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Samstag bett 25. Juni

Nr. 145

1892

Der

Gießerei A«zet-er erscheint täglich, Mit Ausnahme bei Montags.

Dir Gießener

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folgenden Lag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. ^raHdVCUage. ^«111111(1101611(1. «B1ei|e« für den Gießener A-zeiger- entgegen

Aintlichev Theil.

Bekanntmachung,

betreffend Schafräude zu Climbach.

Nachdem unter den Schafen zu Climbach der Ausbruch I der Räude amtlich sestgestellt worden ist, haben wir heute die I Sperre der Gemarkung Climbach verfügt. Gestattet ist die Ausfuhr von Schafen nur zur sofortigen Abschlachtung und nur mit unserer jedesmal einzuholenden besonderen Erlaubniß. Zuwiderhandlungen unterliegen den gesetzlichen Strafen.

Gießen, den 22. Juni 1892.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

__v. Gagern.___________________

Statut

die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe betreffend.

Auf Grund der 105b, Absatz 2 und 142 der Ge­werbeordnung in der Faffung des Reichsgesetzes vom 1. Juni 1891, betreffend den Arbeiterschutz, wird gemäß Beschlusses des Provinzialtages der Provinz Oberhessen vom 4. April | 1892 und mit Genehmigung des Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz vom 20. Juni 1892 zu Nr. M. J. 9661, für die genannte Provinz, vorbehältlich weitergehender statutarischer Bestimmungen einzelner Kreise oder Orte, fest­gesetzt:

§ 1.

Für die ausschließlich in den Contoren der Handels- Gewerbe, wie in den Bankgeschäften überhaupt, beschäftigten Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter wird die Beschäftigung an Sonn, und Festtagen auf die Stunden von 11 1 Uhr ein­geschränkt.

§ 2.

Die vorstehende Bestimmung tritt am 1. Juli 1892 in Kraft.

Gießen, den 23. Juni 1892.

Grobherzogliche Provinzialdirection Oberhessen.

__________________v. Gagern. ______________

Bekanntmachung.

ES wird hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß per Dienstmann Johannes Martin von heute an statt seiner seitherigen Dienstnummer Nr. 13 die Nr. 2 führt.

Gießen, den 21. Juni 1892.

Grobherzogliches Polizeiamt Gießen.

Fresenius.

Dcuffdtcs Reich.

Berlin, 23. Juni. Der Gegenbesuch des italieni- chen Königspaares am deutschen Kaiserhofe hat -.ach viertägiger Dauer sein Ende erreicht und befinden sich )ie italienischen Majestäten zur Stunde wieder auf der Heirn- .eise, aus welcher die Königin Margeritha einen Abstecher mch Homburg zum Besuche der Kaiserin Friedrich zu machen zedenkr. Der italienische Königsbesuch hat in seinem ganzen verlause gezeigt, wie überaus herzlich das Verhältniß zwischen :em deutschen Kaiserhause und der italienischen Königsfamilie st und diesem Verhältnisse entsprechen ja im vollsten Maße luch die politischen Beziehungen zwischen Deutschland und Italien, deren Stand sich für Jedermann in der unentwegten Fortdauer des deutsch-italienischen Bündniß- und Freund- chastsverhältnisses funbgibk Dasselbe ist nach allen Seiten )in so klar, daß hierüber keine neuen politischen Abmachungen wthwendig sind und solche dürsten darum auch von der üngsten Begegnung Kaiser Wilhelms mit König Humbert chwerlich zu erwarten sein. Wenn trotzdem während derselben wiederholte und lange Unterredungen zwischen Cavaliere Brin, )em jetzigen italienischen Minister des Auswärtigen, und dem Reichskanzler Grafen Caprivi, sowie dem Staatssecretär ?. Marschall gepflogen worden sind, so galten diese Conserenzen ediglich der Erörterung der zur Zeit schwebenden Fragen der niropäischen Politik. Dem Vernehmen nach hat sich hierbei n allen Punkten die vollkommenste Uebereinstimmung des »^errn Brin mit den beiden verantwortlichen Vertretern der rutschen auswärtigen Politik herausgestellt.

