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Samstag den 18 Juli

(Siebener Anzeiger.

Beilage zu Ar. 164. -1891

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* Städteheizung. Das großartige Beispiel ameri­kanischer Städteheizungen findet bis jetzt in Europa noch keine Nachahmung, obgleich es für große Städte doch wohl die Zukunft der Heizungstechnik darstellen dürfte. Allerdings wird die Unterbringung eines Dampf-, Heißwasser- oder Heiz­gasröhrennetzes im Untergründe unserer Straßen neben Canälen, Wasser- und Leuchtgasröhren, sowie electrischen Lei­tungen bedeutenden Schwierigkeiten begegnen, allein daß man die Sache einmal angreifen muß und mit Geschick auch später noch in ausgedehnter Weise befriedigend ausführen kann, das hat Kürten in Aachen gezeigt. Derselbe hat fich die Ausgabe gestellt, die gemeinsame Beheizung der Bauwerke eines Häuserblocks durchzuführen. Aus einem der Grundstücke eines solchen Blocks befindet sich die Dampskesselanlage. Der entwickelte Dampf betreibt zunächst eine Dampfmaschine, welche Electricität erzeugt und damit für Beleuchtung sorgt - sodann wird der Dampf in die Leitung der für den ganzen Block gemeinsamen Niederdruckdampfheizung entlassen. In den Häusern sind, mit Ausnahme der Küchen, keine Feuer­ungen, und da man mit Damps kochen, mit Gasflammen braten kann, so sind die Kohlenbehälter und das Herbei­schaffen der Kohlen überhaupt entbehrlich. Die Unterbringung des Röhrennetzes auf den zugehörigen Grundstücken begegnet keinen ernsthaften Schwierigkeiten- die Röhrenweite und damit die Kosten und Wärmeverluste sind wegen der nicht großen Röhrenlänge, beziehungsweise der von jeder Anlage ver­brauchten Dampfmenge gering. Es enthalte der Block 20 Häuser zu je 4 Wohnungen mit je 3 geheizbaren Zimmern, welche bei größter Kälte im Mittel je 4000 Wärmeeinheiten stündlich oder zusammen stündlich rund 960,000 Wärmeeinheiten oder etwa 1900 Kilogramm Damps verbrauchen. Jede Wohnung verbraucht durchschnittlich drei 16kerzige Glühlampen- es seien also 240 Glühlampen in Benutzung, für welche man etwa 26 Pferdekräste oder etwa 700 Kilogramm frischen Damps nöthig hat. Bei großer Kälte muß somit eine be­trächtliche Dampsmenge unter Vermittlung eines Druckreglers von dem Dampfkessel in die Heizungsleitung geliefert werden, weil der Abdampf der Maschine nicht genügt. Bei Tage ist sämmtlicher Heizungsdampf auf diesem Wege zu entnehmen, und im Sommer muß man den Abdampf im Wesentlichen unbenutzt abströmen lassen. Diese Schwächen des Verfahrens lassen sich indeß durch Eleetricitätssammler mildern. Die Be­dienung der Anlage kann, nach Angabe derNeuesten Er­findungen und Erfahrungen", bei zweckmäßiger Einrichtung durch einen Mann bewirkt werden.

* Ein merkwürdiges Abenteuer. Es war nach dem Ge­fecht von Oswiecim im Jahre 1866 und es galt nun, die auf dem Felde liegenden Verwundeten auszulesen, zu retten. Da erlebte der preußische Arzt Dr. Friedländer aus Breslau ein merkwürdiges Abenteuer. Dr. Friedländer sieht einen Husaren verwundet liegen, nähert sich ihm. Unter­sucht dessen Wunde und findet, daß er da rasch, an Ort und Stelle gleich, helfend eingreifen kann. Er zieht sein Besteck heraus und es gelingt ihm, die Kugel herauszuschneiden. Und nun sagt er zu dem Husaren:Da grast ein Pferd, setze Dich daraus und reite langsam 100 Schritte, dort findest Du ein Lazareth, wo Du auch etwas zu essen und zu trinken bekommst." Da steht der Husar auf, streckt sich, fühlt sich dank dem gelungenen operativen Eingriff wieder ganz be­haglich und packt den Dr. Friedländer beim Kragen: Ich hob die Ehre, Sie zu meinem Gefongenen zu mochen!" Und ehe Dr. Friedländer die merkwürdige Situation noch recht inne wird, springt der Husar aufs Pferd, selbstver­

ständlich die Faust am Kragen des Arztes, und weiter ging es in scharfem Trab, bis die österreichischen Posten erreicht waren. Und so kam es, Oesterreich war damals noch nicht der Genfer Convention beigetreten, daß Dr. Friedländer dann den Rest des Feldzuges als Kriegsgefangener, in Krakau interniert, zubringen mußte.

