1893
Somsiag oro 4 Februar
Nr. 30 «rttes Blatt
Zlnrts- und Zlnzergeblutt füv den ICrets Gietzen
Hratisöeilage: Gießener Aamilienölätter
Im
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Die Gießener W««tkte»»rtlter »erden dem Anzeiger .»»chentlich dreimal d «gelegt.
Der
Gießener Anzeiger erscheint täglich, .mit Ausnahme deS
Montags.
1) die theologische Doctorwürde erhielt Oberconsistorial- präsident Dr. jur. Theodor Goldmann in Darmstadt zum 50jährigen Amtsjubiläum honoris causa, 2) die juristische Doctorwürde erhielten: Oberlandesgerichtspräsident Joseph Görz in Darmstadt honoris sausa, Regierungsaccessist Erich Jung aus Mainz, dem Oberconsistorialpräsidenten Dr. Theo« dor Goldmann in Darmstadt wurde zum 50jährigen Doctor- jubiläum das Diplom erneuert, Gerichtsaccessist Otto Stall» mann aus Wald-Uelversheim; 3) die medicinische Doctor» würde erhielten die approbirten Aerzte Wilhelm Sartorius aus Lauterbach, Wilhelm Brüel aus Gießen, August Fischer aus Beuern, Hermann Schiller aus Gießen, Georg Stumpf aus Mainz, Gerhard Schmitt aus Kostheim, Richard Retter aus Gießen, Roderich Spohr, Assistenzarzt der chirurgischen Klinik, Fritz C h r i st aus Wörrstadt,- 4) die philosophische Doctorwürde erhielten: dem Kreisbaumeister i. P. Baurath Dr. Carl Dieffenbach in Grünberg wurde zum 50jährigen Doctorjubiläum das Diplom
vierteljähriger A-onnr mkntsprei» 1 2 Mark 20 Psg. mit Brmgerlohn.
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Localer und provinzieller.
Gießen, 3. Februar 1893.
— Promotionen an der Großh. Landesuniverfität Gießen.
Jahre 1892 wurden folgende Inländer promovirt:
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Deutsches Reich.
Berlin, 1. Februar. Das neueste Dictum des Kaisers: „nemo me impune lacessit“ soll, wie die „Post" von wohlunterrichteter Seite erfährt, einem Zufall seine Entstehung verdanken: Der Kaiser hat erst an dem Tage, an welchem Minister Friedberg sein achtzigstes Jahr vollendete, von dessen Geburtstag erfahren. Als er ihn desselben Tages bei einem Hoffeste traf, redete er ihn darauf an und sagte zu ihm: „Was? Das sagen Sie mir nicht einmal? Das muß ich so zufällig erfahren?" und fügte dann, mit dem Finger drohend, hinzu: „Das darf nicht ungestraft bleiben!" Die Strafe war die noch an demselben Tage erfolgende Uebersendung des Bildes mit der Unterschrift: „Niemand reizt mich ungestraft!"
Neueste Nuchvlchteu»
Wolffs telegraphische« Correspondmz-Bureau.
Breslau, 2. Februar. Der „Schlesischen Zeitung" zufolge soll auf Königs Hütte der Walzwerkbetrieb erheblich eingeschränkt werden. Im Laufe der Woche sollen zwei Hochöfen gelöscht werden, so daß von sieben nur zwei im Betriebe bleiben. Die überzähligen Arbeiter sollen theils auf der Lauragrube verwendet, theils entlassen werden.
Karlsruhe, 2. Februar. Professor Richard, Lehrer der mechanischen Technologie und allgemeinen Maschinenlehre an der technischen Hochschule, starb gestern in der Conferenz« fitzung infolge eines Hirnschlags.
Bochum, 2. Februar. Eine allgemeine Bergarbeiter- Versammlung, die von etwa 3000 Personen besucht war, beschloß, die früheren Forderungen dem bergbaulichen Verein nochmals zu unterbreiten und bis zum 10. Februar Antwort zu verlangen. Am 12. Februar soll abermals eine Versammlung ftattfinden, um über die nach dem Ausfall der Antwort zu unternehmenden Schritte zu beschließen.
