Mr. 178
Mittwoch den 3. August
1892
Der
Wetze»er Auze^er crlcbnnt täglich, mit Ausnahme deS MontagS.
Die Gießener
Werden dem Anzeiger «Scheutlich dreimal deigelegt.
Gießener Anzeiger
Henerat-Mnzeiger.
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Anrts- und Anzeigedlatt für den Kreis Gieren.
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ArntlrcZ-er Lberl.
Gießen, 1. August 1892. Betr.: Die Kreistagswahlen durch die 50 Höchstbesteuerten. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen m die Grstzh. Bürgermeiftereie« de- »reye-.
Soweit Sie unserem Ausschreiben vom 9. Juli d. I. — Anzeiger Nr. 159 — noch nicht entsprochen haben, erinnern wir Sie an Erledigung binnen acht Tagen.
v. Gagern.
Gießen, 1. August 1892. Betr.: Die Zulassung eingeschriebener Hilfskassen.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die Orotzh. Bürgermeistereien de- Kreise-.
Aus Grund der Gesetze vom 7. April 1876 und 1. Juni 1884 über die eingeschriebenen Hilfskaffen theilen wir Ihnen nachstehend ein Verzeichniß der im Kreise Gießen ;ugelaffenen eingeschriebenen Hilfskassen, sowie die Namen der im Kreise errichteten örtlichen Verwaltungsstellen unter dem Bemerken mit, daß diese Kassen dem § 75 des Gesetzes vom 15. Juni 1883 „die Krankenversicherung der Arbeiter betr." entsprechen, und daß die Mitglieder dieser Kaffen von dem Beitritt zur Gemeindekrankenverffcherungskaffe befreit sind.
v. Gagern.
Verzeichnis der im Kreise Gießen bestehenden eingeschriebenen Hilfskassen.
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Bezeichnung d er Kasse.
Sitz der Kasse.
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1.
Die allgemeine Arbeiter-Kranken- u. Sterbekaffe für Großen-Linden
Die Kranken- u. Sterbekaffe zu Heuchelheim
Großen-Linden Heuchelheim
3.
4.
5.
Die Kranken- u. Sterbekasse zu Watzenborn- Steinberg
Allgemeine Kranken- und Sterbekssse zu Steinbach
Die Kranken- u. Sterbekasse zu Garbenteich
Watzenborn-
Steinberg
Steinbach Garbenteich
6.
7.
Die Kaufmännische Kranken- u. Begräbniß- kasse zu Gießen
Die Kranken- u. Sterbekasse zu Rödgen
Gießen Rödgen
8.
Die Kranken- u. Sterbekaffe zu Wieseck
Wieseck.
Verzeichnis der örtlichen Verwaltungsstellen.
Ä.
<6.
;7.
3.
Die allgemeine Kranken- u. Sterbekaffe der Metallarbeiter zu Hamburg
Oertliche Verwaltungsstellen in a) Alten- Buseck, b) Daubringen, c) Gießen, d) Lollar, e) Rödgen, f) Wieseck, g) Reiskirchen, h) Hausen
Die Central-Kranken- und Sterbekaffe der Tischler zu Hamburg
Oertliche Verwaltungsstellen in a) Heuchelheim , b) Steinberg - Watzenborn, c) Wieseck, d) Großen-Linden
Die Central-Kranken- und Sterbekaffe der Schuhmacher und verwandten Berufsgenossen in Deutschland
Oertliche Verwaltungsstellen in Gießen Die Central-Kranken- und Begräbnißkafle für Frauen der Buchbinder, Portefeuiller und anderer Geschäftszweige jeder Art in Deutschland
Oertliche Verwaltungsstellen in a) Gießen b) Wieseck, c) Rödgen
Cmtral - Kranken - und Sterbekasse der deutschen Wagenbauer in Hamburg
Oertliche Verwaltungsstelle in Gießen Die Central-Kranken- und Sterbekaffe der
Bäcker und verwandten Berufsgenoffen Oertliche Verwaltungsstelle in Gießen „Vulkan", Central-Kranken- u. Sterbekasie
der Metallarbeiter
Oertliche Verwaltungsstelle in a) Alten- Buseck, b) Hausen, c) Reiskirchen
Central-Kranken- und Sterbekasse aller Arbeiter Deutschlands
Oertliche Verwaltungsstelle in Gießen.
Hamburg
Hamburg
Offenbach
Offenbach
Hamburg
Dresden
Hamburg
Hamburg.
Gießen, den 1. August 1892.
Betr.: Ausführung der Feuerlöschordnung, hier die Ausrüstung der Feuerwehren mit Helmen.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises Gießen.