* Untrügliches Zeichen.Nun, Frau Nachbarin, hat sich Ihre ostpreußische Amme während ihres zweimonatlichen Aufenthalts in Berlin schon ein wenig mit den großstädtischen Verhältnissen vertraut gemacht?"Vollkommen. Gestern hat sie bereits eine Lohnerhöhung gefordert!"

* Kaserneuhofblüthe. Feldwebel (zu den Rekruten): Nur Courage, Jungens! Alexander de^ Große ist auch nicht an einem Tage Feldw ebel geworden!"

* Trost. A.:Meinem Sohne wurde aus der Mensur die Nase abgehauen." B.:Trösten Sie sich, er wird ja Staatsdiener, da kriegt er Nasen gerade genug!"

rinivcrfitäts - Nachrichten.

Für das Fach der Geschichte hat sich in Marburg Privat- docent Dr. Karl Wenck habilitirt. Die Antrittsrede behandelte den historischen Kern der Elisabethlegmde.

Prof. Dr. Brückner, bisher Lehrer an der Universität Dorpat, ist nach Jena übergesiedelt.

Privatdocent Ebert in Erlangen ist als Director der Stern­warte nach Frankfurt a. M. berufen.

Schiffsnachrichten.

Bremen, 15. Juli. sPer transatlantischen Telegraph^ Der Schnelldampfer Saale, Capitan H. Richter, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 4. Juli von Bremm und am 6. Juli von Southampton abgegangen war, ist gestern 9 Uhr Vormittags wohlbehalten in Newyork angekommen.

Bremen, 15. Juli. sPer transatlantischen Telegraph^ Der Postdampfer Weimar, Capitan H. Heinecke, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 2. Juli von Bremen abge­gangen war, ist gestern 10 Uhr Vormittags wohlbehalten in Baltimore angekommen. ___________

Der PostdampferWesternland" derRed Star Line" in Ant­werpen ist laut Telegramm am 14. Juli wohlbehalten in Newyork angekommen. ______________________

Verkehr, Canb» uitö Volksrvirthschaft»

Witten, 14. Juli. DasWittener Tageblatt" erfährt von unterrichteter Seite, daß die Eisenvahnoerwaltung Kohlenwagen, die bisher nur mit 200 Ctr. beladen werden durften, so hat einrichten laffen, daß sie jetzt 300 Ctr. fasten können.

Schutz geae« Stechfliege«. Es dürfte jetzt in der heißen Jahreszeit, wo die Belästigung der Thiere durch Bremsen, Mücken und Stechfliegen arg ist, wohl manchem Thierfreund willkommen fein, einige Mittel zum Schutze kennen zu lernen. Nach Martin wirkt eine Mischung von 64 Gramm Asa foetida mit 0,2 Liter Weinessig und 0,40,5 Liter Wasser unfehlbar. Diese Lösung wird mittelst eines Schwammes auf jene Stellen der Hausthiere auf­getragen, die am meisten dm Fliegmstichen ausgesetzt sind. Femer seien Waschungen mit dem Absud von Wallnußblättern bemerkt. Ferner sind gegen die Stiche der Zweiflügler Waschungen mit Wallnußblätter-Absud anzuwenden. Die Wallnußblatter koche man in Essig und nehme alle 14 Tage eine Waschung vor. Verdünnter Tabak-Absud (1 Theil Tabak und 3040 Theile Wasser), verdünntes Benzin oder Petroleum haben ebenfalls eine gute Wirkung. Auch das Einreiben der Theile mit frischen Kürbisblättern soll die Jnsectm fern halten. A. Böhm in Pribyslau theilt Folgendes mit: Am 29. Juni erntete ich Heu und fand gleich bei Einbringung der erstm Fuhren, daß das vorgespannte Handpferd, ein Schimmel, so von Fliegen zerstochen war, daß ihm das Blut an der Brust, am Bauche und an den Beinen förmlich herunterrann. Da mich das Thier dauerte, ließ ich anhalten, gab in ein Gefäß Vs Liter Wasser, mischte hierzu ca. 12 Dekagramm Carbolsäure, ließ damit dem Thiere die zerstochenen Stellen abwaschen und fand, trotzdem dasselbe den ganzen

