtuit die Grundsteinlegung gefeiert und die Vollendung des havsses spätestens binnen Jahresfrist erwartet werden könnte.

Redner führte dann aus, daß der Zweck des Hauses der sei, nach dem Vorgänge vieler anderer CorpS auch der &iarfenburgio" ein eigenes, trautes, dauerndes Heim zu verschaffen, um dieselbe unabhängig von den Wechselfällen bei Miethkneipen zu machen. Weiter gab Redner den Wivrschen und Hoffnungen der Alten Herren bei der Grund« freie legung dahin Ausdruck, daß die Mitglieder des Corps auij in dem neuen Haufe wie in vergangenen Zeiten die idjten und rechten Grundsätze des corpsstudentischen Lebens io erbat hochhalten, hegen und pflegen möchten. In dem olibrwährten deutschen CorpSprincip erblickten die Alten Herren eine hohe Schule der Zucht und Ordnung, der Ehre und Lütscrlandsliebe - indem der junge Mann ins Corps trete, unterwerfe er sich der Ordnung und Kritik gleichgesinnter ^tnoffen, auf deren Unheil er Werth lege, und älter ge- iroriben, werde er selbst Führer der jüngeren Genossen, und darin liege der große Werth deS Corpslebens als einer Vor« schule für das fernere Leben. Im Laufe seiner warm em» pjumbenen unb mit gleicher Wärme aufgenommenen Aus- sührungen wieS Rebner fobann auf bie ernste Zeit hin, in der wir leben. In berselben gelte es mehr wie je, Über bie

Der

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Literatur und Knnft

- .Die nordische Herkunft der Trojasage, durch de« Krug von Tragliatella, eine dritthaU>ta»fe<a« jLhrige UrkvndeE (mit 12 Abbildungen, Glogau 1893. Earl Flemming, Preis 1 Mark). Auf Grund altetrusktscher Vasen­malerei auS dem 6. bis 7. vorchristlichen Jahrhundert wird der Beweis geführt, daß nicht die in der JltaS ausgearbeitete Form der Trojasage die ursprüngliche ist, sondern wirklich jene aus ben prähistorischen norbtschen Denkmälern abgeleitete, wonach Troi« ein uralter Name bes labyrinthischen Wintergefängnisses der altarischen Sonnenjungfrau (Brunhild-Helena) ist.

Unter den jüngeren englischen Schriftstellern hat keiner so viel Beifall gefunden, als Rudhard Kipling. Auch in Deutsch­land ist man bereits auf ihn aufmerksam geworden und besonders ist sein Roman »The light that failed viel unb günstig besprochen worben. Dieser erscheint jetzt in guter Uebersetzung unter dem TU« Erloschenes Licht" in ber vortrefflich redtgtrten Halbmonatsschrift ,««» fremde« 3««gerr,- der das deutsche Publikum die Bekannt­schaft schon so vieler ausgezeichneter Werke der erzählenden Literatur des Auslandes verdankt. Da von Kipling bisher nur eurige Novellm ins Deutsche übersetzt worden find, so verdient dieser Roman um so mehr Beachtung.

IHt Gießener fe*tru*er*tf«r - bm b<m Inzerger ll^fr.thft dreimal b<ael,8L

»turlichen und erlaubten Freuden ber Jugenb nie ben Haupt- I Nach Verlesung bes Gebichtes wurde von Rechtsanwalt

.ziveck, die Arbeit, zu vergessen- er ermahnte bie} jungen I ein breifacheS Hoch berStarkenburgia", in welches tzorpsdrüber, beffen eingedenk zu fein, inbem er anerkannte, I Musik mit Tusch einfiel, ausgebracht und barauf, eben-

laß gerabe in ber letzten Zeit in einer Reihe von Fällen I öon bem Schriftführer, nachfolgende über ben Act ber Mitglieber berStarkenburgia" unb ber anbere« hiesigen I Grimbsteinlegung aufgenommene Urkunde verlesen: ^orp8 durch bie von ihnen abgelegten Prüfungen bewiesen 1 litten, daß man dem Studium mit Fleiß unb Eifer obliegen tnfc dabei gleichzeitig seine Pflichten gegen bas Corps in

Meßmer Anzeiger

Aeneral-Mnzeiger.

