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Mittwoch den 24, Juni

(Steamer Anzeiger.

Beilage zu Rr. 143. - 1891.

Die deutsche Ausstellung in London, in.

(Nachdruck verboten.)

London, 3. Juni.

Bis jetzt ist uns leider das Wetter wenig günstig gewesen, die kalten Nordostwinde mit ihren Regenschauern und Hagel sind wenig dazu geeignet, einen Ausenthalt im Freien zu begünstigen und es bleibt uns nur ein, wenn auch schlechter Trost, daß andere hiesige Unternehmungen derselben Art, wie z. B. die englische Marineausstellung, die nicht gar weit von unserer Ausstellung ihre Thore geöffnet hat, denselben Miß­ständen unterworfen sind. Uebrigens mehren sich jetzt die Anzeichen, daß der Sommer endlich herankommt.

Tempora mutantur! Noch bis vor ganz kurzer Zeit erging sich die gesammte englische Presse in durchaus nicht glimpflicher Weise über unfern Kaiser und tischte täglich ihren Lesern die größten Abenteuerlichkeiten auf. Heute hat die Corporation der City von London einstimmig beschlossen, ihm das Ehrenbürgerrecht zu verleihen, welches ihm, nachdem er dessen Annahme zugesagt, mit großen Feierlichkeiten in dem alten Rathhause, der Guildhall, überreicht werden wird. Für das darauffolgende Festmahl hat die City 3000 Pfund Sterling und für die Decorirung der Straßen 500 Pfund bewilligt.

Etwas Gutes hat übrigens das schlechte Wetter noch gehabt, da es der Ansstellungsverwaltung Zeit gegeben hat, I Alles völlig in Ordnung zu bringen, und soweit wie dies überhaupt der Fall sein wird, denn Abänderungen werden stets nöthig werden, können wir sagen, daß jetzt unsere Aus­stellung fertig dasteht.

In Verbindung mit derselben wird am 27. Juni daselbst ein großes deutsches Fest zum Besten des hiesigen deutschen Hospitals und der deutschen Wohlthätigkeits-Gesellschast statt­finden, und es wird Alles aufgeboten werden, um dieses zu einem durchschlagenden Erfolge, namentlich in Beziehung aus den Geldpunkt, zu machen. Beide Beneficianten verdienen es in reichem Maße. Wer da weiß, was es heißt, in fremdem Lande, oft ohne Mittel und der Sprache gar nicht oder doch nur unvollkommen mächtig, von Krankbeit heimgesucht zu werden, der kann sich ein Bild davon machen, welcher Segen unser in jeder Beziehung so treffliches Hospital für Tausende unserer Landsleute ist.

Die Wohlthätigkeitsgesellschast wirkt im Stillen, aber nichtsdestoweniger überall die nöthige Hülfe spendend. Ein­malige Gaben, Vorschüsse, ja selbst Pensionen werden mit freigebiger Hand gewährt, und die große Zahl derer, die in London das Eldorado, das sie zu finden hofften, nicht finden konnten und bitter enttäuscht und hülflos dastehen, erhalten durch sie die Mittel, nach der Heimath zurückzukehren oder, auf Wunsch, überseeische Länder zu erreichen. In Anbetracht dieses so wohlthätigen Zweckes ist es zu hoffen, daß dieses Fest ein durchaus erfolgreiches werden wird, und was unsere deutsche Colonie anbetrifft, so wird keine Mühe und Arbeit gescheut, um es dazu zu machen. Reich und Arm arbeitet nach besten Kräften und Niemand, der hilfreich fein will, wird zurückgewiefen.

Bald darauf werden wir die hohe Ehre und die große Freude haben, unser Kaiferpaar in der Ausstellung begrüßen zu können- man kann also sehen, daß uns eine äußerst ge- schäftigte Zeit bevorsteht, denn obgleich das ganze Unter­nehmen für die Engländer berechnet ist, kann es doch die Hilfe des hiesigen deutschen Elementes nicht entbehren.