Nachmittag angestrengt wurde und schwitzte, daß die Fliegen nunmehr fern blieben, weshalb dieses einfache Mittel, als erprobt, Pferde­besitzern bei ähnlichen Anlässen bestens empfohlen werden kann. Vielfach empfohlen wird auch folgendes Mittel: Man nehme Aloe, Koloquinten, Ochsengalle, Raute und Weihrauch, von Jedem gleich viel, laste sie in etwas Oel kochen und seihe sie schließlich ab. Beim Gebrauche streiche man den Ochsen oder Kühen etwas von der Salbe an solche Stellen des Körpers, an welchen sich die Fliegen am meisten ansetzen.

Stachelbeere« einzumache«. Nachdem die Beeren geputzt sind, brühe man sie mit kochendem Wasser, laste sie in der Sonne gut trocknen, fülle sie dann in gut geschwefelte Flaschen und ver­korke dieselben. Die so aufbewahrtm Stachelbeeren halten sich vorzüglich.

Himbeersaft. Gut reife Himbeeren werden ausgelesen und gereinigt, in einem steinernen Topf mit einem Holzlöffel zerdrückt und acht Tage der Gährung überlasten. Schimmelbildung muß dabei durch häufiges Umrühren und durch Abschluß der Luft verhindert werden. Nach dieser Zeit preßt man den Saft ab, bringt ihn in einem breiten und flachen Kessel zum Feuer, wobei man auf ein Kilogramm Saft ein bis zwei Kilogramm Zucker, je nach Bedürfniß, hinzugibt, und läßt recht kräftig kochen. Der Schaum wird abgeschäumt und der erkaltete Saft in Flaschen gefüllt.

Citeratur und An,ist.

Sommerfrische Du Zauberwort für Alt und Jung, welch eine Fülle herrlicher Erinnerungen weckst du in den Herzen aller Erholungsbedürftigen. Sie ist wieder da die wonnige Zett, da das Ränzel geschnallt wird und der arbeitsmüde Mensch hinaus­fliegt aus der (Stuben dumpfer Enge in die sommerschöne Gottes­welt, all die großen und kleinen Sorgen weit hinter sich zurücklassend. Die schwierigen FragenWohin gehm wir" undWas nehmen wtt mit" machen uns keine Beschwerden, dann den Ort auswählen, welcher am geeignetsten ist, die Reisetasche packen, so daß nichts Nöthiges vergessen wttd, dabei hilft uns unsere Freundin in Freud und Leid, unser treues Blatt Ha«-". Doch nicht allein das, sie begleitet uns auch hinaus auf unseren Landaufenthalt und wird bei ihrem jedesmaligen Erscheinen aufs Neue jubelnd begrüßt, erweist sie sich doch vor Allem hier als unerschöpfliche Beratherin. Hier schildert sie Liebhabern von Blumen in eingehendster Weise das Pressen derselben, dort bringt sie eine hübsche einfache Arbeit, mit welcher Daheimgebliebene erfreut werden sollen, da erleichtert sie der Hausfrau durch vortheilhafte Speisezettel das Kochen an heißen Tagen, sie belehrt und unterhält Groß und Klein und nicht zu viel gesagt, auch mancher strenge Herr und Gebieter greift lächelnd einmal nach dem Blatt, welches seiner Frau so unentbehrlich ist und ertappt sich dabei, daß er mit großem Eifer die Zeitschrift vom Anfänge bis zum Ende durchgelesen hat, um dann das Interesse seiner Frau erklärlich zu finden. Dieses ausgezeichnete Blatt, welches sich vermöge seines billigen Preises vierteljährlich 1 Mark in allen Kreisen Ein­gang verschafft hat, empfehlen wir daher gern aufs Neue. Eine Probenummer wird von jeder Buchhandlung, sowie von der Geschäfts­stelleFürs Haus" kostenfrei abgegeben.

