Ausgabe 
28.5.1891
 
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Donnerstag den 28. Mai

Gießener Anzeiger

Kenerat-Mnzeiger.

1891

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2 Mark 20 Pft. «V Bringerloch«.

Durch die Poft btpffe 2 Mark 50 Pfg.

Red actio«, tfteMftw uvd Druckerei:

Herutzucecher 51.

Amts- ttttb Anzeigeblatt für den Mwb Gieszen.

U»«,h«e« Anzeigen zu der NaLmittags für bta tM»-<ri>as lag erscheinenden Nummer bis Bonn. 10 Uhr.

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Hrattsöeitage: Hießen« Kamikienökätter.

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Alle ÄmwucetuBarftiuf des In- und Luslnndes netz««

Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgeg«.

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Dentiche» Reich.

Berlin, 26. Mai. Die anfänglich bezweifelten Gerüchte über eine beabsichtigte handelspolitische Annäherung zwischen Deutschland und Rußland sollen sich doch bestätigen. Nur heißt es, man dürfe nicht an einen förm­lichen Handelsvertrag denken, ein solcher verbiete sich bei in den maßgebenden Kreisen Rußlands gegenüber dem Auslande herrschenden zollpolitischen Anschauungen von selbst. Wohl aber sollenkleine Arrangements" zu erwarten sein und zwar auf Grundlage einer Ermäßigung des deutschen Getreidezolles gegenüber der russischen Einfuhr aus 3^/z Mk. Sollte sich letztere Meldung bewahrheiten, so würde Deutschland für dieses bedeutende Zugeständniß wohl auch von Rußland Gegenleistungen zu erwarten haben, welche überkleine Arrangements" hinausgehen.

Berlin, 26. Mai. Am nächsten Sonntag findet Hierselbst ein allgemeiner nationalliberaler Parteitag statt. Ueber die Tagesordnung desselben ist noch nichts Näheres bekannt geworden, jedenfalls wird es aber auf dem Parteitage zu einer gründlichen Aussprache über die politischen Aufgaben der nationalliberalen Partei angesichts desneuen Eourses", sowie über die nothwendige Reorganisation der Partei kommen. Man sieht namentlich einer zahlreichen Be­schickung des Parteicongresses Seitens der süd- und west­deutschen Nationalliberalen entgegen.

Berlin, 26. Mai. Abgeordnetenhaus. Finanz­minister Miquel erklärte bei Beginn der dritten Etatberathung, der Mehrüberschuß beziehentlich der Minderbedarf pro 1890/91 würde 101500000 Mark betragen, dagegen würde durch erhöhte Minderüberschüsse resp. Mehrbedarf der erwartete Gesammtüberschuß von 33 auf 13 Millionen Mark ver­mindert. Beim Eisenbahnetat stünden 32 Millionen Mark Mehreinnahmen den Mehrausgaben von mindestens 65 Millionen Mark gegenüber. Aus Anregung des Abgeordneten Rickert verspricht der Finanzminister, das Staatsministerium werde die Veröffentlichung der Finanzabschlußzahlen im Staats­anzeiger in Erwägung ziehen. Hieraus folgt die Spezial- berathung des Etats. Beim Eisenbahnetat erklärt der Ministerialdirector Schultz aus Anfrage, er hoffe, der erste Spatenstich zum Rhein-Emskanal werde noch in diesem Jahre

erfolgen. Staatsminister von Bötticher erklärte aus Anfrage des Abg. Rickert, die Gerüchte über neue Vorlagen seien unbegründet, ebenso sei keine Organisationsänderung der Ministerien, wozu die Zustimmung des Landtags erforderlich sei, beabsichtigt. Hierauf wird dieser Etat genehmigt. Fortsetzung morgen 11 Uhr.

Mainz, 26. Mai. Der 21 Wochen dauernde Strike der hiesigen Schreinergesellen ist jetzt zu Gunsten der Meister, welche auf der zehnstündigen Arbeitszeit beharrten, durch Nachgeben der Gesellen beendet.

