Ausgabe 
1.7.1893 Zweites Blatt
 
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Nr 152. Zweites Blatt. Samstag den 1. Juli

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darstellender

geometrischen

darstellenden

Herr Dr. Molly den Unterricht in Geometrie,

Herr Gerhardt im Freihand- und Zeichnen,

Herr Altvater in der angewandten Geometrie,

Herr Kalbfleisch im Rechnen und deutscher Sprache.

Für den Unterricht im Maschinenzeichnen, der nach Weggang des Herrn Carle kurze Zeit durch Herrn Ingenieur Trapp ertheilt worden war, mußten wir aber­mals einen neuen Lehrer gewinnen, da letzterer am 1. April v. I. ebenfalls von Gießen wegging und es wird dieser Unterricht nunmehr durch Herrn Maschinentechniker Otto Spengler ertheilt.

Die Zahl unserer Schüler betrug im verflossenen

darstellenden Geometrie; ferner Bauconstruc- ! tions- und Formenlehre, Materialienkunde, Bauführung, Ko st en Veranschlagung und Festig­keitslehre; endlich gewerbliche Buchführung und von Gesetzeskunde soviel, wie der Gewerblreibende für sein Geschäft bedarf, also vor allem Baugesetzes­kunde und etwas Handels- und Wechselrecht. In die Einzelheiten des Lehrprogramms einzugehen, würde hier zu weit führen.

Bon diesen Fächern lehren:

1) Herr Hauptlehrer Traber das Bauzeichnen, die Bauconstructions- und Formenlehre, die Bau­führung, die Kostenveranschlagung, die Malerialien­kunde, sowie Festigkeitslehre und die Gesetzeskunde.

2) Herr Zeichenlehrer Mühlberg er das Linear­und Projectionszeichnen, das Freihandzeichnen, das Bau- und Fachzeichnen und das Ornamentzeichnen.

3) und 4) die Herren Realgymnasiallehrer Geiger und Dr. Pitz: Algebra, Geometrie, Physik und Mechanik.

5) Herr H a g g e n m ü l l e r : Deutsche Sprache, bürger­liches Rechnen und Buchführung.

An der Einrichtung der Sonntagszeichnen­schule und Abendschule ist eine Aenderung nicht ein­getreten und wirken an denselben auch die gleichen Herren, die meist schon seit einer Reihe von Jahren an ihnen erfolgreich thätig sind, in denselben Fächern weiter fort, mit einer Ausnahme. Es ertheilte an denselben:

Herr Traber und Herr M ü h l b e r g e r den Unter­richt im Bauzeichnen,

Herr Barthel den Unterricht im Ornamentzeichnen und Modelliren,

Tagesschule im Sommersemester 23

Wintersemester 57

wobei indeß die im Laufe des Jahres abgegangenen Schüler (insgesammt 57) nicht mitgezählt sind; da außerdem die 23 Schüler, die die Tagesschule im Sommer besuchten, im Wintersemester ebenfalls anwesend waren, vermindert sich die Gesammtzahl derselben um diese 23 und verbleibt am Ende des Jahres ein thalsächlicher Bestand von 295 Schülern, der gegen die Zahl (246) des Vorjahres wieder einen beträchtlichen Zuwachs aufweist.

Wir können also auf das abgelaufene Jahr auch bezüg­lich der Frequenz mit großer Befriedigung zurücksehen.

Für den Unterricht in Physik und Mechanik haben wir im verflossenen Jahre aus den beträchtlichen Erspar­nissen des Jahres 1891/92, die daher rührten, daß die erweiterte Organisation erst später zur Ausführung kommen konnte, als vorgesehen war, eine kleine Sammlung physikalischer und mechanischer Apparate ange­schafft, die bei der Ertheilung des Unterrichts in diesen Fächern unentbehrlich sind.

Wenn ich im vorjährigen Berichte erwähnte, daß wir von der definitiven Besetzung der Stelle des Haupt­lehrers an der Schule einstweilen noch absehen wollten, bis die Absicht der Regierung, den Hauptlehrern an den größeren Handwerkerschnlen des Landes Staatsdienereigenschaft mit Pensionsberechtigung zu verleihen, zur Ausführung gelangt sei, so haben wir es nachträglich doch für nöthig gehalten, diese Absicht aufzugeben, da wir es nicht für rathsam im Interesse der Schule fanden, das Provisorium so lange bestehen zu lassen, bis das Project der staatlichen An­stellung der Hauptlehrer definitive Gestalt angenommen haben wird und haben Herrn Traber die Stelle des Hauptlehrers, die er bis dahin provisorisch versah, vom 1. Mai v. I. an definitiv übertragen.

. . 196 Schüler,

. . 42

Jahre

in der Sonntagschule

Abendschule . .

