der damaligen Oberschulbehörde einzeln heroorgehoben sind, in reichem Matze auf Sohn und Enkel übergegangen seien und daß der Jubilar sein warmes Herz für die Ktnderwelt, seinen echt deutschen Sinn und sein tief religiöses Gemülh aus dem Schoße einer tüchtigen Lehrerfamilie empfangen und sich bis zu seinem hohen Alter in einem vorzüglichen Grade bewahrt habe rc. rc.
Nach Schluß der Predigt überbrachte Herr Regierungsrath Dr. Braden von Friedberg die Glückwünsche der obersten Schulbehörde, der Großh. Kreisschulcsmmission, sowie seine persönlichen Wünsche, indem er in beredten Worten sowohl die patriotische Haltung des echt deutschen Mannes, den auch die Stürme von 1848 nicht wankend machten, als auch die vorzüglichen Leistungen und das treue Wirken des tüchtigen Lehrers in und außer der Schule rühmend anerkannte, wie dies ja auch bereits im vorigen Jahre durch die seltene Auszeichnung von Sr. Königlichen Hoheit anerkannt worden sei. Herr Decan Hainer von Hungen verlas das Anerkennungsschreiben der obersten Ktrchenbehörde, in welchem des Jubilars vielseitigen Wirkens, seiner Verdienste um den Religionsunterricht und Ktrchengesang ehrend gedacht wurde. Der hochwürdige Herr Prälat Dr. Habicht war bereits Sonntags vorher in der Wohnung des Jubilars erschienen, um persönlich zu gratuliren. Herr Decan Meyer von Friedberg sprach im Namen des Vereins für Erziehung verwahrloster Kinder seinen Dank dafür aus, daß unter der Fürsorge des Jubilars die in Södel untergebrachten Kinder stets diejenige besondere Liebe und Aufmerksamkeit erfahren haben, deren gerade sie am allermeisten bedürfen. Ferner dankte er auch im Namen des Vorstandes der Gustav-Adolf-Stiftung für sein treues Wirken im Geiste dieses Vereins, dem es wohl zu verdanken sei, daß die Gemeinde Södel stets gerne bereit sei, den Verein festlich bei sich aufzunehmen. Herr Lehrer Zang von Friedberg gratulirte im Namen der Lehrer des Kreises und Herr Pfarrer Schmidt verlas ein Schreiben des hohen Protectors Sr. Durchlaucht des Fürsten von Lich und sprach in herzlichen Worten den Dank des Kirchen- und Schulvorstandes der Gemeinde aus. indem er denselben durch Ueber- reichung einer Prachtbibel besiegelte. Sichtlich gerührt sprach der Jubilar nach allen Seiten hin seinen Dank aus für so viel Anerkennung und Liebe, während er nur gethan habe, was Pflicht und Schuldigkeit von ihm forderten, und versprach, in gleicher Weise weiter zu wirken, bis er von einer höheren Hand von seinem Arbeitsfelde abgeführt werde.
Nach beendigtem Gottesdienste wurden im Schulhofe sehr zahlreiche und werthoolle Geschenke übergeben. Statt vielen anderen wollen wir hier nur ein prächtiges Sopha und einen Secretär von der dankbaren Gemeinde erwähnen, die dem Jubilar auch das Ehrenbürgerrecht verlieh. Von dem Gesang- und Kriegeroerein wurde er durch Ueberreichung künstlerisch ausgeführter Diplome zum Ehrenmitglied ernannt. Fünf frühere Schüler hatten aus Amöneburg eine von ihnen selbst künstlerisch ausgeführte Gedenktafel in prachtvollem Rahmen übersandt, sechs Soldaten aus Gießen, ebenfalls Schüler, ließen durch einen der ihren ihre Photographie überreichen, die Schulkinder schenkten Moltkes großes Bild und Lehrer Freund aus Hähn- lein hatte den in graphisch schöner Darstellung ausgeführten Stammbaum der Familie Loos übersandt rc. rc.
