1893
Dienstag dm 1. August
Alr. 178 Zweites Blatt
Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gissten
Hratisöeitage: chießener Jamitienblätter.
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W. M Noll, Ederstraße 2. I billig bei [6129] Andr. Eul<
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Der tkieatt >ajeifler erscheint täglich, «tt Ausnahme de« Montags.
Dir Gießener ^amtttenktLtter werden dem Anzeiger ►Bdientli* dreimal
I. Kirch, Gastwirth
L. Petri III., Weißbindermeister
H. Winn, Maurermeister
C. Berg, Schuhmachermeister
P. Pitz, Zimmermeister
C. Stohr, Schlossermeister
<q. Leib, Schneidermeister
A. Faber, Spenglermeister Steinhäuser, Buchbindermeister Schäfer, Schreinermeister Emmelius, Fabrikant Heyligenstaedt, Fabrikant
vierteljähriger AvonnementsprelL, 2 Mark 20 Pfg. mit Bringerlohn. Durch die Post bezöge» 2 Mark 50 Psg.
Redaction, Expedition und Druckerei:
Kch-lftraheKr.2.
Fernsprecher 51.
Annahme von Anzeigen zu der Nachmittag» für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis Norm. IQ Uhr.
lubringen sind.
Gießen, 29. Juli 1893.
Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen.
Gnauth.
worden:
a. aus der Zahl der Arbeitgeber:
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Alle Annoncen-Bureaux de» In- und AuSlande» nehmen Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen.
ier Theünahme
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Es wird dies mit dem Anfügen zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Beschwerden gegen die Rechtsgültigkeit der Wahl nach § 15 des Reichs« Gesetzes vom 29. Juli 1890, betr. die Gewerbegerichte, nur binnen eines Monats nach der Wahl zulässig und bei der unterzeichneten Behörde vor«
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entgeltlich.
im Chor, den beiden en im Schiff, sowie enplatz zo gelegene der Kirche sind für ioder merxirt. Text der Gesänge ier Kirche k 20 Pfg
[6414 fle zur Deckung der e Büchsen erbeten
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getragen hatte, wenns auch schon ein Vierteljahrhundert her war. ,
„Wagner," begann der Postsecretär von Neuem, „habe ich Ihnen nicht heute Morgen einen eingeschriebenen Brief an Hermann Möller und Compagnie übergeben?"
„Jawohl, Herr Postsecretär!"
„Aber ich finde die Quittung nicht," entgegnete dieser.
„Die Quittung?" fragte der alte Wagner und kraute nachdenklich hinter den Ohren. „Warten Sie einen Augenblick, Herr Postsecretär- — Hermann Möller u. Comp. — Burstah 42 — an Hermann Möller u. Comp. habe ich auch keinen Bries ausgeliefert." r r
„Besinnen Sie sich doch, Wagner- ich habe Ihnen den Brief gegeben, dreihundert Mark Werthangabe stand darauf, drängte der Secretär. ,
„Ganz richtig, Herr Postsecretär, em eingeschriebener Brief aus Berlin- bekommen hab ich den Brief auch, aber — er muß — er wird noch in der Tasche stecken, denn ausgeliefert hab ich ihn nicht," antwortete Wagner, nahm seine Brieftasche vom Nagel und durchsuchte sie eifrig, aber die Mühe war vergebens, der Geldbrief an Hermann Moller u. Comp. war nicht darin zu finden, und die Tasche war völlig leer. „Mein Gott, Herr Postsecretär," stammelte Wagner, und sein Gesicht erbleichte, „wo ist der Brief geblieben?" t
Das war nun zwar ein Räthsel, welches der Secretär noch weniger zu lösen vermochte als der alte Briefträger, der wohl zugab, daß er den Brief erhalten habe, aber ebenso bestimmt in Abrede stellte, ihn an die Firma Hermann Möller u. Comp. ausgeliefert zu haben, und da Wagner an seinen beiden Behauptungen unerfchütterlich festhielt und thränenden Auges betheuerte, an dem Verschwinden des Geldbriefes unschuldig zu sein, so blieb schließlich nichts anderes übrig, als die Angelegenheit den Gerichten zu überweisen und den alten Wagner verhaften zu lassen; „um seiner selbst willen," wie der Herr Oberpostrath sagte, , denn dadurch wird jeder Verdacht unmöglich, daß er seiner Frau Anweisungen giebt, den verschwundenen Brief zu verbergen."
