-r. tzuugeu, 20. März. Der Stand der Wintersaaten ist hier, wie in der ganzen Umgegend, ein recht ungünstiger. Für das Korn, sowie den nur wenig angebauten rothen Grannenweizen ist eine Entwicklung bei günstiger Witterung zu hoffen, dagegen ist der weiße Sheriff-Weizen, welcher hier viel gepflanzt wird, vollständig ausgewintert, so daß Um- «ckern der Felder und Bepflanzen mit Sommerfrucht stattfinden muß.
— Der Kaiser wird, wie dem „Franks. Gen.-Anz." geschrieben wird, einer am 18. in Fulda eingetroffenen verbürgten Nachricht zufolge, am 20. April zum Besuche des Grasen von Schlitz nach Schlitz reisen, um in dessen großen Waldungen aus die Auerhahnjagd zu gehen. Auf der Station Fulda muß der Kaiser den Uebergang aus die oberhessische Bahn nehmen, weshalb die Stadtbehörde zu Fulda mngesäumt eine Einladung an den Monarchen richten wird, auch Fulda bei dieser Gelegenheit einen Besuch abzustalten.
-r. Echzell, 20. März. Hier herrscht seit einiger Zeit die Influenza, so daß eine große Anzahl Einwohner daniederliegt.
§ Aus dem Kreise Alsfeld, 20. März. Großh. Kreisamt hebt die Schutzmaßregeln gegen die Ausbreitung der Maul- und Klauenseuche zu Neu-Ulrichstein und Homberg a. d. O. auf, indem die Seuche dort erloschen ist.
— Kleine Mittheilungen aus dem Großherzogthum Hessen. In Sprendlingen kam dieser Tage ein für die Kellerei Jak. Köth in Pfaffenschwabenheim bestimmtes Faß an, welches bei einer Länge von 3,65 m und einer Höhe von 3,25 m 21000 Liter zu fassen vermag. — Auch die Wormser- Bäcker haben den Preis des Brodes erhöht. — In Dar nist adt ist vom 1. April ab eine Erhöhung des Communal- fteuer-Coäfficienten von 2J/2 Pf- zu erwarten. — In Stet 1- bach sand am 16. d. M. beim Abräumen eines Bauplatzes der Wirth H. Seeger ein menschliches Scelett, welches etwa 50 cm tief in der Erde vergraben lag. Nach Ansicht Sachverständiger dürfte dasselbe über 30 Jahre dort gelegen haben. — In Hackenheim an der Bergstraße platzte am Samstag während der mit militärischen Ehren stattfindenden Beerdigung eines Kriegers das zur Abgabe von Salven benutzte Böllergeschütz. Der dasselbe bedienende ehemalige Kanonier erhielt gefährliche Verletzungen im Gesicht. — In Weiterstadt wurde am 17. d. M. Morgens die ledige Margarethe Heß von dort in einer Abtrittsgrube tobt auf- gesunden. Das unglückliche Mädchen soll bereits schon längere Zeit an Melancholie leiden und hat sich jedenfalls in einem Anfälle von Geistesstörung selbst das Leben genommen. — In einem kleineren Dorse des Ingelheimer Grundes stieg ein etwa achtjähriger Junge in das Haus einer Wittwe und schnitt von sämmtlichen Jacken, Mänteln >c. die Knöpse ab, um sie beim Spiel zu verwenden. Als sich die Frau am letzten Sonntag zum Kirchenbesuche rüstete, gerieth sie in nicht geringe Verlegenheit, da sämmtliche Staatsgarderobe angeschnitten war. Es gelang, den Thäter ausfindig zu machen und die gestohlenen Knöpse, die inzwischen unter die übrige Dorsjugend gewandert waren, wieder einzusammelu.
vermischtes.
* Frankfurt a. M., 20. März. Bei einem höheren Eisenbahnbeamten meldete sich vorgestern ein Engländer, geberdete sich wie ein Rasender und erzählte in gebrochenem Deutsch: „O, ich sein ganz unglücklich, ich habe verfehlen mein alleinigtes Glück ... ich haben kommen zu spät nach Mosbachen. Ich wollen mitmachen Unfall, aber kommen um ein lumpiges Stunden später." Die Unterhaltung mit dem originellen Menschen ergab, daß es der bekannte Engländer William Hasterland war, über den die englischen und amerikanischen Zeitungen schon so viel berichtet haben. Hasterland, ein bedeutend reicher Rentier aus Hüll, reist bereits seit dem Jahre 1884 unausgesetzt, um einmal einem Eisenbahnunglück beiwohnen zu können. Nahezu ein Jahr war Mr. H. in einer Irrenanstalt, weil er nämlich einmal den Versuch gemacht hat, einen amerikanischen Locomotivsührer zu bestechen, damit dieser den Zug verunglücken lassen solle. H. hielt sich nur wenige Stunden in Frankfurt aus und fuhr dann nach Mailand weiter.
