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2.7.1893 Erstes Blatt
 
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Sonntag den 2. Juli;

Erstes Blatt

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Gießener Anzeiger

Kenerat-Mnzeiger.

Vierteljähriger Aöonnementsprci»; 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezöge» 2 Mark 50 Pfg.

Die Gießener Aamilienbtätler »erden dem Anzeiger »ichenllich dreimal beigelegt.

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Slehener Anzeiger erscheint täglich, mit Ausnahme deS Montags.

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folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Borm. 10 Uhr. | Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgegen.

Amtlichem Thetl.

Bekanntmachung,

'betreffend die Prüfung der Bewerber um die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Militärdienst im Herbst 1893.

Diejenigen jungen Leute, welche beabsichtigen, sich der im Herbst 1893 stattfindenden rubr. Prüfung zu unterziehen, werden hierdurch aufgefordert, ihre deßfallsigen Gesuche um Zulassung bei Meldung des Ausschlusses von dieser Prüfung

spätestens bis zum 1. August 1893

'bei der unterzeichneten Commission einzureichen.

Hinsichtlich der Anbringung der Gesuche wird im Spe­ziellen das Folgende bemerkt:

1. Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prüfungs - Com- Mission nur dann anzubringen, wenn der sich Meldende im Großherzogthum Hessen seinen dauernden Aufenthalts­ort hat.

2. Die Zulassung zur Prüfung kann nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr erfolgen.

3. Das Gesuch muh von dem Betreffenden selbst geschrieben sein. Auch erscheint es zweckdienlich, wenn stets die nähere Adreffe angegeben wird.

4. Dem Gesuche sind folgende Papiere beizufügen:

a. Geburtszeug.iih;

b. Einwilligungs-Attest des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung über dessen Bereitwilligkeit, den Freiwilligen während einer einjährigen activen Dienstzeit zu bekleiden, auszurüsten, sowie die Kosten für Wohnung und Unterhalt zu übernehmen. Die Fähigkeit hierzu ist obrigkeitlich zu bescheinigen und muß die Unterschrift des Vaters oder Vormundes beglaubigt sein-

<c. ein Unbescholtenheitszeugniß, welches von der Polizei- Obrigkeit oder der vorgesetzten Dienstbehörde aus­zustellen ist-

d. ein selbstgeschriebener Lebenslauf.

5. In dem Gesuche ist außerdem anzugeben, in welchen zwei fremden Sprachen (von Französisch, Englisch, La­teinisch und Griechisch) der sich Meldende geprüft sein will.

6. Ist bereits früher ein Gesuch um Zulassung zur Prü-

Feuilleton.

Unser Garten im Juli.

Die Sonnenwendfeuer sind verglüht. Ein leises Mahnen zieht mit den kürzer werdenden Tagen über Berg und Thal; über die ge­mähten Wiesen und die Getreidefelder, aus denen die Senfe klingt und die Schwaden niederrauschen: die Ernte ist da sorget für weitere kommende Zeiten! Dies leise Mahnen zieht auch durch unseren farbenprunkenden, mit Fruchtktndern behangenen Juligarten, in dem jetzt neben der Königin Rose, Lilie und Nelke die Führung im lieblichen Blumenreich übernehmen.

Wo eine glückliche Hand waltet, sehen wir jetzt den Gemüse- aarten in vollster, üppigster Vegetation. Welche Freude für die ganze Familie, wenn fast Tag für Tag neue köstliche Gemüse die frühere freudige Thätigkeit im Garten lohnen! Wie jauchst das junge .Völkchen, wenn zum Nachtisch von der liebenden Hand der Mutter die Schüssel der bezuckerten herrlich duftenden großen Ananaserdbeeren zur Vertheilung gelangt, wenn zum Sonntags-Nachmittagskaffee Großmütterchen, mit vor Freude zitternder Hand den köstlichen Jo­hannisbeerkuchen in große Portionen trennt und die bedeutsamen Worte spricht:Seht, Kinder, der ist jetzt von den großen schönen Kirschjohannisbeeren, die wir im letzten Herbst dort bei der Garten­laube pflanzten und die ihr in diesem furchtbar trockenen Aprll so schön an jedem Abend gosset!"