- Auf dem Gebiete der inneren Politik ist die 5agesdiscussion vorwiegend der schon längst angekündigten reuen Militär Vorlage gewidmet, über welche diePost" etzthin nähere Mittheilungen brachte. Dieselben sind mit großer Bestimmtheit abgefaßt und enthalten in ihrem Kern­unkte die Ankündigung, daß die neue Vorlage die Vermehrung er Friedenspräsenzstärke des deutschen Heeres um 63 000 ^ann fordern und im Princip die Einführung der zwei­

jährigen Dienstpflicht zugestehen würde- die jährlichen Mehr­kosten dieser abermaligen Heeresvermehrung würden sich au: 60 Millionen Mark belaufen. Indessen bedürfen diese An­gaben noch der Bestätigung von zuständiger Seite.

Die Zahl der in Deutschland gebauten strategischen Eisenbahnen, bei deren Herstellung, wie schon ihr Name besagt, in erster Linie nicht allgemeine Verkehrsinteressen, sondern vielmehr militärische Rücksichten maßgebend gewesen sind, wird demnächst durch eine neue Linie, die jüngst vom badischen Landtage bewilligte Bahn Karlsruhe-Rösch­woog, vermehrt werden. In Röschwoog, Station der Straßburg-Lauterburger Bahn, trifft die neue Linie auf das reichsländische Eisenbahnnetz, von genanntem Punkte aus wird sie dann weiter bis Saaralben und Bendsdorf in Lothringen durch das Reich gebaut. Die Kosten für die neue strategische Linie, wozu die Mittel vom Reichstage schon früher bewilligt worden sind, betragen, soweit sie sich auf badischem Gebiet befindet, 19 228 600 Mark, wovon Baden laut Vertrag 9 243850 Mark trägt. Nach den ausgestellten Berechnungen erfordert der jährliche Gesammtaufwand für die Linie Karls­ruhe-Röschwoog rund eine Million Mark Seitens Badens und da das Großherzogthum Baden für die übrigen sein Gebiet schon berührenden strategischen Bahnen jährlich eben­falls erhebliche Zuschüsse zu leisten hat, so sind die Opfer nicht gering, welche dieser Staat im Interesse der Verteidigung des Reiches bringt. Die Opferwilligkeit und der hiermit bekundete Patriotismus der badischen Regierung und des badischen Landtages müssen um so höher angeschlagen werden, als speciell durch die Linie Karlsruhe-Röschwoog den bereits bestehenden Schienenwegen Karlsruhe-Kehl-Straßburg und Karlsruhe-Maxau eine bedenkliche Concurrenz erwächst.

Neueste Nachrichten.

Wolffs telegraphisches Correspondenz-Bureau.

Berlin, 28. Juni. Die Stadtverordneten nahmen die Vorlage, betreffend die Verwendung der für die internationale Kunstausstellung von 1891 von der Stadt gegebenen Beihilfe zum Bau eines Künstlerhauses an.