Köln, 2. Februar. Amtlich wird mitgetheilt: Am Sonntag Nachmittag ist im Bismarckschacht der „Königsgrube" ein Kohlenbrand ausgebrochen, wodurch eine Anzahl Bergleute und ein Steiger betäubt wurden. Sie wurden alsbald zu Tage gefördert und sehen ihrer Besserung entgegen. In-
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erneuert, Lehramtsaccessist Friedrich Roth aus Mainz, der Lehrer an der höheren Bürgerschule in Langen Ludwig Schüz aus Lauterbach, dem Forstinspecror i. P. Dr. Rudolf Pr ä- torius in Langen wurde zum 50jäbrigen Doctorjubiläum das Diplom erneuert, dem Realschuldirector i. P. Professor Dr. Ludwig Glaser ans Grünberg, z. Z. in Mannheim, wurde zum 50jährigen Doctorjubiläum das Diplom erneuert.
— Kirchengemeindevertretuugs-Wahl. Bei der gestern stattgehabten Wahl zur Kirchengemeindevertretung stimmten in der Matthäusgemeinde 73 Gemeindeglieder ab. Es wurden dabei gewählt: Vorarbeiter Magnus Becker mit 68 Stimmen, Professor Dr. Bindewald mit 69 St., Dr. Buchhold mit 68 St., Buchhändler Ferber mit 68 St., Brauereibesitzer Förtsch mit 71 St., Oberpostsecretär Gerbode mit 70 St., Oberlehrer Hahn mit 69 St., Forstinspector Heyer mit 71 St., Oeconom Kitz mit 70 St., Landgerichtsrath G. Kull- mann mit 70 St., Schuldirector Dr. Landmann mit 69 Sr., Lehrer Pfaff mit 67 St., Brauereibesitzer Eduard Röhrle mit 71 St., Schreinermeister Earl Scbäfer mit 70 St., Cigarrenfabrikant Scheid mit 70 St., Lehrer Lorenz Spitz mit 67 Stimmen, Professor Stamm mit 69 St., Kaufmann G. Windecker mit 68 Stimmen. — Jn der Lucasgemetnde wählten 35 Stimmberechtigte und wurden gewählt: Polizeirath Fresenius, Oberlehrer Fuhr, Commerzienrath Heyligen- staedt, Fabrikant Eugen Kaufmann, Bauunternehmer Conrad Koch VI., Schreinermeister Johannes Lenz, Rentner Dietr. Heinrich Lohmann, Amtmann Ludwig Nebel, Oberförster a. D. v. Meibom, Ingenieur F. Schiele, Rentner Carl Schwan sen., Kaufmann Friedrich Seibel, Reaüehrer Ludwig Seipp, Professor Dr. Hermann Siebeck, Professor D. Bernhard Stade, Revisor Alexander Wilker, Professor Dr. Carl Wimmenauer. (Ueber das Ergebniß der Wahl in der Marcus- und Johannes- gemeinde berichten wir in nächster Nr.)
— Theater. „Madame Mongodin", Schwank in drei Acten von Blum Toche. Das Stück, eine französische Novität, kann über die Nationalität seiner Autoren keinen Zweifel lassen. In ziemlich lockerem Ausbau schildert es Zustände, wie sie in den höchsten Kreisen unserer westlichen Nachbarn leider alltäglich sind. Trotzdem kann man den Verfassern nicht den Vorwurf machen, daß sie sich in der Darstellung des Pikanten allzugroße Freiheit gestattet hätten, im Gegenrheil in äußerst humoristischer Weise wissen sie den Gesetzen der Wohlanständigkeit vollkommen zu genügen und dabei dennoch der Wahrheit keinen Abbruch zu thun. Dazu ist die Characteristik der einzelnen Personen oft ganz vorzüglich, insbesondere gilt dies von den beiden Hauptfiguren des Stückes Monsieur und Madame Mongodin, während die übrigen mehr zurücktreten und deshalb weniger characteristisch sind, eine Ausnahme bildet vielleicht noch Clarinde de Monteplat, auf deren Zeichnung die Dichter offenbar viel Liebe verwandt haben. — Monsieur Mongodin wurde von unserem. Gaste Herrn William Büller in ganz unvergleichlicher Weise dargestellt. Der Künstler brachte den charakterlosen, lüsternen Pantoffelhelden sowohl in allen anderen Situationen, als ganz besonders in der Simulation der Mondsucht in so hervorragender Weise zur Geltung, daß wir nicht umhin können zu