1892
Amts- rind Anzeigeblntt füe den Rveis Giejzen.
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Hratisöeikage: Hießen er Kamrüenötätter
Zlrntlichev Theil.
Bekanntmachuna
Feuilleton
Bttnainrt Hob Anzeige« zu der Nachmittag« für deu felgenotn Lag erscheinenden Nummer bi« vorm. 10 Uhr.
Alle Lnnoncen-Lureaux de« In- und AuÄr^rde« nehm« Anzeigen für den „Gießener Anzeiger" entgegen,
erforderliche Material demnächst unter-
1. April 1892.
Der Vorsitzende:
S ü f s e r t.
breitet werden kann. Gießen, den
Worms, 1. April. Heute Morgen gegen 4 Uhr fiel am mittleren Fischmarkt ein Meteor nieder- der Stein wiegt zwei Centner. In seinem Falle schlug derselbe ein circa vier Fuß tiefes Loch in den Erdboden, und zerstörte der Meteor den Dachstuhl eines Häuschens. Der Stein soll ausgegraben und einer näheren Besichtigung unterzogen werden. (Daß das Ungethüm von Meteor auch gerade am 1. April fallen mußte. Red.)
vierteljähriger JMonnemenUptdui 2 Mark 20 Pfg. u* Bringerlohn.
Durch die Post bezoß« 2 Mark 50 Pfg.
Redaktion, LxpedttisN und Druckerei:
-chutstratze Ar.L« Fernsprecher 61.
Steuer-Courmiffariat Gießen.
Amtstage: Dienstag und Samstag Vormittags von 8 bis 12 und Nachmittags von 2 bis 4 Uhr.
totales utiö ^provinzielles.
Gießen, 2. April 1892.
— Von der Universität. Se. Königl. Hoheit der Großherzog hat der hiesigen Studentenschaft seinen Dank für die Beileidsbezeugungen anläßlich des Todes seines Herrn Vaters ausgesprochen.
— Verschönerungsverein. Am 30. März fand die diesjährige Generalversammlung des Verschönerungsvereines statt, in welcher zunächst der Jahresbericht über die Thätigkeit des Vereines im verflossenen Jahre erstattet und Rechnung abgelegt wurde. Der Verein zählte im vergangenen Jahre 449 Mitglieder, die Rechnung schloß mit einem Kassenbestande von 698,60 Mk. ab. Als für das lausende Jahr von dem Vereine auszusührende Arbeiten wurden die folgenden in Aussicht genommen: 1. Der im vorigen Jahre begonnene Fußpfad neben der Wanneschneiße nach dem Hochwartberg soll, so weit er begonnen ist, fertig gestellt und auf eine weitere Strecke sortgefuhrt werden. 2. Neben dem sogenannten alten Schiffenberger Wege soll auf der Straße vom Fried- Hofe bis zum Walde ein Fußweg hergestellt und derselbe mit Lindenbäumen bepflanzt werden. 3. Es sollen neue Ruhe-
SichmerAnzeiger
Henerat-Anztz«ßer.
bänke aufgestellt werden an der neuen Leihgesterner Kreisstraße, an der Steinberger Kreisstraße und an der Heuchelheimer Chaussee. 4. In den Anlagen soll ein Häuschen mit meteorologischen Instrumenten (Barometer, Thermometer, Hygrometer rc.) — ein sogenanntes Wetterhäuschen — ausgestellt werden. 5. Der Aufstieg des Fußweges nach dem Hardtberge soll verbessert werden. 6. Es sollen neue und — soweit nöthig — corrigirte Karten der Umgegend hergestellt werden. — In den nächsten Tagen wird die Einziehung der Mitgliederbeiträge stattfinden und wir geben der Hoffnung Ausdruck, daß dem Vereine immer mehr neue Mitglieder beitreten und ihm auch Zuwendungen über den statutengemäßen geringen Jahresbeitrag hinaus zu Theil werden, damit er die Ausgaben, die er sich im Interesse der Vermehrung der Annehmlichkeiten des Aufenthaltes in unserer Stadt gesetzt hat, immer besser erfüllen, seine Thätigkeit eine immer ausgedehntere werden kann.
