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Marz 1891.
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Dienstag den 24. März
Gre^zenev Atrzelgev. Beilage zu Nr. 70. - 1891.
Feuilleton.
Zeine Drille.
Von A. Her.
(Schluß.)
Dann kramte er in einer Tischschublade und zog ein Schächtelchen hervor, auf dessen Deckel mit großen Buchstaben geschrieben stand: Miethe. „Hier, hier," er händigte dem Wirthe den Inhalt ein.
Dieser zählte nach. „Entschuldigen Sie, es fehlen drei Thaler."
Gustav setzte die Brille aus. Wahrhaftig, mir einer überraschenden Deutlichkeit erkannte er durch die scharfen Bläser das Fehlen der betreffenden Geldstücke.
„Es thut mir wirklich sehr leid," — er starrte hilflos in die Schachtel — „ich bin augenblicklich . . . Sie werden entschuldigen, ich bringe Ihnen morgen das Geld. Heute Abend und den größten Theil der Nacht hindurch spiele ich zum Tanzen auf und da bekouime ich zwölf Mark."
„Nun, dann morgen, aber morgen erwarte ich sicher die Bezahlung, denn ich brauche auch Geld."
„Ja, ja."
Weiß der Himmel, alle Leute brauchten Geld, das war ein Drängen nach Geld! Und was wirklich einen traurigen Eindruck machte, war der Umstand, daß es so schnell weiter rollte von einer Hand in die andere.
Während Gustav noch derartigen Betrachtungen nachhing, wurde die Thüre ausgerissen und sein Freund, der Flötenspieler, stürzte herein. „Die Welt verschlechtert sich mit jedem TagJetzt habe ich mich um eine Anstellung beworben und statt daß ich sie erhalte, bekommt sie ein anderer, der viel dümmer ist. Es gibt keine Gerechtigkeit mehr!" Und mit diesen Worten rannte er wüthend um den Tisch herum.
„Beruhige Dich doch, mein Lieber!"
„Nichts von Beruhigung; ich will mein Recht haben. Den andern anzustellen! Einen Menschen, der so unmusikalisch ist, daß er kaum Forte von Piano unterscheiden kann!"
„Ich sollte doch denken, daß er irgend einen Vorzug —"
„Warum nicht gar! Der, einen Vorzug haben! Du bist ein guter Mensch, Gustav, aber Du bist kurzsichtig, Du siehst die Welt mit anderen Augen an, Du müßtest immer eine Brille tragen, notabene, eine Brille, die Dich ins Innere der Herzen hineinsehen läßt, damit Du erkennst, daß statt eitel Güte, wie Du Dir einbildest, dort Bosheit, Schlechtigkeit und Ungerechtigkeit wohnen."
„Behüte mich Gott in Gnaden vor einer solchen Brille." „Und Du glaubst etwa, es gehe alles nach Recht und Gerechtigkeit?"
„Das glaube ich."
„Du bist und bleibst ein Kind!" Und empört, so wenig Verständniß gefunden zu haben, eilte der in seinem Künstlerstolz empfindlich verletzte Flötenspieler fort.
Gustav aber träumte; trotz aller Kälte, trotz der Dürftigkeit seiner Behausung sehtt er mit seinen Gedanken in einer sonnigen, glücklichen Welt.
Da kam plötzlich die Stubennachbarin herein und meinte: „Herr Jakobs, Sie zittern hier vor Frost, setzen Sie sich doch zu mir in mein warmes Stübchen und trinken Sie eine Tasse Thee!"
„O, sehr gern!" Wie dauerte ihn der arme Flötenspieler mit seinen düsteren Anschauungen- hätte er noch einen Augenblick gewartet, würde er auch eine Einladung erhalten haben, aber es gibt Leute, die nie warten können. Nun war er in die Kälte' hinausgelausen, während er, Gustav, am warmen Ofen saß. Und was die gute alte Frau Ruhr anbetraf, so hätte man sicher mit der schärfsten Brille in ihr Herz sehen können, ohne eine Spur von Selbstsucht zu entdecken. ^Sie hatte keine Töchter, um derentwillen sie Männer anlockte/ sie hatte nie einen Dienst von ihm beansprucht, nur einmal hatte er ihr einen Lampenschirm geklebt, eine geringe Mühe, — nein, ihre Aufforderung, ins warme Zimmer zu kommen, entsprang einzig und allein der uneigennützigsten und edelsten Menschenliebe.
Gustav hütete sich allerdings, die Brille auszusetzen, er befürchtete dann irgend etwas Störendes zu bemerken.
Es that ihm ordentlich leid, als er sich, eingedenk seines Berufes, auf den Weg machen mußte zu der Herrschaft, die ihn zum Clavierspielen bestellt hatte.
Der Saal war bereits angesüllt mit Damen in rauschenden Seidenkleidern, in duftigen Ballroben, mit Herren in Uniformen und glänzenden Fracks. Gustav blickte etwas beschämt auf sein eigenes Kleidungsstück, das Spuren eines häufigen Gebrauchs aufwies- aber er spielte die Tänze auswendig, so konnte er die Lichter am Clavier ausblasen und befand sich nun, umgeben von grünen Pflanzen, in einem dämmerigen Winkel.