Seitens der Firma Müller zu Offenbach, welcher die Lieferung der für die Mitglieder der Feuerwehren erforderlichen Helme von uns übertragen worden ist, bezw. von dem Vertreter derselben, Herrn Hutmacher Gail zu Gießen, ist das Ersuchen an Sie gerichtet worden, die Kopfweiten der Feuerwehrleute, welche Helme erhalten, messen zu lassen und die Maße Herrn Hutmacher Gail mitzutheilen. Damit die Ausrüstung der Feuerwehren nicht verzögert wird, beauftragen wir diejenigen von Ihnen, welche die Maße noch nicht eingesandt haben, dem an Sie gerichteten Ersuchen binnen fünf Tagen zu entsprechen.
v. Gagern.
Bekanntmachung, betreffend die Unterhaltung der Kreisstraßen, hier den Umbau der Wetterbrücke bei Ober-Bessingen.
Die unterm 5. vor. Mts. verfügte Sperrung der im Zug der Kreisstraße Qber-Bessingeu—Ettingshausen gelegenen Wetterbrücke bei Lber-Bessingen wird hierdurch aufgehoben.
Gießen, den 1. August 1892.
Grobherzogliches Kreisamt Gießen.
v. Gagern. .
Bekanntmachung.
Nachdem von berechtigter Seite die Rückgabe der von dem verstorbenen Dienstmann Heinrich Löfsert dahier gestellten Dienstcaution verlangt worden ist, fordern wir Diejenigen auf, welche Ansprüche an diese Caution aus seiner Eigenschaft als Dienstmann erheben zu können glauben, solche bei Meldung des Ausschlusses binnen acht Tagen bei uns vorzubringen.
Gießen, den 1. August 1892.
Grobherzogliches Polizeiamt Gießen.
I. V.: Bischoff.
Deutsches Reich.
Berlin, 1. August. Am Samstag Mittag hat eine Sitzung des preußischen Staatsministeriums unter Vorsitz des Cabinetschefs Grasen Eulenburg stattgefunden. Man glaubt, daß in der Berathung die Grundzüge für die im Herbste dem Landtage zu unterbreitenden anderweitigen Steuervorlagen festgestellt worden seien, doch ist dies vorläufig eben nur eine Vermuthung.
— Fürst Georg von Schaumburg-Lippe, gegenwärtig der älteste der deutschen Monarchen, vollendete am Montag den 1. August sein 75. Lebensjahr. Fürst Georg erfreut sich noch einer verhältnißmäßig großen körperlichen Rüstigkeit und bemerkenswerthen geistigen Frische. Er ist preußischer General der Cavallerie und Ches des westfälischen Jägerbataillons Nr. 7.
— Gegenüber den vielen, theils direct ungünstigen, theils zurückhaltend klingenden Aeußerungen, welche bis jetzt schon aus den Kreisen der deutschen Industriellen über die geplante Berliner Weltausstellung laut geworden sind, hebt sich eine frische fröhliche Zustimmungserklärung doppelt scharf ab. Dieselbe stammt vom Verbände der deutschen Liqueursabrikanten und Branntweinbrenner her und befürwortet die Eröffnung der „ersten Berliner Weltausstellung" am 22. März 1897, als dem 100jährigen Geburtstage Kaiser Wilhelms I. Die Idee ist allerdings nicht mehr ganz neu, denn genau denselben Vorschlag hat man schon vor dem betreffenden Beschlüsse des genannten industriellen Verbandes hören können, aber jedenfalls klingt er sehr sympathisch. Aber eine andere Frage ist, ob die Eröffnung der Berliner Weltausstellung, ihrZustandekommen selbstverstäudlich vorausgesetzt, so zeitig im Frühjahre besonders practisch wäre,- von diesem Standpunkte aus ^betrachtet, dürste vielmehr die Verlegung des Eröffnungstermins in einen späteren Monat als räthlich erscheinen. Vorläufig heißt indessen die Parole in der ganzen Angelegenheit noch: Abwarten. Uebrigens will ein Berliner Blatt erfahren haben, die sächsische Regierung habe sich nachträglich zustimmend zum Projecte einer deutschen Weltausstellung geäußert, aber unter der Bedingung, daß sie nicht in Berlin, sondern in Dresden abgehalten werde. Diese Bedingung
wird sich indessen schwerlich erfüllen, denn wenn auch zugegeben werden muß, daß Dresden mancherlei Vorzüge gegenüber der Reichshauplstadt besitzt — man denke z. B. nur an die wundervolle Lage von „Elbflorenz" — so könnte trotzdem doch nur die Millionenstadt Berlin, die Hauptstadt des Deutschen Reiches und erste Residenz des Kaisers, als Ausstellungsstadt ernstlich in Frage kommen.