— Eoncert. Aus das morgen in Steins Saalbau stattfindende Concert wird an dieser Stelle ganz besonders aufmerksam gemacht. Das außerordentlich reichhaltige Programm zeigt uns eine Novität, welche einem in Hamburg lebenden Gießener Kinde entsprungen ist und sich Matrosen-Freuden betitelt. Dieses reizende Characterstück, welches das Vorüberziehen eines Schiffes bedeutet, ist in Form einer Schaarwache gehalten und wird in den Hamburger Concert- sälen stets da capo verlangt. Als bester Beweis seiner Zugkraft ist wohl anzusehen, daß dasselbe schon in dritter Auflage erschienen und bei Herrn Challier zu haben ist.
— Eine Vorlage des Finanzministeriums an die zweite Kammer fordert für Bauausführungen und bessere Ausrüstung der Oberheffischen Eisenbahnen den Betrag von 586,000 Mk.- insbesondere sind für eine neue Werk' stattsanlage incl. innerer Einrichtung 540,000 Mk. vorgesehen.
M Herbstein, 1. April. Heute Mittag, kurz nach 12 Uhr, wurden die Bewohner durch den Rus „Feuer" erschreckt. Es brannte in der Untergasse. Mit furchtbarer Schnelligkeit griff das Feuer um sich, so daß in etwa einer Viertelstunde vier Gebäude in hellen Flammen standen. Nur mit größter Mühe konnte das Vieh und das nöthigste Mobiliar gerettet werden. Ein etwa 30 Meter von der Brandstätte entfernt t.ehendes, einstöckiges Häuschen brannte ebenfalls vollständig nieder in Folge eines durch den leichten Wind hierher gejagten brennenden Strohbiischels. Dank der aufopfernden Thätigkeit der durch den Herrn Bürgermeister Narz meisterhaft dirigirteu Löschmannschaft wurde die direct an die Braud- tätte anstoßende, mit Heu angefüllte Scheuer gerettet und ein weiteres Umsichgreifen des Feuers verhindert.
Nr. 80 Drittes Blatt
Im Jntereffe des Publikums macht man noch ausdrücklich darauf aufmerksam, daß Reclamationen gegen Einkommen- und Capitalrentensteueransätze 1. Abtheilung immer, aber auch Remonstrationen gegen Ansätze dieser Abtheilung, sowie Reclamationen gegen Einkommen und Capitalrentensteueransätze 2. Abtheilung möglichst schriftlich und zwar unter genauer Angabe der für eine etwaige Ermäßigung sprechenden Gründe (wenn aber mündlich, nur an den Amtstagen Dienstags und Samstags) während der gesetzlichen Frist bei dem Unterzeichneten vorzubringen sind, damit der Commission das zur Beschlußfassung ' ' ' “
Muli — öa kommen sie! fätarc — das ist das wahre!
Von E. Laris.
Es hat sich wieder einmal zugetragen, wie schon so viele Jahre hintereinander: den froftigen Tagen des Februar ist eine unliebsame Fortsetzung im März gefolgt, dieser hat bereits sein Ende erreicht und immer wollen die Traufen der Dächer noch nicht rinnen und die buhlenden Langschnäbel bringen. Dem brummigen Städter gehen solche Waidrnanns- wünschc freilich gegen den Strich - zuerst war ihm denn doch bald zu viel des Eises, dann raifonnirt er über den Schneequark, den er durchwaten mußte, und jetzt schon wieder Regen!
Ja! Oculi einst — und jetzt! Sie sind dahin, jene goldenen Zeiten, wo man ein halbes Dutzend Schnepfen in tinetn Tage erlegen konnte, sie werden nie wiederkehren! — Nicht genug, daß die Nimmersatten Albions alljährlich die Winterquartiere der Schnepfe im Pelopones aussuchen, um ihrer Tausende zu morden*), haben die Feinzüngler aus ihren schwellenden Polstern auch noch die unglückliche Entdeckung gemacht, daß Schnepseneier die leckersten von allen sein sollen!!! Nun, wir wollen auch diese Gaumenwollust seiften Schwelgern nicht mißgönnen, die oft — keiner anderen mehr fähig sind, gerne mit frugaler Hausmannskost uns begnügen, öie der Hunger am Abend eines fröhlichen Jagdtages herrlicher als die mörderische Kunst ihrer Köche auswürzt und mit Wildungen ihnen zurusen:
A- »• ßinbermaper - Brehms Tbierleben, 6. Band, Leipzig und Wnn 1892 - erbeuteten drei Engländer, die zwischen Patras und Pyrgos im Pelopones jagten, in drei Tagen tausend Schnepfen.