gestehen, dies war eine schauspielerische Leistung allerersten Ranges. Ihm zur Seite stand Frau Coppö (Madame Mongodin), die den tyrannischen Hausdrachen, der, um den Augen der Welt zu gefallen, vor dieser seine wohl- thätige Maske aufsetzt, so wahr und echt wiedergab, daß wir auch ihr unsere größte Zufriedenheit ausdrücken können. Das Gleiche gilt für Frl. Brünner, die als „Clarinde" in ganz vorzüglicher Weise jenen Typus der reichgewordenen Chansonneten zu treffen verstand, ohne jedoch dabei irgendwie undezent zu werden. Auch Frau Reiners führte ihre Rolle als „Lucienne" sehr niedlich durch. Von Herrn Stückel „Fougerolles" hätten wir ein keckeres und zielbewußteres Auftreten gewünscht, Herr Rupp als „Francois" war im allgemeinen ganz gut, nur hätte er etwas lauter reden können, so war er manchmal nur schwer verständlich. Die übrigen Rollen sind nur ganz klein und geben zu keiner besonderen Besprechung Anlaß. Dank der tüchtigen Regie des Herrn Marti en sen klappte das Ensemblespiel tadellos. — Die Vorstellung war von einem ziemlich zahlreichen und gewählten Publikum besucht, das die Darsteller und besonders Herrn Büller durch häufige laute Beifallsbezeugungen ehrte.
— Wiener Soireen. Im Cafe Leib finden am Mittwoch den 8. und Donnerstag den 9. Februar Concerte des Original-Wiener Fiaker-Quartetts, welches durch vier Monate mit außerordentlichem Erfolge auf der Wiener Theater- und Musik • Ausstellung concenirte, statt. Es ist echte schlichte Wiener Musik, welche das kleine Orchester in so ganz unvergleichlicher Weise zu Gehör zu bringen versteht, und Herr Riedel, der originelle Natursänger und
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Verband dentscner ggehilfen zu Leipii/ eMhäftsstellcn in Beti mnitz, Dresden, Düael- irta.M., Königsberg !, iberg.
ahme während der ung unserer lieben Hwiegerinutler und t Unb die trostreiche yn innigen Tam । Angehörige.
Gießener Anzeiger
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folge des Brandes ist der^chacht 2 gesperrt- die Förderung würde baldmöglichst nach Schacht 1 verlegt und ein Stillstand vermieden.
Marseille, 2. Februar. Mehrere Bäckerläden sind heute vom Publikum geplündert worden. Militärposten überwachen die Stadt.
Amsterdam, 2. Februar. Beim Rangiren fuhr eine Maschine bei dem Bahnhofe Velsen durch die offenstehende Brücke in den Nordsee-Canal. Der Zugführer, Heizer und Schaffner sind ertrunken - die Fahrt durch den Canal ist gehemmt. ___
Depeschen de8 Bureau „Herold".
Berlin, 2. Februar. Der Abgeordnete Werner (Antisemit) brachte im Reichstage den Antrags ein, das gegen Ahlwardt wegen öffentlicher Beleidigung schwebende Strafverfahren während der Dauer der laufenden Session einzustellen.
Spandau, 2. Februar. Infolge von Lohndtfferenzen tst unter den hiesigen Töpfern ein Strike ausgebrochen. Im hiesigen Feuerwerkslaboratorium wurde zahlreichen Arbeitern gekündigt.
Köln, 2. Februar. Soeben hat der Hafencommissar die Bewohner des Ufers aufgefordert, sich gegen das Hochwasser zu schützen. Der Rhein steigt rapid und dürfte heute Nachmittag seine Ufer überschreiten. Das Eis vom Oberrhein wird um 2 Uhr erwartet- dasselbe trieb an Hoeningen um 10 Uhr vorbei und bedeckte die Breite des Stromes.
Köln, 2. Februar. Seit 5 Uhr treibt das Oberrheineis vorbei. Mosel und Rhein fallen bei Caub langsam, steigen hier jedoch stark, etwa stündlich 20 Zentimeter. In dieser Nacht dürfte der Rhein den unteren Stadttheil über- schwemmen- es sind alle Sicherseitsvorkehrungen getroffen.