Ordentliche Hauptversammlung des Orts- ; gewerbvereins Gießen. :

Die diesjährige Hauptversammlung des Gewerbvereins 1 fand am 20. Juni statt. In derselben wurde zunächst von dem Vorsitzenden, Herrn A. Heß, der Jahresbericht über die Thätigkeit des Vereines im verflossenen Jahre, sowie über den derzeitigen Stand und die Wirksamkeit der erwei- ' terten Handwerkerschule erstattet, den wir in seinen wesent- * lichen Theilen hier mittheilen:

Jahresbericht für das Jahr 1892/93.

Den Bericht, den ich Ihnen in der Generalversamm­lung über die Lage und die Thätigkeit des Gewerbvereins im verflossenen Jahre zu erstatten habe, leite ich, wie üblich, mit den Mittheilungen über den Personalbestand des Vereins und seiner Organe ein.

Die Mitgliederzahl betrug im verflossenen Jahre 171 gegen 172 im Vorjahre und ist demnach aus dem Vereine 1 Mitglied mehr durch Tod oder Wegzug ausgeschieden, als derselbe neu erworben hat; in der Zusammensetzung des Vorstandes ist durch die vorjährigen Ersatzwahlen eine Aenderung nur insoferne eingetreten, als an Stelle des durch seinen Wegzug ausgeschiedenen Herrn Hauptlehrers , Hug, sein Nachfolger, Herr Hauptlehrer Traber, in den Vorstand erwählt wurde, während die übrigen ausscheiden- . den Mitglieder wieder gewählt wurden.

In dem Bestände unseres Lehrerpersonals dagegen traten im Zusammenhänge mit der erweiterten Organisation der Schule sehr beträchtliche Aenderungen und Vermehrungen ein und will ich hier zunächst Mitthei­lung machen über die Vollendung dieser erweiterten Organi­sation, das jedenfalls folgenreichste Vorkommniß seit Be­stehen unserer Schule.

Es ist Ihnen bekannt, daß wir seit längerer Zeit damit beschäftigt gewesen sind, die Schule in der Richtung weiter auszubauen, daß unter ungeänderter Erhaltung der Sonnlagschule ein vollständiger zweijähriger Cursus für die Werktagschule eingeführt werden sollte in welchem sämmtliche Einzelfächer an theoretischem Wffsen, die der Bauhandwerker und sonstige Gewerblreibende als nöthigste Grundlage für den Betrieb seines Gewerbes bedarf, in besonderen Unterrichtsstunden gelehrt werden, während bis dahin einzelne dieser Fächer nur in das constructive Zeichnen eingeschoben, andere überhaupt nicht gelehrt worden waren, daß somit die Schule ungefähr auf den Stand einer Bau- gewerbschule gebracht werden sollte.

Mancherlei Schwierigkeiten setzten sich der Ausführung dieses Planes durch längere Zeit entgegen. Mangel an Geldmitteln, wie an Lehrkräften und an ausreichenden Räumlichkeiten. Diese Schwierigkeiten sind nun durch Aus­dauer alle behoben. Unsere Mittel sind durch die dankens- werthe Hülfe von Staat, Stadt und Sparkasse so weit vermehrt", daß die finanziellen Ansprüche der erweiterten ' Organisation gedeckt werden können, unsere Schulräume find dadurch, daß uns die Stadt im vorigen Jahre das j ganze Schulhaus am Asterweg zur Verfügung stellte mid uns durch einige kleine bauliche Aenderungen mehrere, früher kleine Zimmer in zwei schöne große Lehrräume umschaffen ; ließ, wofür ihr hier besonderer Dank ausgesprochen fei, für ; unsere gegenwärtigen Bedürfnisse genügend, und es gelang uns, im Zusammenhang damit, fünf neue Lehrkräfte zu i gewinnen, durch deren Leistungen, neben denen der bereits ; seit langer Zeit an der Schule thätigen, dieselbe das leisten < wird, was an eine erweiterte Handwerkerschule erster Ord- i uung irgend verlangt werden kann, das Gleiche, was die s. g. Baugewerkschulen leisten, wenn sie auch diesen Namen nicht führt.

Nachdem so die Bedingungen für die erweiterte Wirk­samkeit der Schule erfüllt waren, fand deren Eröffnung am 2. November v. I. statt mit einer kleinen Feier, die zu unserer Freude auch durch die Anwesenheit der Staats- und städtischen Behörden,' sowie einer größeren Zahl Geladener beehrt wurde.

Die Gegenstände, in denen an unserer Schule nach ihrer erweiterten Organisation Unterricht ertheilt wird, sind nunmehr im Allgemeinen die folgenden: Neben der Unter- ; Weisung in deutscher Sprache, namentlich der Ab­fassung von Geschäftsbriefen, Eingaben an Behörden, Aus­fertigung von Verträgen u. s. f., sowie dem bürgerlichen Rechne n, werden zunächst die für jeden technischen Berufs­zweig erforderlichen Kenntnisse in Algebra, Geometrie, Physik und Mechanik gelehrt, sodann die, vor allem für den Bauhandwerker nöthigen Kenntnisse im Freihand­zeichnen, dem geometrischen Zeichnen und der

Wie in früheren Jahren wurde unserer Schule das regste Interesse seitens der Centralstelle für die Gewerbe zu Theil und bethätigt durch Ueberlassung von Unterrichts­material an Vorlagen und Musterzeichnungen, sowie durch Besuche und Revisionen der Schule seitens des Präsidenten derselben und des Vorsitzenden der Handwerkerschulcommission.

