1893
Amts- und Anr-ig-blatt für den Kreis Gießen
Hralisöeitage: Gießener Agmirienkkälter
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Innatjmt von Anzeigen zu der Nachmittag« für den folgenden Lag erfcheinenden Nummer bi» vorm. 10 Uhr.
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Spickesett war zu Muthe, als sei ihm die Kehle zu- geschnürt. DaS Einzige, was ihm in seinem Coulisfenfieber, in seiner Angst um daS Gelingen der heutigen Probe hätte Lust schaffen können, fehlte ihm. Tin Königreich für eine Priese Schnupftabak!
(Fortsetzung folgt.)
so durste er seine Gefreitenknöpfe wohl mit dem stolzen Be- wußtfeln tragen, sie verdient zu haben.
Nur eine Schwäche besah Spickesett: er war ein leiden« schastlicher Schnupfer, und daS wäre gerade an dem Tage, an dem sein Genie am glänzendsten hätte zu Tage treten sollen, beinahe verhängnthvoll für ihn geworden. Aber er war im Lause der Jahre so sehr ein Sclave dieser seiner Leidenschaft geworden, daß selbst der Gedanke an den hohen Regimenlsches, in dessen Dienst er heute seine Kunst sollte stellen dürfen, nicht im Stande war, daS Verlangen seines RiechorgauS nach dem bräunlichen NieSkraut zu unterdrücken. Im Gegentheil. Durch die Aufregung war sein Bcdürfniß nach dem Reizmittel nur noch gestiegen, und je näher die Stunde der Entscheidung heranrückle, um so öfter waren Daumen und Zeigefinger zwischen seiner Nase und der auf dem Herde stehenden Dose mit Schneeberger unterwegs, bis deren Inhalt erschöpft und daS letzte Krümmelchen daraus verschwunden war. Vergebens kehrte Spickesett daS kleine Holzkästchen um und um, vergeben» durchsuchte er seine Taschen, ob sich dort nicht noch ein Nestchen verborgen hielt, alles umsonst- mit der schärfsten Loupe hätte man in der ganzen Küche kein Krümmelchen Schneeberger mehr entdecken
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war und daß man also nicht geringen Anforderungen gerecht zu werden haben würde. Aber auch in diesem Punkte durfte man wohl mit einiger Ruh: den Dingen entgegensetzen, die da kommen sollten. Verfügte daS Regiment doch in der Per« son des Gefreiten Spickefett über eine gastronomische Kraft, wie sie nicht jedem Truppentheile zu Gebote stehen mochte. Spickefett war, bevor er der Ehre theilhaftig geworden, deö Kaisers Rock zu tragen, Küchenchef in einem der ersten Re« staurantö der ReichShauptstadt gewesen und hatte sich auch im Casino des Regiments bereits zu verschiedenen Malen zu allgemeiner Zufriedenheit seiner Vorgesetzten bewährt. Mtt eiserner Ruhe stand Spickefett, die blendend weiße Schürze vor dem zu großem Verdruß des capitain d’armos bereit» ziemlich entwickelten Embonpoint, die weiße Mütze auf dem mit schwarzen borstigen Haaren bedeckten Kopfe und die Rührkelle in der Hand, an seinem Herde- wie ein Feldherr die Schlachtordnung seiner Pfannen und Töpfe überschauend und in kurzen, drastischen Sätzen den zur Aushilfe commandirten Füsilieren seine Befehle ertheilend. „Uffschippen, Bammel' Hase!" oder „Schmalztopp rüber, SchlappanSkt!" DaS war so ziemlich alles, was man von ihm zu hören bekam, so lange er im Dienst war. Aber hinter dieser Worlkargheit verbarg sich ein großer Geist und eine Zunge, an der Brillat Savann, der große Gastronom, seine Freude gehabt haben würde. Wenn Spickesett, nachdem er eine Weile mit den dicken Lippen geschmatzt und den Kosthappen dann langsam auf der Zunge hatte zergehen lassen, den Topsdeckel mit einem leisen Kopf« nicken der Zufriedenheit wieder an seine Stelle rückte, so war jeder Zweifel an der Bortrefflichkeit der Speise ausgeschlossen. Seine Größtes de becaaaeB, seine Canetona ä la d AJbufera und sein Plumpouding Sabayon waren geradezu Muster-
180 Zweites Blatt. Donnerstag den 3. August
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Gießener Anzeiger
Kenerat-Mnzeiger.
