1891
Freitag den 26. Juni
Mr. 145
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Amts- unb Anzeigeblatt für den Urelf Gieren.
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Krattsöeilage: Kießener Iamikimökätter.
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Abonnements - Einladung!
Zum Bezug des „Gietzener Anzeiger" für das 3. Vierteljahr 1891 laden wir hiermit ergcbenst ein. — Wie bisher, wird der „Gießener Anzeiger" die Tagesereignisse in kurzer objectiver Uebersicht zur Kenntniß seiner Leser bringen. Die neuesten Nachrichten des Wolsf'schen telegraphischen Correspondenz- Bureaus sowie zahlreiche Mittheilungen aus dem engeren und weiteren Vaterland halten den Leser stets über die Vorfälle in demselben auf dem Laufenden. Unterstützt durch an allen Orten der Provinz Oberhessen ansässige Berichterstatter, ist der „ Gießener Anzeiger" ferner in der Lage, die interessanten Vorgänge in der Provinz so frühzeitig wie möglich zur Kenntniß seiner Leser zu bringen, desgleichen wird den Begebenheiten in der Stadt Gießen die gebührende Besprechung im localen Theile des Anzeigers zu Theil werden. Der in der Provinz Oberhesscn betriebenen Landwirthschast wird der Anzeiger durch Veröffentlichung von allem Wissens- werthen aus dem Gebiete derselben besondere Berücksichtigung zu Theil werden lassen, daneben aber auch die Beobachtungen und Erfahrungen in Haus- wirthschaft, Handel, Gewerbe und Industrie in den Kreis seiner Besprechungen ziehen. Ein gediegenes Feuilleton wird neben besonderen Artikeln ernsteren und heiteren Inhaltes den erwünschten Unterhaltungsstoff bieten. Außerdem werden die „Gießener Familienblätter", welche dem Anzeiger wöchentlich 3 mal beigelegt werden, und die stets ein gewähltes Feuilleton als Unterhaltungsstoff bringen, "namentlich im Kreise der Familien eine beliebte Beigabe bieten.
Wir ersuchen nun namentlich auswärtige Leser, ihre Bestellung bei der Post baldgefl. aufgeben zu wollen. Neuhinzutretende erhalten vom Tage der Bestellung bis 1. Juli den Anzeiger kostenfrei zu- gestellt, wie wir auch gerne bereit sind, Probe- Exemplare nach auswärts postfrei zu versenden. Den Lesern in hiesiger Stadt werden wir, wie seither, den Anzeiger iocitersenden und den Abonnementsbetrag durch Quittung erheben lassen, salls nicht aus- dnicklichc Abbestellung erfolgt.
Hochachtend
Verlag des „Gießener Anzeiger"
Brühl'sche Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch).
2lmtlid?er Theil.
Gießen, am 23. Juni 1891.
Betr.: Zurückstellung unabkömmlicher Beamten, hier von Lehrern und Schulverwaltern im Falle einer Mobilmachung.
Die
Großh. Kreis-Schulcommisfion Gieße«
an die Schulvorstände des Kreises.
Sie wollen die Lehrer oder Schulverwalter einklassiger Schulen, welche militärpflichtig sind, darauf aufmerksam machen, daß Gesuche um Zurückstellung im Falle einer Mobilmachung innerhalb S Tagen bei uns einzureichen sind. Später einlaufende Gesuche können nicht berücksichtigt werden.
In den Gesuchen ist anzugeben:
1) Civilstellung,
2) Vor- und Zunamen,
3) Militärcharge und Truppengattung,
4) Genaue Angabe des Truppentheils, Regiment, Compagnie 2C., bei welchem der Eintritt erfolgt ist, und Datum des letzteren,
5) Bezirk des Landwehrbataillons.
Bei Lehrern oder Schulverwaltern, welche bereits früher rei uns reclamirt haben, bedarf es der Angaben 1—5 nicht, es genügt hier einfache Meldung.
Abwesende Lehrer oder Schulverwalter, die als allein- Gehende Lehrer zur Reclamation berechtigt sind, wollen Sie sofort benachrichtigen.
v. Gagern.
Dentsche» Reich.
