Freitag deu 23. October
Giehener Anzeiger.
Beilage zu Rr. 247. -1891
Lerttlleton.
Das große Loos.
(Schluß.)
In ihrer Angst und Aufregung stellte ste sich nun vor, wie ganz anders ihr Gatte werden würde, wie er häufiger seine Zeit außer dem Hause zubringe, sie allein lassend. Wie waren ihr die Tage der jetzigen Trennung so furcht- bar einsam vorgekommen, was erst, wenn ihre Befürchtungen sich verwirklichten? An die Zukunft ihrer Buben mochte sie gar nicht denken. Was hatte sie schon alles gesehen und gehört von Kindern reicher Eltern? Mit Schrecken erinnerte sie sich der Lebensgeschichte eines ihrer Vettern, dessen Vater Millionär war, und der, nachdem das Vermögen verschwendet war, im Elend gestorben. Mit wachsender Aufregung erinnerte sie sich an eine Unzahl ähnlicher Fälle, bei denen immer das Geld die Grundursache des Unglücks gewesen war. So kam es, daß sie sich in ihrem fieberhaften Zustande die schrecklichsten Dinge vorstellte, die ihren Kindern drohten. Die kleine Frau war recht, recht unglücklich, so unglücklich, wie noch nie in ihrem Leben. Thränen strömten ihr die Wangen herab, laut schluchzte sie auf und verwünschte un- zähligemal das Loos, das ihr ein Glück in den Schooß warf, das viele andere Menschen sehnsüchtig wünschten, das sie aber fürchtete, fürchtete wie das Unglück selbst!
Das Licht war herabgebrannt, grell aufflackernd erlöschte es plötzlich. Noch lange warf sie sich unruhig hin und her, bis sie endlich einschlief und so die Beute beängstigender, schwerer Träume ward.
Mit müdem Kopfe und schweren Herzens erwachte sie am anderen Morgen zur gewohnten Stunde. Eine schwere Ausgabe stand ihr bevor, sie mußte ihren Gatten benachrichtigen. Als die Buben zur Schule gegangen waren, machte sie sich an das schwierige Werk. Bevor sie begann, durch
musterte sie nochmals die Liste. Thränenumflorten Auges blickte sie unverwandt aus die bekannte Zahl — plötzlich erhellten sich ihre Züge, ein Freudenschrei kam über ihre Lippen — hastig verglich sie nochmals Loos und Liste. Die Zahl stimmte genau, aber — wie ihr das nur am gestrigen Abend hatte entgehen können — die Nummer gehörte einer anderen Serie an! Somit hatte ein anderes Loos den ersten Treffer gewonnen.
Sie hätte vor Freude laut aufjauchzen mögen. Hinweg waren auf einmal alle Sorgen und Qualen. Stürmisch griff sie nach der Photographie ihres Gemahls, die vor ihr auf dem Schreibtische stand, und bedeckte sie mit unzähligen Küssen. Licht wurde es wieder in ihrem armen Herzen, ungetrübt und heiter lag ihre Zukunft wieder vor ihr — es drohte ihr ja jetzt keine Gefahr mehr, ihr schönes Familienglück zu verlieren. Wie leicht ihr jetzt das Briesschreiben wurde! Emsig huschte die Feder über den weißen Bogen, um dem geliebten Gatten die glückliche Botschaft zu bringen — daß sein Loos nichts gewonnen hatte.
Kopfschüttelnd und höchst verwundert soll dieser den merkwürdigen Bries gelesen haben. Daß seine kleine Frau über den Zusammenbruch seiner schönsten Träume, die sich an das Loos knüpften, so glückselig war, kam ihm sehr absonderlich vor,- aus übergroßer Freude hatte sie ja ganz und gar vergessen, den eigentlichen Grund ihrer fröhlichen Stimmung mitzutheilen. Aber etwas Gutes hatte das Brieflein doch gehabt, und das war die schleunige Heimreise des Herrn Jnspectors. Es war nicht die Neugierde über den räthselhaften Brief, was ihn Heimtrieb — nein, es war das geheimnißvolle Etwas, das ihm aus jeder Zeile entgegenwehte und das ihn an die selige Zeit seines Brautstandes, an die erste Zeit seiner Ehe erinnerte.
Als sie nach seiner Rückkehr wieder so recht traulich beim Scheine der Lampe beieinander saßen, da gestand er ihr aufrichtig, daß es doch nirgends in der Welt so schön
und gemüthlich sei als bei ihr. Nun weihte sie ihn auch in das Geheimniß ihrer Stimmung ein, in der sie jenen Brief abgefaßt hatte. Und wenn er ihr auch diesmal nicht hätte recht geben wollen, die Zukunft hätte ihn eines Besseren belehrt, denn auch ohne das große Loos waren sie recht glücklich und erlebten an ihren Kindern viele Freude.
Wenn aber irgend Jemand aus das Lotteriespirlen zu reden kam, da pflegte die Frau Jnspectorin die Geschichte ihres „großen Looses" zu erzählen, um mit dem alten und doch so wenig geglaubten Ersahrungssatz zu schließen:
„Geld allein macht nicht glücklich!"
* Der französische Gesandte Courville kam einst zur Herzogin Sophie von Braunschweig, um zu sehen, ob bereit zwölfjährige Tochter sich für den Dauphin zur Gemahlin eigne. „Welch eine hervorragende Schönheit!" rief er, sie sehend, „werth der höchsten Bestimmung. Dars ich fragen, in welcher Religion die Prinzessin erzogen ist?" — „In keiner bis jetzt," erwiderte die Herzogin. „Wenn wir erst wissen, welchen Prinzen die Prinzessin heirathet, werden wir sie in dessen Glauben unterrichten lassen."
* Bartsreiheit. Die „D. Verkehrsztg." bringt eine Notiz, nach welcher vor 40 Jahren noch den Postbeamten das Tragen von Schnurrbärten verboten gewesen ist. In einer Verfügung des damaligen preußischen Generalpostmeisters von Nagler heißt es: „Mit Mißfallen ist es bemerkt worden, daß viele Beamte, sogar solche, welche mit der Bedienung des Publikums zu thun haben, Schnurrbärte tragen. Es wird deßhalb das Verbot strengstens in Erinnerung gebracht re." Nur denjenigen Beamten, welche Offiziere gewesen ober noch Landwehrosfiziere waren, würbe der Schnurrbart erlaubt, jedoch mußte derselbe ausschließlich in der für Offiziere vorgeschriebenen Form gehalten werden. So ändern sich die Zeiten und Sitten!
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