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Mittwoch den 29. Mi

Giehenev Anzeiger.

Beilage zu Rr. 173. -1891

Feuilleton.

Die Seeschlacht bei Lists 1866.

(Schluß.)

Die Uhr weist auf 10 Uhr 43 Minuten, die See­schlacht von Lissa hat begonnen. In dreifacher Keilsorm braust unsere Flotte daher, schon ist des Gegners lange Front durchbrochen und mächtige Wolken von Pulverdampf umhüllen mit ihren Schwaden die kämpfenden Schiffe. Noch immer steht mit verschränkten Armen der kleine blonde Mann oben aus der Commandobrücke desFerdinand Max", mit seinen Adlerblicken regiert er die Schlacht, durchbohrt er den Qualm, der Freund und Feind verhüllt, und in dem Augen­blicke, da die mit voller Dampskraft aneinander vorüber­jagenden Schlachtschiffe auf Pistolenschußweite ihre vollen Breitseiten miteinander austauschen, gibt er die Ordre: Panzerschiffe den Feind anrennen und zum Sinken bringen" und die Ausführung folgt dem Befehle. Mit der Geschwin­digkeit von zwölf Knoten per Stunde schießt derFerdinand Max" daher, seinen furchtbaren Sporn gegen den im Augen­blicke isolirtenRe d'Jtalia" gerichtet, der heldenmütige Flaggencapitän Tegetthoffs, Max v. Sterneck, der jetzige Marinecommandant, dirigirt, in den Kreuzwanten hängend den Strickleitern, die zum Mastkorbe führen persön­lich den Stoß. Der Ordremit ganzer Kraft vorwärts" läßt Sterneck aber auch schon im nächsten Augenblicke das CommandoGanze Kraft rückwärts" folgen. Es war die höchste Zeit. Ein furchtbar kritischer Moment, denn schon bohrte sich der scharfe Rammbug des österreichischen Admiral­schiffes, unter markerschütterndem Dröhnen und Krachen alles zerschmetternd Panzer, Planken und Rippen in die Flanken desRe d'Jtalia". Der Stoß war so gewaltig, daß in demFerdinand Max" Alle, die in den unteren Räumen standen, zu Boden geschleudert wurden. Mehr als klaftertief drang der Sporn ein, eine Bresche von 140 Quadratfuß in die Weichseiten des Gegners reißend. Und als dann derFerdinand Max" seinen nunmehr wie blank

polirten Sporn aus der Todeswunde deRe d'Jtalia" riß, da brach die Fluth mit Macht in das Leck ein, das Schiff neigte sich, dann richtete es sich kerzengrade auf, wie ein bäumendes Roß und zwei Minuten später schlugen die Fluthen der Adria über dem Panzercolosse zusammen, der mit Mann und Maus in sein zwölfhundert Fuß tiefes Wellen­grab versank.

Hätte Sterneck seine entscheidende OrdreContredampf" nur eine Secunde später ertheilt, so wäre es nicht möglich gewesen, den Sporn desFerdinand Max" freizumachen und derRe d'Jtalia" hätte seinen Sieger mit sich gerissen aus seiner Todesfahrt. Die 600 Mann vomRe d'Jtalia" starben wie die Helden, die Matrosen und Marinesoldaten, mit dem RufeEvviva FItalia noch von den Mastkörben aus die letzte Salve aus den Feind abgebend. Mit hoch­flatternder Nationalflagge sank derRe d'Jtalia", der Stolz seines Landes. Vergebens suchte Tegetthoff einige, noch mit den Wogen kämpfenden Offiziere und Matrosen des Panzer- coloffes zu retten, denn in demselben Augenblicke wurde der Ferdinand Max" von drei feindlichen Panzern hart bedrängt. Mit voller Dampskraft schoß dieAncona" daher, um ihren Rammbug in die Flanken unseres Admiralsschiffes zu bohren und nur die Geistesgegenwart Sternecks, der dem Stoß im letzten Augenblicke auswich, bewahrte sein Fahrzeug vor dem Schicksal deRe d'Jtalia". So hart fuhr Sterneck an der Ancona" vorüber, daß kaum Armeslänge die beiden Schlacht­schiffe von einander trennte und die Kanoniere der Backbord­batterie nicht einmal ihre Setzstücke in die Kanonenmündungen einführen konnten.