Bekanntmachung,
die Wahl der Beisitzer für das Gewerbegericht der Stadt Gießen betreffend.
Bei der am 28. d. M. vorgenommenen'Wahl der Beisitzer für das Gewerbegericht der Stadt Gießen sind auf die Dauer von drei Jahren
itta.
iegatta Berug chnungen sind »testens bis zuw hrn. J. Sauer, , einzureichen, lum^omife. auf fof« rin ftntftl fltn, welcher in der ihren ist.
«, Klein-Linden.
tttUfuAttftt ist die ;Post" iri WliiM rWWW. W
HÄMtelt in Stuttgart.
ige erscheint:
den Zungen“.
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\ in ümichleg.
August Bock, Drechsler
Julius Bräutigam, Borstensortirer Johannes Diehl, Schneider
.. Gustav Krüger, Eisendreher
5. Hermann Strobel, Bäcker
6. Ernst Falkenheiner, Bauschreiner
7. Alwin Andreas, Buchdrucker
8. Johannes Rudolph, Cigarrenmacher
9. Hch. Ludw. Allendörfer, Möbelschreiner
10. Johannes Schäfer, Weißbinder
11. Karl Riebch, Cigarrenmacher
Man hielt den alten Wagner einige Tage in Untersuchungshaft, aber seine Aussagen blieben unabänderlich dieselben- man hatte unverzüglich in seiner Wohnung Haussuchung gehalten, jedoch nichts Verdächtiges entdeckt- man ließ seine Frau und seine erwachsene Tochter — andere Angehörige besaß Wagner nicht, — heimlich überwachen, aber man bemerkte nicht, daß sie auffällige Ausgaben machten. Man ließ sich vom Absender des abhanden gekommenen Briefes Auskunft über besten Inhalt erthetlen und erfuhr, daß dieser aus sechs Fünszig-Markscheinen bestanden habe, deren Nummern glücklicherweise zuvor notirt waren. Da man also die Gewißheit zu haben glaubte, daß sich der Dteb seines Raubes nur entäußern könne, indem er sich gleichzeitig verrathe, so entließ man den alten Wagner seiner Haft und begnügte sich damit, ihn eine Zeitlang polizeilich beobachten zu lassen. Trotz all dieser Maßnahmen aber ward niemals das Geringste bemerkt, was dazu hätte dienen können, den gegen Wagner gehegten Verdacht zu stützen und den Brief« träger zu belasten. Ebensowenig freilich gelang es diesem, irgend etwas vorzubringen, was seine Unschuld hätte erweisen können, und wenn auch seine fünfundzwanzigjährige tadelfreie Dienstsührung, sowie das günstige Zeugniß seiner Vorgesetzten für die Ehrlichkeit des Alten sprachen, so war doch beides nicht ausreichend, um ihn von dem Verdachte der Unterschlagung zu reinigen. Als daher nach einigen Monaten m dieser Sache das Urtheil gefällt ward, lautete es — rote zu erwarten stand — dahin, daß der Briefträger „wegen mangelnder Beweise" sreizusprechen sei.
Da ein Grund zu seiner Entlastung somtt nicht vorlag, trat Wagner sein Amt als Briesträger von Neuem an, allem die Schicksale der letzten Monate hatten ihn völlig verwandelt, innerlich mehr noch als äußerlich. Der sonst so heitere und gesprächige Mann blickte jetzt trübe drein und war im höchsten Grade wortkarg geworden. Er versah seine Amtspflichten mechanisch und saß, wenn solches geschehen war, scheu und thetlnahmlos in einer Ecke des Packraumes, finster zu Boden starrend.
(Schluß folgt.)
Dienstagden29. August,
Nachmittags 21/» Uhr, sollen auf dem hiesigen Ortsgericht die zur Concursmaste des Metzgers Levi LSwenstei« in Gießen gehörigen Immobilien :
Flur I Nr. 824 — 531 qm Hofraithe in der Schloßaasse,
Flur I Nr. 825 — 362 qm Grabgarten daselbst
öffentlich meistbietend versteigert werden.
Gießen, 17. Juli 1893.
Großh. Ortsgericht Gießen.