Die Bildermappe für H«nstfre«n-e, welche eine Sammlung der vorzüglichsten Holzschnitte aus derGartmlaube" enthält (Leipzig, Verlag von Emst Ketts Nachfolger), beweist durch die vorliegende zweite bis vierte Lieferung wieder, daß dies Volks­blatt, abgesehen von den Vebutm und zeitgeschichtlichen Bildern, auch einen künstlerisch werthvollen Schatz besitzt in den nach den Gemälden namhafter Künstler ausgeführten Holzschnitten. Von den Genremalern sind mehrere hervorragende Meister vertreten; wir finden u. A. sehr anmuthende Bilder, welche diesem Bereiche angehören: Das entflohene Modell" von B. Vautier mit den vielen reizenden Mädchenköpfen;Der Erstgeborene" undDer Antrttt zum Tanze" von Franz Defregger, Bilder aus dem Volksleben der Alpenbewohner, welche echte Lebensfreudigkeit athmen und seltene Meisterschaft be­weisen in der Auffassung volksthümlicher Characterköpfe;Böse Zungen" von Klaus Meyer, ein modernes Hexenbild, auf welchem wir drei Klatschbasen bei der Arbeit sehen am brodelnden Hexenkeffel der Verleumdung, und E. SpitzersDie Lehrerin kommt", eine ergötzliche Darstellung der chaotischen Zustände in der Zwischenstunde einer Mädchenschule. Eine Art von geschichtlichem Cultur- und Genrebild ist das Bild von I. F. HmningsBeim Wttth zur goldenen Sonne", in welchem wtt Lichtenstein-Kürassiere und andere Gäste in einem Waldwirthshause zechen sehen. Bestellungen auf die Bildermappe für Kunstfreunde, welche in 10 Lieferungen zum Preise von je 1 Mk. vollständig erscheint, werden jederzeit in den meisten Buchhandlungen angenommen.

Fenilleton

Licht.

Novellette von D. Freiin von Spättgen.

(Nachdruck verboten.)

Weit draußen am äußersten Ende von Williamsbourgk, einem Stadttheile Brooklyns, dort, wo die Straßen- und Häuserreihen bereits durch ausgedehnte Wiesenflächen und üppige Obstplantagen unterbrochen werden, so daß die Be- zetchnungStadt" daselbst eigentlich nicht mehr zutreffend erscheint, weil die Gegend schon allmählich den Character des Ländlichen annimmt dort steht eine Reihe allerliebster, hüttenartiger Häuschen, deren Gesammtheit wegen der Zier­lichkeit und Gleichheit der Gebäude im VolksmundeDolly Ward" (Puppensteig) benannt wird. Diese Miniaturvillen, eine aufs Haar genau so wie die andere, mußten unzweifel­haft aus der Hand desselben Baukünstlers hervorgegangen sein, der sie, wohl mehr um einer flüchtigen Laune zu ge­nügen, als um praktische Behausungen zu schaffen, aus der Erde hervorgezaubert haben mochte.

Jedes der Häuschen war mit einem niedlichen Vor- aärtchen, einer Art Veranda, woraus die Hausthür mündete, und einer grün angestrichenen, hölzernen Treppe versehen, deren Geländer ein säst elegant zu nennendes Schmtzwerk auswteö. Das Innere einer solchen Villa bestand aus nur zwei größeren Zimmern im ersten Stock, sogen, ^rlours, drei Mansardenstnbchcn und der großen, Hellen Küche im

Merkwürdiger Weise stand nur äußerst selten ein Häuschen der Dolly Ward zu vermiethen. Die meisten derselben be­fanden sich schon seit vielen Jahren in festen Händen, was ihr Aeußeres auch fast durchweg verrieth. Die Gärtchen zeigten sich auf das Sorgsamste gepflegt, ihre schmalen Gange waren mit rothem Kies bestreut, während verschiedenes femes

Strauchwerk die etwas primitiven Staketenzäune, welche die Grundstücke von der Verkehrsstraße trennten, verdeckte und dadurch eine Art hübsche lebende Hecke bildete. Rosen und andere duftende Blumen erfreuten im Sommer das Auge der Vorübergehenden und die stets blitzblank geputzten Fenster­scheiben und sauberen Gardinen vollendeten den guten Ein­druck, den diese Villen auf den Fremden ausübten.