Die allgemeine Deutsche Lehrervrrsammlung in Mannheim

hat folgende Thesen angenommen.

A. Betreffend die Schulbildung und die Militär­dienstzeit:

1) Wenn auch die Schule nicht vorzugsweise den Zweck hat, für den Militärdienst vorzubereiten, so muß sie doch durch Unterricht und Erziehungswerk die männliche Jugend befähigen, daß sie körperlich und geistig den Anforderungen entsprechen kann, welche der Heeresdienst an sie stellen muß,- 2) die Schule kann in diesem Sinne nur thätig sein, wenn a. ein befähigter, pflichttreuer Lehrerstand in derselben wirke; b. durch eine gründliche körperliche Ausbildung dem Vater­land eine gesunde, thatkräftigc, mann- und wehrhafte Jugend herangebildet wird- c. der Unterricht nach Methode und Um­fang allen Anforderungen der zielbewußten Pädagogik der Neuzeit entspricht, Begeisterung für das Vaterland, opfer­willigen Sinn für dessen Interesse erzeugt- d) die Volks­schule zeitgemäß ausgestattet und geleitet wird."

B) Betreffend die hauswirthschaftliche Ausbil­dung der Mädchen:

1) Die Arbeit in der Schule als Culturarbeit hat sich stets den veränderten Lebens- und Culturverhältnissen anzu­passen, um die Zöglinge zu befähigen, den Segen der Cultur­arbeit zu genießen und an der Weiterentwickelung der Cultur mitarbeiten zu können. 2) Das ganze Gerüst unserer Cultur beruht auf der Familie. Die wohlgeordnete christliche Familie ist der Todfeind des Sozialismus. Das Leben, Arbeiten und Schaffen der Frau in der Familie hat aber den größten und

nachhaltigsten Einfluß nicht nur auf das Wohlergehen, auf das Glück der Familie, sondern auf die ganze Culturent- Wickelung. 3) Die sittliche und wirthschastliche Tüchtigkeit der Frauen ist die Grundbedingung der Culturentwickelung. 4) Die Erziehung unserer Mädchen zur hauswirthschaft- lichen Tüchtigkeit ist darum mit der Lösung der sozialen Frage eng verbunden, von sozialer Bedeutung, von Ein­fluß aus unser Volksleben. 5) Obgleich die Sorge für die Erziehuug unserer Mädchen überhaupt und insbesondere für hauswirthschaftliche Tüchtigkeit in erster Linie der Familie (der Mutter) zusällt, da in keinem anderen Lebenskreise sich die Bedingungen für die Concentration aller Erziehungsein­flüsse aus die Entwickelung des Leibes- und Geisteslebens in so hohem Maße vereinigen, wie in einem gesunden Familien­leben, so hat dennoch die Schule gegenüber den thatsächlichen Erfahrungen der Lehrer den Beruf und die Aufgabe, in der Mädchenerziehung ohne ihre ideale Aufgabe je aus dem Auge zu verlieren die hauswirthschaftliche Bildung mehr, als bisher geschehen, zu betonen und zu verfolgen. 6) Die Volksschule kann die weibliche Jugend für ihren späteren Be­rus vorbereiten, zur hauswirthschastlichen Tüchtigkeit erziehen: a. durch eine sorgfältige und planmäßige Ausbildung eines gefunden und kräftigen Körpers mit einer gefunden Seele -und das umfaßt: Stärkung und Stählung der Glieder und der Nerven durch Turnen und Spiele, Läuterung und Leitung des Denkens, Wollens und Thuns durch erziehlichen Unterricht, b. durch sorgsame und fortwährende Pflege der Tugenden, welche der Hausfrau zur Gründung des häus­lichen Glücks nöthig sind als Gewöhnung zur Ordnung, Reinlichkeit, Treue, Demuth, Bescheidenheit u. s. w., c) durch Erziehung zur Arbeit, zur Lust an der Arbeit, weil Arbeits­lust nicht nur ein Haupterforderniß volkswirthschastlicher Wohl­fahrt, sondern auch ein kräftiges Erziehungsmittel zur Sitt­lichkeit ist, d) durch thunlichste Beförderung des Handarbeits­unterrichts durch Vermeidung aller Luxusarbeiten, e) durch eine strenge Rücksichtnahme bei der Auswahl und Darbietung des Unterrichtsstoffes in allen Unterrichtsfächern auf das spätere practische Leben der Schülerinnen, f. durch Beschrän­kung der Lehrstoffe und häuslichen Schularbeiten. 7) Haus­haltungskunde. Unterricht im Kochen, Waschen, Plätten u. s. w. als Unterrichtsdisciplinen müffen aus der Volks-

