Ausgabe 
23.10.1891
 
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1891

Freitag den 23. Oktober

Nr. 247

Kießener Anzeiger

General-Anzeiger

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lichkeit geltenden ewigen Grundsätzen der Sittlichkeit be­stimmen zu lassen" undsie richtet an alle ernster Denkenden im Volke die dringende Bitte, gegen die Ausschreitungen der modernen realistischen Kunst mit allen gesetzlich zulässigen Mitteln zu protestiren."

deren Hinterbliebenen mit. Die Zahl der Gratulanten ist sehr groß.

October. DerReichsanzeiger" meldet: Sitzung des Colonialraths herrschte

Depeschen desBureau Herold".

Berlin, 21. October. Einer Blättermeldung zufolge ist Einführung von Versuchsbattaillonen mit ijähriger Dienstzeit aus directe Befürwortung

Neueste Nachrichten.

WolffS telegraphische- Lorrespondenz-Bureau.

Berlin, 21.October. Der Kaiser empfing Vormittags den General Verdy du Vernois, welcher sich als mit dem Orden pour le merite für Kunst und Wissenschaft be- liehen meldete und gleichzeitig sein neues WerkStudien über den Krieg" überreichte.

Berlin, 21. October. Anläßlich des sieb en zig st en Geburtstages des Oberbürgermeisters Forcken- deck gratulirte Minister Herrsurth in der Wohnung des Jubilars- eine Deputation des deutschsreisinnigen Reichstags und Landtags überreichte eine aus Lorbeerblättern gebildete, mit Edelsteinen gezierte, goldene Bürgerkrone. Rickert hielt eine Ansprache, worauf Forckenbeck dankte.

Berlin, 21. October. Bei der Beglückwünschung Forckenbecks durch die Deputation der beiden städtischen Behörden theilte Geheimrath Schreiner die Errichtung einer Forckenbeckssüstung im Betrage von 200000 Mk. für Com-

Einstimmigkeit darüber, daß den Missions-Gesellschaften Zoll- nnb Steuererleichterungen in den Schutzgebieten zu gewähren sei- eine betreffende Vorlage wurde sodann einem besonderen Ausschuß überwiesen. Im Anschluß an die Etats-Entwürfe gab der Vorsitzende, Legationsrath Kayser, eine umfassende Darlegung der gegenwärtigen Lage in den Schutzgebieten und der nächsten Absichten der Verwaltung, worauf die General- discussion begann.

Berlin, 21. October. Der Colonialrath ging im weiteren Verlauf der Sitzung zur Berathung der Localetats über. Nach der Generaldebatte wurde in die Specialberathung eingetreten, welche nach dem Etat für Kamerun abgebrochen wurde. Morgen tagt die Commission für die Zollordnung und Zollbefreiung der Missionsgesellschasten. Die nächste Plenarsitzung findet Freitag Nachmittag 2 Uhr statt. Samstag hofft man die Berathung für diese Session zu beendigen.

Wien, 21. October. DemFremdenblatt" zufolge sind die Instructionen der österreichisch-ungarischen Delegirten für die Handelsvertrags-Verhandlungen mit Ser­bien endgiltig festgestellt. Die Verhandlungen sollen im nächsten Monat in Wien beginnen.

Cettinje, 21. October. Hierher gelangten Nachrichten zufolge griff eine aus 15 Mann bestehende Albanesen­bande zwischen Brelopolje und Sienitza nach Serbien reisende Montenegriner an, töStete fünf derselben und verwundete mehrere Frauen und Kinder. Die Bande verschwand wieder in den Bergen.

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4jwbte Xag erscheinenden Nummer bil Bona. 10 Uhr.

Caprivis erfolgt.

Berlin, 21. October. Die Polizei beschlagnahmte das Manuscript eines Leitartikels desKleinen Journals" vom 10. October:Der heilige Rock vor Gericht."

Elbing, 21. October. Das Reichs-Marineamt bestellte bei Schickau sieben Torpedoboote.

