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1891

Dienstag den 25. August

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Aints- unb Anzeigeblatt für den Atreir Giefzen.

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I Gratisbeilage: Gießener Kamikimökätter.

Alle Armoncen-Aurraux des In- und Auslandes nehm« Anzeigen für denGießener Anzeiger" entgeg«.

Avnshme een Anzeigen zu der Nachmittags für bta fiaigsuden Tag erscheinenden Nummer bis vor«. 10 Uhr.

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Viertekpchriger ASonnemenisgreiAi 2 Mark 20 Pfg. tnft Bringerlohn.

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Gießener Anzeig er

Kenerat-Mnzeiger.

Anutlicher Theil.

Gießen, 22. August 1891.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen an die Grotzherzogl. Bürgermeisterei Grünberg nnd die der benachbarten Gemeinden.

Nachstehende Abschrift eines Schreibens der Intendantur der 25. Division theilen wir Ihnen zur Kenntnißnahme und Nachachtung mit. Die Nachweisungen über die Schäden sind nach gegebener Vorschrift sofort aufzustellen.

I- V.: Jost.

Nach einer Verfügung des Königlich Preußischen Kriegs« Ministeriums sollen die Feld-Artillerie-Regimenter in dem für die Brigade-Manöver bestimmten Gelände Uebungen im ge­fechtsmäßigen Manövriren abhalten.

Das Großherzogliche Feld-Artillerie-Regiment Nr. 25 wird diese Uebungen am 24., 25. und 26. d. M. bei Grün­berg abhalten.

Da die durch diese Uebungen entstehenden Flurentschä­digungskosten dem Kriegsministerium besonders angemeldet werden müsien, ersucht das Großherzogliche Kreisamt die In­tendantur ergebenst, die Bürgermeistereien des Kreises schleu­nigst anweisen zu wollen, die entstehenden Flurschäden für diese Artillerie-Uebungen in besondere Nachwei­sungen aufzunehmen.

gez.: Hartung.

Bekanntmachung,

den Geschäftsbetrieb der Landescreditkaffe betreffend.

Die durch Gesetz vom 15. October 1890 geschaffene Landescreditkaffe hat ihren Geschäftsbetrieb eröffnet.

Sie bezweckt, das Wohl der Landwirthschaft und der landwirthschastlichen Bevölkerung des Grohherzogthums durch Erleichterung in der Beschaffung der erforderlichen Geldmittel zn besördern.

Demgemäß giebt sie Darlehen an Private, vorausgesetzt, daß hierdurch diesem Zweck entsprochen wird, insbesondere auch zur Verbesserung und Erweiterung der landwirthschaft- ichen Betriebe, sowie an Gemeinden, Communalverbände, Landeskultur- und Waffergenoffenschasten u. dgl. für Boden- verbefferung und die sonstigen durch das Gesetz näher be­stimmten besonderen Zwecke.

Sie giebt ihre Darlehen gegen hypothekarische Sicher­heit, kann sie aber auch ohne solche geben an Gemeinden, andere Communalverbände und öffentliche Landescultur- und Waffergenoffenschasten innerhalb des Großherzogthums. Die Hypotheke muß doppelte Sicherheit an im Großherzogthum belegenen Grundstücken (mit Ausschluß des Bergwerkseigen- thums), und zwar an erster Stelle, bieten.

Die Darlehen sind seitens der Kaffe unkündbar; sie müffen zu dem vereinbarten Zinsfuß, der dann unveränder­lich ist, verzinst und durch stückweise Rückzahlung getilgt werden. Doch können die Anleiher außerordentliche Capital« ruckzahlungen jeder Zeit nach dreimonatlicher Kündigung an einem der Erhebungstermine leisten.

Als Zinsfuß ist bis auf Weiteres 4 Procent festgesetzt. Die hierzu tretende jährliche Tilgung darf nicht weniger als 1 Procent der ursprünglichen Darlehenssumme betragen. Es sind also zur Zeit von dieser jährlich mindestens 5 Procent Zins und Tilgung zu bezahlen. Die durch die allmähliche Herabminderung des Schuldcapitals ersparten Zinsen haben gleichfalls zur Tilgung zu dienen. Bei solcher Leistung wird die ganze Schuld in 42 Jahren getilgt.

Zinsen und Tilgungsbetrag sind in baarem Geld an die Districtseinnehmerei des Wohnorts des Schuldners zu bezahlen.

Bei Darlehen aus der Landescreditkaffe ist keinerlei Verwaltungsgebühr oder dergl. zu entrichten.

Gesuche um Darlehen wolle man unter Beifügung der erforderlichen Nachweisungen, jedoch ohne Anwendung von Stempel, bei der unterzeichneten Stelle oder bei der Bürger­meisterei des Wohnorts des Nachsuchenden einreichen.

Darmstadt, den 3. Juni 1891.

Großherzogliche Verwaltungscommission der Landescreditkaffe. Buchner.

Deutsches Reich.

Darmstadt, 22. August. Seine Königliche Hoheit der Großherzog empfingen heute u. A. den Gymnasiallehrer J)r. Maurer von Gießen.