Potsdam, 23. Juni. Um 1 Uhr landete der Kaiser, König Humbert, die Kaiserin und Königin aus der Psaueninsel. Das Frühstück wurde im Zelte eingenommen, da Regenwetter eingetreten war. Nach dem Frühstück be­gaben sich die Herrschaften trotz des Regenwetters ins Freie und gingen nach der Rutschbahn. Um 2f/2 Uhr kamen auch die drei ältesten Prinzen nach der Pfaueninsel. Gegen 3 Uhr wurde der Dampfer bestiegen zur Fahrt um die Psaueninsel nach Wannsee; alsdann erfolgte die Rückkehr nach der Matrosenstation, wo 3J/2 Uhr die Landung erfolgte. Hier bestiegen die Kaiserin und die Königin Margherita einen Zwei­spänner, der Kaiser und der König Humbert einen anderen Zweispänner und fuhren nach dem Neuen Palais. Prinz und Prinzessin Friedrich Leopold begaben sich mit Gefolge zu dem Reitersest des Regiments der Gardes-du-Corps. An dem Feste nahmen auch Herren aus dem Gefolge des italienischen Königspaares Theil. Prinzessin Friedrich Leopold vertheilte den ersten Preis, bestehend in einer goldenen Taschenuhr mit der Widmung:Kaiser Wilhelm II. dem besten Reiter 1892." Auf Schloß Glienicke sand alsdann Abends 7 Uhr bei dem Prinzenpaare Friedrich Leopold zu Ehren des italienischen Königspaares eine Prunktasel statt, woran auch das Kaiser­paar theilnahm. Um 81/2 Uhr begaben sich das Kaiserpaar und Königspaar nach dem Neuen Palais, wo im Marmor­säule eine Musiksoiree stattsand.

Nom, 23. Juni. In der heutigen Sitzung des Gemeinde­raths beantragte Bacceli, dem Bürgermeister von Ber­lin herzlichen Gruß und ausrichtigen Dank für die festlichen Veranstaltungen bei der Anwesenheit des italienischen Königs­paares zu senden, er erwiese hierdurch dem Deutschen Reiche, dem sichersten und ruhmvollsten Freunde Italiens, die ge­bührende Ehre. Der Maire erklärte, er nehme gern den Antrag Namens der Versammlung an, er könne die Gefühle der Hauptstadt nicht besser ausdrücken als durch die Sendung eines Telegramms nach Berlin mit den Worten Baecellis. Der Antrag wurde per Acclamation angenommen.

Chicago, 23. Juni. Der Resolutionsausschuß legte der demokratischen Nationalconvention ein Programm vor, welches die Selbstregierung der einzelnen Staaten betont und in dem hervorgehoben wird, daß die Steuern niemals die Staatsausgaben übersteigen sollen. In demselben heißt es ferner, daß der Mac-Kinley-Taris die Ackerbauer und Arbeiter schwer schädige und daß Rohstoffe, sowie Volksnahrungsmittel nicht zu belasten seien. Das Programm sagt die Abschaffung des Mac-Kinley-Tarifs zu und legt wiederholt die Haltung der Partei gegenüber der

Silberfrage dar. Die Convention verwarf dieses Programm der Mehrheit des Ausschusses und nahm mit 564 gegen 342 Stimmen das Programm der Minoritäten, welches je­doch in der Tariffrage mit dem Majoritätsprogramm identisch ist, an.

Chicago, 23. Juni. Für Cleveland wurden 616, für Hill 112, für Boies 103, für Gorman 36 Stimmen ab­gegeben. Aus die übrigen Candidaten entfielen 31 Stimmen.

Rio de Janeiro, 23. Juni. Reutermeldung. Regierungs­boote begannen am 19. Juni ein Bombardement aus Porto Alegre, die Hauptstadt von Rio Grande do Sul. Die Telegraphenverbindungen mit Rio Grande sind unter­brochen.

Depeschen deS BureauHerold".