Erfurt, 21. October. Sozialisten-Congreß. Lieb­knecht hielt eine zweistündige Programmrede. Der Entwurf zum Parteiprogramm wurde debattelos en bloc genehmigt. Singer hielt die Schlußrede, welche mit einem Hoch auf die internationale Socialdemokratie schloß. Die Versammlung sang stehend die Marseillaise.

Erfurt, 21. October. Socialisten-Congreß. Das Urtheil der Commission geht dahin: Werner und Wildberger sind mit allen gegen 11 Stimmen ausgeschlossen. Von Werner sagt das Urtheil, daß er sich nie im Flugblatt bekannt, sondern immer sich hypothetisch ausgedrückt habe, um den Folgen seiner Äußerungen für seine Person vorzubeugen. So habe er als Redner der Opposition die Solidarität und Opposition ge­leugnet und nur für sich gesprochen. Auerbach sei unwürdig, die Partei zu vertreten, wird aber nicht ausgeschlossen, da er freiwillig ausgetreten fei. Lambrecht, Richard, Baginsky, die nicht anwesend sind, sollen widerrufen oder werden ausge­schlossen. Der nächste Parteitag findet in Berlin statt.

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Neustadt.

totales nnd provinzielles.

Gießen, 22. October.

Von der Oberhesfischeu Obstausstelluvg. Wenn die vorliegende Nr. desGießener Anzeiger" in die Hände der geehrten Leser gelangt, sind die Pforten der seit dem 15. d. M. eröffneten ersten Ob erhessischen Obstausstellung geschlossen und die zahlreichen Aussteller im Besitz ihrer wohl­verdienten Preise und Ehrendiplome. In sehr befriedigender Weife hat das aus den Herren: Provinzialdirector Freiherr v. Gagern (als Vorsitzender), Amtmann Nebel (als Stell­vertreter), Hofgärtner No ack inDarmstadt-Beffungen, Königl. Obergärtner Seeligmüller in Geisenheim, Kreisobstbau­techniker Scrodzki in Offenbach, Obergärter Schumann in Frankfurt a. M. und Obergärtner Blöthner in Offenbach bestehende Preisgericht gearbeitet. Es dürfte deshalb von Interesse sein, einiges aus dem Obstausstellungsbericht des Preisgerichts, das Herrn Kreisobstbautechniker Scrodzki zum Referenten in der am Sonntag den 18. October in Steins Garten abgehaltenen Hauptversammlung des Oberhessischen Obstbau-Vereins bestellt hatte, zu vernehmen. Herr Scrodzki berichtete ungefähr wie folgt: Der Oberhessische Obstbauverein könne sich rühmen, der erste in Deutschland zu sein, der in Bezug auf Ausstellungen einen Schritt weiter gegangen fei; die meisten bisherigen Ausstellungen waren lediglich der Liebhaberei gewidmet, sie seien ins Leben ge­rufen worden, wenn in besonders guten Obstjahren günstige Vorbedingungen dafür vorhanden gewesen. Die Oberhessische Obstausstellung sei bedeutend und einzig in ihrer Art und nicht zu verkennen seien die Schwierigkeiten, mit denen man früher zu kämpfen hatte, ehe dieses günstige Resultat erreicht wurde. Der Nutzen früherer Ausstellungen war ein ge- theilter, einen Ansporn zur Herbeiführung einer einheitlichen Production gaben sie nicht, im Gegentheil, sie gaben oft Grund zur Unzufriedenheit und schädigten den Obstbau mehr als sie ihm nützten. Die heutige Ausstellung zeige ein gegen früher verändertes, günstigeres Bild; früher waren es die Sortenliebhaber, welche Obstausstellungen arrangirten, heute sei es der landwirthschaitliche Obstbau. Die Sortenliebhaber hätten zwar ihre Berechtigung, aber der landwirthschaftliche Obstzüchter wolle seine Producte gut verwerthen. Das Ziel unserer Ausstellung sei eine einheitliche Sortenauswahl, der Zweck der letzteren, für Kreise bezw. Gemeinden die geeignetsten Sorten auszufinden- die mangelhafte Rücksicht auf eine den Verhältnissen der Kreise angepaßte Sortenwahl sei mit die Ursache des Minderertrages beim Obstbau. Auf Grund dieser Erfahrungen wurden schon im vorigen Jahre auf der Ausstellung des Wetterauer Obstbauvereins kleine für be­stimmte Gebiete empfehlenswerthe Sortimente ausgezeichnet, und in diesem Jahre sei darin ein erheblicher Fortschritt wahrnehmbar. Der Mitteltisch der Ausstellung biete ein herrliches Bild der in den einzelnen Kreisen gezogenen Sorten und gebe der Ausstellung nicht das Gepräge einer Schau­stellung, sondern einen Beweis von der zur Förderung des Obstbaues geleisteten Arbeit. In der Ausstellung habe sich recht brauchbares Material gefunden und lebhaft zu begrüßen sei es, daß sich aus sämmtlichen Kreisen Männer gefunden, die das Gelingen der Ausstellung förderten. Nicht durch Massen wolle man glänzen, denn er als Preisrichter lasse sich nicht durch Massen bestechen, sondern durch vorzüglich cultivirtes Obst, jede Frucht sollte ein Bild der Cultur bieten. Was die Obstverwerthung betreffe, so sei deren Förderung möglich durch einheitliche Production, der Versuch, die Verwerthung zu fördern, sei der Obstausstellung gelungen - wie vielen liege das Abernten des Obstes noch fern, wie viele könnten weder pflücken noch verpacken, die Ausstellung habe auch darin, daß sie die Art der Verpackung vorfühne, einen schönen Anfang gemacht. Urb er den ausgestellten