Um 1 Uhr begann bei Wirth Schneider das Festessen. Ueber 200 Personen nahmen daran Thetl und bekamen, da die Liebenswürdigkeit mancher Festgäste die fehlenden Kellner ersetzte, bei heiterer Musik mit einiger Geduld auch etwas in den Magen. Die Reihe der Toaste eröffnete Herr Regierungsrath Dr. Braden mit einem
kräftigen Hoch auf Kaiser und Großherzog, die hohen Beschützer und Förderer der Schule. Die große Versammlung stimmte begeistert ein und sang stehend die Nationalhymne „Heil unferm Fürsten, Heil rc." Herr Schulrath Schmidt feierte in liebenswürdig humoristischer Weise den Jubilar, indem er ihm durch Ueberreichung eines prachtvollen silbernen Bechers Gruß und Glückwunsch der Kretslehrer- conferenz Friedberg überbrachte. Anknüpfend an das Wort: „Was Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden", wies Herr Decan Hainer darauf hin, daß der Mensch auch nicht vermengen solle, was Gott nebeneinander gestellt habe, und feierte das friedliche Zusammenwirken von Kirche und Schule, wie es in besonders segensreicher Weise in dem Zusammenwirken des Pfarrers und der Lehrer dieser Gemeinde verkörpert sei. Sein Hoch galt der Familie des Jubilars. Herr Landtagsabgeordneter Weith von Nieder- Wöllstadt feierte in schönen Worten den weithin bekannten und beliebten „Vater Loos". Herr Missionsdirector Zinßer aus Leipzig erhob sein Glas, in überaus launiger und überaus ergötzlicher Weise auf das schöne Verhältniß der beiden Lehrer untereinander, das sich bereits am Vorabend des Festes in so erfreulicher Weise kund gethan habe. Er brachte sein Hoch den Enkeln des Jubilars. Der Sohn des Gefeierten, Herr Pfarrer Loos von Butzbach, feierte in warmen, bewegten Worten die Heimatb, insbesondere die liebe Heimaths- gemeinde. Der Jubilar selbst dankte nochmals und brachte sein Hoch dem Deutschen Vaterland, worauf auf Vorschlag des Herrn Regierungsrathes stehend „Deutschland, Deutschland über Alles" von der ganzen Versammlung gesungen wurde. Von den vielen anderen Ansprachen wollen wir nur noch diejenige des Herrn Lehrers Walther von Dorheim erwähnen, der im Namen der Bezirksconferenz Södel zwei Werke von Rosegger überreichte, diejenige des Herrn Pfarrers Schmidt, der im Auftrage Sr. Durchlaucht des Fürsten von Lich einen silbernen Becher übergab, und ein schönes Gedicht des Herrn Lehrers Storch von Butzbach, auf künstlerisch schönem Gedenkblatt geschrieben, in welchem derselbe im Namen der Lehrer von Butzbach gratulirte.
Die Zahl der Telegramme und Glückwunschschreiben belief sich auf 227. Drei Depeschen kamen aus New-Aork, andere aus Baltimore, Paris, Stuttgart, München, Augsburg, Ischl, Mainz, Gießen und vielen anderen weit entfernten Orten. Außer den bereits genannten Gedichten erfchlenen noch solche von Lehrer Faber in Steinbach, Grödel in Friedberg, Pfarrer Bernhard in Nieder-Wetsel und eines aus Mainz. Aus Gießen gratulirte der academtfche Verein und viele Privatpersonen. In welch' hohem Maße der Gefeierte durch sein Wirken in der Schule wie im öffentlichen Leben bei gemeinnützigen Unternehmungen der verschiedensten Art sich die Liebe und Achtung auch hochgestellter Persönlichkeiten erworben hat, mögen die folgenden Kundgebungen beweisen, die zugleich ein schönes Zeugniß für ihre Urheber selbst sind. Se. Durchlaucht Graf Oriola aus Büdesheim, der sich auf einer Reise nach Amerika befand, schrieb von Bremen aus an den Jubilar, bedauerte, daß er durch seine Reise verhindert sei, an dem Feste persönlich Theil zu nehmen, und schließt seinen Brief mit den Worten: „Aber ich möchte Ihnen wenigstens schriftlich meine besten und aufrichtigsten Glückwünsche aussprechen und der Hoffnung Raum geben, daß Sie noch einen langen und schönen Lebensabend verleben mögen. In ähnlichem Sinne schrieb auch Freiherr von Löw zu Steinfurth und Se. Durchlaucht der Fürst von Lich.
Ein allgemeines Bravo der Versammlung wurde veranlaßt durch das hoch auszeichnende Telegramm, das aus Berlin gekommen ist und folgenden Wortlaut hatte:
„Beste Glückwünsche sendet dem bewährten Patrioten und hochverdienten Lehrer der Jugend
Miquel, Staatsminister."
Ehre, dem Ehre gebührt! Ehre aber auch dem, der in seiner höchsten Stellung das treue Wirken eines bescheidenen, schlichten Mannes nicht übersieht, sondern eS offen anerkennt und zu würdigen weiß.
Schließlich möge es noch gestattet sein, die kurze Charakteristik, die ein Gedicht aus Mainz von dem Jubilar entwirft, hierher zu setzen:
„Fünfzig Jahre Lehrer,
„Fünfzig Jahre Mehrer
„Deutschen Geistes und deutscher Art
„Und den Glauben gewahrt
„Und nicht rechts, nichts links gebeugt,
„Stets den rechten Mann gezeigt:
Das hielt Seel' und Leib Dir klar! —"
Wir hoffen: Noch gar manches Jahr!