Berlin, 24. Juni. Kaiser Wilhelm hat heute Abend eine erste große Auslandsreise dieses Jahres angetreten, die dem Besuche der Königshöfe von Holland und England gilt, woran sich ein Ausflug nach dem von dem hohen Herrn o bevorzugten Norwegen (Bergen und Lofoten - Inseln) an- schließen wird. Die Reise geht über Kiel, wo der Kaiser bis nächsten Montag zu verweilen gedenkt, Hamburg — woselbst sich die Kaiserin ihrem erlauchten Gemahle anschließt — Helgoland und Wilhelmshaven zunächst nach den Niederlanden. Hier werden sich der Kaiser und die Kaiserin im trauten Verkehr mit der niederländischen Königssamilie vom 1. bis zum 7. Juli aufhalten, worauf die Weiterreise nach England erfolgt. Das Programm für den Kaiserbesuch in dem meer- umspulten Albion ist ein sehr reichhaltiges und weist eine ganze Reihe von Festlichkeiten zu Ehren der hohen deutschen Gäste aus. Die Anwesenheit der deutschen Majestäten auf englischem Boden soll bis zum 14. Juli dauern, dann gedenkt der Kaiser, wie erwähnt, von Schottland noch einen Abstecher nach der norwegischen Küste zu unternehmen, während, soweit bis jetzt bekannt, die Kaiserin nach Deutschland zurückkehrt.
— Der Kaiser begab sich am Mittwoch Vormittag vom Neuen Palais nach Berlin und präsidirte hier im Residenzschlosse einer Sitzung des Kronrathes.
— Das Ableben des commandirenden Generals des 1. Armeecorps, Bronsart v. Schellendorff, hat in weiten Kreisen teilnahmsvolles Interesse hervorgerufen. Der General stand erst im 60. Lebensjahre und erfreute sich noch ungewöhnlicher Rüstigkeit, auch war nichts von seiner Erkrankung bekannt- um so überraschender kommt daher die Kunde von dem plötzlichen Tode dieses verdienten Militärs. Bronsart v. Schellendorfs trat 1849 in die preußische Armee als Secondelieutenant ein, wurde 1861 Hauptmann im Großen Generalstab und 1870 Oberstlieutenant in demselben. Den Krieg gegen Frankreich machte v. Bronsart als Ab- theilungsches im Großen Generalstabe mit; 1875 wurde er zum Generalmajor, 1881 zum Generallieutenant ernannt. Nach dem Rücktritte v. Kameckes am 7. Mai 1883 übernahm der Verstorbene das Kriegsministerium, in welcher Stellung er 1888 vom Kaiser Friedrich zum General der Infanterie ernannt wurde. Bald nach seinem Rücktritte als Kriegs- minifter (April 1889) wurde v. Bronsart an die Spitze des 1. Armeecorps berufen, welche Stellung er also kaum zwei Jahre innegehabt hat.
Dresden, 23. Juni. Der nachmalige sächsische Thronfolger, der Prinz Friedrich August, der älteste Sohn des Prinzen Georg, hat sich, wie aus sicherer Quelle verlautet, mit der Erzherzogin Luise von Toskana, einer Tochter des Großherzogs Ferdinand IV., verlobt. Prinz Friedrich August hat am 25. Mai ds. Js. sein 26. Lebensjahr vollendet, während seine Braut am 2. September 1870 geboren ist.
Neueste Nachrichten.
WolffS telegraphisches Torrespondenz-Bureau.
Berlin, 24. Juni. Die „Nat.-Ztg." erfährt, daß die vom Landeseisenbahnrath befürwortete Uebertragung der Rohstofftarife auf Steinkohlen und Cokes in letzter Stunde aus finanziellen Rücksichten fallen gelassen sei.
Bromberg, 24. Juni. Heute früh 12^ Uhr entgleiste der Thorn-Berliner Schnellzug 62 zwischen den Stationen Rakel und Walden in Km. 57,6. Beide Geleise sind gesperrt; Niemand ist verletzt. Der Personenverkehr wird durch Umsteigen bewirkt, die Personenzüge haben nur geringe Verspätung erlitten. Ein Nothgeleise wird hergestellt und dürste bis Mittag fertig sein; von da ab ist der Betrieb zwischen Rakel und Walden eingeleisig. Der Grund der Entgleisung war ein Wolkenbruch, durch welchen aus einem zur Bahn abfallenden Wege eine Sandmasse etwa 10 Zentimeter über die oberste Schienenkante in das Geleise geworfen wurde.
Göttingen, 24. Juni. Der Physiker Wirkl. Geheimrath Wilhelm Eduard Weber ist gestorben. Weber, geboren 1804 zu Wittenberg, hat gemeinschaftlich mit Gauß 1833 den ersten elektrischen Telegraphen ausgesührt zwischen
der Sternwarte und dem physikalischen Laboratorium in Göttingen.
Bern, 24. Juni. Nationalrath. Baldinger und einige Mitunterzeichner brachten heute folgende Interpellation ein: Wir ersuchen den Bundesrath um Aufschluß über die von ihm anläßlich des Eisenbahnunglücks von Mönchenstein getroffenen Vorkehrungen und über diejenigen Maßnahmen, welche er zu möglichster Verhütung ähnlicher Katastrophen, sowie für den Fall des Eintretens von solchen zu thun gedenke.