Deutscher Reich.

Berlin, 21. October. Die Dispositionen für die Rück­reise des Czarenpaares von Kopenhagen nach Ruß­land scheinen nunmehr im Allgemeinen festgestellt zu fein, wie aus folgender Mittheilung des mit den dänischen Hof­kreisen in Fühlung stehendenRitzaus Bureau" in Kopen­hagen hervorgeht: Der Kaiser und die Kaiserin von Ruß­land werden mit dem Großsürsten - Thronfolger und der Großfürstin Xenia, sowie mit dem König und der 'Königin von Dänemark und der Prinzessin von Wales nebst deren Töchtern am 29. October auf der DachtPolarstern" nach Danzig reifen und sich von da über Warschau nach Livadia (Krim) begeben. Von dem dänischen Könibspaare ist daselbst ein etwa einmonatlicher Aufenthalt bis nach der Feier der silbernen Hochzeit des russischen Kaiserpaares in Aussicht ge­nommen. In dieser anscheinend osficiösen Nachricht steht also kein Wort von dem angeblich bevorstehenden Besuche der russischen Majestäten am Berliner Hofe, obwohl derselbe ge­rade in letzter Zeit von Meldungen aus verschiedener Quelle immer bestimmter angekündigt worden war- sollten doch schon die Räume der russischen Botschaft in Berlin für den Czaren und seine Gemahlin hergerichtet worden sein. Ob nun viel­leicht noch in Danzig eine Begrüßung zwischen Kaiser Wil­helm und dem Czaren stattfindet, muß natürlich dahingestellt bleiben. DerPolarstern", welcher am Montag auf einer Uebungsfahrt von Kopenhagen aus in Neufahrwasser bei Danzig eingetroffen war, dampfte am Dienstag nach Kopen­hagen zurück, während der russische Admiral und der Flügek- adjutant des Czaren, welche sich an Bord desPolarstern" befunden halten, von Danzig mittels Eisenbahn nach Peters­burg weiterreisten.