Feuilleton.

Trotz alledem!

Novelle von H. Nagelt von Brawe.

(1. Fortsetzung.)

George, Sie verstehen mich falsch, nur Freundschaft klang durch meine Worte."

O, lassen Sie mir den Strohhalm Hoffnung, mich daran aufzurichten!"

Erstaunt sah Leontine dem Davonschreitenden nach.

Ist er denn kein Knabe mehr, der schöne große Mensch?" fragte sie sich und dann legte sie die Hand aus das Herz. Habe ich denn etwas anderes in ihm erblickt? Mein Gott, war es denn nicht Mitgefühl, nur Mitgefühl, was mich be­wegte in seiner Nähe?"

Noch mochte sie in Nachdenken versunken sein über diese Frage, als aus dem nahen Gebüsche ein Mann hervortrat und direct aus sie zukam. , r .

Ei, Mlle. Lironville," sagte er m stark russisch accen- tuirtem Französisch ,also daher die Jungfer - Tugend von neulich! Na, ich denke, es bleibt noch ein bischen für Ihres­gleichen übrig!"

Auf dem nicht unschönen Gesichte des Manncs lag em cynisches, unverschämtes Lächeln, während er jetzt versuchte, den Arm um das erschreckte Mädchen zu legen.

Sie war aufgesprungen und das zornblitzende Auge auf den Angreifer gerichtet, rief sie:

Ich habe mir schon einmal Ihre Aufdringlichkeit ver­bitten müssen und thue es jetzt zum letzten Male, Herr 'Tuganow. Lassen Sie mich nicht erst die §)ilfe des Barons anrufen."

Ei, Jungfer Leonore, Sie sind wohl zu gut für einen Beamten? Jetzt, soeben hat sich die Sache geändert! Der Baron wird sich doch recht freuen, wenn ich ihm von dem Äiebesgetändel hier n der Waldeinsamkeit erzähle."

Mck frechem Behagen sah er, wie Leontine das Blut in :die Wangen schoß. Er strich sich den dunklen Schnurrbart auseinander und mit rascher Bewegung umschlang er das junge Mädchen. Schon beugte er sich über die rothen,

frischen Lippen, als ein schallender Schlag seine bärtige Wange traf.

Teufel, die Natter beißt!" schrie er jetzt in seiner Muttersprache, die Französin loslassend,werde ihr aber die welsche Tücke schon austreiben! Werden noch zu mir kommen, ma pigeonnette, und um gut Wetter bitten!" rief er dann mit schlecht unterdrücktem Zorne der Davon­eilenden nach.

II.

Seit Wochen war George in Petersburg beim Preo- braczenskischen Regimente eingetreten und seit seinem Fort­gehen schrieb er regelmäßig an Leontine, obwohl diese seine Briese nicht erwiderte. Aus seinen Aeußerungen ging nur zu deutlich hervor, daß seine Neigung doch festeren Grund gefaßt, wie sie vorausgesetzt hatte. In jedem seiner Worte ließ sich erkennen, daß durch ihre Abweisung das liebet wohl in seinen grünen Zweigen beschnitten, aber nicht mit der Wurzel ausgerodet sei.