* Heilbronn, 17. März. Die soeben zu Ende gegangene Schwurgerichtssession endigte in allen drei Fällen mit der Freisprechung der Angeklagten. Der unverkennbaren Mißstimmung des Gerichtshofs hierüber gab der Vorsitzende dadurch Ausdruck, daß er die Geschworenen ohne den sonst üblichen Dank für ihre Mühewaltung entließ.
* In der Kaserne des 47. Infanterie-Regimentes in Posen schoß sich am Mittwoch ein Rekrur aus einem Gewehr eine Kugel in den Kopf. Das Geschoß ging dann durch die Decke des Zimmers und traf einen Gefreiten, der sich im oberen Zimmer befand, in den Hals. Der Rekrut ist tobt, der Gefreite schwer verletzt.
Unioerfttäts - Nachrichten.
,, . ÖeliE Dahn, zur Zeit Profesior des Rechts an der Breslauer ^UwerNtät, ist zum Ehrendoctor der juristischen Facultät der Uni- versttat Edin bürg ernannt worden.
c, ,.?berforstrath v. Nördlinger ist, wie man aus Tübingen schreibt, mit Schluß des Wintersemesters nach 48jähriger erfolgreicher Lehrtätigkeit aus dem Verbände der Universität geschieden. Fast alle jetzt im Amte befindlichen württembergischen Forstleute sind seine Schuler gewesen.
Aus Hildesheim wird berichtet: Oberregierungsrath v. Hauser ist zum Curator der Universität Greifswald ernannt worden.
Der Straßburger Privatdocent der Nationalöconomte, Dr Karl Johannes Fuchs, bat einen Ruf als außerordentlicher Professor an die Universität Greifswald erhallen und angenommen
Marburg, 16. Mürz. Am schwarzen Brett im Universitäts- gebaude ist vom Drrector der wissenschaftlichen Prüfungs-Commission folgender Anschlag ergangen: „Ich bringe den Candidaten des höheren Schulamtes hiermit zur Kenntntß, daß der Herr Cultusminister durch Verfügung vom 4. März 1891 die Zulassung zu einer zweiten Ergänzungsprüfung gestattet hat, doch kann dann nur eine Er- weitcrungsprüfung abgelegt werden."
f Der bisherige Privatdocent in der medicintschen Facultät der Universität Straßburg, Dr. Ledderhose, ist zum außerordentlichen Profesior in der gleichen Facultät ernannt worden.
Die an der technischen Hochschule in Stuttgart erledigte ordentliche Professur für chemische Technologie ist dem Subdirector vr. Häußer mann an der chemischen Fabrik in Griesheim b. Frankfurt übertragen worden.
Professor Dr. Eduard Rindfleisch in Würzburg ist von der Academie de medicine in Parts zum Mitglied gewählt worden. Rach der Auszeichnung von Helmholtz durch das Großoffizierkreuz der Ehrenlegion ist diejenige Rtndflerschs die erste ihrer Art, die seit dem Jahre 1871 deutschen Gelehrten zu Thetl geworden. Von lebenden deutschen Gelehrten sind überhaupt nur drei Mitglieder der Pariser Akademie: Virchow, der Physiker Bunsen in Heidelberg und Helmholtz, letzterer nur sogen, correspondirendes Mitglied.
Landwirthschaftliche Winke und Rathschläge.
Landwirthschaftliche Nebenbetriebe.
(Schluß.)
△ A«S Oberheffe«, Mitte März.