Aber wo keineglückliche Hand" waltete, gar bei der trostlosen Trockniß dieses Jahres? Tausende, die gewiß nicht minder Lust und Liebe zum Gartenbau im Herzen tragen, die sich in ihrem vielleicht -rst seit wenigen Jahren erworbenen Gärtchen ehrlich abgemüht, die keine Ausgabe dabei scheuten, stehen nicht recht befriedigt in ihrem eigensinnigen Eden: sie sangen an, die Flügel hangen zu lassen es will ihnen gar nichts ordentlich gelingen. Während in Nachbar­garten zetzt saftige junge Gurken, schwere zarte Kohlrabi, feste Wtrsing- kopfe, süße grüne Erbsen in Fülle, junge Bohnen und geschlossene blendendweiße Blumenkohlköpfe ins erntende Körbchen der jungen Hausfrau wandern, worüber kräftig duftende Suppenkräuter und dann ein wundervoller Strauß lachender Blumen, mit dem obligaten spanischen Grase, gelegt wird, herrscht bei ihnen allgemeinesPech". Haben wir nicht den Radieschen das sonnigste Beet gegeben und Dünger vollauf! Hohl, pelzig und voll Maden waren sie! Hat es unseremfrühen Trotzkops" denn an Pflege gefehlt? Stück für Stück ist gleich geschossen! Unsere jungen Kohlrabi wurden gelb und fielen um; unser Wirsing wuchs ja sehr schön aber er ist so zerftcssen und so abscheulich beschmutzt, daß wir ihn nicht mögen. Der theuere Gurkensamen ist so gut wie nicht aufgegangen und die nachgepflanzten Gurkenpflänzchen vom Gärtner gingen wieder ein! Meine lieben

fung eingereicht worden, so bleibt dem erneuten Gesuche nur ein Unbescholtenheitszeugniß beizulegen.

Ueber die Anforderungen, welche an die zu Prüfenden gestellt werden, gibt die Prüfungs-Ordnung (Anlage 2 zur Wehr-Ordnung vom 22. Novbr. 1888 Regierungs-Blatt Nr. 5 von 1889) Aufschluß.

Bezüglich des Prüfungstermins, sowie des Locals, in welchem die Prüfung stattfindet, erfolgt entweder weitere Bekanntmachung oder schriftliche Mittheilung.

Darmstadt, den 13. Juni 1893.

Großh. Prüfungs-Commission für einjährig Freiwillige.

Der Vorsitzende:

Dr. Zeller.

Nerreste Nachrichten.

Wolffs telegraphisches Correfpondenz-Bureau.

Berlin, 30. Juni. DerReichsanzeiger" veröffentlicht das Gesetz über die Abänderung des Wahlverfahre'ns.

Kiel, 30. Juni. Der Kaiser verließ gegen 9 Uhr die Hohenzollern" und begab sich, während die Flotte salutirte, im Standartenboot nach der Jensenbrücke, dann zu Fuß nach dem Bahnhofe. .Nach Verabschiedung von dem Prinzen und der Prinzessin Heinrich und dem Erbgroßherzog von Olden­burg erfolgte die Abfahrt.

Straßburg, 30. Juni. Der Bürgermeister S.p i e ß von Schlettstadt, Mitglied des Landesausschusses, ist seines Amtes enthoben worden.

Rom, 30. Juni. DerItalic" zufolge beabsichtigt die Kaiserin Friedrich, einen Thetl des folgenden Winters in Rom zuzubringen und in dem hierzu bereits hergerichteten Farnesina Wohnung zu nehmen.

Malta, 30. Juni. Die KreuzerEdgar" undPhaeton" sind mit den Ueb erleb en den von der Besatzung des PanzersVictoria", zusammen 27 Offiziere und 267 Mann, heute hier eingetroffen. Augenzeugen berichten, daß die Victoria" innerhalb 5 Minuten gesunken wäre, obwohl so­fort nach dem Zusammenstoß das Signal zum Schließen der Schotten gegeben worden sei. Vom Admiral Tryon ist keine Spur nach dem Untergange des Schiffes gesehen worden.

Depeschen deS Bureau »Herold".

Berlin, 30. Juni. Nach derNordd. Allgem. Ztg." . läuft das bestehende provisorische Handelsabkommen

Sommerblumenpflänzchen, die ich im Kästchen erzog, sind fast alle von den Schnecken gefressen worden und unsere Stachelbeerbäumchen müssen krank sein: kahl stehen sie da es sieht aus, wie wenn häß­liches grünes Ungeziefer daran gekommen sei! Dann unsere Rosen- stämmchen, die waren zur Hälfte erfroren; gerade die schönsten; die anderen trieben so schön und üppig und jetzt, wo sie blühen sollten es ist wahrhaft ekelüaft sitzen sie dick voller Läuse. Mein Mann kauste zwar einenVaporisator" für 1U Mark und einUniversal­mittel", wie er sagte, das vom Fabrikanten sehr angepriesen und wir bespritzten die Unglücklichen. Das Mittel zeigte auch seine Wirkung, aber leider nicht auf die Läuse, die blieben gesund und in üppigster Vermehrung, sondern auf die armen Rosen­stöcke, unsere Kleider und den hinter der Rabatte stehenden Spinat. Alles duftete abscheulich nach Carbol! Die Erntifolten bekamen gelbe Blätter, starben fast alle ab und den Spinat das Einzige fast, das freudig wuchs ach, den mußte ich nach dem Kochen wegschütten, so widerwärtig schmeckte er nach Phenol oder dergl.!"