___________I. A-: Bogt.________6312
Versteigerung
Dienstag den 1. Angnst, Nachmittags 2 Uhr, versteigere ich im Pfandlocal, Seltersweg Nr 11, gegen Baarjahlung: 1 Ladentbeke, 2 Kleiderschränke, 1 Waschtisch, 1 Nachttisch, 1 Spiegel und 1 Deci- malwaage; ferner 1 große Parthie Weiß- zeug, als: Bett- und Handtücher, Ueber- züge, Servietten rc. Ein Theil hiervon noch nicht gebraucht. Die Gegenstände können am Dienstag Vormittag eingesehen werden.
Versteigerung ganz bestimmt.
Gießen, den 28. Juli 1893.
6607___________Mnlch, Pfandmeister.
Dienstag ven 1. August,
Mittag« 2 Uhr, werden im Pfandlocale zu Gießen, Seltersweg Nr. 11, bestimmt versteigert: eine Bettstelle mit Federbett, ein polirter sehr guter Tisch und eine Waschcommode. 6596] Kemmer, Pfandmeister.
Im Adler l Bürstenhölzer.
Marttplatz 20 versteigere ich nächsten [ b298] Zur Anfertigung und Liefe« Mittwoch den 2. August, Nachmittags, tung solcher, ungebohrt und gebohrt, in 2 Uhr, eine große Parthie Putzmacher« sauberer Arbeit, für große und ttetne Artikel, bestehend in garnirten und Quantitäten, empfiehlt sich die Bürsten- ungarntrten Damenhüten, Aedern, hölzersabrik von J. Blebinger tn Klügeln, Blumen, »ändern u. s w- Evpstei« i. Taunus.
«. Schneid :@Er.^Otr
stellnngSloose, ä 60 H, empfiehlt und versendet [6o08
A. Gretacher, Weidengasse 1.
Wegen mrngetnder Beweise.
Don Georg Paysen Petersen.
(Nachdruck verboten.)
Der Herr Postsecretär Bauer durchblätterte ein Häufchen 'Quittungen, das vor ihm lag, und verglich sie nochmals mit den Eintragungen, die er soeben gemacht hatte, dann schüttelte er unwirsch das Haupt und blickte seitwärts auf den alten Wagner, der an einem Tische stand und die mit der Nachmittagspost eingegangenen Briefe abstempelte und ordnete. Alle Welt nannte den freundlichen Graukopf „den alten Wagner"- aber alle Welt nannte ihn mit Unrecht so, denn er zählte wenig mehr als fünfzig Jahre, trotz seiner schneeweißen Haare und trotz der bedachtsamen und gemessenen Bewegungen, die ein weit höheres Alter vermuthen ließen. Wer sich mit dem offenherzigen und redseligen „alten Wagner in ein Gespräch einließ, der erfuhr sehr bald von ihm, daß eine SchreckenSnacht, die er im Jahre 1864 vor Düppel verlebte, fein Haupthaar plötzlich gebleicht habe.
Der alte Wagner bemerkte den Blick seines Vorgesetzten nicht und fuhr gleichmüthig in seiner Arbeit fort. „Neu- straße," murmelte er, indem er einen Brief erhob und die Aufschrift prüfte. „Neustraße, aber welche? Wird auch drei Tage reisen können, bis er an seinen Ort kommt - warum steht auch weiter nichts darauf? Gibts denn nicht tn Hamburg fast so viele Neustraßen wie Neustadt im deutschen Reiche?"
Der Herr Postsecretär Bauer schüttelte abermals den Kopf und begann wieder unter seinen Quittungen zu blättern und zu vergleichen - aber er fand offenbar nicht, was er suchte, und rief nach einer Weile in ärgerlichem Tone: „Wagner!"
„Herr Postsecretär!" entgegnete der Gerufene, indem er sich umwandte und in militärischer Haltung vor seinem jungen Vorgesetzten Front machte. Man sah es dem Fünfziger doch immer noch an, daß er einst seines Königs Waffenrock
VERKAUF IN DEN APOTHEKEN
________UND DROGUEN-HANDLÜNGEN.
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August Noll, Bahnhofstrasse 51.
Dienstag den 15. Augnst,
Nachmittags 21/» Uhr, sollen auf dem hiesigen Ortsgericht die den ««ftav Mook Eheleuten tn Gießen gehörigen Immobilien:
Flur I Nr. 689e23/1M — 53 qm Grabgarten in den Neuen Bäuen,
Flur I Nr. 689e«/ioo — 307 qm Hofraithe daselbst
öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, 3. Juli 1893.
Großh. Ortsgericht Gießen.
I. A.: Bogt.________5880