Was manchen Landwirth in Odcrhessen, speciell in der Wetterau abhält und früher abgehallen hat, Haustraubenstöcke zu pflanzen, ist die Ansicht, das Klima eigne sich nicht für Weinstöcke. Die Sache hat insofern etwas Wahres für sich, als sich der Weinbau im Freien, also in Weinbrrgen, für Oberhessen nicht empfiehlt. Ganz anders ist dies bet Haustraubenstöcken. Zunächst ist wissenschaftlich durch Tausende von Beobachtungen und Messungen festgestellt, daß es in den Städte« und Dörfern weniger kalt im Winter ist, als auf dem freien Felde. Die Gebäulichkeiten halten gegenseitig sich die scharfen Winde ab, die Sonnenstrahlen können besser wirken und die Oefen und Schornsteine senden warmen Rauch in die Luft und erwärmen dabei die Wände und Mauern der Gebäude. Die Sonnenstrahlen erwärmen die Lehmwände und Mauern; diese hatten die höhere Trmperatur lange zurück und schützen dadurch die Weinstöcke, welche die Wärme durcy Ausstrahlung empfangen, gegen starke Kälte. Endlich springen die Dächer über die Wände, woran die Weinstöcke stehen, hervor und bilden gleichsam eine kleine Mütze für den Traubenstock. Nebenbei bemerkt kann ein Traubenstock soviel Kälte ertragen, wie ein Ftchtenbaum und das will schon etwas heißen.
Alle diese Grunde beweisen dafür, daß die Gefahr des Erfrierens eine sehr geringe ist. Von anderer Sette aber wurde bemerkt: Wenn nun Alles plötzlich Weinstöcke anpflanzt, mutz befürchtet werden, daß die Trauben so im Werthe sinken, daß ihre Cultur nicht mehr lohnt.
Dieser Einwurf ist noch viel weniger stichhaltig, als der klimatologische, wie wir gleich sehen werden. Einmal ist der Norden unseres Vaterlandes so auf Trauben im frischen Zustande erpicht, daß die Nachfrage kaum zu decken ist. Es werden also viele Jahrzehnte vergehen, bis die Nachfrage sich mindert. Unterdessen vermehrt sich die Bevölkerung und mit ihr mehren sich die Bedürfnisse. Es werden neue Bahnen gebaut, die Postsendungen werden billiger, das Absatzgebiet der Trauben wächst also sortwährend, wogegen das ProductionSgebiet stets ein beschränktes bleibt. Inzwischen sind neue Methoden entdeckt worden, wie die Trauben in der Industrie usw. verwendet werden können und — last not least — schadet es nicht, wenn der Bauer und seine Familie tüchtig Trauben und Obst essen, denn diese Früchte enthalten verschiedene Stoffe und Salze, Kal», Phosphor und andere Elemente, die der menschlichen Gesundheit ungemein förderlich sind. Warum gebrauchen reiche Leute, die es machen können, die Traubencur?
Aus Vorstehendem wird der freundliche Leser zu entnehmen vermögen, daß weder Klima «och Absatzmangel die Cultur der Haustraubenstöcke zu hindern vermögen. Platz für die Stöcke ist vorhanden, die Arbeit ist gering. Hier und da stößt sich Einer oder der Andere daran, daß er das Schneiden der Reben nicht versteht. Das ist aber gar keine Hexerei. Fast in jedem Dorfe ist wenigstens Einer, der es versteht und wenn dieser seine Kunst aus Neid oder Mißgunst nicht preisgeben will, so finden sich Leute aus den Nachbar- dörsern, die gerne zur Hand gehen. An dem jungen, heran» wachsenden Weinstocke macht man seine Erfahrungen und vorsichtige Hebungen und bald hat man den Jctus los.
Nun rechnen wir einmal, damit wir auch sehen, was durch die Cultur der Haustrauben herauszuspringen vermag. Wir sehen den Fall: es konnten in Oberhessen an passenden Wänden noch 10000 Wemstöcke gepflanzt werden, von d<nen j.der in t-agfähigem Zustande nur 5 Mk jährlich brächte; sofort ergibt sich, daß 50000 Mk. im Boden schlummern und der Erhebung warten. Es gibt aber Hunderte von Stöcken, die 30. 40, 50 Mk. obwerfen; der Ertrag kann also bequem verzehnfacht weiden. Was läßt sich mit solchen Summen Schönes, Guies und Nützliches schaff n.