Mit dem Untergange des größten italienischen Schiffes, welcher 37 Minuten nach Beginn der Schlacht erfolgte, war der Sieg für Tegetthoff schon halb entschieden- derPalestro" war in Brand geschossen, derSan Martino" meldete sich kampfunfähig, derRe di Portogallo" hatte schwere Havarien erlitten. Hätten sich alle italienischen Schiffscommandanten gehalten wie der tapfere Ribotti mit seinemPortogallo", so hätte noch eine Wendung zu Gunsten Italiens eintreten können- sagt doch Tegetthoff in seiner Relation:Dieser

Offizier und sein Schiff schienen den Teufel in dem Leibe zu haben." So aber zwang Comodore Petz, der mit seinem HolzschiffeKaiser" tollkühn den Panzer anging, denPorto­gallo" zum Weichen. DerKaiser" brannte lichterloh, er hatte 80 Kugeln in den Leib bekommen und 99 Mann lagen tobt und verwundet in seinen Batterien, aber noch immer setzte er den ungleichen Kampf heroisch fort, die Worte Far- raguts wurden wahr:Hölzerne Schiffe, in denen eiserne Herzen schlagen, das sind die besten Monitors."

Es ist Mittag geworden, kaum anderthalb Stunden hat die Schlacht gedauert, da gibt Tegetthoff den Befehl zum Sammeln- Persano, der fortwährend im Thurme desAsson- datore" steckt, signalisirt seiner FlotteRückzug"- in der Richtung des Canals von Busi retirirt die geschlagene Flotte. Aber die Gräuel der Schlacht sind noch nicht zu Ende, der Tag von Lissa findet seinen tragischen Abschluß mit der Kata­strophe desPalestro". Die Flammen haben den größten Theil des stolzen Schiffes ergriffen. Der Brand nähert sich der Pulverkammer und der italienische Admiral gibt dem Commandanten Cappellini Ordre, das Schiff zu verlassen. Aber der Tapfere sagt:Ein Capitän stirbt mit seinem Schiffe, gehe Jeder, ich bleibe." Das Beispiel des Helden begeisterte seine Matrosen, vergebens legt derGovernolo" an, um die Mannschaften zu retten - die Leute weigern sich, ihr Schiff zu verlassen. Und als derGovernolo" nicht das dem Untergange verfallene Schiff verlassen will, ruft Cap­pellini :Bitte, sich etwas abseits zu halten, sonst fliegen Sie mit." Eine Viertelstunde später erschüttert entsetzlicher Donner das Meer, derPalestro" und 250 wackere Männer waren in die Lust geflogen. So endete der Tag von Lissa.

Persano kam vor das Kriegsgericht, er wurde abgesetzt, schimpflich degradirt und starb als lebensmüder, gebrochener Greis erst viele Jahre später, nachdem sein glorreicher Gegner lange Einkehr gehalten in den Tempel der Un­sterblichkeit.

Carl Winter. (N. W. T.)

Hderhrs-schk Sisendahnen.

Itußkiestiefernng.

Die Anlieferung von ca. 350 cbm Fluß- kies, darunter ein Theil durchgeworfener, feiner Kies, soll im Wege schriftlichen An­gebots vergeben werden und sind die dies­bezüglichen Bedingungen im Bureau des Gefertigten einzuseben. Schriftliche und francirte Angebote sind ebendahin mit der AufschriftAnlieferung von Flußkies" bis zum Eröffnungstage Montag, den 3. August, Vormittags 10 Uhr, einzu- reichen- 6767

Gießen, den 25. Juli 1891.

Der Eisenbahnbaumeister.

I. V.:

__Heinrich Backofen.___

Mittwoch -en 12° August-

Nachmittags 21/2 Uhr, sollen auf dem hiesigen Ortsgericht die den Friedrich Welker Eheleuten in Gießen gehörigen Immobilien:

Flur 40 Nr- 296 450 Meter Acker auf dem Sand,

Flur 40 Nr. 297 388 Meter Acker da­selbst,

Flur 1 Nr. 39 12 Meter Hofraum Miststätte in der Mühlgasse, Flur 1 Nr. 41 75 Meter Hofraithe in der Mühlgasse

öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, 29. Juni 1891.

Großh. Ortsgericht Gießen.

___________I. A.: Vogl. 6008

Mittwoch den 29. IM,

Nachmtttags 2 Uhr, versteigere ich im Bieker'schen Saale Neustadt gegen Baarzahlung:

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und nach dieser Versteigerung

ein großes Quantum Backsteine.

Geltzlee, 6806_________________Gerichtsvollzieher.

Mittwoch den 29. Inti, Nachmittags 2 Uhr, in der Bieker'schen Hofraithe zu Gießen sollen versteigert werden:

3 Schweine, 1 Wagen, 1 Handwagen, 2 Hobelbänke, 1 Bett, 1 Pianino, 1 Ladeneinrichtung und eine Reihe von Mobilien rc.

Versteigerung voraussichtlich theilweise bestimmt.

Gießen, den 27. Juli 1891.

GNgtl, 6818 Gerichtsvollzieher.

Aeilgeöatenes.

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