Feuilleton.
Ein „gklmßreiches" Licbesmsht.
Humoreske von Richard Schott.
• Wetzlar. 81. Juli. Bei der am Samstag den 29. Juli ^siattgefundenen außerordentlichen General-Versammlung deS 'Handwerker Vereins beschäftigte man sich ausschließlich mit btr für die Stadt so sehr wichtigen Frage um Wiedererlangung einer Garnison, eS wurde einstimmig der Be- stluß gefaßt, Alles, was in Kräften des Verein« stehe, auf- »ubirten um Wiedererlangung einer Garnison. Als Dring- MkettS Antrag erlaubt sich der Handwerker-Verein Wetzlars dein Stadtverordneten Collegium Folgendes zu -unterbreiten. Fasere Stadt hat seit Jahren seine Garnison verloren, indem man uns 1877 unser Jägerbataillon wegnahm und hat dieses unserer Stadt und unserem ganzen Kreis bedeutenden Schaden nigesügt. Wie wir vor kurzem durch ein hiesiges Blatt er- seheri haben, so hätte man um Wiedererlangung einer Garnison von Seiten der Stadtvertretung bereits Schritte gethan. Durch Erkundigungen jedoch, die wir bei Stadtverordneten unsrer Klaffe angestellt haben, ist uns leider die Mittheilung «macht worden, daß ihnen von einer Eingabe der Stadt an die Regierung bis jetzt nicht» bekannt sei. Wir wollen unserer Stadtvertretung keinen Vorwurf machen, jedoch hätte bkt dieser für die Stadt und den ganzen Kret» Wetzlar so sehr wichtigen Frage wohl schon längst etwas geschehen dürfen, ba »vir täglich lesen, daß sich bereits namhafte Städte darum bewerben und die Zusicherung aus Wiedererlangung von Mlitär erhalten haben. Wir wünschten nun, wenn unsere ivohllöbliche Stadtvertretung sich schleunigst der Sache an- nehmen möge, zumal sich schon der größte Thetl der Bürgerschaft der Befürchtung hingiebt, daß eS schon jetzt wohl zu späl sei."
• Zeitfchrifteu btalistik. Dem soeben im 34. Jahrgang erschienenen Sperling'schen Adreßbuch der deutschen Zeitschriften und der politischen TageSblätter für 1893, dem ausführlichsten und genauesten dieser Art, entnehmen wir, M die Zahl der gegenwärtig erscheinenden deutschen Zeitschriften (Wochen-, MonatS- u s. w. Blätter jeder Art) au nicht weniger als 3644 sich beziffert, gegen 3538 im Jahre 1892, 3443 im Jahre 1891, 3204 im Jahre 1890, 2982 Int Jahre 1889 und 2729 im Jahre 1888, im letzten Jahre also eine Zunahme von 106 und seit 1888 eine Vermehrung von 915 Blättern. Du lieber Gott, wie viel Druckerschwärze önb Papier!
♦ Die deutfchea Restaurateure auf der Chicagoer Welt- ««Sftelluag machen recht schlechte Geschäfte. Wie die „New- Yorker StaatS-Zeitung" meldet, ist daS Casino-Restaurant der
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Ausstellung, da» fürstlich auSgestattet wurde, erst kürzlich Pleite gegangen und jetzt hat auch die Schönhofen'sche Brauerei mit der Direction deS „deutschen Dorfe»" em Abkommen getroffen, wonach sie die Leitung deö Loncertgarteu» und der Restaurationen übernimmt. Der bisherige Restaurateur Schlenck soll ein Vermögen cingebüßt haben. Auch in Alt- Wien ist nickt Alle» so, wie eö sein sollte. Verschiedene Kaufbuden sind geschlossen worden, weil sie sich weigerten, die ihnen unerschwingliche Abgabe von 25pCt. zu bezahlen- e» heißt, daß der Letter zurücktreten wird.
