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1891

Freitag den 25. September

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Gießener Anzeiger

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kchhetr.l täglich, efit Aufnahme des Montags.

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Redaction, Lxpcd«« und Druckerei:

Aer»tprecher 61.

Anrtlicher Theil.

Bekanntmachung.

Der Oberhessische Obstbauverein (Sitz in Friedberg) beabsichtigt mit einer vom 15. bis 23. October ds. Js. in Gießen abzuhaltenden Obstausstellung eine Verloosung von Obstpressen und anderen Geräthen zur Obstverwerthung zu verbinden.

Großherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz hat die nachgesuchte Erlaubniß zur Veranstaltung dieser Ver­loosung unter der Bedingung ertheilt, daß nicht mehr als 5000 Loose zu 50 Pfennig das Stück ausgegeben werden dürfen und mindestens 60 % des Bruttoerlöses aus dem Ver­kauf der Loose zum Ankauf von Gewinngegenständen zu ver­wenden sind.

Gießen, den 24. September 1891.

Großherzogliches Kreisamt Gießen.

w v. Gagern.

Deutscher Reich.

Darmstadt, 23. September. Se. Majestät der Kaiser haben an Se. Königliche Hoheit den Großherzog folgende Allerböchste Schreiben gerichtet:

Durchlauchtigster Fürst, freundlich lieber Vetter, Bruder und Onkel!

Der heutige Tag und die Anwesenheit Euer Königlichen Hoheit bei den Manövern gibt Mir den gewünschten Anlaß Euer Königlichen Hoheit ein Zeichen Meiner besonderen Hoch­achtung und Zuneigung zu geben, indem Ich Sie zum General- Obersten der Infanterie mit dem Range eines General- Feldmarschalls befördere. Ich verbleibe mit den Gesinnungen unveränderlicher Freundschaft

Euer Königlichen Hoheit sreundwilliger Vetter, Bruder und Neffe gez. Wilhelm.

Schloß Wilhelmshöhe, den 12. September 1891.

Durchlauchtigster Fürst, freundlich lieber Vetter, Bruder und Onkel!

Am Schluß der diesjährigen Herbstübungen, an denen Eure Königliche Hoheit mit so lebhaftem Interesse Theil ge­nommen, ist es Mir ein erwünschter Anlaß, Eurer Königlichen Hoheit mit Meinem Dank hierfür zugleich die hohe Be­friedigung über die vortreffliche Haltung und den aus­gezeichneten Zustand auszusprechen, in denen Ich sämmtliche Truppentheile der hessischen Division vorgefunden habe. Ich verbleibe mit den Gesinnungen unveränderlicher Hochachtung und Freundschaft

Eurer Königlichen Hoheit freundwilliger Vetter, Bruder und Neffe gez. Wilhelm.

Mühlhausen i. Th., den 19. September 1891.

Berlin, 23. September. KaiserWilhelm hat seinem Manöveraufenthalt in Thüringen einen Jagdausflug in Ost­preußen folgen lassen, während dessen der Monarch in dem neuerbauten Jagdschlösse Rominten bei Theerbude (Bezirk Gumbinnen) residirt. Ueber den Zeitpunkt der Rückkehr des Kaisers nach Berlin, resp. Potsdam, scheint noch nichts End­gültiges festzustehcn, doch ist dieselbe sicherlich vor Ende September zu erwarten. Das Befinden des hohen Herrn läßt ungeachtet der vielen Anstrengungen, denen er sich im Laufe der letzten Wochen unterzogen hat, nicht das Geringste zu wünschen übrig. ________________________________

Neueste Nachrichten.

WolffS telegraphisches Lorrrspondenz-Burean.

Berlin, 23. September. Der Chef des großen General­stabes, Graf Schliessen, erlitt heute beim Besteigen des Pferdes vor dem Generalstabsgebäude einen Unfall. Das Pferd glitt aus, Graf Schlieffen kam zu Fall und zog sich eine geringfügige Verletzung zu.

Berlin, 23. September. Die Nachrichten einer hiesigen Zeitung, welche Beunruhigung bezüglich Ostafrikas ver­breiten konnten, veranlaßten den Reichskanzler, Rückfrage bei dem Gouverneur zu halten. Letzterer telegraphirte gestern: Alles überall ruhig."

Berlin, 23. September. Aus allen Theilen Deutsch­lands, insbesondere aus Sachsen, gingen Drahtmeldungen über festliche Begehung der hundertsten Wiederkehr des Geburtstages Theodor Körners ein.

Halle, 23. September. In der heutigen zweiten all­gemeinen Sitzung der Naturforscher sprach Professor

anwesend waren.

Halle, 23. September. Die deutsche Naturforscher- Versammlung wählte Nürnberg zum nächsten Ver­sammlungsort.

Lemberg, 23. September. Die Buchbindergehilsen kündigen für Samstag den Beginn des Strikes an.

Rom, 23. September. Der P a p st empfing Vormittags die spanischen Pilger, die ihn lebhaft acclamirten.

