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Sonntag den 20. December
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zuerst angenommen wurde, und datz er pcy ]icng tnuuuu. Beide Thatsachen haben indessen nicht vermocht, die Gleichgültigkeit ober auch Abneigung eines großen Theiles der Arbeiterschast gegen die Altersrenten zu überwinden und spielen da verschiedene Ursachen hinein. Sie hängen mit einer in Deutschland in den mittleren und unteren Bevölkerungsklassen sehr verbreiteten und an sich gewiß berechtigten Lebensauffassung zusammen, welche darauf zielt, sich durch Sparsamkeit und rege Thätigkeir ein kleines Capital anzusammeln und zu erhalten, um dasselbe dann stets zur augenblicklichen und freien Verfügung zu haben. Mit dieser Aus- sassung stehen allerdings die Tendenzen des Altersversicherungs- gesetzes, insofern sie die Sicherstellung einer wenn auch kleinen, so doch festen Rente für das höhere Lebensalter erstreben, in einem gewissen Widerspruche und es begreift sich daher unter diesem Gesichtspunkte das Widerstreben weiter Bevölkerungskreise gegen die segensreiche Institution der staatlichen Altersversicherung. Aber deren Wohlthaten sind nach verschiedenen Richtungen hin so nachwirkende und bedeutungsvolle, daß dem Staate resp. dem Reiche die Pflicht zukommt, unbekümmert um die erwachsene Opposition das Gesetz um so kräftiger durchzuführen, man darf gewiß sein, daß dann bei längerer Wirksamkeit dasselbe sich in seiner wahren Bedeutung auch der Mdhrzahl jener offenbaren wird, die ihm heute noch ablehnend gegenüberstehen.
Geleugnet kann indessen nicht werden, daß gar manche äußerliche Mängel, welche dem Gesetze über die Alters- und Invalidenversicherung augenscheinlich anhaften, mit dazu beitragen, dasselbe bei den Massen unpopulär zu machen. Diese Mängel entstammen zumeist dem stark bureaukratischen Character des ganzen Gesetzes und ihre Beseitigung ließe sich sehr wohl auf dem Wege einer Vereinfachung der Ausführungsbestimmungen erreichen. Sollte hierzu, besonders soweit es sich um die Bestimmungen über die Altersrente handelt, die nochmalige Mitwirkung des Reichstags notwendig fein, so könnte dies vielleicht durch eine Novelle zwecks Vereinfachung der Ausführung geschehen.
„Wie's Adam und Eva spend't, Bleibt's bis ans End'."
ist das Datum bedeutungsvoll für die Zukunft: „Wenn die Christnacht hell und klar, Folgt ein höchst gesegnet Jahr;"
in Weingegenden die Lesart hat:
„Weihnachten klar, Gutes Neujahr;
W.'ihnschten naß, Gtbts leere Speicher und Faß."
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ytefcMtton, anb Druckern:
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s>w> von Viehseuchen in Hessen
wahrend des Monats November 1891.
Milzbrand wurde festgestellt in Rodau, Kreis Bensheim, am 11., und in Dorn-Affenheim und Burg-Gräfenrod, KretS Friedberg, am 14. bezw. 15. November bei je einem crepirten Rinde.
Die Maul- und Klauenseuche ist erloschen in Dieburg und Gundernhausen, Kreis Dieburg, in Wallersdorf, Kreis Alsfeld, in Berstadt und Effolderbach, Kreis Büdingen, in Heimersheim, KreiS Alzey, und in Udenheim, Kreis Oppenheim.
Die Seuche herrscht fort in Hof Gebaborn, Kreis Darmstadt, in Brauerschwend und Leusel, Kreis Alsfeld, in Reichelsheim und Kloppenhetm, Kreis Friedberg, in Albig, Kreis Alzey, und in Grmbs- heim, Kreis Worms.
Die Seuche wurde im Monat November festgestcllt und war am Schluffe desselben wieder erloschen in Darmstadt, in Offenthal, Kreis Offenbach, in Ortenberg, Kreis Büdingen, in den Orten deS Kreises Oppenheim: Wallertheim, Gau-Weinheim, Dolgesheim, Dienheim und Armsheim.