Schiffsirachrichten.
Bremen, 26. Juni. (Per transallantischen Telegraph.) Der Schnelldampfer Lahn, Capt. H. Hellmers, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 16. Juni von Bremen und am 17. Juni von Southampton abgegangen war, ist gestern 2 Uhr Morgens wohlbehalten in Newyork angekommen.
verkehr, Land- unö Volkswirtschaft.
— Bereitet Obstwein. Das Mißtrauen Vieler gegen den Obstwein dürfte im Wesentlichen auf unangenehmen Erfahrungen bei dem Versuch eigener Obstweinbereitung oder bei dem Bezug von Obstwein aus anderen Gegenden zurückzuführen sein, abgesehen von vielfach vorkommender Unkenntniß desselben. Es sind indeß in den letzten Zeiten die Hilfsmaschinen wesentlich verbessert worden und auch die Wissenschaft hat durch die Erforschung des Wesens der Gährung und der Entwicklung des Weines günstigen Einfluß auf eine sorgfältigere und rationellere Obstweinbereitung gehabt. Eine wesentliche Bedingung zur Erzielung eines guten Obstweines ist die meist zu vermissende Rücksichtnahme auf den richtigen Reifegrad der Früchte und peinliche Sauberkeit, sowie Abhaltung der Luft von der zu pressenden Maische (Troß) und noch mehr von der zu gährenden Flüssigkeit, da sich sonst leicht Essig bildet. Daher ist auch eine möglichst gleichmäßige Temperatur im Gähr- und Kellerraum, 10 bis 15 Grad Celsius nöthig und ein baldiges Abziehen des Obstweines auf Flaschen nach vollendeter Gährung und Klärung des Weines rathsam. Außerdem ist ein Mischen verschiedener Sorten unbedingt nöthig, um einen Obstwein darzustellen, welcher das richtige Gleichgewicht zwischen Aepfelsäure und Alkohol (Zucker) j halt und genügend Gerbsäure besitzt, um haltbar zu sein. Nur ; wenige Sorten, namentlich her Aepfel, haben diese Eigenschaften und oft fehlt Gerbsäure, wodurch dann der Most zähe, blau wird und sich nicht hält. Man hilft sich dadurch, daß man den Saft sehr herber Früchte (sehr herbe Birnen wie Wolfsbirne, bittersüßer Apfel der Normandie, Speierling, Sorbus domestica, Schlehen) zusetzt ober wenn dies fehlt, Tannin etwa 5 bis 6 Gramm auf das Hectoliter, wie auch in Frankreich 50 bis 60 Gramm Catechu.
Arbeitsvergebung.
Dienstag den 30. l. M., Vormittags 8V3 Uhr, sollen dahier nachstehende Arbeiten und Lieferungen' öffentlich in den Accord gegeben werden: veranschlagt zu
Maurer- und Steinhauer
arbeiten 1220 Jl.
Fuhrlöhne u. Sandlieferung 413 „ Steinsetzen 32 „
Chaussir- u. Pflasterarbeiten 422 „ Erdarbeiten 154 „
Treis a/Lda., 24. Juni 1891. Großh. Bürgermeisterei Treis a/Lda. __________Benner.______5858
Mittwoch den 1. Juli, Nachmittags 2 Uhr, werden im Laden des Herrn Elsoffer, Marktstraße 27, eine große Partie Vorhänge am Stück und abgepaßt, ächte Fischbein Sorsetten, Sammt, Plüsch, Seide, Mull und Tarletan zu Kleidern, Perlbesatz, sowie sonstige Besatzartikel, Tisch- und Eommodedecken, Kinderwagendecken. Schleier, Federn, Stickereien, Stickwolle, Waschknöpfe, Gummiband, Litzen u. s. w. versteigert.
In Auftrag:
5903]_________Hoffmann.
Montag den 29. Juni 1891, Mittags 12 Uhr,
-u Gießen in der Louis Flett'schen Hoftaithe daselbst (Wallthorstr.) werde ich
1 frischmelkende Kuh mit Kalb öffentlich gegen Baarzahlung versteigern.
Versteigerung voraussichtlich bestimmt.
Engel, 5906 Gerichtsvollzieher.
Jeilgeöotenes.
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Täglich dreimal frisch gemolkene Milch, sowie Dickmilch. 5585
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Innere Einrichtung nach Wunsch und Medürfniß.
Achtungsvoll Heinrich Heger, Schreiner, Lich (Oberhessen).