• Die Zahl „18" in Kisflngeu. Man schreibt der „Frkft. Ztg." auS Ktssingen: DaS Gedränge am Brunnen ist jetzt ganz ungeheuer, die Frequenz ist auf ihrem Höhepunkte. ES sind in letzter Zeit über 400 Fremde zugereist, die neueste Curliste hat die Nummer 10 442. Da hält eS einem oft schwer, Morgens fein Gla» mit Rakoczy in einer der numerierten Oeffnungen der beiden großen Wärmeöfen, welche zusammen über hundert Ringe haben, unterzubringen. In diese Verlegenheit kam auch ich, als ein Freund, der mich rathlos nach einem Unterschlupf für mein GlaS suchen sah, in uneigennützigster Weise mir einen guten Rath, aber ganz im Geheimen gab. Er finde immer einen Platz - Nummer 13, da hineiu setze Niemand sein Glaö. Und richtig! Nr. 13 war unbesetzt und so habe ich immer meine feste Glaszelle. Ich will mit dem Muth, den ich damit beweise, durchaus nicht an dem ehrwürdigen Mißtrauen gegen die Zahl 13 rütteln, im Gegentheil, ich will hoffen, daß der allgemeine Glaube an die unglückbringende Bedeutung dieser Zahl, wenigstens so lange ich hier bin, mir den Platz für mein GlaS sreihält.
* Froschzüchtung in Amerika. Die Nordamerikaner sind neuerdings leidenschaftliche Verehrer der Frosch schenkel geworden, während bislang nur die Frauzosen als Leute galten, welche die Schmackhaftigkeit eine» Froschbelncs zu würdigen wissen. Im Lande der YankeeS hat sich die Nach- frage nach Froschkeulen so sehr gesteigert, daß 'm leuchten Ufersande deS Mississippi Hunderte von AreS auSschlwßlich zur Froschculturen eingerichtet worden sind. Die Züchtung dieser schätzbaren Amphibien soll fast gar keine Unkosten ver- Ursachen, sodaß also die amerikanischen „Froschsarmen einen recht beträchtlichen Gewinn abwerfen würden.
♦ DaS AnSsterben der Cedernwaldungen. Die weltberühmte Bleistiftfirma Faber in Nürnberg bezieht seit einiger Zeit daS Cedernholz, welches sie zur Herstellung ihrer besten Fabrikate bedarf, ausschließlich auS Amerika, speciell aus Florida. Die Cedernholzwaldungen der übrigen Länder
Im Casino zu L..., einer kleinen märkischen Garnison, ^ng tß heute außergewöhnlich lebhaft zu, hatte doch der durchlauchtigste Chef de» Regiments, der Landesherr deö benachbarten Bundesstaates, die hohe Gnade gehabt, die Ein- ladung des OffiziercorpS zum heutigen LiebeSmahle anzu- nehmen, durch da», wie alljährlich, der GründungStag deS Regiments festlich begangen werden sollte. Schon vom icllhen Morgen ab waren die Vorbereitungen in vollem ittange. Der geräumige Speisesaal war in geschmackvoller Leise ausgeschmückt worden. Zwischen Lorbeerbäumen prangte die Büste deö Allerhöchsten Kriegsherrn. Fahnen und Wappenschilder zierten die Galerie, aus der die Regiments- musik placirt zu werden pflegte, und das lebensgroße Por- irait des hohen Regimentschefs, daS derselbe dem Offizier- corps vor einigen Jahren zum Geschenk gemacht hatte, war mit zierlichen Blumenguirlanden umwunden. Ganz besondere Sorgfalt war natürlich auf da» Arrangement der in Huf- üsenform gedeckten Tafel verwendet worden. In der Mitte vor dem Ehrenplätze des erlauchten Gaste» stand eine Imposante Blumendecoration, die in sinniger Weise in den r'andeSfarben deS fürstlichen Chefs gehalten war, und rechts unb links davon reckten die prächtigen silbernen Candelaber, ein Ehrengeschenk zum 50jährigen Stiftungsfeste des Regiment», ihre blinkenden Arme empor. Auch sonst hatte der reiche Silberschatz deS Casino» manches kostbare Stück her- gegeben und wenn man sich da» wundervolle Meißener Tafel- icrtiicc hinzudachte, dessen Arrangement sich der Herr Oberst selbst Vorbehalten hatte, so konnte sich die Tafel wahrlich (et)en lassen.