Rom, 23. September. Nach der stillen Messe für die spanischen Pilger ließ der Papst, welcher sich ermüdet fühlte, durch den Secretär Stocella eine lateinische Allocution auf die Adresse der Pilger verlesen,- die Ansprache schloß: Wir bitten Gott, den jungen König, aus den Spanien seine Hoffnung setzt, und die erhabene Königin-Regentin zu schützen. Wir segnen das ganze katholische Spanien."

Rom, 23. September. Der Papst empfing heute den neuernannten Ordensgeneral der Minoriten, Caratelli, welcher nunmehr sein Amt übernimmt und spendete demselben seinen Segen.

Petersburg, 23. September. DasJournal de St. Petersburg" begrüßt die für Elsaß-Lothringen ein­getretenen Paßerleichterungen als ein Anzeichen der an höchster Stelle herrschenoen Gefühle, welche für die Sache des Friedens und die Beruhigung der Geister nur von hervor­ragend günstiger Bedeutung sein könnten.

Depeschen desBureau Herold".

Berlin, 23. September. Die belletristischen Wochen­schriftenSchor er s Familienblatt" undDas Echo" meldeten den Concurs an.

Berlin, 24. September. DieVoss. Ztg." meldet nach demNewyork Herald", die Vereinigten Staaten erwägen die Erwerbung der westindischen Insel St. Thomas, um Deutschland zuvorzukommen,' es verlautet, Dänemark sei mit der Union bereits einig über den Preis, es sei derselbe, welcher schon 1867 geboten wurde.

Nach denBerl. Pol. Nachr." stehen für die Alters­und Jnvaliditätsversicherung im nächsten Jahre beträchtliche Mehrforderungen bevor.

DieKreuzztg." erfährt aus Paris, daß der Bot­schafter Billot beauftragt ist, die italienische Regierung nach Nizza zur Enthüllung des Garibaldidenkmals einzuladen.

Wien, 23. September. Die Mehrforderung von 8 Millionen für das Ordinarium der Kriegsverwaltung gilt der Vermehrung des Offizier- und Mannschaftsbestandes - letzteres soll um 14 Mann per Compagnie, die Artillerie um 124 Geschütze verstärkt werden. Für den Mehrbedarf der Marine werden im Extraordinarium ungefähr 3 Millionen verlangt.

Bern, 22. September. Internationaler Congreß betreffend Arbeitsunsälle. Die heutige Nachmittags- Sitzung wurde um 3 Uhr eröffnet. Commandeur Bodio-Rom präsidirte. Vorträge hielten Jottrand, Director der Association der Industriellen Belgiens, über die Grundsätze der Statistik der Unfälle- Minen-Oberingenieur Keller-Paris über die Be­dingungen einer rationellen Unfallstatistik- Guillaume, Director des eidgenössischen statistischen Bureaus Bern, über die Unfall­statistik in der Schweiz - Marestaing, Director des Preservataire in Paris, über die Unfallstatistik. An der Discussion über diese Vorträge betheiligten sich: Dr. v. Mayr, Unterstaats- secretär aus Straßburg, Keller-Paris, Tiere, Versicherungs­agent, Frankreich, Cheysson-Paris, Guillaume-Bern, Lmder- Paris. Resolutionen Guillaume und Linders, betreffend Anbahnung einer einheitlichen Kranken- und Unfallstatistik wurden an die Präsidenten-Commission überwiesen.

Bern, 23. September. In der heutigen Vormittags- Sißung hatten Boedicker und Keppen-Petersburg das Präsidium. Kaan-Wien referirte über die Unfallversicherung der Arbeiter Oesterreichs- man hat dort von einem Haftpflichtgesetz abge­sehen und sofort den Grundsatz der obligatorischen Versicherung aufgestellt, seit 1889 hat man mit dem territorialen System statt der Gründung von Beruss-Genoffenschasten gute Er­fahrungen gemacht durch die Einfachheit der Verwaltung. Aus der Unfallversicherung ist die Krankenversicherung Oester­reichs hervorgegangen und mehrfache Stimmen wünschen jetzt die Jnvaliditätsversicherung. Ueber diesen Vortrag wurden keine Resolutionen vorgeschlagen, auch knüpfte sich kerne Dis- cussion daran. An Stelle des abwesenden Dejace-Luttrch sprach van Berchen-Brüssel über die Unfallversicherung in

Belgien, dann folgte Cheysson-Paris, welcher über den gegen­wärtigen Stand der Unfallversicherung für die Arbeiter in Frankreich sprach. Der Stand der Angelegenheit lasse eine baldige gesetzliche Regelung erwarten. Ueber Spanien sprach Gruner-Paris, über die Niederlande Westerouen van Meeteren- Amsterdam, über.Nordamerika sprach Gould-Washington, dort fei bis jetzt eine nur individuelle Organisation vorhanden, doch wenn sich die Staatsversicherung bewähre, werde das practische Volk der Amerikaner sie auch bald einführen. An der folgenden Discussion betheiligten sich als Redner: Vestenek-Salzburg, Gigot-Paris, Möller-Brackwede, Perisset- Paris, von Mayr-Straßburg, Naes-Aarau, Kaan-Wien, Wenzel- Berlin, Greulich-Zürich und Westerouen-Amsterdam. Zwei Resolutionen wurden eingereicht, von Vesteneck: -Der Congreß erklärt die allgemeine obligatorische Unfallversicherung für Wünschenswerth, und von Cheysson: Es ist wünschenswerth, die Arbeiterversicherungen in zwei Klaffen zu gruppiren, deren erste die Krankheiten und kleinen Unfälle, die zweite die großen Unfälle, Alter und Invalidität umfaßt.