Der Verfasser dieses kennt solche nicht enden wollende Widerwärtigkeiten, die hier als Jeremiade aus der spärlich belaubten Gartenlaube klingkn, nur zu wohl, denn auch er stand einst mit ähnlichen philosophischen Betrachtungen in seinem bedrängten kleinen Paradies. Er möchte solche Kalamitäten, d t e alle ihre bestimmte Ursache haben, am liebsten für alle bedrängten und geärgerten Gemüther beseitigen, wenigstens ver­ringern.

Da, wo der Gartenbau und die Freude am Garten in Fleisch und Blut der Familie übergegangen ist, wird er sich in seiner althergebrachten, gesunden Gestalt vererben. Die wenigen, aber unbedingt nöthigen Kenntnisse, die eineglückliche Hand" im Garten ausmachen, gehen da spielend auf Vater und Sohn, von I Mutter auf Tochter über. Man pflegt, pflanzt und erntet, freut sich mit j'dem jungen Jahre herzlich der reichen und lieblichen Gaben Gottes, die der Garten spendet, ohne weiter nach dem Warum? zu fragen.

Drei Dinge gehören zum Erreichen sicherer und erfreulicher Erfolge im Gartenbau: 1. die Kenntniß seiner einfachen Fundamente, 2 Gelegenheit dem Fortschreiten auf seinem Gebiete folgen und 3. sich jederzeit in Nöthen Raths erholen zu können.

Wenn ein blühender, lohnender Gartenbau ohne letztere beide Punkte nur schwer gedacht werden Fann, ist er ohne ersteren gar nicht denkbar. Aber vor dieser Nothwendigkeit braucht Niemand zurückzuschrecken: die Fundamente der Gartenpraxis zu erfassen, ist so außerordentlich leicht und selbst für den einfach Denkenden ein Spielwerk, wenn er nur Freude am Thun hat. Die Allerwenigsten haben heutzutage das Glück, im Garten des Elternhaufes die drei Bedingungen sich anzueignen. Die heutige, die Zett zum großen Thetl in Beschlag legende Schulerziehung, der Umstand, daß kein

mit Spanien heute ab. Eine Verständigung über eine nochmalige Verlängerung desselben wurde bisher nicht erzielt, doch ist die Möglichkeit einer solchen nicht ganz ausgeschlossen, da die endgilltge Antwort der spanischen Regierung auf die deutschen Forderungen bis heute Mittag noch nicht ein- getroffen war.

Berlin, 30. Juni. Der Landwirthschasts - Minister v. Heyden wird morgen im Abgeordnetenhause ausführlich die Stellung der Regierung gegenüber der Futternoth darlegen.

Pofen, 1. Juli. Das PolenblattGruice WielkopolSki" theilt mit, daß von Koscielski mit seiner Gemahlin auf eine Einladung des Kaisers nach Kiel gereist sei und fordert die Fraction der Polen im Reichstage auf, die Zu­stimmung zur Militärvorlage davon abhängig zu machen, daß die polnische Sprache in sämmtlichen Schulen Oberschlesiens, Großpolens, Westpreußens und Ermelands gestattet werde. Wenn der Reichskanzler darauf nicht eingeht, beschwört das Blatt die Fracüon, sich auf keine Verhandlungen einzulaffen.

Wien, 30. Juni. DieDeutsche Zeitung" bemerkt bei Besprechung der Durchreise des Czarewitsch durch Berlin, eine Erkaltung zwischen Berlin und Petersburg könne zwar nicht aus der unterbliebenen Entrevue zwischen dem Kaiser und dem Czarewitsch abgeleitet werden, wenn man aber bedenke, wie man in Berlin bemüht war, trotz Narwa ein Mitglied des Czarenhauses begrüßen zu können, so müsse die klang- und sanglose Durchreise des Czarewitsch durch Berlin als Beitrag zur Beurtheilung der gegenwärtigen politischen Lage bezeichnet werden.