Berlin, 23. Juni. Abgeordnetenhaus. Der Prä­sident wird ermächtigt, dem Kaiser, der Kaiserin und der Kaiserin Friedrich zur Verlobung der Prinzessin Margarethe die Glückwünsche des Hauses darzubringen. Spahn und Jmwalle legen ihre Mandate wegen der Ernennung zu Ober- landesgerichtsräthen nieder. Bei der Berathung des von dem Herrenhause abgeänderten Kleinbahnengesetzes bemängelt Abg. Rickert (dsr.), daß dem Hause nach den Abänderungen des Herrenhauses keine Zeit zur gründlichen Prüfung gelassen wurde. Der Eisenbahnminister erklärt, nach der jetzigen Fassung des § 30 sei die Erwerbung der Kleinbahnen durch den Staat nur dann möglich, wenn das Staatsministerium entschieden habe, daß die Bahnen als Theile des Eisenbahn­netzes zu betrachten seien. Er ersucht um Annahme des Ge­setzes. Nach einer weiteren längeren Debatte wird das Gesetz gegen die Stimmen des Centrums und einiger Freisinnigen angenommen. Das Haus erledigte verschiedene Petitionen. Der Präsident gibt die Geschäftsübersicht. Hobrecht (natlib.) dankt dem Präsidium Namens des Hauses für die Geschäfts­führung. Der Präsident dankt dem Hanse und bringt das Hoch auf den Kaiser aus. Beide Häuser werden behufs Schlusses der Session auf 3 Uhr zusammenberufen.

Berlin, 23. Juni. Das italienisch e Königspaar reift Freitag Abend nach Frankfurt ab.

Berlin, 23. Juni. DerReichsanzeiger" meldet, daß die Commission für Arbeiterstatistik heute zusammen- getreten ist.

Berlin, 23. Juni. Gestern beschloß der Gesammtvorstand des Wahlvereins der Deutschconservativen eine Aen- derung und Ergänzung des Parteiprogramms von 1876, sowie die Einberufung eines Parteitages für den Herbst und beantragte eine neungliebrige Commission mit den Vor­bereitungen. Frhr. v. Manteuffel wird ersucht, die Fraction zusammenzurusen.

Berlin, 24. Juni. DasTageblatt" meldet aus Zan­zibar: Die deutschen KriegsschiffeSchwalbe" undMöve" haben sich nach Tanga begeben für den Fall, daß tm Hinterlande Unruhen auSbrechen. Die Deutschen in Zan­zibar und an der Küste bezeichnen die Wiedereinführung eines Militärregiments unter Wißmann als daS einzige Mittel, die Deutsch - Ostafrika - Colonie vor weiteren Katastrophen zu schützen. Die Unsicherheit der Carawanenstraßen nimmt zu. Die durchziehenden sudanesischen Gouvernements - Soldaten brandschatzen die Dörfer.

Berlin, 23. Juni. Ahlwardt wurde abermals ver­haftet und in Untersuchungshaft abgeführt, da das Kammer­gericht den Beschluß der Strafkammer auf Entlassung gegen Caution aufhob,- eventuell wird eine nochmalige Haft­entlassung abhängig gemacht von einer erhöhten Caution von 50000 Mark.

Berlin, 23. Juni. In der gestrigen Versammlung des Unterstützungsvereins der Tabaksarbeiter wurde bekannt ge­macht, daß eine Controlmarke in der Tabakbranche für ganz Deutschland eingeführt werden solle.

Berlin, 23. Juni. Die kürzlich gegründete Genossen- schastsbäckerei steht vor dem Krach. In der gestrigen Socialistenversammlung wurden haarsträubende Einzelheiten über die Verwaltung, das Zutagetreten von unerhörten Maß­regelungen von Arbeitern und ein erhebliches Kaffenmanco conftatirt.

München, 24. Juni. Der Extrazug Bismarcks lief um 2 Uhr 10 Min. unter den Klängen eines flotten Marsches und unter frenetischen Hochrufen ein. In über­raschender Frische entflieg Bismarck hinter seiner Gattin bem Wagen.. Augenscheinlich von dem begeisterten Empfang an­genehm berührt, begrüßte er das Pubilkum freundlich, sich durch den kleinen Fürstensalon nach dem Wagen begebend. Anwesend waren der Bürgermeister, die Vorstände des Ge- meindecolleginms, Schauß, Miller, Künstler und eine zahl­reiche auserwählte Gesellschaft. Vor dem Bahnhöfe hatten.