Aber rechnen und aufschreiben ist den meisten Laudwirthen ein Gräuel und doch aevt es oone dies nicht mehr. Der Bauer mutz ebenso gut vorher Überschlagen, ob eine Unternehmung einträglich ist, wie oer Kaufmann und der Fabrikant. Die wenigsten Bauern machen solche Aufzeichnungen und merken daher erst nach Jahren, oft wenn es zu fpät ist, daß sie trotz allem Fleiße, aller Sparsamkeit uno oller Entsapung zurückgegangen sind. Wlr werden auf diesen hochwichtigen Punkt in der Lanownthschaft vielleicht später einmal genauer eingehen.
Exempla trastunt-Beispiele beweisen, deshalb mögen einige practische Beispiele aus unserem Lande selbst darthun, wieotel Gmes durch eine einzige richtige, zeitgemätz ausgeführte Idee geschaffen werden kann. Die Heine Gemeinde Himbach kaufte vor einer Reihe von Jahren einen scheinbar fterden Kiesbuckel von der Standesherlschuft Meerholz, welche froh war, das Grundstück anständig losgeworden zu sein. Der Hügel wurde mit Kirschbäumen bepflanzt und diese tragen seit einer längeren Reihe von Jahren so vortreffliche, von dem Ungeziefer nicht belästigt werdende Kirschen, daß alljährlich ein großes Stück Geld erzielt wird. Die Gemeindefinanzen sind darum tu gutem Zustande und der Ktrschenbuckel — gegen den sich viele Stimmen erhoben hatten — ist der Wohtthäter der Gemeinde für alle Zeiten geworben.
Jenseits des Himbacher Kirschenbergs liegt die Gemeinde Hainchen, die durch ihre Gänfezucht hervorragt. Es ist wahrscheinlich, daß dort bereits junge Gänse ausgeschlüpft sind, die gemästet werden und auf den Frankfurter Markt gelangen, wenn andere Züchter noch nicht einmal Junge haben. Die in Frankfurt gezahlten hohen Preise lohnen natürlich eine solche sorgfältige Zucht.
Die beiden hier vorgefühlten Fälle könnten noch durch andere vermehrt werden, aus Raummangel beschränken wir uns aber nur auf ganz kurze Andeutungen. So gibt es z. B. in Starkenburg Orte, in denen fernere Obstsorten: Pfirsiche, Aprikosen, feine Spalier- Aepfel und -Birnen an den Wänden der Häuser, Scheuern und Stallungen gezog n werden und für die der Etgenthümer 50 bis 60 und mehr Mark einntmmt.
Mit dieser Andeutung kommen wir auf den Satz unseres vorigen Berichtes zurück, worin gesagt wird: Die Beschäftigung, welche wir schildern wollen, ist einfach, fehr lohnend, leicht zu besorgen und gewährt darum gerade älteren Leuten eine angenehme Unterhaltung und eine hohe Befriedigung. Es gibt nicht leicht e-wos Befriedigenderes als die Zucht und Pflege von Weinstöcken und feinerem Obste und es wird hiermit ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht, daß Weinstöcke und Spalierobst an den Wänden der Gebäulichkeiten gezogen, bei Weitem nicht so viel Gefahren ausgesetzt sind, wie diejenigen Stöcke, welche im Freien gezogen werden. Die Gründe dafür sind oben angeführt worden. Hier fügen wir noch bei: Sollte zur Blüthezeit plötzlich ein Nachtfrost eintreten, dann ist es gar nicht so schwierig, durch Schutzdecken, Wagentücher, Stroh- und Schilfmatten aller Art die größte Gefahr abzuwenden. Auch durch Erzeugung von dichtem Rauch und Qualm in kalten Nächten hat man in letzter Zeit häufig mit Erfolg den Frostschaden hintan zu halten vermocht.
Um den Eifer für die hier geschilderten Culturen noch weiter anzuregen, lasien wir noch einige Beispiele folgen. In Württemberg wird viel für Obstzucht und Baumpflege pethan, also auch viel Obst erzielt. Trotzdem ist das Bedürfntß dort so groß, daß die württembergischen Händler fast jedes Jahr zu uns kommen und viele tausend Doppelcmtner Aepfel bet uns aufkaufen. Dies ist zugleich ein Beweis dafür, daß die Nachfrage nach Obst stch nicht fobald verringern wirb.