; Die Seuche wurde im Monat November festgestellt und herrschte am Schluffe desselben noch fort in Reichelsheim und Kirch-Beerfurth, Kreis Erbach, in Maulbach, Kreis Alsfeld, in Bruchenbrücken, Kreis Friedberg, in Mombach, Kreis Mainz, in Effelborn, Kreis Alzey, in Ockenheim, Kreis Bingen, in Schornsheim und Bodenheim, KreiS Oppenheim, und in Westhofen und Osthofen, Kreis Worms.
Der Blaschenausschlag unter dem Rindvieh herrscht fort in Großen - Linden, Kreis Gießen, und in Schotten. Festgestellt wurde die Seuche in Ulfa, Kreis Schotten, am 18. und in Sprendlingen, Kreis Offenbach, am 21. November. In letzterem Orte ist die Seuche wieder für erloschen erklärt.
Die Räude gilt als vorhanden unter den Schafen in Burkhardsfelden, Kreis Gießen; in Ober-Ohmen und Ober-Breidenbach, Kreis Alsfeld; in den Orten des Kreises Büdingen: Usenborn, Bellmuth, Michelau, Leidhecken und Ober-Widdersheim; in Rod- beim und Ilbenstadt, KreiS Friedberg, und in Uelleröhausen, KreiS Lauterbach.
vermischtes.
* Das Welter zu Weihnachten ist nach der Meinung unserer Altvordern nicht wenig bedeutungsvoll für die mannigfachsten Beziehungen unseres Lebens, wie das eigentlich selbstverständlich ist bei einem Feste, welches eine so wichtige Rolle in dem dahinkreisenden Jahre einnimmt. Die Beobachtungen, welchs man damals anstellte, verdienen jedoch auch heute noch vernommen zu werden. Denn sie erwuchsen aus der Praxis des täglichen Lebens und fänden erst allgemeine Billigung, wenn sie sich im Erfolge bestätigt hätten. Auf den ganzen Monat, in welchem dies Freudenfest der Menschheit fiel, erstreckte sich diese gewissenhafte Erwägung. Laues, mildes Wetter erschien unzeitgemäß.
„December kalt, mit Schnee, Gibt Korn auf jeder Höh'."
lautet der dahin gehende Merkvers des Deutschen: Daß sie mit dieser Ansicht nicht vereinzelt stehen, beweist diejenige des Spaniers und Franzosen, welche sagen: „Einen Monat vor und einen nach Weihnachten ist die Kälte am Grausamsten." Um so unerwünschter sind warme Weihnachten. Der Volksmund hat allerhand Reime ersonnen, welche darthun, in einem wie unholden Ruf solche Witterung steht:
„Wer Weihnachten in der Sonne begeht, Zu Ostern an dem Feuer steht."
Dagegen:
Hängt zu Weihnachten Eis an den Weiden, Kannst Du zu Ollern Palme:» schneiden."
Im Allgemeinen gilt eben die Regel:
Winterts vor Weihnachten nicht, so winterts nach."
Der 24. December selbst, nach der alten Kirche dem ersten Menschenpaar, Adam und Eva, geweiht, steht in dem Rufe, bis Ende December zu bestimmen:
Wir haben demnach allen Grund, bald ein echtes, wirkliches Winterwetter herbeizuwünschen, da wir sonst nach den Beobachtungen unserer Altvordern keinen guten Zeitverhaltnlsscn entgegensteuern.