— Die Jenenser Bismarckfeier hat sich, wie dies nicht anders zu erwarten stand, zu einer gewaltigen und glänzenden Huldigung von Zehntausenden für den Altreichskanzler gestaltet, welche beweist, rote gerade in Thüringen der Gedanke an die unvergänglichen Verdienste des ersten Kanzlers des neuen Reiches überaus lebendig ist. Fürst Bismarck selbst hat in Jena wiederholt öffentlich gesprochen; als die bedeutsamste dieser seiner Kundgebungen darf man wohl seine Rede während der Festlichkeit auf dem Marktplatze von Jena vom Sonntag Mittag betrachten. Fürst Bismarck erinnerte in derselben an die deutsche Vergangenheit und auch an den Krieg von 1870/71. Er betonte, daß die geführten Kriege von 1866 und 1870 für Deutschlands Einigung nothwendig gewesen seien, für die Zukunft werde es vermuthlich nur noch Vertheidigungskriege zu führen haben, zur siegreichen Führung derselben müsse Deutschland aber stark und einig sein. Den Vorwurf, er hege antimonarchische Gesinnungen, wies Bismarck aus das Entschiedenste zurück^ er sei ein treuer Anhänger des Kaisers und seiner Dynastie, ohne daß er freilich die Weisheit der Berather des Kaisers immer anzuerkennen vermöge. Groß angelegt war jedoch auch die Rede des Altreichskanzlers am Samstag Abend beim Empfange der Universitäts-Deputation im „Schwarzen Bären". In derselben warf er nochmals einen umfassenden Rückblick auf sein Wirken im Dienste des deutschen Eiubeitsoedankens und verbreitete- Der Fürst schloß mit der Versicherung, er habe schon als Reichskanzler nur nach seinem Gewissen und politischen Pflichtgefühl gehandelt und so thue er auch als Privatmann. — Sonntag Nachmittag 3 Uhr reiste Fürst Bismarck mir. den Seinen wieder von Jena ab, wobei es nochmals zu stürmischen Huldigungen für ihn kam. Nachts gegen 11 Uhr traf er dann an seinem vorläufigen Reiseziele, Schönhausen, ein.
— Im Wiener Cabinet stehen mehrfache Veränderungen bevor, denen eine spezielle politische Bedeutung unverkennbar anhastet. Zunächst handelt es sich um den Rücktritt des czechischen Landsmann - Ministers Prazack, dessen Stellung seit der Schwächung der altczechischen Partei bei den letzten Wahlen als erschüttert gilt. Weiter nennt man den Justizminister Grafen Schönborn, dem die plötzliche Begünstigung der Slovenen verhängnißvoll zu werden droht, sowie den clerieal gefärbten Ackerbauminister Grasen Falken- hayn als diejenigen Mitglieder des Cabinets Taaffe, deren Ausscheiden ebenfalls als gewiß gilt. Doch heißt es, der Rücktritt der beiden letztgenannten Minister werde erst zu einem späteren Zeitpunkte erfolgen.
— Die Choleraepidemie in Rußland hat plötzlich einen mächtigen Sprung ostwärts, nach Sibirien, gethan. Hier ist sie in der Stadt Tomsk ausgetreten, wo am Sonntag zehn Erkrankungen und zwei Todesfälle an Cholera vorkamen. Vermuthlich ist die Seuche vom Ural her eingeschleppt worden. Anderseits mußte jetzt das Auftreten der Cholera auch in Warschau amtlich endlich zugegeben werden. Von Warschau aus kann sie jeden Tag die russische Grenze überschreiten.
— Gegen zwei Mitglieder des japauefischen Cabinets» die Minister Okuma und Kono, ist ein eigenartiger Mordversuch unternommen worden. Es sind ihnen nämlich mit Explosivstoffen gefüllte Briefe in ihre Wohnungen geschickt worden, glücklicher Weise mißglückte in beiden Fällen das verbrecherische Vorhaben. Die Urheber des Attentats sind noch nicht ermittelt, vermuthlich gehören sie aber zu der unzufriedenen altjapanesischen Partei, welcher die Begünstigung des ausländischen Elements seitens der Regierung ein Gräuel ist. Es haben aus diesem Anlasse schon mehrfach Attentate von nationalen Fanatikern aus japanesische Minister stattgefunden.
— Die südamerikauische Republik Venezuela befindet sich infolge des Bürgerkrieges im Zustande beginnender Auslösung. Einerseits sührt die Partei des geflüchteten Präsidenten Palacio gegen die Insurgenten noch immer den Kamps fort, obwohl dieselben immer mehr an Terrain gewinnen, anderseits, herrscht im Lager der Insurgenten große Uneinigkeit. Nicht weniger als sechs Candidaten streben nach der Präsidentschaft und ihre Anhänger stehen sich drohend gegen-