Wir, die wir in dem ungeheuren London unfern Wohnsitz aufgeschlagen haben, wissen recht gut, wie viele unserer Landsleute, namentlich von der älteren Generation, sich dem Vaterlande gänzlich entfremdet haben und zum Theil mehr Engländer als diese selbst geworden sind. Ein Gleiches ist es mit den Söhnen dieser älteren Herren, die durchaus keine Deutschen sein wollen, während jedoch eigenthümlicher Weife die Enkel, die oft genug nicht einmal die Muttersprache ver­stehen, auf ihre deutsche Abstammung stolz sind. Bei unseren Wanderungen durch die Ausstellung aber begegnen wir gar vielen dieser Herren, Leuten, die sich bisher von uns fern gehalten haben, denen englische Industrie und Kunst und Wissenschaft, soweit es in ihren Handelsbeziehungen die eigene Tasche nicht berührt, als etwas Unübertroffenes und nie zu Uebertreffendes gilt und denen englische Sitte in ihrem ganzen Leben als Norm gilt. Dünkt es uns doch, als ob auf manchem Gesichte eine leichte Schamröthe liege, als wäre es ihnen nicht angenehm, in solcher Gesellschaft gesehen'zu werden, was thut es, der erste Schritt ist gethün, und obgleich vielleicht unwillig, kommen sie wieder zu der Ueberzeugung, daß uns unser ganzes Leben hindurch ein geheimes Band mit dem Vaterlande verknüpft. Die deutsche Ausstellung in London wird neben ihren Zwecken für unsere Industrie re. auch noch den Erfolg haben, daß sie uns mit dem Vaterlande aufs Innigste verknüpft.

Es steht fest, daß diese Ausstellung den Engländern eine Offenbarung war, denn man schien anzunehmen, daß in Deutschland Kunst überhaupt nicht existire. Um so freudiger ist die allgemeine Anerkennung, die sich schon jetzt in den weitesten Kreisen zeigt. , ,

Die Kunst des Gärtners hat trotz der großen Schwierig­keiten infolge des schlechten Wetters wahrhaft Wunder gethan, und die Gärten und Anlagen erglänzen in voller Frühlings­pracht. Noch hat der ewige Rauch aus Hunderttausenden von Schornsteinen, der Erbfeind aller Vegetation in und um London, keine Zeit gehabt, das herrliche Maigrün der Blätter von Baum und Strauch mit feinem häßlichen schwarzen Athem zu besudeln, und die Rasenplätze erscheinen wie große Flächen des feinsten Sammet. Da ist auch kein Hälmchen, kein Blatt,

welches über das andere hervorragt, Alles ist eine dicht­gedrängte Masse des herrlichsten Grün. Es ist ja eine wohl­bekannte Sache, daß in keinem Lande der Welt Rasenplätze in solcher Vollkommenheit gedeihen wie in England.

Auch außerhalb der Ausstellungsgebäude finden wir gar Manches, was unserer Aufmerksamkeit werth ist. Und da kommen wir zuerst auf die Musik. Die beiden deutschen Regimentsmusikchöre, das bayrische und das Darmstädter, haben London im Sturm genommen, und überall hört man über dieselben nur Anerkennendes. Selbst englische Musiker von Ruf gestehen offen ein, daß in ganz England kein Militär­musikchor existire, das diesen nur im Entferntesten gleich käme. Die um das Orchester herum aufgestellten Sitze sind stets gefüllt und reicher Applaus wird den Künstlern gespendet, wofür sich am vergangenen Samstag die Bayern damit bedankten, daß sieRule Britannia" spielten, was natürlich dem Nationalstolz der Engländer nicht wenig schmeichelte.

Die zur Ausstellung gehörigen Gärten haben den großen Reiz, daß sie mit zahlreichen alten Bäumen bestanden sind, und unter diesen herum windet sich wie eine Schlange die endlose Reihe der Promenaden. Diese Feste im Freien waren bis vor wenigen Jahren in England gänzlich unbekannt, umsomehr ist der Engländer jetzt davon eingenommen. Hat es doch jahrelange harte Kämpfe gekostet, ehe es gestattet wurde, daß am Sonntag Nachmittag Coneerte in den Parks stattfinden.

Trotz aller dieser Attraetionen, Musik, Kaisergallerie, Bauernhaus usw., darf auch des Lebens Nothdurst nicht ver­gessen werden und auch dafür ist reichlich für jeden Geschmack I und für die größere oder geringere Länge jedes Geldbeutels gesorgt.

Zu einem guten Essen gehört auch ein guter Trunk und auch dafür ist Sorge getragen. Im Heidelberger Faß credenzen die Herren Mund & Co. von Berlin das edelste Gewächs vom Rhein, Mosel und Neckar, für uns Plebejer und unsere plebejischen Geldbeutel hat das Spatenbräu von München größere Anziehungskraft und wir können nicht anders sagen, als daß das dort verzapfte Bier dem Rufe des Herrn Sedlmayer alle Ehre macht. Ich 'Habe bis jetzt nur Gutes über die A> ellung berichten können, bei Gelegenheit des bayrischen B. ces kann ich jedoch nicht umhin, einen kleinen Stoßseufzer loszulaffen: 50 Pfennige für ein Glas Bier, zur Hälfte nur Schaum, ist wohl etwas hochgegriffen.