Bern, 23. September. Internationaler Congreß betr. Arbeits-Unfälle. In der heutigen Nachmittags­sitzung präsidirten Kaan und Westerouen. Bodio-Rom spricht über den gegenwärtigen Stand der Versicherung in Italien. In der folgenden Discussion bekämpfen Vheyssier-Paris und Bödicker-Berlin den Ausschluß von Unfällen, welche durch grobe Fahrlässigkeit der Arbeiter entstanden sind, von der Versicherung. Im zweiten Vortrag referirt Engel-Groß- Basel über die Nothwendigkeit der amtlichen Fabrikinspection und die Zweckmäßigkeit einer Specialgesetzgebung über die Anwendung von Vorbeugungsapparaten.

Rom, 24. September. Hiesige Blätter feiern Theodor Körner als Dichter und Helden und vergleichen ihn mit Mameli, der als Student im FreiheitskanPf für Rom im Jahre 1849 starb.

Madrid, 24. September. Kaiser Wilhelm schrieb der Regentin einen herzlichen Brief und spendete eine be­trächtliche Summe für die Ueberschwemmten.

Newyork, 23. September. General Leiva wurde mit großer Majorität zum Präsidenten von Honduras gewählt, damit ist der Sieg der Demokraten entschieden.

Der Entwurf eines Heimstättengesetzes für das Deutsche Reich

beschäftigt seit einiger Zeit infolge der an sie ergangenen Aufforderung von Seiten des deutschen Landwirthschastsraths die landwirthschaftlichen Vereine. Das Heimstätten- gesetz soll bezwecken: Sicherung des Grundbesitzes des Kleinbauernstandes vor Zerstückelung und in Verbindung damit Erhaltung eines kräfti­gen, d em V a t e r l a n d e als Stütze dienenden Bauernstandes, Beschränkung der Verschuld- barkeit des Grundbesitzes, Schutz gegen Zwangs­vollstreckung. Der Entwurf rührt von dem Königl. preußischen Kammerherrn v. Riepenhaufl en her, die Reichstagsabgeordeten Graf Dönhoff - Friedrichstein, Graf v. Douglas, Gehlert, Lutz, Menzer, Graf v. Moltke u. A. haben ihn unterm 21. Juni v. I. dem Reichstage eingereicht- derselbe liegt dem Reichstage noch in diesem Winter zur Berathung vor. Danach soll jeder Angehörige des Deutschen Reiches nach vollendetem 24. Lebensjahr das Recht zur Errichtung einer Heimstätte erhalten. Die Größe einer Heimstätte darf die eines Bauernhofes nicht übersteigen. Sie muß wenigstens einer Arbeiter- oder Bauernfamilie Wohnung gewähren und die Production der notwendigen Nahrungsmittel ermöglichen. Als nothwendigcs Zubehör einer jeden Heimstätte werden bezeichnet: die Wohnung des Heimstätten-Eigenthümers, die notwendigen Wirtschaftsgebäude, das zum Wirthschasts- betriebe unentbehrliche Geräthe, Vieh- und Feldinventar, so­wie die landwirtschaftlichen Erzeugnisse, welche zur Fort­setzung der Wirtschaft bis zur nächsten Ernte unentbehrlich sind. Der zur Heimstätte festzulegende Besitz darf nur bis zur Hälfte des Ertragswerthes mit Renten, welche durch Amortisation zu tilgen sind, verschuldet sein. Die Errichtung ist bedingt durch Umwandlung der den Grundbesitz zur Zeit belastenden Hypotheken und Grundschulden in amortisirbare Renten. Höher verschuldeter Besitz kann von den durch die Landesgesetzgebung zu errichtenden Landes-Heimstättenbehörden zur Gründung von Heimstätten zugelassen werden, wenn der Besitzer die Pflicht übernimmt, die über die Hälfte des Er­tragswerthes hinausgehenden Hypotheken und Grundschulden mit 1 pCt. für das Jahr zu tilgen und die Tilgung nach Ermessen der Landes-Heimstättenbehörden gesichert erscheint. Verstärkte Tilgung ist gestattet. Schulden dürfen auf Heim­stätten nicht eingetragen werden. Mit Bewilligung der Heim-

Amts- unb Anzeigeblatt für den Areis Gieren.

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Kraus-Halle über die Bevölkerung Europas mit fremden Pflanzen, Professor Ebstein-Göttingen über die Kunst, das menschliche Leben zu verlängern. Der Sitzung schloß sich die Statutenberathung und Nachmittags ein Festmahl im Stadt­schützenhaus an, bei welchem 1'230 Mitglieder und 330 Damen

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