Zur Feier der Grundsteinlegung bes Corpshauses der

Starkenburgia zu Hießen.

Begeisternd grüß' ich dich, du heUge Erde, Die Starkenburgias Haus nun tragen soll, Daraus ein hehrer, stolzer Tempel werde, Der Treu und Bruderliebe rein Symbol, Und schon im Geiste grüß ich Euch, ihr Räume, Die Starkenburger Kraft entstehen ließ, Als trautes Heim für goldene Jugendträume, Als froher Burschen selig Paradies!

Doch auch denAlten" sei Du Zufluchsfiätte, Zu der sie wallen hoffnungsfreudig hin, Auf daß sie mit der Jugend um die Wette, Vergessen hier des Lebens Sorg' und Müh'n, Erinnerung zaubre in der Alten Herzen, Die einst um rothweißgold sich treu geschaart, Laß sie bei jugendfrohem Lied und Scherzen, Dort selig sein nach Starkenburger Art!

Und fest soll nun sich fügen Stein zum Steine, Für dieses Hauses stolze, schmucke Pracht! Es wird von uns im innigsten Vereine Mit opferwilligem Herzen drob gewacht! Und jeder Hammerschlag, er sei begleitet Bon Segenswünschen für das theure Corps! Und hat des Hauses Raum sich dann geweitet, Steig' herrlich stolz der schöne Bau empor.

Den Grund zum Werke legte Burschentreue, Was noththat, brachte Lpfersreudigkeit, Als fester Kitt' bewährte sich aufs Neue, Was uns verknüpft mit unserer Burschenzett. Der Treu' und Bruderliebe Sonnenblicke, Sie halten Umschau stets im neuen Haus, Daß zu des Corps Gedechen sie und Glücke Die Zwietracht unb den Trübsinn bannen draus.

So sei von Starkenburger Sinn geschaffen Die starke Burg fürs Corpsstudententhum, Zn Treu gehütet mit den Waffen, Zu Starkenburgias ew'gem Ruhm. Laßt brausen hier die alten, ftohen Lieder, Die uns geschwellt begeistert einst die Brust, Genießt noch lang' an dieser Stätte wieder Das Glück der reinsten, frohen Burschenlust.

Und klar und heiter wie die Burschensänge So scharf und schneidig lasset durch die Luft Auch schwirren hier des blanken Hiebers Klänge Wenn Recht und Ehr' Euch vor den Gegner ruft! Laßt stets das rothweißgoldene Banner künden, Das von des neuen Hauses Zinnen weht, Daß hier in Treue Burschen sich verbinden Und Bruderliebe ewiglich besteht.

Alsstarke Burg" des Corpsstudentenlebens, Des Corpsgeists unerschüttert, treuer Hort, Als Heim des idealsten Jugendstrebens Blüh', wachs', gedech' in Ehren immerfort!

Wer sich mit rothweißgold die Brust nur schmücket, Ob er der Weihefeier fern, ob nah'. Bringt heut vom Herzensgründe hoch beglücket, Ein donnerndVivat Starkenburgia!"

Diese Urkunde, welche in alter Canzletschrift in oer Form mittelalterlicher Urkunden kalligraphisch auSgeführt war, wurde gleich wie das verlesene Gedicht in den Grundstein eingemauert und folgten bann bie üblichen Hammerschläge, welche von ben Herren Lanbgerichtspräsibent Freiherrn von Ricou, Rechtsanwalt Dr. Rosenberg, Dr. med. Scharfenberg unb Rechtsanwalt Metz als Vertreter ber Alten Herren, von ben brei Chargirten beS Corps, von Vertretern ber Cartell- unb b efreunbeten Corps, Vertretern berHassia" unbTeutonia", ben Architecten Stein unb Meyer, sowie bem ausführenben Maurermeister Winn vorgenommen wurden. Jeder Hammer­schlag wurde von einem geeigneten Spruch begleitet, während der als erster Chargirter fungirenbe Corpsbursche stud. Jllig II., bevor er ben Hammerschlag vornahm, ben Alten Herren den Dank des activen CorpS votirte.