Rudolph Schück.

* Ein hübsches Späßchen ereignete sich gelegentlich eines Garten-Coneertes imLütticher Hof" zu Coblenz. Kommt da auch ein junger Mann mit einer Hose auf dem Arme gravitätisch anstolzirt und wird erst an der Kaffe auf den Jrrthum aufmerksam. Er hatte in der Eile zu Hause den Sommer-Ueberzieher mit der Hose vertauscht. Unter allge­meiner Heiterkeit machte er Kehrt und besorgte seine Unaus­sprechlichen wieder nach Haufe. Sie hatten ihm die Lust am Concert gründlich verleidet.

* Das Mädchen mit dem Todtenkopf. In der letzten Sitzung derBerliner medizinischen Gesellschaft" stellte Herr Dr. Saalfeld ein Mädchen vor, dessen Gesicht einen Anblick bot, wie er nicht gräßlicher gedacht werden kann. Es handelte sich um ein 26jähriges Mädchen, das int sechzehnten Lebens­jahre an Lupus des Gesichts erkrankt war. Die allen Mitteln hartnäckig Widerstand leistende Krankheit hatte der­maßen gewüthet, daß Mund, Wangen, Nase, dazu das rechte Auge vollständig zerstört waren. Trotzdem allerlei plastische Operationen d. h. Ueberpflanzungen von Hautstücken be­nachbarter und entfernter Körpertheile, unter anderen auch von Professor Billroth gemacht waren, um den Substanz­verlust zu decken, war doch der Mund nichts weiter als eine unförmliche Oeffuung, die beiden Wangen stellten blasse Narbenfelder vor und an Stelle der Nase war ein einfaches trichterförmiges Loch vorhanden. So glich das Gesicht einem Todtenkopf und bietet demnach ein Analogon zu jenem Fall, den der berühmte Chirurg Diffenbach in den vierziger Jahren unter dieser Bezeichnung beschrieb. Die unglückliche Person war nach Berlin gekommen, um sich heilen zu laffen, doch konnte hier nichts anderes geschehen, als für sie eine Samm­lung zu veranstalten, deren Betrag ausreicht, um für sie eine Maske zu formen, die den gräßlichen Anblick einiger­maßen verdecken soll.

* Halle a. S., 19. Juni. In der ordentlichen General­versammlung der A.Riebeck'schen Montanwerke-Aetiengesellschaft, in der 24 Aetionäre mit 2844 Stimmen vertreten waren, wurde die Dividende für das am 1. April abgelaufene Geschäftsjahr auf 15 % festgesetzt und das ausscheidende Mitglied des Aufsichtsrath wiedergewählt- der Vorstand theilte mit, daß die Aussichten für das laufende Geschäft als günstige zu bezeichnen seien, da sämmtliche Producte der Gesellschaft bei erhöhter Production zu besseren Preisen schlanken Absatz fänden. Die Zahlung der Dividende erfolgt sofort bei den bekannten Zahlstellen.

UnhKtfbäts - Nachrichten.

Leipzig, 18. Juni. Der derzeitige Rector der hiesigen Uni­versität hat einen Aufruf an die Studentenschaft an das schwarze Brett anhesten lassen, worin er als dringend wünschenswerth be­zeichnet, einen genauen Ueberblick über das Maß der Einberufungen zu militärischen Hebungen (nicht zur Ableistung des Freiwilligene JahreS!) zu gewinnen, welche an die deutschen Studenten der Leipziger Hochschule feit Anfang des Jahres 1891 ergangen sind, um die ver­schiedenen Konsequenzen dieser Einberufungen übersehen zu können. Man geht wohl nicht fehl, wenn man annimmt, der Herr Rector wolle auf diesem Wege ermitteln, wie viele Studenten durch Ein­berufung zum Heere in ihrem Studium behindert werden.

Landwirthschastliche Winke und Ratschläge.

Airs Oberhefferr, Mitte Juni.