Zum Bezug des „Giesiener Anzeiger" für das 1. Vierteljahr 1892 ladeu wir hiermit ergcbenst ein. — Wie bisher, wird der „Gießener Anzeiger" die Tagesereignisse in kurzer objectiver Uebersicht zur Kenntniß seiner Leser bringen. Die neuesten Nachrichten der zuverlässigsten telegraphischen Correspondenz- Bureaus sowie, zahlreiche Mittheilungen aus dem engeren und weiteren Vaterland halten den Leser stets über die Vorfälle in demselben auf dem Laufenden. Unterstützt durch an allen Orten der Provinz Oberhcssen ansässige Berichterstatter, ist der „Gießener Anzeiger" ferner in der Lage, die interessanten Vorgänge in der Provinz so frühzeitig wie möglich zur Kenntniß seiner Leser zu bringen, desgleichen wird den Begebenheiten in der Stadt Gießen die gebührende Besprechung im localen Theile des Anzeigers zu Thcil werden.» Der in der Provinz Oberhcssen betriebenen Land wirt Hs ch aft wird der Anzeiger durch Veröffentlichung von allem Wisfcns- werthen aus dem Gebiete derselben besondere Berücksichtigung zn Thcil werden lassen, daneben aber auch die Beobachtungen und Erfahrungen in Haus- wirthschaft, Handel, Gewerbe und Industrie in den Kreis seiner Besprechungen ziehen. Ein gediegenes Feuilleton wird neben besonderen Artikeln ernsteren und heiteren Inhaltes den erwünschten .Unterhaltungsstoff bieten. Außerdem werden die „Gießener Familienblätter", welche dem Anzeiger wöchentlich 3 mal beigelegt werden, und die stets ein gewähltes Feuilleton als Unterhaltungsstoff bringen, namentlich im Kreise der Familien eine beliebte Beigabe bieten. . .
Wir ersuchen nun namentlich auswärtrgc Leier, ihre Bestellung bei der Post baldgefl. aufgeben zu wollen. Neuhinzutretende erhalten vom Tage der Bestellung bis 1. Januar den Anzeiger kostenfrei zu- qestellt wie wir auch gerne bereit sind, Probe- Exemplare nach auswärts poststei zn versenden. Den Lesern in hiesiger Stadt werden wir, wie seither, den Anzeiger weitersenden und den Abonnements- betrag durch Quittung erheben lassen, falls nicht ausdrückliche Abbestellung erfolgt.
Hochachtend
Verlag des „Gießener Anzeiger" Brühl'sche Druckerei (Fr. Chr. Pietsch).
Die Altersversicherung in der Praxis.
Das erste Jahr der Wirksamkeit des JnvaliditatS- und Altersversichcrungsgesctzes neigt sich seinem Ende zu und es erscheint daher die Frage wohl nicht unbcredjttgt, welche Ausnahme dieses hochwichtig- socialpolnisch- Gesetz bislang ” denjenigen Bevölkerungskreisen, jür welche cs haupyachkch Stimmt ist aesunden hat. Nun, da mutz denn leider gesagt merden daß die gesetzgeberische Einrichtung der Jnvaliden- und^Altersversorgmig der Ärbci.er gerade in den Hierbe, "nächst beiheiligten Schichten unseres Volkes noch lange nicht ?Xnae Würdigung und Anerkennung findet, welche jene doch offenbar verdient. Namentlich bezüglich der Altersversicherung erhellt aus zablreicheu Thatsachen, datz d.c -lbe bei den betreffenden Interessenten keineswegs immer als dankbar hinzunchmende Wohlthat empfunden, sondern melme^r schr häufig als eine Last betrachtet wird, weshalb sich denn Quck zahlreiche Arbeiter entweder gleichgültig oder sogar ab- leimend gegenüber der Altersversicherung verhalten.
$ Die Praxis hat aber längst die Hauptemwände gegen . ylitcrsren-e widerlegt, denn einmal steht es unlangbar Wt daß eine jährliche unverkürzliche Rente von über hundert Mark für den deutschen Arbeiter wenigstens denn doch emen Zuschuß zu feinem Lebensunterhalt bildet, 'J11 ‘ andererseits ebenso bestimmt erwiesen ist, daß der Kreis'der Altersrenten Empfänger ein weit größerer ist, als
Rr. 297 Zweites Blatt.
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Literatur uns Aunft.