Die erhebende Feier, welche von dem herrlichsten Sonnen­schein begünstigt war, endete mit bem Gesang bes BunbeS-

Geschehen aus der Ludwigsuniversität Gießen, am 28. October 1893.

Gegenwärtig: Der gesammte Corpsconvent der Starken- burgia, Vertreter der Alten Herren, der Kartell- und be­freundeten Corps derselben, der Gießener Corps Teutonia und Hassia, sowie die Leiter und Meister des Baues.

Schon in früheren Jahren war wiederholt von einzelnen Alten Herren die Idee angeregt worden, dem Vorbilde vieler anderer Deut­scher Corps folgend, auch der hiesigen Starkenburgia ein eignes Heim zu gründen.

Gelegentlich des 50jährigen Stiftungsfestes des Corps vom 7, 8. und 9. August 1890 wurde diese Frage näher erörtert, und nahm das Project insofern eine greifbare Gestalt an, als damals die von den jetzigen Bauleitern entworfene Skizze eines Corpshauses zur Einsicht aufgestellt und eine Liste zur Zeichnung von Beiträgen offen gelegt wurde, welche in den zwei Tagen vom 8. und 9. August ein solches Resultat aufwies, daß damit die Ausführung des Plans gesichert er­schien. Da es sich aus vielen Gründen empfahl, das Corpshaus der Verwaltung und Verfügung der Alten Herren des Corps zu überlaffen, wurde am 30. December 1890 zu Frankfurt a. M. ein Verem After Herren des Corps Starkenburgia mit bem Sitz in Gießen gegründet, mit dem Zweck, die Erinnerung an die auf der Hochschule verlebte Zett zu pflegen, und für die Verbreitung der Tendenzen des Corpswesens zu wirken, insbesondere aber auch dem Corps die erforderlichen Räumlich­keiten zur Abhaltung seiner Zusammenkünfte in einem von dem Verein Gießen zu errichtenden Corpshaus zu gewähr«.

Rach Beseittgung verschiedener, namentlich in der Beschaffung eine« geeigneten Bauplatzes gelegener Schwierigkeiten, gelang es dem Verem im Frühjahr diese« Jahres den entsprechenden Platz zu finden, und ebenso bie geeigneten Kräfte zur Ausführung bes Baues, so daß dem­gemäß heute bie Grundsteinlegung des Baues stattfinden kann, welchen bie Alten Herren des Corps errichten in dankbarer Erinnerung an bu herrlichen bedeutungsvollen Tage der goldenen Burschenzeit, als Zeichen der Anerkennung für das Corps, dessen Principien ihnen weit über die Studienjahre hinaus in das Berufsleben stets voranleuchten, auf dem Weg unerschütterlicher Ehrenhaftigkeit und treuer Pflichterfüllung.

Möge da« Haus, dessen Grundstein wir heute legen und welches in Jahresfrist vollendet sein soll, fernere Zeiten überdauern, roie der Geist deutschen Corpsstudententhums überdauert hat die gewaltigen socialen und politischen Erschütterungen vieler Jahrzehnte

Möge von den Zinnen des Hauses stets das roth-weiß-goldene Banner in die Lüste wehen, unb mögen bie Mitglieber unseres Bunde» als Bewohner dieses Hauses gleich uns und unseren Vorfahren hoch und heilig halten unsere bewährten Grundsätze und unseren ebltn

Der C.C. des Corps Starkenburgia:

Jllig IL, (XX). Fertig II, (XXX),