Allerlei in l Bezug auf Fuhrwerk, Vieh, HauSwirth» schäft und AehnlicheS. Die Feldarbeiten werden Immer größer und dringender, da gllt es, Körper und Geist anstrengen. Der fleißige Landwirth kann'sich kaum mehr ausschlafen, denn er geht um 10 Uhr zur Ruhe und erhebt sich um 2 Uhr schon wieder.

Zum Lesen, Schreiben und Studiren haben die Leute darum auch nur wenig Neigung und Zeit. Aber kurze Winke und An­deutungen in Bezug auf die gegenwärtigen Arbeiten, Verrichtungen und Anstalten sind doch vielen willkommen. Darum wollen wir unS heute auf Verschiedenes einrichten, dem Rathe des Altmeisters Göthe folgend, der seinem Schauspieldirector sagen läßt:Wer Vieles bringt, wird Manchem Etwas bringen."

In Betreff der Zrrgthiere, insbesondere der Pferde, ist zu bemerken, daß sie bei schlecht sitzendem Kummet schwer an Gefchirr- druS zu leiden haben. In kurzer Zeit sind die Haare und die Haut weggerteben und das rohe Fleisch sieht heraus. Die Wunde blutet, Fliegen und Bremsen kommen herbei, rauhe Leinwand und hartes Leder reibt auf der offenen Wunde herum und das arme Geschöpf leidet entsetzlich. Hier giebt es nun einige Mittel, die rasch und sicher die Wunden hellen; außerdem hat sie Jedermann sofort zur Hand, sie sind billig und leicht anwendbar, aber doch in ihrer vortrefflichen Wirkung nur wenig bekannt. Das erste Mittel, die Druckwunde bei Pferden schnell zu heilen, ist gebräunter Kaffee, der fein gemahlen und pulvertstrt werden muß. Man streut den Kaffee in die Wunden und findet, daß die Heilung bald beginnt. Noch besser wirkt, wie erfahrene Fuhrleute bestätigen werben, ein anderes, leicht herstellbares Mittel. Man verbrennt ein Stück gut auSgebackeneS Brot, sammelt die Asche desselben und zerstößt sie in feiueS Pulver. Dieses Pulver wird, gleich dem vorhergehenden, in die Wunde gestreut und die Heilung beginnt fast augenblicklich. Wenn die Beschädigung nicht sehr schwer ist, kann das Thier schon nach zwei bis drei Tagen wieder zur Arbeit gebraucht werden. Ein drittes Mittel wird in Norddeutschland, besonders in Schleswig-Holstein, oft angewandt, nämlich: Rutz a«S den Schornsteinen. Der Ruß wird, wie gerösteter Kaffee oder ge­glühtes Brod, zu seinem Pulver gestoßen und dick auf die Wunden aufgelegt. Dies wird einige Mal wiederholt. Sehr bald bildet sich eine Narbe und nach kurzer Zeit erfolgt die Heilung. Mit letzterem Mittel hat Einsender noch keine Proben und Erfahrungen gemacht; es wird aber, wie bereits hervorgehoben, in Norddeutschland häufig mit Erfolg angewandt. Jedenfalls sind die drei Mittel stets leicht erhältlich und wenig kostspielig, sie verdienen daher allgemein bekannt zu werden.

Die heiße Jahreszeit ist herangekommen; alles was da lebt und webt empfindet Durst. Diejenigen Geschöpfe außer den Fischen welche sich viel bewegen, empfinden den Durst schärfer, als solche, welche sich ruhig verhalten, well die Transpiration eine viel stärkere ist. Die Zugthiere verlangen daher viel mehr Flüssig­keit, als die Stallthiere. Hier werden viele Unterlassungssünden begangen. Man darf die erhitzten Thiere nicht tränken, well es ihrer Gesundheit schadet. Aber wenn Abkühlung erfolgt ist, sorge man oft für gutes Trinkwaffer. Hunger thut weh, aber gegen die Qualen 1)es Durstes ist der Hunger nichts. Darum, lieber Land­wirth, sorge stets, daß deine Pferde, dein Rindvieh, deine Schweine und dein Geflügel keinen Durst leidet. In unserer Provinz werden nur sehr wenige Ortschaften mit Waffermangel zu kämpfen haben. Die Beschaffung von gutem Trinkwasser ist daher nur eine ganz geringe Mühe, die sich reichlich lohnt. Man vergesse die Schweine nicht. Wir heben dieses Hansthier nur deswillen hervor, weil Hunderte von Landwirthen der Ansicht sind: das Schwein bekommt seine Nahrung vorzugsweise in flüssiger Form, also hat es blankes reines Wasser nicht nöthig. Andere meinen: das Schwein wühlt in Pfützen und Sümpfen herum und erhält dadurch, abgesehen von seiner flüssigen Nahrung, noch Flüssigkeit genug, es brauche daher kein Trinkwasser mehr. Diese Ansichten sind nicht richtig und davon kann sich Jeder mit Leichtigkeit überzeugen. Man mache einmal in heißen Tagen den Versuch damit, daß man den Schweinen frisches Trinkwasser reicht und jeder wird sich sofort davon über­zeugen, daß es begierig ausgenommen wird. Es trägt zum Wohl­befinden und besseren Gedeihen des Thieres wesentlich bei; -die geringe Mühe lohnt sich also ohne allen Zweifel.