Toulon, 24. Juni. Während des heutigen Nachtmanövers des Mittelmeergeschwaders stießen zwei Torpedoboote zusammen. Beide erlitten Havarie, die Mannschaft blieb unverletzt.
Petersburg, 24. Juni. Der Großfürst Michail Michailowisch wurde unter Curatel gestellt und die Verwaltung seines Vermögens seinem Vater und seinem Bruder Georg übertragen.
Belgrad, 24. Juni. Anläßlich der bei der Ausweisung der Königin Natalie stattgehabten Unruhen wurden heute 17 Personen, meist angesehene Fortschrittler, in Anklagestand versetzt, einige dürften sofort verhaftet werden.
Newyork, 24. Juni. Die Hamburger Packetsahrtgesell- schast wies ihre europäischen Agenten an, an Personen, die laut dem Einwandergesetz in Amerika nichst zugelassen werden, keine Billets zu verkaufen. Die Agenten müssen die Retourbillets für die von Amerika zurückgewiesenen Personen bezahlen.
Ottawa, 24. Juni. Der canadische Finanzminister kündigte in seiner Budgetrede die Abschaffung der Zuckersteuer an, deren Ertrag sich jetzt auf 3 500 000 Dollars beläuft. ______________
Petersburg, 25. Juni. In der hiesigen Militärpulverfabrik fand durch Zerschlagen eines Glasballons mit zwei Pud Aether eine Explosion statt. Ein Arbeiter wurde tödtlich verwundet, ein Feuerwerker und vier Arbeiter erlitten Brandwunden. Das Gebäude ist beschädigt.
Newyork, 25. Juni. Ein furchtbarer Sturm verwüstete den Nordwesten Iowas, zerstörte die Eisenbahnbrücke über den Cherckufluß und vernichtete 75 Häuser. Zahlreiche Personen sind ertrunken. Siouxcity ist stark verwüstet. Das Thal des Floidflusses ist 35 Meilen weit überschwemmt, die Familien flüchten. Der Sturm dehnte 'sich über Minnesota, Nebraska, Süddokota aus.
Locales tmfc provinzielles.
Gießen, 25. Juni.
— Steins Garten. Wir wollen nicht verfehlen, darauf aufmerksam zu machen, daß Montag, den 29. und Dienstag, den 30. Juni c. zwei große humoristische Soireen der aus 7 Herren bestehenden „Original-Opern-Parodisten", Quartett- und Concertsänger-Gesellschaft, stattfinden. Das Ensemble ist noch neu und ohne Concurrenz und bringt außer komischen Duetten, Terzetten, Quartetten, Soloscenen, Ensemble-Scenen Opern-Parodien im Original-Coftüm zur Ausführung. Letztere werden vollständig bühnengerecht, schauspielerisch wie gesanglich zur Darstellung gebracht und enthalten witzige Figuren und Pointen. Sie sind mit der Original-Oper teilweise identisch, hinsichtlich des Textes und der Darstellung höchst dec ent und gewähren ungeheuren Stoff zur Heiterkeit. Da die Mitglieder sämmtlich geschulte Sänger mit vorzüglichen Stimmen sind, das Programm ein äußerst abwechslungsreiches ist, die Aufführungen selbst aber alles Carne- valistische und Chantantmäßige außer Acht lassen, so wünschen wir der Gesellschaft einen guten Erfolg und wer einige Stunden Kurzweil und Amüsement haben will, versäume nicht, die Soireen zu besuchen; insbesondere sei ein geehrtes Familien- und Damen-Publikum auf den Besuch der Concerte aufmerksam gemacht. Näheres durch Plakate und Inserate.
— Zur Erleichterung des Besuchs der electrotechnischen Ausstellung in Frankfurt a. M. sollen am Samstag den 27. Juni d. I. und ferner an jedem ersten und dritten Samstag der Monate Juli bis einschließlich September auf besonders bezeichneten Stationen des Eisenbahn-Directions- bezirks Hannover besondere ermäßigte Rückfahrkarten zweiter und dritter Wagenklasse nach Frankfurt a. M. mit um zwei Tage verlängerter Geltungsdauer gegen die Gültigkeit der gewöhnlichen Rückfahrkarten zu allen an den betreffenden Tagen verkehrenden fahrplanmäßigen Personenzügen, sowie zum Schnellzuge Nr. 72 verausgabt werden. Gleiche Rückfahrkarten werden auch auf den Stationen Marburg, Gießen, Bad-Nauheim und Friedberg verausgabt, jedoch lediglich zu den fahrplanmäßigen Personenzügen — nicht Schnellzügen.