Der Schwerpunkt der heutigen Vorbereitungen aber lag .....----r----o - - r hnn,.n nn
nicht hier in dem glänzenden Spetlesaale, sondern in den viel I leistungen der Kochkunst und bei dem bloßen Gedanken an
sind nicht mehr im Stande, daö von der Faber'scheu Firma benöthigte Material an Holz zu beschaffen. Theilü sind die betreffenden Cedernwaldungen abgehvlzt, theil» ist die Ausfuhr auö ihueu verboten, wie z. B. au» dem berühmten Cedern- gehvlz am Libanon. Vermuihlich wird aber auch da» amerikanische Cedernholz bald zu einer Seltenheit werden, sofern nicht die systematische Verwüstung der schönen Ccdernwälder in Florida, Alabama u. s. w. durch Speculanten nächsten» ein Ende findet. .
• Diplomatisch. Er: „Wird Deine Mutter denn auch ihre Eluwilligung zu unserer Verbindung geben?" — Sie: „Dafür werde ich schon sorgen! Ich werde Papa sagen, er soll dagegen fein." .
* Matfleben. A.: „Schreibst Du denn nicht nach Hause, daß Du wieder im Examen durchgefallen bist?" — Studiosu»: „Ach, da» thu' ich schon lange nicht mehr!"
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Literatur und Aunst.
- Bei der erhöhten Ausmerkfamkeit, welche die B-retnigten Staaten von Nordamerika in diesem Jahre durchdie Kolmnbisch Weltausstellung allenthalben auf sich ziehen, wird die lolgendeNottz über die älteste Stadt der Vereinigten Staattn von Ingresse sein, die wir dem bekannten Famtlienblatt .Da» Bud» für EM» entnehmen: Dte älteste Stadt In den gelammten Vereintgten S aaten von Nordamerika, eine der wenigen, welche Antiquitäten^ besitzt ist St. Augustine in Florida. Nachdem Don Juan de lLeon aus der Suche nach dem „Jugendbrunnen" amPalmsonntaae, den 1. WpuUbi-, Florida entdeckt und nach dem lateinischen Namen de» rag « (PaHoua fiori.U) benannt hatte, dauerte e» noch über ein halbe« Jahrhundert, ehe die spanische Negierung beschloß, von dem Lande Besiß zu ergreifen. Erst 1565 wurde eine große Expedition unter UlenenbtA von Eadir auSgeschickt, landete am Sl. dluaustliütage (28. August) unweit und südlich der Müickung de« St. IoMiS-R ver und gründete die Stadt St. Augustine. Die hat etwa 1500 stöndiae Einwohner, meist Abkömmlinge der alten spantfck'n, zuni' »^en TheU von Minorka stammenden Einwohner. Im Winler dagegen^wächst dte Bevölkerung durch Eurgäste au» dem Norden der Union auf 7 >oo bis 8000 Seelen an. Der Eontrast »wischen den »roßen wvbErnen Hotel» und den zahlreichen Villen etnersett« und den allen drethundert- sthrtgen Gebäuden, darunter einem Fort, Marion, andererfeit», owt« der kleinen Eathedrale m t ihrem maurt chen Glocken huime. dem ehemaligen Gouverneurspalaste, jetzigem Postamt rc., ist h^ck merkwürdig. — St. Augustine hat sehr unruhige Zeiten burchgcmacht. Gleich nach seiner Grünbung liehen sich in der Nähe französtsche Huaenolten nieder, mit denen langwtertge blutige Kämpfe entbrannten. 1589 ndii Str Fronet» Drake die Stadl an, plünderte und ver brannte fie zum größten Theil. Dann hatte ste über einIahrhundert lang von Indianern, Piraten und EnalLndern viel zu leiden, bi» 1763 letztere fie in Besitz nahmen. 1821 kam sie an bk Ber- kinigten Staaten und war während de» langen ScminolenrriegeS, sowie im SecesslonSkriege, wo ste gleich anfang« von den yiorbftaatletn erobert wurde, ein wichtiger Militärposten.
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