Aengstliche Gemüther befürchten aber trotzdem, daß eine Ueber- production an Obst zu befürchte» ist, weil die Obstzucht überall befördert wird und der Staat jetzt anfängt, die viele Meilen langen Chausseen mit Obstbäumen zu bepflanzen. Dieser Besorgniß gegenüber wird bemerkt, daß die Bedürfnisse für gutes Obst viel stärker wachsen, als die Production; die Bevölkerungszunahme tritt dazu und das Absterben der Obstbäume ist der größte Hemmschuh. Der sibirische Winter von 1879 auf 1880 hat hunderttausende von Obstbäumen zu Grunde gerichtet. Ebensoviele sind balbkrank geworden und sterben nach und nach ab. Bis alle diese Lücken anSgefüllt find, gehen viele Jahrzehnte ins Land, die jetzt lebende Generation wird daher die entstandenen Lücken nicht auszufüllen im Stande sein. Unser großes, schönes, deutsches Vaterland ist deshalb auch nicht im Stande, dasjenige Obst, welches nöthig ist, vorerst zu pro- duciren. Es wird Obst aus Tirol, Italien, Frankreich, Belgien usw. eingeführt. Besonders mangeln die feineren Sorten, die grade am besten bezahlt werden.
Für den Obstbau im Allgemeinen, also für das sog. Wirth- fchaftsobst «nd dessen Cultur wird überall gewirkt, auch in dieser Zeitung. Unsere Aufgabe ist es aber, wie schon öfter geschehen, auf neue Gebiete, lohnende Beschäftigungen, landwtrthschast- liche Nebenbetriebe aufmerksam zu machen, an Die vielfach gar nicht oder nur so nebenbei gedacht wird. Weiter haben wir die Absicht, älteren Leuten, denen die Kräfte für schwerere Arbeiten abhanden gekommen, eine interessante und lohnende Beschäftigung anzudeuten.
Noch ein anderer Grund leitet uns bei unserer heutigen Arbeit. Die Großväter, welche die Pflege der Weinstöcke und der Spalierstämmchen an den Gebäulichkeiten besorgen, sind die Vesten Lehrmeister für die Herumspielende« Enkel. Die lernoedürftigen, neugierigen, nachahmungssüchttgen, weichen Kinderseelen nehmen die ad oculos demonstrirten Unterweisungen der Großväter willig auf und vergessen sie zeitlebens nicht mehr. Einsender spricht aus Erfahrung, denn die Liebe zu Obst- und Weinbau, zu Viehzucht und Landwrrthschaft ist ihm in seiner Jugend und während der Ferienwochen von Großeltern und Verwandten eingeprägt worden und die Praxis erlernte er später auf großen nord- und südoeutschen Hofgütern. In Süddeutschland ist die Pflege der Haustraubenstöcke und des feineren Obstes besonders zu Hause. Die Wette« au und die warmen, nach Süd und West auslausenden Thäler des Vogelsberges eignen sich sehr wohl dazu. Wollen sehen, ob die gegebene Anregung etwas nützt!
Nachschrift, lieber das Alter der WeinstScke wurde vor Kurzem in den Zeitungen geschrieben. Dem Einsender sind nach zuverlässigen Ueberlieferungen Stöcke bekannt, die 100 Jahre und darüber stehen. Im Garten desselben befinden sich drei uralte Stöcke, die nach Mittheilung eines bejahrten Mannes (dessen Großvater die Stöcke pflanzen half), in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts gesetzt worden. Aus Pietät sollen sie noch einige Jahre stehen bleiben, denn sie tragen alljährlich immer noch etwas. Das Beispiel zeigt aber, daß ein gut gehaltener Weinstock 100 bis 125 Jahre alt werden kann. Daß die Tragsähigkeit der Stöcke in den letzten Jahrzehnten nachläßt, bedarf keiner Erwähnung.
verkehr, £anö« un6 Volkswi^thschast.
Gieße«, 21. März. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmartt kostete: Butter pr. Pfd. 0,95—1,05, Hühnereier 1 St. 5-6, 2 St. — H, Enteneier 1 St. 6-7 H, 2 St. — A, Käse pr. St. 5—8 H, Käsematte pr. St. 3 Erbsen pr. Liter 18 H, Linsen pr. Liter 28 Tauben pr. Paar X 0,80—1,00, Hühner pr. Stück X 1,20—1.40, Hahnen pr. St> X 1,50—2,00, Enten pr. Stück ** 1,80-2,20, Ochsenfleisch pr. Pfd 70—74 H, Kuh- und Rindfleisch 60—64 H, Schweinefleisch 60—70 H, Hammelfleisch 50—70 Kalbfleisch 60-00 Kartoffeln pr. 100 Kilo X 6,50—7,50, Weißkraut vr. St. 3—7 Zwiebeln ver Centner X 7,00—8,00, Milch per
Liter 12-18 H, Gänseeier 11-12 H.'