Nach Schluß des Winterhalbjahres veranstalteten wir eine kleine Ausstellung von Schülerarbeiten, die deren Be­suchern, wie ich glaube, einen Beweis von recht erfreulichen Leistungen der Schüler gewährte.

Ich darf hier nicht unerwähnt lassen den auch für die Schule sehr bedauerlichen Verlust unseres alten treuen Schuldieners Herrn Beil, der hochbetagt am 16. April v. I. starb. Zur Zeit versieht noch seine Wittwe, mit Unterstützung ihrer Töchter, dessen Dienst.

Im Anschlüsse an die Mittheilungen meines vorjährigen Berichtes über die, damals gerade ins Leben getretene Aenderung in der Verfassung und Central!eitung des LandesgeWerbvereins, deren wesentlichster Theil die Einrichtung des engeren Ausschusses zur Berathung und Unterstützung der Centralstelle ist, theile ich noch mit, daß auf der vorjährigen Generalversammlung des Vereins in Nauheim zum ersten Male die neue Form des Wählens des weiteren Ausschusses stattfand, nach der abwechselnd je in einem Jahre aus einer der drei Provinzen der, dieser Provinz nach Größe resp. Mitgliederzahl zukommende Theil der Mitglieder des Ausjchusses gewählt wird und daß dort zum erstenmale 12 neue Mitglieder desselben aus Oberhessen gewählt wurden, wodurch unsere Provinz nunmehr durch eine größere, der Anzahl ihrer Gewerbvereinsglieder ent­sprechende, Zahl von Mitgliedern im weiteren Ausschuß vertreten ist.

Die Thätigkeit unseres Gewerbvereins als solchen abgesehen von der geschilderten Hauptthätigkeit in Bezug ans Unterhaltung und Leitung der Schule beschränkte sich, wenn man absieht von den nur im Vor­stande behandelten Angelegenheiten und Berathungen über Gutachten, die ihm seitens der Centralstelle zugewiesen wurden, im Wesentlichen auf die Bibliothek und die gehaltenen Vorträge.

Unsere reichhaltige Bibliothek wurde im verflossenen Winter durch die Herren Traber und Mühlberger neu geordnet und registrirt, sowohl in Bezug auf die Bücher als in Bezug auf die Zeichnungen und Vorlagen; es wurde ein neuer Katalog sorgfältig ausgearbeitet und zum Drucke fertig gestellt, sodaß unsere sämmtlichen Schätze an Büchern und Vorlagen sowohl übersichtlich in den Schränken geordnet, wie im Kataloge leicht aufzufinden sind. Es ist damit die Verwendbarkeit unserer Bibliothek wesentlich erleichtert worden und es bleibt nur zu wünschen, daß von dem reichen Schatz an Belehrung und von den werthvollen Vorbildern und den vielen schönen Jllustrations- und Vorlagewerken, sowie den Musterzeichnungen mehr Gebrauch gemacht würde, seitens der zahlreichen Gewerb- treibenden, insbesondere der Schreiner, Dekorationsmaler und anderen Kunstgewerbtreibenden, die aus ihrer Benutzung reiche Anregung schöpfen könnten.

Die gewerblichen und wissenschaftlichen Vorträge, die alljährlich durch den Gewerbverein veranlaßt werden, beschränkten sich im verflossenen Winter auf zwei, die aber beide großes Interesse erregten und sich eines zahlreichen Besuches zu erfreuen hatten. Am 24. Januar hielt der Secretär der Centralstelle, Herr Reuter, einen sehr interessanten und damals, wo die Einführung der mittel­europäischen Zeit bevorstand, besonders zeitgemäßen Vortrag über dieEinheitszeit nach Stundenzonen und die mitteleuropäische Zeit." Am 21. März hielt unser Mitglied Herr Dr. Pitz, der uns auch im vorher­gegangenen Winter mit einem werthvollen Vortrage erfreut hatte, über die Entstehung der Töne und über die Saitenorgel einen Vortrag im physikalischen Lehrsaale des Realgymnasiums, in dem er das interessante Thema durch zahlreiche Experimente erläuterte, und der von einer großen Menge von Zuhörern besucht war.

Bereits früher habe ich mir auszuführen erlaubt, wie es nicht leicht ist, eine genügende Zahl wirklich für den Gewerbverein geeigneter und für einen größeren Kreis belehrender Vorträge zu finden; man kann dabei von zwei verschiedenen Standpunkten ausgehen: Einestheils kann man nur für Vortrüge, speciell technisch-wissenschaft­lichen Inhaltes sein, die zwar mehr oder weniger fach­belehrend für die Glieder des Gewerbvereins sind, für die aber die Zahl derer, die sich dafür interessiren,