Wie glücklich die Menschen alle schienen, wie sie sich freuten uud lachten! Es war ihnen allen eine Lust, zu leben. Die Dame des Hauses lächelte so süß, er konnte es deutlich ichen, während seine Hände den Tasten einen Walzer entlockten. Und dieses junge Pärchen warf sich verliebte Blicke zu, es befand sich in jenem herrlichen Stadium der ersten Liebe- prachtvolle Roftn leuchteten aus ihrem dunklen Haar hervor, ihr Gesicht zeigte den Ausdruck der Güte. Der große Herr, der zwischen den Flügelthüren stand, schien ein Denker, der hier mitten in dem fröhlichen Treiben kühne Pläne zur | Beglückung der Menschheit entwarf. — O, wie sie Verschiedenes
dachten, diese Menschen, bei den Klängen des süßen Mandolinenwalzers! Gustavs Herz weitete sich, indem er gleichsam die Empfindungen Aller in seinem Innern aufnahm.
Pause. Die Hände glitten von den Tasten. Gustav griff schüchtern nach seiner Brille. Hier hatte er nichts zu befürchten - die Trauer, die Sorge waren außerhalb dieser Räume zurückgeblieben, hier konnte er nur das Glück, die Freude sehen. Einen langen, tiefen, durchdringenden Blick mußte er auf seine Umgebung werfen, auf diese schönen Frauen, diese denkenden Männer.
Und er sah. - Die Dame des Hauses gähme hinter ihrem Fächer- es konnte ihr das Niemand verdenken, denn als richtige, wirkliche Ballmutter mußte sie fast täglich in Gesellschaft gehen und kam erst bei Tagesanbruch heim. Das junge Pärchen schmollte, sie wandte ihm halb den Rücken zu und sah sehr böse aus. Gustav wischte die Brillengläser mit seinem seidenen Tuche, aber das nützte nichts- sie sah immer noch böse aus und in dem Ausdruck ihres Gesichts konnte man deutlich lesen : Er ist schuld an allem, er ist schuld! Gustav seufzte. Wenn das das Ende von der Liebe ist, daß man schmollt! Und außerdem könnte mau späterhin zu sechsen sein und jedes will etwas geschenkt haben . . Gerechter Himmel, — nein! Er betrachtete den Denker und nun las er Schmerz in seinen Zügen. Dennach, dieser dachte an ein junges Mädchen, das er unendlich liebte und das so arm war wie eine Kirchenmaus. Ja, wenn er selbst reich gewesen wäre, — aber er hatte nichts als das, was ihm sein Beruf einbrachte, und das war augenblicklich herzlich wenig. In Gedanken dividirte und multiplicirte er, doch die Schlußfolgerung, die er ziehen mußte, war immer dieselbe: Unmöglich. Ach, das Leben ist kein Walzer, wo man auf glattem Parkett sorgenfrei einherfliegt!
Jemand klatschte in die Hände.
Gustav schob die Brille in die Rocktasche und begann wieder zu spielen.
Und jetzt sah alles wieder anders aus. Die Hausfrau zeigte keine Spur von Müdigkeit, sie lächelte süß- das junge Paar warf sich verliebte Blicke zu, der Denker in der Flügel- thür war nicht so selbstsüchtig, nur an sich und eine andere zu denken, Gott bewahre, sein Aussehen verrieth, daß er Pläne schmiedete, um die Menschheit zu beglücken.
Gustav versank wieder in eine Welt der Ideale. Alle traurigen Eindrücke, die er empfangen hatte, verdankte er seiner unglücklichen Brille. Ohne diese erschien ihm alles so schön!
Ja, es ist ein wahres Glück, wenn man kurzsichtig ist.
Vergebung von Bunurbeiten
im Wegbaubestrk Gladenbach.
Nachverzeichnete Arbeiten und Lie-! serungen zur Erbauung eines Back-! Hauses mit Schulsaal und Lehrerwoh- I nung zu Rodheim an der Bieber, als: । veranschlagt zu 1) Erdarbeiten 302 JL 40 2) Maurerarbeit 909 „ 70 „ 3) Steinhauerarbeit 580 „ 40 „ 4) Zimmerarbeit 2104 „ 87 „ 5) Dachdeckerarbeit 623 „ 80 „ 6) Spenglerarbeit 127 „ 60 „ 7) Schreinerarbeit 1629 „ 60 „ ^8) Schlosserarbeit 137 „ 50 „ 9) Weißbinderarbeit 471 „ 75 „ 10) Backosenbauarbeit 560 „ — „ 11) Materialien 921 „ — „ sollen
Samstag den 28. März,
Vormittag- 11 Uhr, in der Rathhausstube zu Rodheim an der Bieber durch öffentliche Versteigerung in Accord gegeben werden.
Plan und Kostenanschlag können auf der Bürgermeisterei zu Rodheim, sowie bei dem Unterzeichneten eingesehen werden.
Gladenbach, 18. März 1891.
Der Bezirksbauausseher: 2621 C^Werner.
Arbeitsversteigerung zu Lollar.
Mittwoch den 2S. d. Mts., Morgens 10 Uhr,
sollen die demnächst in unserem Orte auszuführenden
veranschl. zu Pflasterarbeiten . . . 577 <Ai. Materiallieferungen . . 1044 „ Fuhrenleistungen . . . 159 „ aus unserem Büreau in zwei Abthei- lungen vergeben werden.
Lollar, den 19. März 1891. Großherzogl. Bürgermeisterei Lollar. 2651 C. Geißler.
Ktklnbrulh-Vervachtlms.
Die Basaltsteinbrüche der Gemeinde Lollar im Wald«Districte Kops II. Abth. V. sollen
Mittwoch den 28. d. M<, Morgens 9 Uhr, aus dem Bürgermeisterei-Büreau dahier auf die Dauer von 6 Jahren zur Verpachtung gelangen.
Lollar, den 19. März 1891. Großherzogl. Bürgermeisterei Lollar. 2650 C. Geißler.
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