Immer mehr aber kam sie auch zu dem Bewußtsein, daß sie die Rodearbeit zuerst bei sich selbst zu beginnen habe. Wie ein Schleier fiel es von ihren Augen, als sie in Georges Briesen einer Gemüthstiese begegnete, die wahrlich nicht im Verhältnisse zu dessen Jugend stand und sie erkannte, daß sie dieses Gefühl tief empfand und erwiderte.

Dann erschrak sie wohl und sagte sich:Du thust un­recht an deinen Wohlthätern. Nie würde Baron Adlerhorst die Neigung seines Sohnes zu einem Mädchen gestatten, das nicht seines Standes und älter wie dieser. Ich muß, ich werde ein Ende machen um meinet-, um seinetwegen!" Aber gerade Georges Briefe ließen sie immer wieder in ihren Ent- schlüffen wanken.

Dennoch siegten endlich ihre Energie, ihr Wille, über das thörichte Herz. Sie wollte Kangershoff verlassen und das wurde ihr um so leichter, als sie seit einiger Zeit vom alten Baron Adlerhorst mit ganz offenbarem Mißtrauen be­obachtet, von der Baronin nicht mehr wie ehedem beachtet wurde und bei den Domestiken einem kaum versteckten höhnischen Lächeln öfter und öfter begegnete.

Tuganows Saat war aufgegangen, das wußte sie, und dieser selbst hatte die Frechheit, ihr unter den erniedrigendsten Bedingungen sein Schweigen anzubieten.

Aber obwohl ein paar Worte der Aufklärung an den

Baron sofort Klarheit geschaffen hätten, schwieg Leontine dennoch. Sie wußte, daß die Mittheilung des Geschehenen den Sohn in den Augen der stolzen Eltern unbedingt herab­setzen, wenn nicht lächerlich machen würde.

Der Aufenthalt in Kangershoff wurde immer unerträg­licher. Immer deutlicher empfand Leontine, daß George ihre Abweisung nicht ernst genommen, daß die Liebe zu ihr ihm ein Lebenshindemiß sein würde. Vielleicht auch in dem Ge­fühle, die eigene wie sie glaubte unrechte Liebe nur dadurch ausreißen zu können, reifte in ihr der heroische Ent­schluß, mit einem Schlage ein Ende zu machen.

Das Schicksal war dem gefaßten Beschlüsse günstig.

Bei den wenigen Bekannten, die Leontine außer uns und Adlerhorsts in Livland hatte, traf sie mitunter einen durchaus ehrenhaften polnischen Kaufmann, einen Juwelen­händler aus Warschau, Johann Urakowski. Dieser hatte dem hübschen, intelligenten Mädchen von jeher Interesse gezeigt, auch unlängst durch eine gemeinsame Bekannte anbeuten lassen, daß er glücklich sein würde, wenn sie sich entschließen könnte, ihm die Hand zu reichen. Sie hatte damals eine bestimmte Erklärung vermieden.

Eines Tages traf sie bei meiner Mutter ein und bat um eine Unterredung.

Sie wollen doch nicht heirathen?" fragte diese, und als Leontine bejahte, schloß ich sie stürmisch in die Arme. Hielt ich doch mit meinen siebzehn Jahren eine Heirath noch für ein großes Glück.

Nachdem ich unter irgend einem Vorwande entfernt war, erzählte bann Leontine rückhaltlos, was vorgegangen, und baß sie sich entschlossen, ber Werbung des auch meiner Mutter bekannten Kaufherrn nachzugeben, um einmal den peinlichen Verhältnissen im Hause Adlerhorst zu entgehen, besonders aber um George ein für alle Male den Gedanken an eine einstige Verbindung zu nehmen.

Mama konnte diesen Vorsatz nur als lobenswerth und vernünftig anerkennen.

Gott wird Dir Helsen, das Schwere Deines Schrittes zu überwinden und Dich in dauerndem, ruhigem Glücke die Stürme vergessen lassen, die über Dein Herz gingen. Das Bewußtsein, recht zu handeln, wird Dich stützen."

(Fortsetzung folgt.)