Der »Utnwt Anzeiger erscheint täglich, «tt Lu-nahme de« Montag«.
Die Gießener As««ßtteB-tLlier Berten dem Anzeiger wöchentlich dreimal btigelegt.
Sonntag den 3. April
Scbiffsnacbricfetcn.
J*re“en- c31- März. [W transatlantischen Tclegraph.j D" Schnelldampfer Havel, Capiän Th. Jüngst, vom Norddeutschen " B>emen, welcher am 22. März von Bremen und am Marz von Southampton abgegangen war, ift gestern 11 Uhr Vormittags wohlbehalten in N-'wyork angekommen.
Bremen, 31. März. [Wer transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Weimar. Capitän A. M.ier. vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 17. März von Bremen abgegangen war, ift vorgestern, 6 Uhr Abends, wohlbehalten in Baltimore angekommen.
Der Postdampfer „Belgenlund" der „Red Star Sine* in Antwerpen ist laut Telegramm am 28. März wohlbehalten in Philadelphia angekommen.
Dir Postdampfer „W-steruland" der „Red Star Line" in Antwerpen ist laut Telegramm am 29. März wohlbehalten in Rewvork angekommen. v
Eingesandt.
~ _ Gießen, 2. April.
Da Sie stets bereit sind, Alles, was für unsere Stadt ^interess^ & Ar geschätztes Blatt aufzunehmen, so gewähren Sie wohl auch nachfolgenden Zeilen gütige Aufnahme:
mehreren Damen, die in weiblichen Arbeiten gründlich m f M Srn aabnmnat^ cin genaues Unheil abgeben können besuchten wir die Ausstellung von Frauenarbeiten der höheren und erweiteren Mädchenschule. Die Damen waren schon, nachdem sie die prachtvollen Arbeiten nur im Allgemeinen in Augenschein ge-- ^0" der hübschen Anordnung, Mannigsaitigkett und Reichhalttgkett der Arbeiten im höchsten Grade überrascht. Als dteselben aber die einzelnen Arbeiten im Stricken, Häkeln Sticken Nähen, Flicken und Stopfen einer genauen Besichtigung unterzogen
folgende« Urtheil ab: „Die Arbeiten zeichnen sich sämm?- lich durch bewundernswerthe Sauberkeit und Genauigkeit aus und 9irhPifL!rIDflt6 kannten sich in dieser Beziehung ein Muster an den Arbeiten von Kinderhänden nehmen. Besonders hoben sie die Häkelarbeiten, urster denen sich wahre Kunstwerke (eine Bettdecke) befänden hervor; auch die Flickarbeiten belobten sie sehr, da die nach dem eingesetzten Stucke einer jeden erfahrenen Hausfrau zur Ehre
£ ®toe J)ame war von den Arbeiten so entzückt, daß sie oldien^Aanhrtrh^ fn. .b,efe ®^ule gehen zu können, um einen
solchen Handarbeitscursus mitzumachen. Einstimmig bemerkten die Damen, daß die Lehrerinnen nicht allein ihre volle Schuldigkeit aethan. sondern es aud) verstanden hätten, durch klare und verständige «beiknnein,uPÖ6enn Äinbern Cuft unb Siebe zu den Hand-
„Ihr möget euch nebst hundert Gästen Mit Schnepsendreck und Austern mästen Im schöngeschmuckten Toselsaal;
Viel besser schmeckt int dunklen Haine Dem müden Nmtrodssohn das kleine, Doch weit gesündre Jägermahl!"