Die Bewohner von Dolly Ward, zum Theil bejahrte Leute, welche sich nun ins Privatleben zurückgezogen hatten, zum Theil Angestellte großer Geschäfte von Brooklyn und Newyork, welche ihrer Familie wegen die bei Weitem billigeren und gesünderen Wohnungen hier draußen dem Geräusch und dem Staube der Großstadt vorzogen, und einige alte Fräu­leins, welche Pensionäre hatten, bildeten eine förmliche feste Clique, so daß auf Dolly Ward jeder neue Ankömmling an­fänglich allseitigem Mißtrauen begegnete.

Im Anfänge des Frühlings 188 . war Mr. Holstein, der deutsche Eigentümer des Häuschens Nr. 9, plötzlich ge­storben und bald daraus hatte seine Wittwe den guten Be­kannten von rechts und links Lebewohl gesagt, weil sie ihren Aufenthalt fortan nach Jersey City zu einer verheirateten Tochter zu verlegen gedachte. Mr. O'Reilly, der Nachbar zur Rechten, welchem die alte Dame vor ihrem Scheiden die vortheilhafte Vermietung ihres Besitztums noch recht ein­dringlich ans Herz gelegt hatte, hing eigenhändig die weiße SafeQum Fenster^hinaus, auf welcher mit großen Lettern zu lesen stand:to let.

Etwa vier Wochen lang zerbrach man sich in Dolly Ward die Köpfe, wer wohl seinen Weg hier heraus nach dem entlegenen Theile von Williamsbourgk nehmen würde, denn die guten Leute der kleinen Villeneolonie waren äußerst ex­clusiv und fürchteten begreiflicher Weise das Niederlaffen des ersten besten Rowdie in ihrer friedlichen Ansiedelung. Da verkündete Mr. O'Reilly eines Morgens einer wißbegierigen Dame, daß des seligen Holsteins Häuschen vermietet worden sei und die neuen Bewohner, in Gestalt von Mutter und

Tochter, demnächst schon eintreffen würden. Das gab natür­lich viel zu reden. Allein auf alle an ihn gerichtete Fragen vermochte Mr. O'Reilly keine weitere Auskunft zu geben, als daß beide Damen sehr respectabel aussähen und gebildet schienen.

Vier Tage später war die kleine Villa von den neuen Bewohnern bezogen.Wer mag das wohl sein? Weßhalb kommen Leute, die solch eine Masse von eleganten Möbeln mit sich führen, hier heraus? Die Geschichte gefällt uns nicht das hat sicher noch einen Haken!"

So flüsterte man sich gegenseitig zu nach dem Eintreffen von Mrs. Northland und ihrer selten schönen Tochter auf Dolly Ward. Nachdem jedoch zwei und drei Monate ins Land gegangen und die beiden Damen trotz ihrer großen Zurückhaltung bekannter geworden waren, fing man an, sie gerade um ihrer Zurückhaltung und vornehmen Würde willen mit anderen Augen anzusehen und nun sagten die Nachbarn von rechts und links unter sich:Feine Leute sind es offen­bar, das bezeugt ihr ganzes Auftreten, allein wovon leben sie?"

Nach amerikanischen Begriffen hat das WortArbeit" die höchste und ehrendste Bedeutung und nur Der gilt als angesehen, welcher auf irgend welche ehrliche Weise durch eigene Arbeit sein Brod erwirbt. Die reichen Leute arbeiten aus angeborener und anerzogener Lust am Schaffen, die Un- bemittelten, um reich zu werden. Müßiggang gibt es in den Vereinigten Staaten nicht und wer sich ihm hingibt, hat Mißtrauen zu fürchten über die Art, durch die er sich seinen Lebensunterhalt erwirbt. Da nun Mrs. Northland und ihre Tochter außer einer gelegentlichen Fahrt nach Newyork keine besondere Beschäftigung zu haben schienen, so war das selbst­verständlich auch ein Grund, sich über die Lebensweise der beiden Damen aufzuhalten.

(Fortsetzung folgt.)