Bekmrrrlmachung.
Aufschrift der Postsendungen.
Zur Sicherung schneller Beförderung und Bestellung der Postsendungen müssen auf denselben Empfänger und Bestimnmngc'- ort so genau bezeichnet sein, daß jeder Ungewißheit vorgebeugt wird. Dabei find namentlich folgende Punkte zu beachten:
1. Bei Postsendungen nach größeren Orten ist in der Aufschrift die Wohnung des Empfängers möglichst genau anzugeben. Auch ist es von Wichtigkeit, daß die Wohnungsangabe stets an der- feiben ©teile der Aufschrift, nämlich untenrechts, unmittelbar unter der Angabe des Bestimmungsortes, erfolge.
8. Auf den nach Berlin bestimmten Sendungen ist, außer der Wohnung des Empfängers, der Postbezirk (O., N., NO. rc), in welchem die Wohnung sich befindet, hinter der OrtSbezeichnung ^Berlin" zu vermerken.
S. Gibt es mit dem Bestimmungsorte gleich oder ähnlich lautende Postorte, so ist dem Ortsnamen eine zusätzliche Bezeichnung beizufügen. Welche Zusätze für die Ortsnamerl im Post» verkehr als maßgebend anzuschen sind, ergibt sich aus dem „Ver- zeichniß gleichnamiger oder ähnlich lautender Postorte", das zuir Preise von 10 Pf. durch Vermittelung jeder Reichs-Postanftalt bezogen werden kann.
4. Wenn der im Reichs-Postgebiet belegene Bestimmungsort zwar mit einer Postanstalt versehen, dessenungeachtet aber nicht als allgemein bekannt anzunehmen ist, so empfiehlt es sich, die Lage des Orts in der Aufschrift der Sendung noch des Näheren zu bezeichnen. Zu derartigen Bezeichnungen eignet sick die Angabe des Staates und bei größeren Staaten des polltischen Bezirks (Provinz, Regierungsbezirk u. s. ro.), in welchem der Bestimmungsort belegen ist, oder auch die Angabe von größeren Fl üssen [(Ober), (Elbe), (Rhein), (Main) rc.j, oder von Gebirgen l(Harz), (Riefengebirge) rc.j. Nicht minder sind zusätzliche Be» zeichnungen, wie s(Thüringen), (Altmark), (Lausitz) rc.j für den Zweck geeignet.
5. Auf Postsendungen nach Ortschaften ohne Postanstalt ist außer dem eigentlichen Bestimmungsorte noch diejenige Post» anstalt anzugeben, von welcher aus die Bestellung der Sendung an den Empfänger bewirkt werden bez. die Abholung erfolgen soll.
S. Wenn der Bestimmungsort einer Sendung in einem fremden Po st gebiete belegen und zu den weniger bekannten Orten zu rechnen ist, so ist außer dem Ortsnamen noch das betreffende Land bez. der Landestheil auf der Sendung anzugeben.
Die Beachtung dieser Punkte wird zur Herbeiführung einer schleunigen Ueberkunft der Sendungen an den Empfänger wesentlich beitragen, und es liegt daher im eigenen Interesse der Absender, die Aufschriften der Sendunoen hiernach aettau anjufertiaen.
Arr-zrrg aus den Stan&esamtsregiftam
ver Stadt Gießen.
Aufgebote.
März: 16. Georg Friedrich Wildelm Rößler, Hilfsheizer dahier, mit Helene W'lhelmine Tdöne zu Wehlheiden. 17. Wilhelm Friedrich Jacob Karl Droß zu Stockhausen, mit Luise Mathilde Engländer daselbst. 18. Christoph Schnoller, Friseur zu Worms, mit Emilie Marie Johanna Henriette Buseck dahier. 19. Balthasar Brückel, Fabrikarbeiter dahier, mit Christine Johannette Anna Nassauer dahier. 20. Johann Feuerstein, Kellner dahier, mit Elisabeth Schmidt zu Naunheim.