Citeratat tmfc Kimft

Im sechsten Hefte Der Monatsschrift ^Unsere Zeit*, herausgegeben von Friedrich Bienemann (Leipzig, F.A. Brock- Haus), begegnen wir weiterenNordseescizzen eines Naturforschers", in denen Friedrich Heincke die Erlebnisse und Ergebniffe der von ihm geleiteten Expedition zur Erkundung der Bedingungen für die deutsche Hochseefischerei zur lebensvollen Anschauung bringt. Ferner werden Talleyrands Denkwürdigkeiten" nach den bisher erschienenen ersten Bänden der deutschen Ausgabe Ebelings in ihrem culturgeschichtlichen Werthe gewürdigt. Friedrich Earl Peterßen wirft einen Blick auf Die bildende Kunst in Frankreich" während der letzten zwei Jahre. Reifeeindrücke und Stimmungsbilder aus der Türkei" beschäftigen sich mit den wirthschastlichen und Verwaltungszuständen des Osmanischen Reichs, mit den Aufgaben und dem Wirken der deutschen Offiziere und Beamten in seinem Dienste und mit der deutschen Colonie in Constantinopel. Heinrich Martens, der Specialift für scandinaoische politische Verhältnisse, läßt im AufsätzeDie politische Gesundung Dänemarks" den Kampf der Opposition des Folkething gegen das Ministerium Estrup, die Abwendung der Mehr­heit unter der Führung Bojsens vom Agitator Berg und seiner Verwclkungspolitik" und das (Ergreifen der Verhandlungspslitik wie das Entgegenkommen der Regierung während der letzten Reichs­tagstagung am Leser vorüberziehen. Von allgemeinster Theilnahme wird des Major a. D. Joseph SchottRückblick auf Leben und Wirken Gras MoltteS" begleitet fein eine Betrachtung, wie sie der ernsten Zeitschrift würdig ist. Das Gleiche gllt von dem Nekro­loge, den Karl Krumbacher dem am 1. Mai verstorbenen berühmten langjährigen Mitarbeiter der Zeitschrift Ferdinand Gregorovius ge­widmet hat. Mit einer Todtenschau und dem Register zum ersten Bande des laufenden Jahrgangs schließt das Heft.

Erziehung, Unterricht und Idealismus von Wolf­gang Körber. Breslau. Verlag von Wilhelm Koebner. Preis 1 Mark.

Diese Schrift zeichnet sich dadurch vor vielen anderen aus, daß sie nach dem allzuwenig beobachteten Grundsätze, die deutsche Jugend nach deutscher Eigenart zu erziehen und zu bilden, in ihren eindring­lichen Betrachtungen über die Reform des Unterrichts durchaus dem Geiste des gefunden, echtdeutschm Idealismus einen lebendigen Aus­druck gibt. Je wahrhaftiger und ernster sie es damit nimmt und je mehr sie damit das Werk der Umbildung an der Wurzel angreift, um so weniger geräth sie in die Gefahr, sich mit Phrasen ober Ab­stractionen zu begnügen, sondern bewegt sich durchweg im vollen Leben und baut den Unterricht selbst erst auf dem natürlichen Grund der elterlichen Erziehung auf. Indem der Idealismus nach deutscher Art nicht revolutionär, sondern reformatorisch auftritt, gewinnt er ich auch die wohlthuende Freiheit, bei aller strengen Kritik am Be­lebenden doch nicht von einem gewaltsamen Umsturz auszugehen, onbern überall anzuknüpfen an die vorhandenen Bildungen unseres jefammten Unterrichtswesens, das durch eine gründliche Einwirkung rieses edlen Geistes in einer bedeutsamen Krisis vor vielseitig be- ürchteten Gefahren glücklich bewahrt werden kann.