Berlin, 22. August. Der Aufenthalt unseres Kaiser­paares an der Ostseeküste, welcher so interessante Bilder aufwies, ist am Freitag zu Ende gegangen. Am genannten Tage, Abends 7 Uhr, sand bei den Majestäten an Bord der Hohenzollern" eiu Diner statt, zu welchem sämmtliche in Kiel anwesende Admirale und Commandanten geladen waren. Abends 11 Uhr traten die Majestäten alsdann die Rückreise nach Berlin an, aus welcher sie am anderen Vormittag gegen 9 Uhr in Schöneberg bei Bude 4 der Potsdam-Magdeburger Bahn eintrafen. Von hier aus begaben sich die Allerhöchsten Herrschaften direct nach dem Tempelhofer Felde bei Berlin zur Parade der Gardetruppen und kamen alsdann nach Ber­lin, woselbst am Samstag Nachmittag im Residenzschlosse das herkömmliche Paradediner stattfand. Abends wohnte das Kaiserpaar einer Vorstellung im Opernhause bei und begab sich hierauf nach dem Neuen Palais bei Potsdam.

Im Stande der Getreide frage ist im Allge­meinen noch keine Veränderung eingetreten, abgesehen davon, daß die stürmische Preissteigerung an den Hauptgetteide- märkten des Inlandes seit einigen Tagen zum Stehen ge­kommen. Eine nennenswerte Ermäßigung der Getreide­preise kann allerdings noch nicht verzeichnet werden und dürfte es zunächst vom Ausfälle der deutschen Ernte abhängen, in­wieweit die Getreidepreise endlich entschieden sinken oder aber sich auf ihrer gegenwärtigen außerordentlichen Höhe behaupten werden. Inzwischen geht in der Tagespreise die Polemik über die Haltung der preußischen Regierung in der Getreide­zollfrage und über die für sie hierbei maßgebenden Gründe scharf weiter, ohne daß freilich durch diese Preßerörterungen die ganze Angelegenheit irgend eine practische Förderung er- sühre. Das große Publikum kümmert sich indessen weniger darum, wer in diesem Streite vielleicht Recht haben könnte, es fragt vielmehr mehr danach, wann es denn eigentlich wieder billigeres Brod bekommen wird- hoffentlich gibt die nächste Zeit auf diese schwerwiegende Frage eine befriedigende Antwort.

Die vom verstorbenen Generalseldmarschall Grasen Moltke geschriebene Geschichte des deutsch-sranzö- sischen Krieges 1870/71 (Verlag von E. S. Mittler u. Sohn, Berlin) ist nunmehr der Oeffentlichkeit übergeben worden. Das Werk wird sowohl im Hinblick auf seinen be­rühmten Verfasser als auch in Berücksichtigung seines ge­diegenen Inhaltes jedenfalls das lebhafte Interesse der weitesten Kreise finden.

Berlin, 22. August. Der Kaiser verlieh dem Com- mandeur des Gardecorps, General Meerscheidt-Hül- l ess em, am Schluffe der heutigen Parade den schwarzen Adlerorden.

München, 22. August. Heute fand keine Plenarsitzung der Delegirten für den deutsch - österreichisch - italienischen Handelsvertrag statt, dagegen traten, wie dieAllg. Ztg." meldet, die österreichisch'ungarischen und italienischen Delegirten zu einer Berathung zusammen.

München, 22. August. Amtlicher Meldung zufolge stieß gestern Abend ein Güterzug bei der Einfahrt in Zop fen- dorf in Folge falscher Weichenstellung auf eine stehende Zugmaschine. Ein Bremser wurde leicht verletzt, drei Waggons sind entgleist. Die Verkehrsstörung war nach drei Stunden beseitigt.

München, 22. August. Trotz anhaltenden Regens tritt die Nonnenraupe in den Alpen- und Bergwäldern bei Aibling, Wendelstein, Tegernsee und Starnbergersee ver­heerend aus.

Hamburg, 22. August. Die beiden Directoren der vor vier Jahren gegründeten Kinder-Versicherungs-Anstalt Freia" sind wegen Unterschlagung von Cautionen und ein- gezahlten Prämien im Betrage von ca. 50,000 Mk. verhaftet worden.

Sluslanfc.

Paris, 22. August. Im Hinblick auf verschiedene Com- mentare, welche das Fernbleiben Salisburys von der Portsmouther Flottenrevue in ausländischen Blättern erfahren hat, hebt derTemps" hervor, das englische Cabinet wollte aus Höflichkeit Frankreich gegenüber den Empfang des fran­zösischen Geschwaders und hatte dabei im Auge, daß die Königin allein hierbei in den Vordergrund trete. Durch den letzteren Umstand werde nämlich betont, daß es sich nicht um vorübergehende Zuvorkommenheit handle, welche man alsbald desavouiren könne. England bekräftige durch die Königin, welche enge Familienbande mit dem deutschen Kaiser ver­knüpfen, daß es gute Freundschaft mitArankreich halten und in gleich guten Beziehungen zu Deutschland bleiben wolle.