Der Zusammentritt des Reichstages zu seiner Wintersession soll nach neueren Berliner Meldungen erst am 26. oder 27. November erfolgen. Man sucht diesen ungewöhnlich späten Termin für die Wiederaufnahme der Reichstagsarbeiten durch den Hinweis darauf zu begründen, daß das Arbeitsmaterial für den Reichstag in seinen Vor­bereitungen noch allzuweit zurück sei. Das ist aber kein stich­haltiger Grund für die so spät in Aussicht genommene Ein­berufung des Reichsparlaments, für welches schon genug Berathungsstoff vorhanden wäre, wenn sein Wiederzusammen­tritt in der ersten Novemberhälfte erfolgte. Jedenfalls er­wächst dem Reichstage durch die angekündigte späte Ein­berufung die Aussicht, wieder bis weit hinein in das Frühjahr tagen zu müssen.

Dresden, 18. October. Die dritte allgemeine deutsche Sittlichkeits-Conferenz fand hier am 14. und 15. Ok­tober statt. In Bezug auf die weitere Organisation des Verbandes nahm die Delegirten-Conserenz folgende, von dem Vorsitzenden, Pfarrer Lio. Weber, vorgeschlagenen Sätze an: 1) Die Bildung von Provinzial- ober Landesvereinen zur Hebung der öffentlichen Sittlichkeit ist, wo sie noch nicht geschehen, durch Reisen des Herrn General-Secretärs mög­lichst bald ins Werk zu setzen. 2) Die Berufsarbeiter der inneren Misffon, insbesondere die Gefängniß- und Magdalenen- Gcistlichen, sind um Mithilfe bei der Bildung neuer und der Lebendigerhaltung der alten Vereine durch Vorträge und Mittheilungen aus ihren Erfahrungen an die Vereinsvorstände und an die Zeitungen dringlich zu ersuchen. Alsdann gab Herr Hofprediger Klemm ein lichtvolles und eingehendes Referat über die Mittel und Wege localer Organisatton. Hieraus wurde über die Theaterangelegenheit gesprochen und nach Mittheilungen von dem braunschweigischen Gesandten in Berlin, Bundesraths-Bevollmächtigten Frhrn. v. Cramm, und Pastor Keller auf Antrag des Vorsitzenden beschlossen, an Seine Majestät den Kaiser und die deutschen Bundes­fürsten die Bitte zu richten, um dem verderblichen und länger nicht mehr zu duldenden Treiben auf unzähligen Theatern Einhalt zu thun, Commissionen einzusetzen, aus Vertretern des Ministeriums des Innern und des Cultus, sowie Fach­männern bestehend, welche die Frage gründlich berathen und zu einem praktischen Ziele fördern. Sodann wurde der Wunsch nach einer Vereinigung der beiden jetzt bestehenden literarischen Sittlichkeitsorgane, sowie nach besonderen wissen­schaftlichen Artikeln über die streitigen Fragen ausgesprochen. Am anderen Tage fand um 7 Uhr in dem glänzend aus- gestatteten Saale der Stadtverordneten die eigentliche Haupt­versammlung statt. Eine sehr angeregte Debatte führte schließlich zur einstimmigen Annahme folgender beiden Reso­lutionen:Die Allgemeine deutsche Sittlichkeits-Conferenz richtet an alle deutschen Künstler die dringende Bitte, in ihrer ernsten, verantwortungsvollen Stellung als Bildner und Er­zieher des Volkes sich bet der Conception und Durchführung ihrer künstlerischen Motive allezeit von den für jede Persön-

Jn den Parteivorstand wurden Singer, Gerisch, Bebel, Auer und Fischer wiedergewählt.

München, 21. October. Abgeordnetenkammer. Anläßlich der Genehmigung des Gesetzes über einen Credit von Mk. 25,078,000 für neue Doppelgeleise betonten die Referenten, daß der Bahnunfall Eggolsheim nicht durch das System der Oberleitung, sondern durch einen Fehler der Unterorgane verursacht worden fei. Minister Crailsheim dankte dem Landtage für die Inschutznahme der Bahnverwaltung gegen die Presseangriffe.

Prag, 21. October. DerHlas Naroda" veröffentlicht einen Aufruf zu einem Bund, welcher verpflichtet, nur bei Czechen zu kaufen.

Paris, 21. October. Außer dem Erzbischof von Aix sollen weitere sieben Bischöfe wegen Anmaßung gegenüber der Regierung belaygt werden.

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