— Bergeffeire Helden. Eine Erzählung aus dem nord- amerikanischen Unabhängigkeitskriege von Franz Treller. Kassel. (Verlag von Max Brunnemann.) 1892. 8° VII. 464 Seiten. 6 Mk. Ein kräftiges, althessisches „Schurri!" dem hetmathlichm Dichter für die diesjährige, soeben erschienene Weihnachtsgabe. Für die viel geschmähten, tapferen Hessen, welche in Ame ika für englische Subsidien- gelder ihren alten Kriegsruhm und Mannszucht bewahrten, ist ein Anwalt erstanden, der ihre Kämpfe und Irrfahrten uns schildert; die hessischen Hilfstruppen jenseits des Oceans haben ihren Homer gefunden in einem tüchtigen Künstler, Trellers „Vergessene Helden" sind für jene tapferen Söhne unseres Hessenlandes im Kleinen eine Ilias und Odyssee zugleich; das waren meine ersten, denkbaren Gedanken nach mit Lesen durchwachter Nacht. Im ersten Buche stehen wir in dem Kassel des Landgrafen Friedrich II., kurz nach dem Ausbruch des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges, nachdem Friedrichs rastloses Mühen die tiefen Wunden des siebenjährigen Kritges soeben geheilt hatte. Exponirend versetzt uns Treller in die häuslichen Verhältnisse seiner Helden, da sehen wir am Anaberger Thor die Wittwe Rübenkönig mit ihren Söhnen, dem strammen Gardesergeanten und dem bezaubernden, aber leichtsinnigen Hans, dessen Jagdlust ihn beinahe ins Gesängniß brachte und vorübergehend zur Desertion verleitete. Wir sehen den Landgrafen sich lange sträuben, ehe er sein sckönes, tapferes Heer an England gegen die amerikanischen Rebellen überläßt, trotzdem daß Schlieffen, Waltz und die Stände im Jntereffe des gänzlich verarmten Hessens ihn dazu drängen. Da sehen wir den unheimlichen Oberjäger Konski und ahnen schon einen Zusammenhang mit Frau d'Estaing, die in Hugo von Reizensteins Schicksal so mächtig eingriff und noch eingreifen sollte. In alle diese Kreise schlügt die zündende Nachricht vom Abschluß des SubstdienvertragS. Im zweiten Buche treffen wir die Hessen in Au;ei ika und in direkter Schilderung oder eingestreuten Episoden gibt uns Treller ein anschauliches Geschichtsbild dieses ganzen Feldzugs, der durch Englands Mißgunst und Unfähigkeit erfolglos blieb trotz aller Tapferkeit und vergossenen Blults, der dem althessischen Ruhme des Heldenthums und der Manneszucht aber unoerwelkiiche Lorbeerblätter zufügen tollte. Da sehen wir in der Schlacht bei Flatbush an Hans RübenkönigS Seite seinen treuen Freund, den Indianer Hotspur kämpfen und finden in Redwood die Spur des Verwandten Reizenfteins wieder, für den im Erscheinen der Frau d'Estaing aber die höchste Lebensgefahr erwächst. Manches kühne Jägerstückchen wird von Treller meisterhaft erzählt, der auch Land und Leute in Amerika trefflich schildert. Im brüten Buche klingt denn Alles langsam aus; für England ist Alles verloren, nur die tapferen Hessen haben die Ehre ihrer Fahnen auch im Unglück gerettet: Breitenstein, Hotspur und andere genesen von ihren Wunden, finden ihre Anverwandten endlich, die furienhafte Frau d'Estaing erbält zuletzt ihren Lohn für ihre Verbrechen ebenso wie der Mörder Konski. Nun erst findet der vielduldende Kurt an Mmys Seite in Amerika eine neue Heimath, mutz aber noch einmal tn fein liebes Kastel zurück, um nach sieben Iah en den Einzug der tapferen Schaar en mttzuerleben, von denen freilich Manch r fehlt. So gelangen wir endlich durch Kampf zum Frieden. Und wie einst die Mitlebenden der Heldenthaten ihrer besten Landeskinder nicht vergaßen, so sollen au» bei untz, den Epigonen, in treuem H.ssenherzen die tapferen Amerikakämpfer nie vergessen fein und ihre hehren Thatea und dankbar wollen wir dabei Dessen gedenken, der uns das dichterisch- schöne und geschichtlich richtige Bild der vergessenen Heiden nach Gela, Philipp und Marielies schm, wir wollen al o auch ihn nicht vergessen, Franz Treller, unseren heimischen Dichter.
ama ist das willkommenste Weihnachtsgeschenk da öULtäUUL Kistchen Cigarren. Solche findet man in Packungen von 10 Stück an in größter, fach- ■rw ^1*1*11 mannischer Auswahl und jeder Preislage in
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Philipp Weiler, Marktplatz 1. ««
MHießener Anzeiger
Heneral'-Anzeiger.