In dieser Rolle der Königin Victoria bekunde sich so recht die Neutralität und Unabhängigkeit der englischen Politik.

Paris, 22. August. Den hiesigen Vertretern der chile­nischen Congreßregierung wird aus Jquique ge­meldet, daß das Congreßheer nördlich von Valparaiso gelandet ist.

Veroua, 22. August. Gestern Abend um 9Uhr l0Min- erfolgte ein heftiges wellenförmiges Erdbeben. Die Be­völkerung eilte aus die Straßen und kehrte erst um Mitter­nacht in die Häuser zurück. Menschen sind nicht umgekommen und auch der Schaden ist gering. In der Umgebung von Verona wurden ebenfalls starke Erderschütterungen wahr­genommen, während in Bologna gleichzeitig ein vier Secunden anhaltendes Erdbeben stattsand.

Chamounix, 22. August. Der braunschweigische Groß­grundbesitzer Hermann Rothe, welcher mit dem Grafen Favernay den Montblanc bestieg, wurde gestern beim Abstieg in der Höhe von 3655 Meter mit dem Bergführer Michel Simond von einer Lawine in eine Gletscherspalte geschleudert. Die übrigen Theilnehmer der Expedition verdanken ihre Rettung dem Umstande, daß das Seil riß. Die Leichen der Verunglückten wurden bisher nicht ausgefunden.

Brüffel, 22. August. Internationaler Socia- listencongreß. Mit Stimmeneinheit wurde eine Resolu­tion des Inhalts angenommen, daß der Congreß die Stück- und Accordarbeit für eine Lohnsorm hält, welche die Aus­beutung der Arbeiter stetig vermehrt, daß dieses verwerfliche System der Ueberbürdung eine Folge des capitalistischen Re­gimes sei und gleich demSweating"-System bekämpft werden müsse. Der Congreß nahm ferner mit allen gegen drei Stimmen eine Resolution an, in welcher die socialistischen Parteien aller Länder ausgefordert werden, in ihren Pro­grammen die volle Gleichheit der beiden Geschlechter bestimmt auszusprechen und die Gewährung aller bürgerlichen und politischen Rechte, welche der Mann besitzt, auch für die Frauen zu fordern.

Portsmouth, 22. August. Von den französischen Marineoffizieren, welche an der Festtafel bei der Königin in Osborne theilnahmen, ist besonders bemerkt worden, daß die Königin, als die Musik die Marseillaise spielte, sich erhob und bis zum Ende stehend anhörte.

Petersburg, 22. August. DerNowoje Wremja" zu­folge ging dem Reichsrathe ein Gesetzentwurf zu, betreffend Einschränkung der Besiedelung Rußlands durch Aus­länder. Denselben soll verboten werden, sich außerhalb der Städte anzusiedeln und dort unbewegliches Eigenthum zu er­werben oder zu pachten. In einigen Gouvernements, darunter Wolhynien, soll die Novelle rückwirkende Kraft erlangen, der ländliche Grundbesitz der Ausländer soll eventuell expropriirt, den Besitzern die Rückkehr ins Ausland ermöglicht werden.

Petersburg, 22. August. DerBörsenzeitung" zufolge sind die russischen Zollämter angewiesen, Getreide mit mehr als 8 pCt. Beimischung von Roggen als Contrebande zu confisciren.

Newyork, 22. August. In Folge einer Explosion stürzte heute ein Haus am Parkplatze ein, dessen Trümmer in Brand geriethen. Zahlreiche Personen sollen dabei ihr Leben emgebüßt haben.

Ne«este Nachrichten.

WolffS telegraphisches Lorrespondenz-Bureau,

Dresden, 23. August. Der König beabsichtigt, am 2. September Vormittags zu den österreichischen Manövern nach Schwarzenau abzureifen. Die Rückkehr erfolgt voraus­sichtlich am 7. September.

Klagenfurt, 23. August. In der Ortschaft Poertschach ist der im Bau befindliche Kirchenthurm eingestürzt, während in der Kirche Gottesdienst abgehalten wurde. Be­schädigungen von Personen sind nicht vorgekommen, eine Per­son wird jedoch vermißt.

Paris, 23. August. Der Aus st and derErdarbeiter hat für jetzt sein Ende erreicht. Die Ausständigen beschloffen beute Vormittag, den Strike wegen Mangel an Geldmitteln zur Fortsetzung desselben vorläufig einzustellen und erst zu einem späteren geeigneten Zeitpunkt wieder aufzunehmen.

Paris, 23. August. Nach den hier eingegangenen Mel­dungen aus Hyeres (Departement Var) ist das Packetboot President Troplong" aus der Rückfahrt von Tunis in der Nähe der Hyeresschen Inseln gescheitert. Die Passagiere wurden sämmtlich gerettet.

Petersburg, 23. August. Der Kaiser und die Kaiserin sind mit dem Großsürsten-Thronsolger und den übrigen Mit­gliedern der kaiserlichen Familie, sowie mit der Königin von