Nietleben, 2. Februar. Neuerdings erfolgten zwei Todesfälle. Der Landrath ersuchte die Polizeibehörden des Saalekreises, vorläufig alle Versammlungen und Tanz- vergnügen zu verbieten.
Paris, 2. Februar. Rouvier überreichte der Anklagekammer eine Schrift, worin die von ihm gemachte Anleibe von 90,000 Francs bei der Panama-Gesellschaft gerechtfertigt wird. Die Anleihe, welche -den geheimen Geldern zugeflossen, sei acht Tage später wieder zurückgezahlt worden, so daß die Actionäre der Panama-Gesellschast keinen Schaden erlitten hätten.
HyHres (Departem. Var), 2. Februar. Hierorts herrscht große Aufregung gegen die hier sich aushaltenden Engländer. Die Reichen hetzen den Pöbel gegen die Engländer auf. Es sind zu deren Schutze geeignete Maßregeln getroffen worden.
Brüffel, 3. Februar. Diebe brachen im Palais des Grafen Flandern ein und stahlen 400,000 Frcs. in Werth» fachen. Bisher fehlt jede Spur.
London, 2. Februar. Der „Standard" will aus Berlin von neuen Begegnungen des Deutschen Kaisers mit dem Czaren und dem Gro ßfürsten - Thronfolger erfahren haben. Bei der Anwesenheit des russischen Thronfolgers in Berlin sei nicht nur eine Begegnung des Czaren mit dem Kaiser Wilhelm im nächsten Sommer, sondern auch ein zweiter Besuch des Großfürften-Thronfolgers am Berliner Hofe besprochen worden.
Amtlicher Theil.
Gießen, den 2. Februar 1893. Betr.: Die Vertilgung der Raupennester.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien bezw. Localpolizeibeamten des Kreises.
Wir beauftragen Sie, in Ihren Gemeinden unter Hinweis auf § 368 pos. 2 des Reichsstrafgesetzbuchs und Art. 80 des Feldstrafgeietzes zur Vertilgung der Raupennester an Bäumen, Sträuchern und Hecken unter dem Bemerken öffentlich aufzufordern, daß gegen Diejenigen, welche dieser Aufforderung nicht längstens bis zum 1. April l. I. entsprochen haben werden, auf Grund der genannten Gesetzesstellen Anzeige erhoben, sowie daß die Vertilgung auf Kosten der Säumigen angeordnet werden würde.
Wir erwarten, daß Sie die Feldschützen bei Erfüllung ihrer Obliegenheiten in dieser Beziehung überwachen und die bezüglich der säumigen Baumbesitzer anzuordnende Reinigung alsbald nach Ablauf des Termins anordnen, so daß die Säuberung bis zum 15. April überall vollständig ausgeführt ist. Außerdem ist gegen die Säumigen Anzeige zur Feldrüge nach § 368 pos. des Strafgesetzbuchs zu erheben.
Auf den der Gemeinde gehörigen Grundstücken wollen Sie die Säuberung von den Raupennestern auf Gemeinde- kvsten alsbald veranlassen.
Wenn hiernach auch jeder Baumbesitzer selbst zur Vertilgung der Raupennester verpflichtet erscheint und dieselbe gegen ihn erzwungen werden kann, so empfiehlt es sich doch viel mehr, wie es in manchen Gemeinden üblich ist, daß die Gemeinde die Vertilgung in die Hand nimmt. In den betreffenden Gemeinden, welche diesen Weg eingeschlagen haben, werden taugliche Personen bestellt, welche auf Kosten der Gemeinde und unter Aufsicht des Ortsvorstandes die Säuberung der Bäume vornehmen, wodurch eine bedeutend größere Garantie für eine gründliche Reinigung geboten wird. Wir können Ihnen dieses Verfahren nur empfehlen.
Ihrem Berichte, daß in Gemäßheit vorstehender Verfügung die Vertilgung der Raupennester erfolgt ist, sehen wir bis zum 15. April d. I. entgegen.
v. Gagern.
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Ed. Lilbtttise«, ings-Gesuch. iraotr junger Mann, mit Borfernitrifien versehen, m jocht. Der Eintritt kann setertagen erfolgen.
Ferd. Burk, -onstmühlen.
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