Das ist die eine Seite des Bildes, nämlich des Bildes der heutigen Schnepscnjagd und nun die Kehrseite, meine erste Schnepfe!
Am Ende der Dorsstraße, an deren Hecken die Knospen anzuschwellen beginnen, liegt ein vierschrötiges Haus, dessen Eingang durch em starkes Hirschgeweih geziert ist, mit daran- stoßendem großen Hof, welchen die Wirthschaftsgebäude umsäumen. Einige schmutzigwcife Inseln im graubraunen Flachland sind der kümmerliche Rest jener haushohen Schneewehen, die vor Wochen gleich einer schaumigen Brandung gegen die Bretterzäune des Dorfes schlugen, an deren Sonnenseite jetzt die ersten Boten des Vorfrühlings, Schneeglöckchen und Leberblümchen, aus der feuchten Wintererde hervorsprießen. In der messinggelben Beleuchtung der Märzsonne zeigt sich der Wald in ungeheuerlicher Starrheit. Im Gegensätze zu den lauten Wassern, deren unbändiger Drang wie ein Siegesjauchzen klingt, waltet über den ausgedehnten Waldbeständen noch die schlafmüde Stimmung des langwierigen Winters, dessen Macht die milden Frühlingslüfte gebrochen haben.
Aber bleiben wir vorläufig bei dem Hause. Es steht hell und sauber, umgeben von wohlgepflegten Aprikosen-, Aepsel- und Birnbäumen, die es im Sommer mit ihrem dichten Laubwerk ganz und gar verdecken bis zum Dache hinaus, von dem die verwehende Rauchsäule in die sonnige Höhe sich emporschlängelt. In dem behaglichen Eckzimmer dieses Hauses sitzt ein Mann an seinem Schreibtische, dem die Frühlingsahnungen mit ihren Blüthenträumcn nicht zu Herzen gehen. Auch mit den unruhigen Geistern, die in den Nächten zur Zeit der Tag- und Nachtgleiche die goldgelben Schlüsselblumen und das Windröschen, das Hungerblümchen und die
j Taubnessel zerzausen, hat vergüte, alte Herr keinen Umgang. | Der Frühgesang der Amsel, die aus dem höchsten Zweige des noch völlig kahlen Birnbaumes an der Ecke des Hauses ihr erstes Probelied in den goldigen Hauch der ausgehenden Sonne hinausflötet, heimelt den Lauscher zwar an, erweckt aber in ihm keine lyrischen Stimmungen. Sein Sinnen gilt dem dämmerigen Schatten des Waldes, fein Auge schaut hinaus aus die bläulichen Schatten, welche sich zwischen den schwarz- grünen Nadelholz-Beständen hinziehen, ßnd sein Ohr lauscht traumverloren einer rvundersamen Stimme des Waldes, der nichts gleichkommt, was von den Tonwerkzeichen der Natur ausgeht und in Wellenschwingungen dem lauschenden Ohre vernehmbar wird. Er lächelt still in sich hinein, da er wohl der Dichter gedenkt, die so viel Aufhebens machen von dem Sing-Sang der gefiederten Concertmeister im blühenden Haag.
Was mag das für ein wundersamer Sang fein? Sagen mir eö kurz heraus: der sinnende Mann ist mein väterlicher Freund und Lehrherr, der Oberförster K. — der Verwalter des einige hundert Schritte vor dem Forsthause liegenden großen Forstreviers.
„Oculi — da kommen sie!" . . . Wer von jenen, denen ein Frühjahrsanstand aus Langschnäbel etwas so Unbekanntes ist, wie etwa die Freuden, die den Bewohnern anderer Planeten zu Theil werden, hat eine Ahnung von der aufregenden Wirkung jenes von der ungeheuren Mehrheit der Menschen gänzlich unbeachteten Kalendernamens, der in der Regel mit dem ersten Sonntage im März zusammensällt? Dem Jäger von Berus und dem ächten Waidmann ift der März ein Freudenmonat. Nichts gleicht der Frühjahrsjagd, dem Vchnepsenanstand im Walde, den die ersten Regungen des erwachenden Lebens durchzittern.
(Schluß folgt.)