London, 30. Juni. Die Presse bespricht überaus günstig die gestrige dritte Vorstellung des Wagner-Cyclus, Tristan und Isolde", im Convent-Opernhaus, welche, in deutscher Sprache aufgeführt, bei ausverkauftem Hause eine enthusiastische Aufnahme fand.

Petersburg, 30. Juni. Aus Astrachan wird gemeldet, die BarkasseRabotnik" stieß mit einem Fischerboot zusammen, wobei 11 Personen ertranken.

Alexandrien, 30. Juni. Aus Mekka werden in den letzten zwei Tagen 650 Cholerafälle gemeldet.

Cocates und provinzielles.

Gießen, 1. Juli 1893.

** Von der Universität. Die Jahresfeier der Großh. Ludewigs-Universität Gießen wurde heute, aut

elterlicher Garten vorhanden war, oder daß Lehre und Beruf die Meisten schon früh dem Elternhaus und Garten entführte, machen gewiegten Rath bei den Allermeisten dringend nöthig. Dies gilt bet den Vielen, die bei Gründung eines eigenen Hausstandes in dem Besitz eines Gartens treten, oder bet Solchen, die, dem inneren fröh­lichen Drang nachgehend, sich einen lieben Garten für sich und die Ihrigen schaffen oder erwerben. Eine ungeheuer große Zahl umsaßt auch Jene, die, nach reicher Lebensarbeit, vom Berufe sich zurück­ziehen, um in froher Beschaulichkeit und gesunder Thätigkeit unge­störte sonnige Tage inmitten des längst ersehnten traulichen Gartens zu spinnen. Alle diese preisen sich glücklich, wenn erfahrene Freunde bet ihnen ein» und ausgehcn, die sie spielend in die kleinen Geheim­nisse blühenden Obst- und Gartenbaues einweihcn, denn die wenigsten können eig ne Gärtner halten. Aber solche Freunde sind heute dünne gesäet! Da greift man denn, um nicht völlig im Dunkeln zu tappen, zu papiernen Berathern, zu Gartenbüchern. Wenn wir Glück haben und eines der vortrefflichen in unsere Hände fällt, die es thatsächlich gtebt, so wird uns manche erwünschte Belehrung zu Thetl. Bücher, wie das alteChrists Gartenbuch", jenes von E. Regel, Jägers allgem. Gartenbuch, das von Wredocv, Dietrich, Courttus, Metzger, Hofacker, Schmidlin und wie sie sonst alle heißen mögen, haben schon viele eifrige Gartenfreunde trefflich unterrichtet und dadurch Segen gebracht. Allerdings können diese Bücher nur mehr das Fundamentale und dieses, in allen Zweigen erschöpfend, nur die großen theueren davon einigermaßen lehren: Die zweite Bedingung, Gelegenheit dem täglichen Fortschretten auf dem Gebiet des Gartenbaues zu folgen, sowie die dritte, in allen nur erdenklichen Nöthen sich Raths^zu erholen, können Bücher, auch bii fortgesetzten neuen Auflagen, überhaupt im gewünschten Maße, nicht erfüllen. Sie lassen uns also im Stich. So greifen denn Viele und mit Recht zu gärtnerischen Zeit­schriften. Da tritt aber wieder der Uebelstand ein, daß solche in erster Linie für Gärtner und nicht für Laien geschrieben sind; also gerade das Einfache dem Anfänger und Laien unbedingt Wissens- werthe, als bekannt oorausfetzen, außerdem Rath in Nöthen gar nicht oder nur in sehr beschränktem Maße ertheilen. Das ist fatal! Wie suchte ich s. Z., keineswegs als völliger Neuling, tm werdenden Garten stehend, rathlos herum. Ich fand nicht, was ich brauchte. Die Fachzeitschriften, die mir in die Hände kamen, waren zwar werthooll für Gärtner, für mich nicht. Endlich stieß mir ein anfpruchslos aussehendes Blatt auf; es war erst kurz vorher aufgetaucht. Es trug ein bescheidenes Titelbild: eine leichtgeschürzte kleine Kinderschaar lag eifrig Gartengeschäften ob, half der etnheimfenden Mutter und sah dem okultrenden Vater zu. Darüber stand:Der pracltsche Rath­geber im Obst- und Gartenbau". Der Titel zog mich an. Rath brauchte ich und da ich mal auf der Suche, kam mirs auf einen Reinfall mehr oder weniger nicht an. Ich hielt das Blatt und Had­es bis heute nicht bereut, denn ich fand was ich suchte und waS wohl Tausende in meiner Lage ebenfalls suchen, lernte viel Neues: